Bertram Weisshaar meets Jeff Wall

am 9.9.2010 um 19 uhr war bertram weisshaar zu gast im lipsiusbau anlässlich der ausstellung ‚transit‘ von jeff wall:

themenseite der staatlischen kunstsammlungen dresden

hier eine persönliche zusammenfassung des vortrags zur promenadologie (spaziergangswissenschaft oder engl. strollology) von herrn weisshaar, einem schüler des ‚erfinders‘ selbiger wissenschaft lucius burckhardt.

ich verweise vorweg schonmal auf:

wikipedia-eintrag zur promenadologie

darin befinden sich am unteren ende der seite auch links zu seiten über projekte unter anderem von bertram weisshaar.

fotos von herrn weisshaar aus der arbeit in projekten z.b. auf:

spziergangswissenschaft.de

im anhang illustrierende skizzen und mitschriften meiner selbst, für deren lesbarkeit ich keine haftung übernehmen möchte

zum vortrag ist es wichtig zu wissen, dass dieser seine legitimation aus der gegenüberstellung des spazierengehens mit der fotografie schöpfte – sozusagen zweier aneignungsmedien. bertram weisshaar war selbst lange zeit (industrie-)fotograf.

zu jeff wall sage ich bewußt nicht mehr als dies: in den fotografien geht es um die an- oder abwesenheit des sozialen, des menschen und seiner spuren in einem statischen moment. bertram weisshaar verkörpert selbst den übergang von einem 2dimensionalen statischen bildmedium zu einem 3dimensionalen format der körperlich-sinnlichen dynamischen aneignung. er legte seine motivation hierzu als präambel des vortrags dar und stellte das spektrum seiner nunmehr freischaffenden tätigkeit anhand ausgewählter projekte vor (u.a. ein reisestipendium mit eurolines-bussen zu busbahnhöfen in ganz europa oder die auseinandersetzung mit tagebaufolgelandschaften der braunkohle und des uranerzes). nachher gab es eine knappe diskussion über drängende fragen.

wesentlich ist meines erachtens die aussage, dass das spazierengehen mehr noch als das fotografieren einen physischen gesellschaftlichen ‚vor-ort-diskurs‘ über die kulturelle bildproduktion erlaubt, allgemeingültige, mitunter medial vorgegebene bilder (ready-mades) anhand genaueren hinsehens, sich einlassens, aneignens, in frage zu stellen und durch die wahrnehmung gerade als gruppe wirklichkeitsnähere bilder von unserer umwelt zu generieren. die spaziergangswissenschaft ist bei burckhardt aus der landschaftsgestaltung entstanden, deshalb zu empfehlen:

„Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft“, Berlin, 2006

dort war die kernfrage stets auch die nach der relevanz gegenüber planungsmechanismen, die in bezug auf ökologie, ökomnomie, städtebau & verkehr, etc. staatsdoktrinären mechanismen und damit zumeist einem beengten leittbild bzw. dem entzug aus gesellschaftlichen foren unterliegen. d.h. darin liegt eine politische notwendigkeit, die weisshaar allerdings aus ihm bewußten gründen dem ‚zufall‘ übergibt. nicht minder ist diese wissenschaft, respektive form der aneignung, erkundung, diskussion für die gebaute umwelt der stadt relevant und kann so folgerichtig auf phänomene und diskurse der stadt dresden angewendet werden. etwa die dringend fragwürdige ‚bildproduktion‘ (und deren einfluss auf stadtentwicklung) durch das stadtmarketing.

das spazierengehen unterscheidet sich im übrigen wesentlich vom wandern durch das zurückkehren zum ursprung. der begriff des ‚körper-raum-zeit-masstabes‘ kristallisierte sich an dieser stelle als sozialer nukleolus des vorhabens.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s