Sachsenbad: Ein Abriss – zur Konjunktur des Verschwindens

[foto: Felix Liebig, 1.4.2011]

[ENTWURF]

Das Sachsenbad steht wie ich finde in einem unhaltbar negativen und polarisierten öffentlichen Licht. Was die meisten Menschen aufgrund der Meinungshoheit von Politik und Medien nicht kennen, ist das hohe soziokulturelle Engagement, dessen sich das Bad seit seinem Bau bis heute in Pieschen erfreut. Ich möchte diesen Strang beinahe ungesehener Aktivität im Sinne einer mündigen Bürgerschaft hier parallel zu den öffentlichen Berichterstattungen darstellen. Deshalb stelle ich Korrelationen zwischen der medial und politisch geführten Debatte um das Bad und den tatsächlichen soziokulturellen und kulturwirtschaftlichen Aktivitäten vor Ort in den Mittelpunkt der Argumentation. Es ist meines Erachtens dringend notwendig in diesen Diskurs sowohl das Expertenwissen der Planer als auch dasjenige Expertenwissen der Bürger einzuführen!

1927 war der Entscheid zum Bau des Sachsenbades ein Meilenstein sozialer Verantwortung; heute – im Jahr 2011 – wird das alte Volksbad in Politik und Medien behandelt wie ein kultureller Sündenfall.

Was ist geschehen?

Damals waren die Goldenen Zwanziger beinahe vorbei. Nur wußte das noch niemand. In einem Jahrzehnt erster demokratischer Gehversuche in Deutschland war für Dresden die Stadterweiterung am Arbeiterviertel Pieschen eine Chance zum Verwirklichen von sozial aufklärerischen Idealen. Schon zwei Jahre später wäre dies vielleicht nicht mehr möglich gewesen.

Heute ist die sogenannte Wende zwanzig Jahre her. Die existenziell geführten gesellschaftspolitischen Interessenkämpfe sind lange beigelegt. Auch das ist noch nicht allen klar. In einem Zeitalter steigender Kluft zwischen Trägern soziokultureller und denen wirtschaftspolitischer Belange bei der Verwendung öffentlicher Finanzen gehen die Grundlagen der Demokratie in allen Lebensbereichen baden. Jeder Strohhalm einer Idee wird als Vision verkauft.

Wenn ich von einer „Konjunktur des Verschwindens“ spreche, dann meine ich die Umkehrung eines gestalterischen Prozesses in das Negative. Mit dem Bau des Sachsenbades ist ein positiver Impuls für eine den Stadtteil Pieschen stark beeinflussende Entwicklung, ein soziales und kulturelles Wachstum gesetzt worden. Das Ensemble der von Stadtbaurat Wolf entwickelten Siedlung um das Bad verankert diesen Impuls auch baulich-räumlich im Gründerzeitviertel von Pieschen.

Was laut Angaben von Bau-Experten bereits seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts mit dem Sachsenbad passiert, ist das Gegenteil dieses Impulses. In einem steten Prozess ästhetischer und soziokultureller Vernachlässigung wurde das Bad schon zu Betriebszeiten in der Wahrnehmung der Nutzer geschmälert. Als negativer Höhepunkt und quasi Unterschreiten der Nullinie steht in diesem Prozess die Schließung 1994.

Seitdem agieren Bürgerinitiativen wie „Endlich Wasser in das Sachsenbad“, Vereine wie Pro Pieschen e.V. und Aktionen z.B. von der IG Metropole Pieschen gegen diese negative Entwicklung. Dennoch wurde das Bad bei Verantwortlichen in der Politik baulich und als Folgeerscheinung auch in der Argumentation der Medien verbal weiter vernachlässigt.

[ … wird fortgesetzt … ]

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