g-zg

am 9. und 10.10.2010 war ich ein viertes mal in görlitz. auf reisen mit dem herbert-wehner-bildungswerk. eine richtig spannende exkursion!

die erste erkenntnis – europa hat in görlitzzgorzelec ein gesicht:

europa

aber keinen gemeinsamen internetauftritt … sondern lediglich eine von deutscher seite betriebene entwicklungs gmbh.

vor dem kulturhaus in zgorzelec steht der stein, der die europastatt görlitz-zgorzelec markiert. die zwei bäume als symbol sollen schon dem vandalismus zum opfer gefallen sein, aber der stein ist unverwüstlich. ist europa genauso beständig? das kulturhaus war mal eine ‚ruhmeshalle‘.

#

dies von mir hier beschriebene sind metaphorische aspekte meiner *kulturinventur*, die kulturelle potentiale in sich tragen, wie sie mit literarischer finesse italo calvino in seinem wundervollen buch ‚die unsichtbaren städte‚ aufzeigt und die einen die stadt mit anderen augen sehen lassen können! hinter der ästhetik, dem wahrnehmen, schlummert etwas, das erkennen… vielleicht ein vaages bild.

#

gemäß programm wurden wir ‚gut geführt‘. am tag 1 komplimentierte uns zunächst braumeister herr schäfer technisch korrekt und gewitzt in die landskron-brauerei, am nachmittag führte uns der pädagoge matthias voigt politisch-historisch durch görlitz, später erklärte uns die journalistin anett böttger vom förderkreis görlitzer synagoge e.v. kontrovers die synagoge. am tag 2 geleitete uns michael winter vom europahaus geistreich politisch-historisch nach zgorzelec und magdalena maruck vom willy-brandt-zentrum der universität wroclaw zog uns heldenhaft geschichtspolitisch durch das schlesische museum. auch kulinarisch und in bezug auf die unterkunft waren wir gut ver/geführt.

#

zur stadt görlitz-zgorzelec und den thematischen führungen fällt mir zuerst ein detail ein:

zwischen der landskron-brauerei und görlitz herrscht die parallele, dass beide baulich sehr geschlossen, ja kompakt, wirken und sich sichtbares mit unsichtbarem mehr als anderswo balance hält – beide sind baulich von besonders tiefen, mehrstöckigen, kellern geprägt. grund dafür war die lagerhaltung bei konstant tiefen temperaturen im fall der brauerei bzw. schlicht der bedarf an lagerkapazität (und feuerschutz?) im falle der hallenhäuser. darin verbirgt sich ein raumpotential, das aufgrund baupolizeilicher regeln und finanziellen mehraufwands in der innenstadt bislang zu großen teilen ungenutzt bleibt; wohingegen in der brauerei da unten reger verkehr (zweispurig) herrscht.

#

in fünf sehr unterschiedlichen führungen von fünf ebenso unterschiedlichen menschen sind mir unzählige bislang unbekannte informationen über görlitz-zgorzelec vermittelt worden. im skizzenbuch füllen diese samt skizzen zwölf seiten plus die hier eingestellte dia-schau. doch schon hier drängt sich die frage auf: was von alledem erzählt eine geschichte von görlitz-zgorzelec? ganz verschiedenes hat mich auf diesen stationen und den eigenen gängen berührt, aufweckt. wieviel weiss ich schon über die doppelstadt an der neisse? die orte und das wissen um sie wurden mir mehr oder weniger zugänglich anhand der art der vermittlung. die methode spielt eine rolle und die gruppe. gut zu erkennen war die tatsache, dass das diskutieren über einen mitunter auch persönlichen standpunkt viel mehr einsicht und anteilnahme erzeugt als das bloße weitergeben von fakten. wissen ist dynamisch und vor allem sinnlich-explorativ. das zu nutzen macht dann erst richtig spass.

#

die zweite wirklich bemerkenswerte information bildet eine überlieferung einer polnisch-schweizerischen künstlerin: görlitz sei die tote schöne stadt – zgorzelec sei die lebendige hässliche stadt. dies liesse sich vortrefflich überlagern mit kolportierter umgangsprache – görlitz als der ‚wilde osten‘ oder die ‚erste sonne‘ deutschlands – zgorzelec als der ‚wilde westen‘ oder die ‚abendsonne‘ polens. eine dialektische stadt(kultur).

wo sind also orte und schnittstellen für begegnung?

#

das europahaus hat mit dem projekt wir°my und michael winter einen umtriebigen vermittler, der begegnung als kulturproduzent vor allem für junge leute (vor)lebt. er ist nicht der einzige. auch fokus festival unter dem second attempt e.v. hat mit markus rüssel einen ehrenamtlichen jungen und umtriebigen mittler der jugendkultur. wenn also das fokus festival 2010 im alten schlachthof in görlitz parallel zum volksfest am kulturhaus in zgorzelec läuft und die jugend auf beiden seiten nicht wirklich interesse/wissen an/voneinander hat, dann haben unterschiedliche kulturräume unterschiedliche leit- und sinnbilder – dann ist noch viel zu tun!

#

zuletzt bitte ich, sich einmal von den bildern leiten und inspirieren zu lassen… anregungen zu eigenen metaphern?

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements

Ein Gedanke zu “g-zg

  1. Greetings, this is a genuinely absorbing web blog and I have cherished studying many of the content and posts contained on the web site, keep up the outstanding work and desire to read a good deal more stimulating articles in the future.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s