Sichtbeton Wandmaltage 2011 – Fame Over

2010 hatte ich die Sichtbeton Wandmaltage bei IDEE 01239 e.V. selbst mitorganisiert. Dieses Jahr war ich der Spaziergänger und konnte zusammen mit Jan und Konrad ein sehr dichtes und vielseitiges Bild der Wandkunst im Plattenbau vermitteln.

Fotos gibt es auf der Sichtbeton Website. Filmschnipsel folgt…

Am 13. und 14. August 2011 führte ich die Sichtbeton Stadtteilsafari in Prohlis inhaltlich an.

Die Idee war eine bunte Rundfahrt mit dem Bike durch den Stadtteil Prohlis, auf der neben den diesjährigen Wandmalspots auch die überbrachten Wandkunstwerke aus anderen Epochen gezeigt und diskutiert werden sollten. Während wir am Samstag aufgrund Publkumsmangel noch eine Art Generalprobe liefen, fuhren wir am Sonntag mit Mensch und Wagen auf unseren Rädern los und entdeckten die teilweise Verschüttete oder auch nur vergessenen Kultur der Wandkunst in Prohlis.

Nach einem Einstieg mit einem Zitat aus den Dresdner Heften Nr. 81 *) am Albert-Wolf-Platz erschlossen wir uns auf einer Rundfahrt das Viertel. Wesentlicher Aspekt war nach meiner Ansicht die Aneignung des Areals, der Häuser durch die Bewohner, die mit vielerlei selbstorganisierten und von der Administration mehr oder minder gebilligten Gestaltungsmaßnahmen sich das zunächst äußerst spröde Plattenbauumfeld in einen menschlichen Maßstab verwandelten. Nach der Wände taten dem offizielle und nicht mehr so umfänglich von Bürgern selbst begleitete Wohnumfeldverbesserungen genüge. Dennoch setzten sich wie beim „Freiraum für IDEE 01239“ Bürger und Partner für die Gestaltung der Aussenflächen nach wie vor ein. Die Sichtbeton Wandmaltage bilden dazu eine künstlerische Position der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit den Oberflächen des Stadtteils Wand und Boden.

Auf den Wänden gibt es ein breites Spekturm an künstlerischen Medien, die wir diskutierten und eine lange Historie. Wandmosaiken an Giebelwänden der Zehngeschosser, andkünstlerischen Malereien, informelle und beauftragte Graffitis, z.T. aus früheren Festivals, Tags, Oberflächengestaltungen der Betonwände, Bemalungen von DREWAG-Häusern und die seit letztem Jahr hinzukommenden legalen Arbeiten großer Stilvielfalt von Sichtbeton schmücken die Wände des Plattenbauviertels. Jens Besser ergänzte die Recherche aus dem Off mit diesem Zitat zu einem Festival 1997:

die sachen entstanden im rahmen der sprühfrisch jam – 1997 oder 98 , ich weiss es nichtmehr genau. es sind werke von internationalen malern wie toast (HH), daim (HH), loomit (München) oder der erst kürzlich an krebs gestorbene schweizer writer dare. ebenso finden sich namen an der wand von malern die schon lange nichtmehr in erscheinung getreten sind. wie skena, simo, earl( jena), hesk …

die eingeladenen maler waren das damalige highlight des jams, denn die lokalen kannten sich sowieso untereinander und so ein jam führte da eher zu auseinandersetzungen als zur freude des zusammentreffens – im übrigen immernoch typisch für viele graffitijams. 

Das werk zeugt von einer aktiven jugendszene in prohlis die sich mit graffiti und dem öffentlichen raum beschäftigt hat. man kann nur hoffen das sichtbeton den damaligen geist wiederbelebt, denn die jams zogen viele leute in das randgebiet dresdens und schufen viele bunte flecken im eher tristen plattenbaugrau prohlis‘

Dankenswert war die Vorarbeit von Jan und Jens zum Thema mit viel Material und Wissen sowie die nachhaltige Beteiligung von Kunst+Bau eG, Silvia Lemke, wo am 10. September eine neue Ausstellung zur Kunst am Bau eröffnet wird. Nicht minder wichtig war das Broadcasting von Konrad Behr (Audio) und Sebastian Bellmann (Video), das demnächst noch in einem Filmchen zu sehen sein wird.

—–

*) Artikel „Die Fragen zur Freitaumgestaltung sind in keiner Weise beantwortet“ Zum Leben in Prohlis, Zitat Anita Maas in Dresdner Hefte Beiträge zur Kulturgeschichte, 23. Jahrgang, Nummer 81, 1/2005, Seite 30, Großstadt des Sozialismus? Dresden in den siebziger Jahren.

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