zum ansehen

2046

foto: 2046, filmstill

_der film:
eine subjektive liste. gesehen und für wiedersehenswert befunden. keinesfalls aber objektive anschauungen.

° last life in the universe, pen-ek ratanaruang, 2003.

wie ein film die ganze alltägliche hektik ausklammern und sich auf die poesie der dinge zwischen zwei so verschiedenen menschen konzentrieren kann! der mann putzt das haus der frau. aber man sieht ihn nicht putzen, sondern die herumliegenden dinge schweben um die durch das haus laufende frau sanft zurück an ihren zugedachten platz. die perfektion des einen trifft auf die nachgiebigkeit der anderen und verbindet sich in anmut…

° ploy, pen-ek ratanaruang, 2007.

die beeindruckende ruhe eines hotels, zweier paare in parallelen zimmern, kosmen eigentlich und eines mädchens, das zwischen beiden träumend vermittelt. die normalität kann so voll sein, wenn zeit für das sinnliche ausforschen bleibt. dann ist auch sexualität das normalste von der welt…

° don’t come knocking, wim wenders, 2005.

der dialog zwischen zwei menschen, die nur so – nämlich als paar im richtigen leben – auch im film authentisch mann und frau sein können. ein streit, der voller witz ist, weil sie sich so gut kennen, und gerade noch so im film, in der fiktion bleibt, beinahe ausbricht, beinahe…

° der himmel über berlin, wim wenders, 1987.

mein erster wim wenders. aber vor allem die konstellation aus himmlischer demut, fleischlichem willen und zwingendem hintersinn in drei ganz und gar echten figuren. eine metapher ohne gleichen…

° 101 reykjavik, baltasar kormákur, 2000.

eine geistreiche und experimentierfreudige parodie auf das nordische gemüt. leichte unterhaltung, die stilsichere “seitensprünge” nicht auslässt…

° fight club, david fincher, 1999.

einfach gut. der von mir meisgesehene. die freude an der komplexität und vielschichtigkeit filmischer welten. der spaß am hinterwitz zwischen brutalität und komik. am meisten aber die identifikation mit der frage: was macht der mann, wenn er nicht jäger sein kann? nein, kein frauenfeindlicher film…

° the matrix, wachowski brothers, 1999.

the first, the best, the one. die restlichen zwei teile sind schmückendes beiwerk. eine idee kann verführerisch sein. je nach lesart und gedankenhorizont ist die metapher, nicht die bildwelt an sich, das am weitesten tragende konstrukt des films, das in der gesellschaftskonstruktion der jetztzeit absolut relevant ist. täuschungen eingeschlossen…

° in the mood for love, wong kar wei, 2000 / 2046, wong kar wei, 2004.

von schwarz-weiß nach farbe. v0n einer geschichte in der vergangenheit zu einer geschichte in der zukunft. über die liebe und deren ausdrucksformen erzählen beide filme impressionistisch und sinnreich. die menschen und die stadt, das hotel und die bars, alles fließt in den strom der bewunderung…

° old boy, chan-wook park, 2003.

ein brutaler film mit einem harten riss in der handlung. aber ein film mit sanften zwischentönen und guten kontrasten. auch solchen, die in das setting nicht wirklich hineingehören und dennoch ihre aussage nicht verfehlen…

° before sunrise, richard linklater, 1995 / before sunset, richard linklater, 2004.

mein erstes vages traumbild von der liebe. vielleicht die europäische variante von in the mood for love / 2046. auf jeden fall zwei schöne städte, wien und paris, die natürlich mit liebe assoziiert werden und zwei schöne begegnungen, die als liebesgeschichte inszeniert sind. das tatsächlich schöne sind die begebenheiten dieser begegnungen, wie sich alls fügt und wie das interesse aneinander einen weg findet…

° the usual suspects, brian singer, 1995.

weniger die inhaltlichen aspekte und die stellenweise sogar schlechte inszenierung als vielmehr die narrativen schichtungen und die einzigartige zuspitzung auf das finale klimax hin sind grund gewesen diesen film mehr als einmal zu sehen um ihn besser zu verstehen. wie die rationale eigenmütigkeit des detektivs ad absurdum geführt wird von der emotional weitgereisten überlegenheit des kriminellen, der zu jeder zeit alle fäden in der hand hält: it’s all there…

° paris, texas, wim wenders, 1984.

das vielgeliebte amerika des wim wenders. die blonde frau mit roten lippen und der einsame cowboy, der aus der wüste kam. aber: es gibt ein kind, es gibt eine viel zu europäische geschichte als eine historie, die viel zu schwer für das leichtsinnige amerika ist, das ja eigentlich auch nicht amerika, sondern die vereinigten staaten ist. ein wunderbarer film, weil er die stille und kraft aufbringt das innerste in mir zu tränen zu rühren…

° the italian job, f. gary gray, 2003.

ein wahrhaft smoother film für liebhaber rythmischer soundtracks. und ein film für liebhaber von charlize theron. na gut. ihr stimme mit dem südafrikanisch afrikaans-getragenen vokal trägt symphatie. auch der rest der mannschaft ist “handsome”. der film ist einfach gut gestrickt. gut geschnitten. gut aufgelegt. er macht spass. auch beim fünften mal…

(das original von peter collinson, 1969, sollten sich nur echte fans oder vertraute britischen schwarzen humors ansehen…)

° lisbon story, wim wenders, 1994.

die welt durch die augen – nein, ohren – eines sounddesigners. herrlich! der ohrenscheinlich schwelgende mann mit dem micro am langen ausleger in der hand auf einer mauer sitzend im sonnendurchfluteten lissabon…

° 19, kazushi watanabe, 2000.

einfach ein wundervolles roadmovie. egal, ob der regisseur damals 19 oder 91 war. die kurzsichtige weitsichtigkeit dreier schwer durchschaubarer japanischer halunken, die ebensogut schwiegersöhne auf abwegen sein könnten, imponiert und inspiriert. halb anarchisch, halb pittoresk tradiert und gern auch ein drittes oder fünftes mal…

° swimming pool, françois ozon, 2003.

auch ein europäischer film kann dahinfließen, allerdings fast ersticken in sonnenverbrannter dekadenz. ob das prickeln der wassertropfen auf schöner haut den überdruss des eigenen dasein der akteure aufwiegen kann, muss der betrachter selbst entscheiden…

° beruf: reporter (the passanger), michelangelo antonioni, 1975.

der film mit einer der unnahbarsten schönen frauen und der nahbar schönsten einstellung zum ende des films. der rest ist die inszenierung einer flucht mit anderen mitteln des protagonisten, die wiederum durch einige verführerische filmische mittel in szene gesetzt wird…

° taxi driver, martin scorsese, 1976.

taxis in new york, der mutmaßlich meistabgebildeten metropole der welt, sind im film beliebt. hier durchläuft der protagonist eine weltverfremdung hin zu einer art terroristen lange bevor man in aller welt diese vision abbildet. gezeigt und gesagt wird, dass man new york und keine andere metropole der welt aufräumen kann wie das heimatdorf, dafür aber ein anderes gleichgewicht finden kann, hier versinnbildlicht in gestalt der frühen jody foster…

° cube, vincenzo natali, 1997.

referenzen in alle erdenklichen richtungen: der menger sponge, der kubik-würfel. in einem kruden mechanischen makrokosmos, in dem die probanden ihren lebensweg hinterfragen müssen um den ausweg zu finden. die reduktion des raumes auf ebendiesen kosmos und keine anderen stilistischen mittel schärft die spannung. eine cinematografisches geduldspiel… teil zwei sollte jeder für sich bewerten.

° thx 1138, george lucas, 1971.

sein erster. hier wie teils bei cube wieder aufgelesen die reduktion auf in diesem fall klinische räume. und die reduktion des menschen auf die mechanische und chemische bedienung seiner bedürfnisse. bedienung, weil nichts selbst erfahren wird. einige wollen ausbrechen. und sind doch im system, in diesem mechanismus ihres lebens gefangen. viel wahrheit über die dienstleistungsgesellschaft…

° die die zeit die bleibt, françoise ozon, 2005.

eigenartig schön. die poesie der menschen und dinge, die jemandem bleiben, der weiß, dass er sterben wird und die in der hinwendung umso schöner werden. ein hoch auf echte gefühle, auf echte zeit, auf das bei-sich-sein.

° lichter der vorstadt, aki kaurismäki, 2006

ein regisseur kann selbst in einer “trilogie der verlierer” das leben so poetisch in bildern erzählen, dass einem der atem stockt. jede einstellung stimmt und es bedarf inn der tat einer besonders überzeugten einstellung, sich der poesie des gleichmuts hinzugeben und gerade dadurch prägnant zu erzählen.

° frühling, sommer, herbst, winter… und frühling, kim ki-duk, 2003.

was banal beginnt, wird irgendwann durch die hintertür immer fesselnder. in der tat öffnen sich in diesem film türen, die nicht geöffnet werden müssten. gerade das aber ist das spannende. hinter allem steckt eine (buddhistische) weisheit. der lauf des lebens ist ein sinnbild kindlicher unbedarftheit und er kehrt auch dahin zurück. mit diesem film kann einem ein stein vom herzen fallen…

° zabriskie point, michelangelo antonioni, 1970.

passend zur tagessituation, stellt dieses road movie fast traumtänzerisch die grundbedingungen der westlichen kultur mit z.t. abrupt entlehnten bildästhetischen mitteln zur disposition. die dekonstruktion verharrt zwischen ungelösten studentenkonflikten und singulärer kapitalismuskritik auf dem ambivalenten motiv des american girl. ziemlich zeitnah, tagesaktuell sozusagen…

° i’m a cyborg, but that’s ok, chan-wook park, 2006

ich beginne die asiaten zu lieben. banal und harmlos beginnt die geschichte und stück für stück entfaltet sich ein feuerwerk der verschränkungen und zwischentöne bis ich an irgendeinem punkt mittendrin und gefesselt bin. der titel sagt es aus, es ist alles nicht so schlimm und doch kann ich alles daran lesen.

° sparrow, jonnie to, 2008.

so leicht kann taschendiebstal sein. ein tanz auf dem kleinen feinen ast des lebens. zwanglos und unverkrampft. typisch asiatisch mit jeder menge finesse und verfremdung. die hat ihren reiz und schafft so aufschlussreiche kontraste, die das realismuskino der westlichen welt erstmal verstehen muss.

xxx

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