sofa

wohnungsspionagetagebuch

es gibt ja die wohnzimmerspionage.

wohnzimmerspion bin ich schon! nun suche ich selbst eine neue wohnung. und das wird spannend. in dresden ist der wohnungsmarkt seit dem verkauf der WOBA 2006 knapp geworden. das wird nunmehr in zeitungen öffentlich reflektiert und im stadtrat diskutiert. im alltag allerdings bekomme ich es live zu spüren. ich vermute dahinter einen interessanten kulturproduktiven prozess.

deshalb gibt es hier dieses sehr subjektive tagebuch eines wohnungssuchenden kultur!ngenieurs:

8. juli 2011

„ordentliche kündigung“ durch die jetzige vermietung bei der SIB (staatliche immobilien und baumanagement) aufgrund von betriebsbedarf nach §§ 573 BGB (baugesetzbuch). zunächst keine zeit zum kümmern, aber die grundstimmung war lange absehbar. ich bin alles andere als überrascht.

hier der grund für die kündigung, das in der kündigung genannt schreiben dazu seitens unbekannt vom 16.6.2011 blieb mir bis heute unbekannt: wikipedia zu gerhardt-potthoff-bau der tu dresden. mein haus wird als ausweichfläche betriebsbedingt zum lager für bücher der SLUB (sächsische landes- und universitätsbibliothek) umgenutzt. es war ein wirtschaftsgebäude seit 1924 und ist dann wieder eins. menschen mit ausladenden armbewegungen und studenten mit feldbüchern sah ich vorher schon viele und sprach sie auch an. dass was kommt und im gange ist, war schon spürbar.

22. august 2011

sms von einer freundin in der leipziger vorstadt, sie hätte evtl. eine wohnung für mich. das ist doch was!

25. august 2011

anruf bei der firma WDM hausverwaltung, weil ich den tipp zu der wohnung auf der erfurter straße von obiger freundin bekam und ein anderer bekannter dort sogar wohnt und mir ein wenig erzählte.

die dame am telefon sagt mir, dass sie am telefon nichts dazu sagen kann und die wohnung auch noch nicht zur  vermietung frei gegeben sei, da sie noch etwas daran machen wollten. ich zögere, weil zu groß, und will dennoch bei gelegenheit mal im vermietbüro vorstellig werden.

28. august 2011

ich bekomme über dieselbe freundin wie oben einen anruf von einer freundin von ihr. diese hat ein kind und ruft unverwandt bei mir an … ich stocke ein wenig: frau mit kind, was könnte das bedeuten? ich überlege schnell, ob ich auf meiner wohnungssuche mit ihr gemeinsame sache machen soll, und wenn ja, ob eine gemeinsame wohnung oder eine gemeinsame suche sinnvoll sei, denn ich kenne sie überhaupt gar nicht.

ich entscheide mich für letzteres und vermittle ihr, dass ich gerade an der erfurter straße dran sei und ihr ja immermal bescheid geben kann, ich hätte ja ihre nummer und sie habe ja meine.

3. september 2011

eine freundin aus der friedrichstadt vermittelt mir den kontakt zu einem bekannten, der im hecht ein haus ausbaut. interessant!

5. september 2011

ich rufe den mann morgens an und vereinbare spontan den termin am montag abend. er muss noch eine wand verputzen und ruft deshalb an, dass es später wird. ich bin in zeitdruck, weil ich mit freunden zu „gorbitz 3.0“ fahren will. die ganz kurze visite in dem haus ist eindrucksvoll und eine bestimmte wohnung mit kompakten zwei zimmern und ebensolcher küche und bad gefällt mir. ich verfolge das weiter und werde grundrisse und genaue preise studieren. es wird viel eigenarbeit nötig sein und das stellt kein hindernis dar. die sehr persönliche atmosphäre in einem mietshaus muss ich nach acht jahren „eigenheim“ erstmal annehmen… trotzdem eine schöne option.

6. september 2011

9:00

endlich nach monaten der gesprächstermin mit meiner vermieterin und ihrer bereichsleiterin wegen zurückliegender missverständnisse und der kündigung. klare worte an dieser stelle: meine vermieterin finde ich schon immer respektabel, ihre bereichsleiterin ist eine schreckschraube. dennoch ein aufschlussreiches gespräch, das aber eines klar macht: dass ein großer betrieb kein interesse an kleinen mietern hat (und das auch sagt) und damit alle kommunikation keine gemeinsame wellenlänge findet, weil es rationale und nicht humane prioritäten gibt. ich fühle mich erleichert aber auch als rädchen in sehr großen sehr rationalen mühlen. aufhänger: bücher in einem haus ohne heizung lagern, geht das? und wenn nicht, warum konnte man mir keine heizung einbauen? und das thema „freier wohnungsmarkt“, über das ich mich mit meiner vermieterin streite. ich sei hier in einer geschcützten situation. dort wäre es viel härter. aha. so ist’s.

10:00

nicht weit weg an der schäferstraße hat die WDM ihr vermietbüro. ich komme gerade vor 10 uhr. eine andere dame kommt schweren fußes mit handy am ohr die treppe rauf. als die sachbearbeiterin im büro aufschließt bin ich gleich dran. sie bittet mich zum hinsetzen. ich danke. ich frage gradraus nach der wohnung auf der erfurter straße. nein, die sei schon vermnietet. aha. das seien aber andere informationen als am telefon! ja, da müsse man schon mal herkommen. das telefon reiche da nicht. die wohnungen seien so schnell weg. aha, andere quellen. (der bekannte hatte mir zwischenzeitlich die kunde von einer wohnungsbesichtigung gesteckt) und wo sie das wohl publizierten? im internet. was ich denn suche? ich erkläre ihr meine konditionen. sie habe da noch was auf der grunaer straße. und ob sie mir doch bitte ein exposé ausdrucken könne? ich fühlte mich besser damit. nein, wir seien hier nicht bei der gagfah, wo das auf knopfdruck mal schnell ginge. sie solle vorsichtig sein mit solchen anspielungen, ich kenne mich damit nicht so aus…

kurzum: so geht es dann zu auf dem „freien wohnungsmarkt“. klar. so ist das eben. aber das hinterfrage ich eben auch. darf man falsche informationen rausgeben und seiner eigentlich viel konstruktiveren informationspflicht mit verweis auf das internet oder andere wege der recherche nicht nachkommen? warum dieser umweg, dieser herablassende ton allerseits? sitzen die makler also mittlerweile am längeren hebel und die menschen, die eine wohnung suchen, rennen ihnen die bude ein? bin ich naiv?

mir kommt es aufgrund der burschikosen art und stimme so vor als sei dies die dame, die damals 2005 auch meine wohnung für eine liegenschaftsgesellschaft verwaltet habe, die dann pleite ging, sodass der bestand an den freistaat zurückwechselte. ich kannte sie nur vom telefon. sie nämlich hatte mir damals eine wohung in demselben haus an der erfurter straße gezeigt, die ich für ein kunstprojekt anfragte. damals interessierte sich für die erfurter straße keine sau. alles war leer. interessant!

16:00

anruf bei dem mann vom hechtviertel, aber der geht nicht ran. ich spreche auf das band. das gespräch mit einer freundin hat mich zu dem schluss gebracht, diese wohnung ernster zu verfolgen, weil doch vieles daran gut ist. mal sehen.

7. september 2011

beim hechtviertelbaumeister rufe ich selbst zurück. er habe meine nummer nicht mehr. er sei leider so im stress, dass ich mich in zwei wochen nochmal melden solle. ich bekomme bammel und merke, dass mir die bude doch gefällt. ein anruf bei der freundin, die den kontakt vermittelte klärt auf wie sich die dinge verhalten und ich bin wieder beruhigt.

alternativen? ich rufe bei kollegen der treuhändisch städtischen verwaltung in pieschen an, ob sie freie bestände hätte. ich solle nächste woche nochmal anrufen, da dann die hausverwalterin wieder aus dem urlaub zurück sei. die wisse das besser. mal sehen.

nachmittags mehrere versuchte anrufe bei der gagfah wegen einer altbauwohnung, an der ich auf dem weg zum konsum regelmäßig vorbeikomme und die bereits seit jahren (!) leer steht. letztens kamen zwei männer (vater und sohn dem augenschein nach) dort aus dem hof gestürmt als ich gerade meine einkäufe nach hause schleppte. ich zögerte sie anzusprechen und tat es nicht. den kontakt suche ich schnell aber ohne bezugspunkte im internet und lande beim kundenzentrum dresden ost. ich bekomme einen kontakt und schreibe eine email, da die zuständige sachbearbeiterin nicht antwortet…

8. september 2011

…die dame vom kundenzentrum dresden südwest meldet sich per email: die wohnung ist leider schon vergeben. uff! nun aufeinmal. waren die männer die neuen mieter?

in der presseschau ist ein passender artikel zur wohnungssuche aus der SZ – „kohle statt komfort“. einer von vielen in diesen wochen, wo doch die wohnungen knapp werden und der wohnungsmarkt (un)attraktiver, je nach blickwinkel. bei SZonline darf man den nicht gleich anschauen; erst nach 4 tagen: hier der artikel. aber es gibt die presseschau. email an presseschau [at] quo-vadis-dresden [punkt] de genügt, dann liest man quer in dresden.

9. september 2011

„was kostet dein wohnzimmer?“ war thema des sofagesprächs auf dem kulturparkplatz. meine private wohnungsspionage kam als (bezahlter) redebeitrag. neue erkenntnisse gab es keine, aber die eigene erkenntnis, dass ich „entgegen der marktsituation“ dennoch optimistisch bin. nebendiskussion, aber anker für mich: wie laut muss ein mensch / künstler schreien um mit seinem raumbedarf gehört zu werden?

12. september 2011

ein anruf bei einer wohnungsverwaltung in pieschen an der leisniger straße, die ich gestern nur im augenwinkel erspähte und die laut einer kollegin noch freie wohnungen haben soll. ich lande nicht bei den dresdner, sondern bei einem mann, dessen akzent nach baden oder so ähnlich deutet. die dresdner sachbearbeiterin sei erst am donnerstag wieder da. ich wundere mich über den akzent … zuvor schon hatte ich einen solchen mann auf der straße mit gemischten gefühlen telefonieren beobachtet. nein, ich ziehe nicht über unabdingbares her; ich arbeite sogar mit einem genausolchen mann zusammen, der sich so anhört. alles ok. dennoch wirkt offenbar das klischeé.

ich durchstöbere einige seiten des immobilienscout zu pieschen süd. es gibt keine wirklich symphatischen wohnungen, aber damit oute ich mich bereits als wohntraditionalist. laminat, voll-dusche, plastikfenster: die bildchen zeigen nicht wirklich authentische wohnverhältnisse. ich entdecke den drang nach raum zum durchschreiten in mir. aber jede noch so kleine butze wird als „perfekte singlewohnung“ oder „praktischer grundriss“ vermarktet. eine totale verzerrung der tatsachen des qualitativ menschlichen wohnbedürfnisses. und die preise sehen zunächst mit 200 bis 300 € sogar gut aus. erschreckend sind dann für mich die nebenkosten von z.t. über 120 €. und das ist dann zuviel für 30 bis 40 qm. sage ich; und stehe damit einem konsolidierten wohnungsmarkt in dresden gegenüber, dem das sch…egal ist. auch das war bei kupapa am freitag: nischen erhalten, freiraum für wachstum des menschen fördern und nicht nur für den renditemarkt. oder?

13. september 2011

10:00

freud und leid. eine kooperation muss von mir aufgrund fehlender sicherheiten gebremst werden. die wohnungssuche hingegen verspricht neues. anruf beim sanierungsträger in pieschen. die dame hat eine gute wohnng mitten in pieschen parat. termin mit dem hausmeister ist schnell gemacht: jetzt gleich. ich bin voller vorfreude und neugier. den schwung werd‘ ich mal mitnehmen.

11:30

naja, wie das so ist. das gute gefühl bekommt einen gewissen geschmack nach der besichtigung. der ist geprägt von parfum und pastellfarben: lila, violett, beige. der hausmeister zeigt mir die wohnung im dachgeschoss. oben finde ich ja gut. geräumig. kompakter schnitt. großes bad, leider ohne fenster. zunächst beängstigend ein dicker wasserfleck und eine schwarzschimmelstelle in der küche. wie sich herausstellt ein eisschaden des harten winters. die vormieter waren gerade erst ausgezogen; haben sie ein dreiviertel jahr damit gewohnt? die mieter im haus sollen laut telefonat „ordentlich“ sein. der hausmeister bestätigt dieses dighma. alles andere sind kleinigkeiten und die wichtigen dinge muss ich ohnehin mit der vermieterin klären. im hinterkopf: wo kann mein kater wohnen?

ich rufe noch vor ort die vermieterin an und mache einen termin am nächsten tag um 9:00 uhr aus.

14. september 2011

9:00

termin bei der vermieterin. nette dame im vorrentenalter. sie ist zuvorkommend bei der lektüre der eckdaten, beim suchen von alternativen, beim erklären der umstände. ich kenne ihren mann; er begegnet mir auch glatt. wir begrüßen uns. im wesentlichen geht es um all die kleinigkeiten der vermietung. knapp 800 € kaution sind für mich als bisher nicht-kaution-zahler eine stange geld. 375 € warm für die bude sind bei 60 qm ok. ich hoffe an den nebenkosten sparen zu können. internet und telefon kosten ja auch nochmal fast 60 €. aber: der wohnberechtigungsschein S. den brauche ich. die einkommensgrenze überschreite ich (noch) nicht. die grundfläche der wohnung ist allerdings unangemessen groß. sie füllt mir ein angebot für wohngeldstelle aus. sie kennt den sachgebietsleiter gut. ich fahre morgen dahin und schaue mal.

im hinterkopf: immernoch der kater, daneben die andere wohnung im hechtviertel, sowie alternativen im bestand des sanierungsträgers in pieschen. aber erstmal eine sache klären, dann sehe ich weiter.

15. september 2011

14:00

beusch bei der wohngeldstelle der stadt gegenüber den technischen sammlungen in striesen. im gang, wo die wohnberechtigungsscheine vergeben werden, lande ich bei einer frau, die die seele von von einer sachbearbeiterin zu sein scheint. nur gelegentliche tonale spitzen verraten ihre resolutheit. die dame im zimmer geht zügig und strukturiert vor. dann soll ich rausgehen und sie geht in ein nebenzimmer. was das wohl bedeutet? beim wiedereintritt verlangt sie eine einkommensauskunft für dieses jahr, gibt mir den antrag und kreuzt die nötigen stellen an, erklärt mir, dass eine sondergenehmigung für 35 € erworben wird. warum das? ich liegen als einzelperson mit 60 qm über der bemessungsgrundlage von 45. einfach.

beim blick auf die tafel am eingang sehe ich die erklärung für das, was mir schon gesagt wurde: der wohnberechtigungsschein S wird nicht für sondergenehmigungen wie meine, sondern in Sanierungsgebieten vergeben. pieschen. vorher und nachher hole ich mir ein kurzes update von der sanierungsträgerin. der antrag werde wohlwollend geprüft. da ich diese und nächste woche nicht die unterlagen beim amt einreichen kann, bekomme ich aufschub bis ende september. man höre! so kann ich beim bauherrn im hechtviertel dann noch rechtzeitig nachfragen und mich vergewissern, ob ich wirklich in eine für mich recht teure, etwas eigenartige, wasserbeschädigte, wenig katerfreundliche, wenn auch super gelegene wohnung in pieschen ziehen soll.

irgendwie keimen doch symphatien für eine offene wohn- und lebensweise im hecht mit pflanzen vor oder hinter dem haus und auslauf für den kater sowie leuten, die dann auch mal ansprechbar sind – wo nicht alles so geregelt ist. am eingang und beim ausgang treffe ich eine kollegen, mit der ich in pieschen zusammengearbeitet hatte und die alleine drei kinder „bewirtschaften“ muss. wir fahren noch das stück an der elbe bis zur neustadt. genießen einen moment auf der bank an der elbe. wohnen ist auch draußen sein.

16. september 2011

ich schaue des abends kurz auf den – nicht sehr ansprechenden bzw. etwas ulkig verwirrenden – seiten des pieschener vermieters wolfgang boye. er hatte uns 2008 bereits mit büroraum geholfen, eine freundin wohnte einige zeit in einem besonderen haus, das er verwaltet. leider völlige fehlanzeige. nur ein gewerberaum, der auch als wohnung nicht eben günstig wäre, es sei denn, ich würde den laden gleich mit einbauen…

21. september 2011

in berlin bei einer freundin habe ich gelegenheit die wohnungsspionage aus der ferne und anhand einer sehr anschaulichen mir genehmen wohnung zu begutachten. breite hobeldielen und einigermaßen liebevoll hergerichtete türen und fenster aus der alten zeit sowie das für mich stets fantastische sammelsurium ausgesuchter designgegenstände aus verschiedenen zurückliegenden epochen machten den aufenthalt angenehm. der balkon und das davon zu sehende panorame noch mehr… hier sind es auch meine avisierten 60 qm mit zwei zimmern und der typischen aufteilung der gründerzeit in berlin. nicht unähnlich zu den grundrissen in dresden, die ich kenne.

25. september 2011

auf dem spazerigang „überflug3“ in löbtau entdecke ich eine werbung an einer ladenartigen wohnung im eg. ich fotografiere die nummer und schaue kurz durch das fenster. im gespräch mit marc war ich vorher schon verstärkt auf den gedanken der ladenwohnung gekommen und interessiere mich nun wieder dafür. eine freundin in pieschen wohnt in so einer bude, um die ich sie immer beneide. auch die wohnweise der freunde in löbtau gefällt mir: unsanierte wohngemeinscahft, im selben haus auch eine familie mit klavier und „geholbeltem“ holz, offene türen, klo auf der halben treppe – symphatisch.

26. september 2011

10:00

ich rufe den baumeister im hechtviertel an und bekomme die schon erahnte antwort. er wisse nicht wie er jetzt alles machen solle. bis jahresende sei er mit bauen – dem putzen der fassade – beschäftigt. er habe jetzt keine zeit mietverträge zu machen. es sei alles nicht so richtig gut. er solle mir doch irgendwas suchen… ich hake nur kurz nach, denn solche situationen kenne ich schon. irgendwie plagt mich das gefühl, dass er andere pläne oder keine echte interessiertheit an mir hat. aber was soll er auch sagen.

14:00

ich schaue nochmal auf die seite eines eigentümers in pieschen. ein anruf auf telefon und handy schlägt leider fehl und ich schreibe eine email. ich habe es auf einen laden abgesehe, der laut website auch als wohung zu haben sei. es scheint, als ob die herrschaften gerade in urlaub sind.

27. september 2011

wieder anruf in pieschen. wieder nichts.

dafür anruf bei einer hausverwaltung, die die ladenwohnung in löbtau vermittelt. ich erkläre der dame meine wünsche und mache für donnerstag einen termin in der ladenwohnung und gleich noch einer anderen wohnung in löbtau aus. neugier.

in pieschen dafür drängt die zeit, denn ich muss donnerstag auch zur wohngeldstelle und die schein für die wohnung des sanierungsträgers einholen. bis dahin muss ich mir darüber klar sein, ob ich da wohnen will. mein kater?

kurz spekuliere ich mit plattenbauten in zschertnitz, werde aber nicht vom anonymen angebot im netz überzeugt.

28. september 2011

der vermieter aus pieschen meldet sich zurück, dessen laden ich im auge habe. er war im urlaub wie vermutet. wir vereinbaren einen termin für freitag früh. wieder mal wohungs(spionage)woche!

29. september 2011

erstmal luftholen: wohnungsspionage kann so spannend, aber auch so entsetzlich anstrengend sein!

10:00

ich sage der dame vom sanierungsträger in pieschen ab. mein wille ist eine ladenwohnung, das haben die gespräche mit freunden zuletzt erbracht. als ich die absage ausspreche passiert etwas merkwürdiges: die dame wird kurz angebunden und mein sie würde ihre wohnungen schnell wieder vermieten. ich hatte ihr aufrichtig mein lob für die zuvorkommende behandlung ausgesprochen und wollte eigentlich noch spezifischer nach einer ladenwohnung fragen…

13:00

ich bin versehentlich zu früh auf der pennricher straße in löbtau, weil ich den termin zur besichtigung der ladenwohnung dort gedanklich vorverlegt habe. also schaue ich schräg gegenüber bei einem privatier, der laut seinem handwerker zuhause ist. frage, ob er wohnungen in dem noch in arbeit befindlichen haus vermietet. er lehnt nur aus dem fenster und scheint oberkörper frei… nein, er vermiete nichts. schönen dank und tschüß! so fahre ich in löbtau süd etwas rum, da der spaziergang und die ideenwerkstatt bei den kollegen dahingehend einige erkenntnisse brachten. ich finde in der tat allerhand läden. ich finde auch eine frau, die an einer hauswand lehnt und telefoniert, während ich notizen mache. als ich ihr näherkomme ist es eine gute bekannte aus pieschen, die mal in löbtau lebte und noch dort arbeitet. kurze unterredung, weil sie sowieso immer auf dem sprung ist. schade. ich suche weiter. notiere hausnummern, die ich später recherchieren will. es ist einiges zu haben – an (laden)wohnungen.

14:00

nun der termin. auf dem weg entsteht das bild: lachsfarbenes sofa und beistellhocker vor abstandsgrün und plattengrauem bau.

die ladenwohnung ist kurios. früher ein bäcker. der ofen ist noch erhalten. im keller, der direkt vom eg über eine umständliche treppe zugänglich ist. das eg ist gefliest, ok, aber da geht noch was zu machen. hier kann gebaut und gedacht werden. die treppe könne man umdrehen und dadurch einen raum gewinnen. leider ist das haus komplett über das authentische maß saniert. 76 qm für fast 600 € sind mir auch ehrlich zuviel. interessant ist die wohnung doch. es ist von zwei monaten mietfrei bei eigenausbau die rede. es gibt gestaltungsspielraum. der keller würde noch verputzt. in eigenarbeit könnten umbauten geschehen, der ofen z.b. gereinigt und gestaltet werden. der keller wäre dann eine werkstatt. ich würde also erst im februar anfangen zu zahlen. sie gibt mir noch das exposé mit. ich muss das sacken lassen.

mit derselben vermieterin geht es noch zu einer stinknormalen wohnung am conertplatz. nicht viel zu sagen. sage auch ich. ich gehe und die nächsten interessenten kommen schon an. die vermieterin hatte etwas wie: sie müsse dort sowieso noch hin gesagt, als ich meinte, wir müßten die wohnung vielleicht nicht ansehen.

sie empfiehlt mir noch eine ladenwohnung, kleiner, an der clara-zetkin-straße. die wird gerade saniert. sieht spannend aus. ich werde dort nochmal gucken.

aber warum suche ich eigentlich in löbtau? die gute bekannte sagte mir, da gäbe es doch einiges … das werde ich morgen sehen.

30. september 2011

10:00

termin zur besichtigung bei dem vermieter, der uns schon 2008 in der metropole pieschen geholfen hat. ich finde eine komplette ladeneinrichtung einschließlich küche, nur ohne bad, dafür aber mit zusätzlichen wasseranschlüssen vor. interessant! die einrichtung müßte abgekauft werden vom vormieter, einer fußpflege. die kosten sprengen allerdings den rahmen. ca. 500 € für 85 qm warm, jedoch ohne das gas für die heizung. die therme steht in der küche. dafür fallen dann nochmal 150 € an. das ist im grunde immernoch gut. die toilette ist im vorflur der ladeneinheit und wird mit dem nachbargewerbe geteilt. ach ja, als wohnnutzung ist der laden geeignet. die kabinette des vormieters könnte man umbauen. es bleibt wohn-, arbeits-, lagerfläche. aber das ganze ist mir rein rechnerisch zu heikel. vielleicht haben kollegen in der metropole interesse…

danach fahre ich in pieschen herum.

von der standard-wohnung bis zu den unterschiedlichsten ladengeschäften in verschiedenen lagen und epochen bietet es alles. ich notiere nummern und namen und adressen; erreiche nicht jeden. teilweise gehören auch dort die wohnungen jemandem, den man erstmal finden muss und für den die hausverwaltung nichteinmal einen vermietauftrag hat. eine echte möglichkeit habe ich also noch nicht. danach bin ich wieder ermüdet und esse erstmal ein baguette auf der bürgerstraße…

4. oktober 2011

ich gehe ein paar der telefon- und hausnummern vom freitag durch bekomme wenig antworten. bei einem vermieter notiert man sich meine nummer im gegenzug und will zurückrufen, wenn etwas wie eine ladenwohnung oder sonst passendes reinkommt.

die stöberei im internet parallel dazu bringt auch wenig neue erkenntnisse. ich mache aber einen termin für donnerstag mit der vermieterin aus, bei der ich die kleine ladenwohnung in der clara-zetkin-straße empfohlen bekam. in löbtau?!

6. oktober 2011

auf dem weg zu post und konsum komme ich wieder an dem altbau der gagfah vorbei – mit der berüchtigten nummer 13! ich versuche nochmal die dame in der vermietung zu erreichen, aber wie immer nichts. die wohnung sollte zum 1.10. vermietet sein; sie ist nach wie vor leer.

14:00

termin in löbtau. die ladenwohnung ist an sich total symphatisch. einfacher schnitt. bad bischen klein und die dusche noch nicht drin. laminat verhandelbar. schlafzimmer separat. flur mit kochnische und essmöglichkeit. das beste ist der große raum mit austritt auf die straße und zwei großen schaufenstern. die zwei kleinen heizkörper irritieren mich. aber gut. die erste schöne wohnung. kostet 420 € warm. kaution ist berechenbar. provision und gebühren entfallen bei interesse. laminat kann sogar noch in farbton gewählt werden. was hält mich ab? keine voreilige entscheidung treffen zu wollen, nochmal mit freunden reden zu wollen, aber vor allem, dass es ganz hinten in löbtau ist…

ich werde drüber schlafen.

12. oktober 2011

anruf bei der vermieterin der kleinen ladenwohnung in löbtau. ich will mich vergewissern, ob und wie das mit den formularen geht. seit tagen denke ich nach und komme zu dem schluss, dass ich offenbar nicht einfach ja oder nein zu der wohnung sagen kann. ich werde mich bewerben müssen. dazu gehört die mieterselbstauskunft, der peronalausweis und eine mietschuldenfreiheitsbescheinigung. so ist das heute. das begreife ich erst langsam. also fülle ich aus, was geht. sie sagt ich müsse dann meine einkommen als selbständiger der letzten drei monate nachweisen. so überlege ich wie ich das am besten mache.

17. oktober 2011

ich stelle alle dokumente und unterstützenden unterlagen soweit zusammen.

18. oktober 2011

9:00

ich gehe zu meiner jetzigen vermieterin um nach einer mietschuldenfreiheitsbescheinigung zu ersuchen, nachdem ich die letzten tage auswärts immer wieder nachgedacht habe was ich für die wohnung tun muss, dass ich akutell etwas tun muss. ich will eine bude, ich will nicht ewig suchen. zwei wochen werden ins land gegangen sein seit der besichtigung. aber gut ding soll auch weile haben.

natürlich sind alle, die irgendwie mein anliegen bearbeiten könnten, sind nicht da, im urlaub, sonstwo. über eine dame auf dem gang komme ich zu einer dame, die ich aus ihrer besprechung reiße, die mich aber sehr höflich zu einer anderen dame führt, die mir dann tatsächlich helfen kann. ich kenne sie noch nicht, aber sie kennt mich bereits. erstmal macht sie mich verlegen, indem sie mich den kopfteil mit meinen daten auf dem schein gleich an ort und stelle ausfüllen lässt. zumindest weist sie darauf hin und ich erledige das lieber gleich. aber sie nimmt das in die hand und wir sind uns über zügige bearbeitung einig.

sogleich bringe ich bei der potentiellen neuen vermieterin alle bestehenden unterlagen vorbei um interesse zu signalisieren. sie residiert gleich nebenan in einem prächtigen aber nicht mehr schönen gründerzeitbau.

15:00

noch am nachmittag bekomme ich von der dame aus der derzeitigen vermietung einen anruf: ich könne die unterlagen abholen. nicht übel!

19. oktober 2011

9:00

täglich grüßt das murmeltier: ich fahre wieder dorthin und hole mir den schein ab. den trage ich nach dem abfotografieren für die akten zur anderen vermieterin. nun wird es sich zeigen.

warum ich immerzu vermieterIN sage? die institutionenen bzw. die ansprechpartnerINNEN bzw. sachbearbeiterINNEN sind fast ausschliesslich frauen.

+++ was mich dennoch wundert ist, dass die ganze wohnungssuche so ungeheuer ungerührt abläuft, dass sich nicht wie bisher eine besondere emotionale verbundenheit mit einem ort oder den menschen ergiebt. alles ist ein wenig flau und ohne aufregung, aber eben auch ohne erregung. das große warten, die große geduld … und dann?

28. oktober 2011

von einer bekannten in dresden erhalte ich den hinweis auf eine aktion in hamburg. aus hamburg kommt vieles, doch hier geht es um das thema wohnen. bei „gegenargumente hamburg“ ist dieser artikel zur wohnungsfrage verlinkt. ich finde ihn argumentativ lesenwert und teile die erkenntnis, dass der sich konsolidierende wohnungsmarkt auch den menschen letztlich zum spekulationsobjekt werden lässt. an dieser schnittstelle zwischen kapitalisierung und menschlichkeit stellt sich in der tat die (nicht nur wohnungs-)frage, wieviel grundbedarf des menschen kapitalisiert und verspekuliert werden kann und wie frei der mensch dann noch ist, wieviele „nischen“ es noch gibt? tragen wir wirklich nur noch unsere haut zu markte? sind die menschen wirklich glücklich mit dem „wühltisch leben“, das ihnen jeden tag angebotsstrotzend entgegenblinkt? sind frauen hier im vorteil aufgrund ihrer diversen veranlagung? bzw. leben wir wirklich nur unsere animalischen rollen im alltag der produktzyklen aus?

all das findet letztlich im wohnen statt.

2. november 2011

in den letzten tagen haben mich viele vertraute menschen gefragt, ob ich denn eine wohnung gefunden habe; auch heute wieder. viele thematische unwegsamkeiten kamen dabei zur sprache, ich fand mich in einer gewissen nervosität wieder, solle ich denn nicht langsam mal nachhaken? heute noch die antwort, dass ich dies morgen tun wolle. aber eine innere sicherheit ist nie verflogen. auch saß ich heute in der wohnung, die mich zu meiner wohnungssuche und dem nun möglichen wohnort in löbtau inspiriert hatte–in pieschen.

+++ fakt ist: ich habe einen mietvertrag zugesandt bekommen! +++

nun muss ich detailkorrekturen leisten und nachfragen klären. mehr will ich gar nicht mutmaßen. aber ein gesunder optimimus ist sicher noch nie schlecht gewesen…

schön ist: bei einer baubesichtigung wurde mir eine hübsche ddr-zweckleuchte modell „helion“ angetragen, die ich mitnahm und säuberte und die den schreibtisch in meiner neuen wohnung schmücken soll.

7. november 2011

am wochenende habe ich in mühsamer kleinarbeit den mietvertrag durchgearbeitet–eigentlich nur ein formularblatt mit allerhand zahlen und daten–plus die allgemeinen vereinbarungen zum mietvertrag–avm, das echte konvolut mit 18 §–samt hausordnung und schimmelguide.

heute habe ich der vermieterin mein jawort gegeben und offene fragen geklärt. den unterschriebenen vertrag bringe ich ihr vorbei und dann habe ich aller vorraussicht nach eine neue wohnung.

8. november 2011

früh morgen gebe ich bei der vermieterin die unterzeichneten mietverträge ab, eine kollegin nimmt sie in empfang, weil die bearbeiterin noch nicht da ist. auf dem weg nach draußen fährt sie gerade mit dem auto vor. sie wird sich melden.

9. november 2011

ich zeige einer kollegin, die gleich nebenan wohnt das haus und die wohnung von außen. wir sprechen ein wenig und fragen uns, ob es in dresden nun üblich sei, dass küchen eingebaut sind beim anmieten einer wohung oder nicht?

15. november 2011

nachdem ich gestern einen versicherungsanruf bei der neuen vermieterin tätigte, konnte ich heute früh den gegengezeichneten mietvertrag und gleich auch den schlüssel für die wohnung–allerdings vorübergehend–in empfang nehmen. ich verbrachte eine gefühlte halbe stunde in der wohnung und schnupperte beim ausmessen des waschmaschinenplatzes und beim genaueren blick auf die unversehrtheit der ausstattung ein wenig luft zwischen den neuen vier wänden. auch im keller und vor der tür zum dachboden habe ich mal geschaut. anfang dezember ziehe ich dann um.

parallel setzte ich bei meiner noch-vermieterin ein informationsschreiden zur neue adresse und dem übergabetermin ab.

jetzt muss ich ein auto und noch ein paar leute für den umzug finden. yeah!

17. november 2011

morgens bringe ich den schlüssel zur vermieterin zurück. was mich ein wenig verunsichert ist die tatsache, dass mein veränderungsdrang ob des umzuges bei mir mit völliger stoik aufgenommen und nur ganz selten mit einem etwas höherfrequenten lächelnden ton beantwortet wird. muss man in der branche so sein?

für die übergabe–und das ist schon eher bedenkenswert–kann sie sich immernoch nicht festlegen, nickt aber als ich ihr von meinen plänen für den 3.12. erzähle. der handwerker baut wohl gerade die dusche ein, der fussboden wird gelegt werden. die übergabe wird sicher erst kurz vor dem umzug zum einzugstermin kommen. das ist ja o.k.

19. november 2011

beim räumen in haus und hof fange ich an dinge, die ich „mitnehmen“ will und die immernoch überall verstreut auf dem gelände liegen, stehen, angebracht sind, einzusammeln oder abzubauen bzw. vorbereitungen zu treffen. die letzte aktivität im garten liegt hinter mir. jetzt räume ich im haus und sortiere meinen „hausstand“. die ersten großen kisten für bücher und ordner krame ich heraus und stelle sie demonstrativ im arbeitszimmer auf. es geht los.

parallel checke ich im netz und mit freunden einen miettranporter. ziemlich ungünstig alles…

abends schicke ich eine umzugsmail an meine mitmenschen. das „kleine umzugsprogramm“ wirkt plötzlich recht groß und ist doch aufgrund des kooperativen gehalts keine „große sache“. rückmeldungen zeigen mir, dass es gut ankommt. so sieht es aus:

liebe mitmenschen.

erstens kommt es anders und zweitens als man denkt:
mein finger auf der landkarte ist ausgerutscht. ich bin mit meinen umzugsplänen nicht in pieschen, sondern in löbtau gelandet ;)
meine neuen koordinaten im system dresden werden ab dezember diese sein:

+ clara-zetkin-straße 48
+ 01159 dresden

ein hübscher ehemaliger laden ist das. deshalb findet am 3.12. der obligatorische umzug statt, zu dem ich die eine oder den anderen von euch gern noch als helfer gewinnen möchte.
es gibt ein kleines feines umzugsprogramm:

+ umzug am samstag, 3.12. ab 10 uhr wie in dieser route beschrieben oder ähnlich. ich werde ein großes gefährt besorgen und wünsche mir hüben wie drüben noch ein paar leute zum laden. zwei mitfahrer passen ins auto.
+ zum umzug soll es guten glühenden wein geben. klar. und was noch so da ist an kleinen freuden. es soll niemand entkräftet heimkehren müssen.
+ in acht jahren haben sich einige schichten und geschichten in meinem altbau angesammelt. dazu wird es am 3. und 4.12. eine h.AUS.stellung geben: fotos, installationen, artefakte, texte, wandzeichnungen, … je nach übergabetermin dann auch länger.
+ am sonntag, 4.12. wird es etwas feierliches in den (fast) verlassenen alten räumen geben, das ganz bestimmt was schönes wird und noch in arbeit ist …
+ im rahmen des lömuweika wird es an einem noch näher zu bestimmenden termin ziemlich sicher ein kleines musikalisches (ein)ständchen im neubau geben. ist auch in arbeit und im link dann nachlesbar …
+ ja und was beim umzug nicht in das auto passt, mir nichts mehr bedeutet oder jemandem von euch ins gesicht lacht, das kann gern auch mitgenommen werden ;)
+ die wohnzimmerspionage darf natürlich nicht fehlen: diesen speziellen umzug machen wir dann aber je nach lust und laune von alt nach neu des nachts.

bleibt zu fragen:
wer ist beim umzug dabei? 
der melde sich einfach bei mir, würde mich sehr freuen!

ich hoffe euch an einem der beiden tage zu sehen und freue mich drauf.

etwas aufgeregte grüße,
felix

28. november 2011

seit tagen räume und bastel ich zuhause – was in acht jahren alles zusammenkommt! bücher, vor allem bücher, und lebensnotwendiges sind nun großteils verstaut in kisten. die wände sind (fast) aller einbauten bereinigt. was man alles um sich herum aufbaut! der mensch ist ein architekt! es erinnert mich alles an die dialektik von chaos und ordnung. und daran, worin die ordnung oder das chaos dann liegen.

parallel rief ich bei meiner vermieterin an und stelle fest, dass alles „in ordnung“ ist. klar, ich war nervös, weil sie sich nicht meldete. sie aber meinte, sie hätte mich heute sowieso angerufen. nun gut. ich habe einen termin mit ihr zur übergabe am samstag, 3. dezember 2011 um 8:30 uhr. kurz vor dem umzug. krass! aber vertrauen zahlt sich auch aus. wie weit der fussbodenleger und der duschinstallateur dann sind, weiss ich dennoch nicht…

15. dezember 2011

nun sind mehr als zwei wochen rum und der umzug auch. das war anstrengend. ohne die vielen fleißigen helfer wäre das nix geworden!

meine nachbarn habe ich teils schon kennengelernt. die meisten durch die neuvermietung 2008 junge leute. einige scheinen studenten zu sein, die nun hier hängen blieben und familie gründen. bislang symphatische leute. ich hoffe auf mehr zeit zu gespräche. ich fühle mich wohl und die wohnung ist klasse. mein kater elvis ist auch angekommen, wenngleich der rhythmus nun anders ist. wir schaukeln uns hier ein.

mittlerweile habe ich bereits einige ordnung in meiner neuen wohnung schaffen können, aber ein faktum bleibt: ich lebe in einer unfertigen wohnung und sie ist folgerichtig nicht endgereinigt. dafür bekomme ich laut übergabeprotokoll den dezember mietfrei. dennoch musste ich vor zwei tagen einen brief an meine vermieterin schreiben, in dem ich auf weitere mängel hinweise und ein weiteres entgegenkommen erwarte. die mängel sind erst mit dem wohnen sichtbar geworden. die vermieterin ist sehr langsam und wenig zuvorkommend. sie geht auf wünsche nur ein, wenn man sie selbst äußert. mal sehen wie das weitergeht.

also hoffe ich auf das fertigstellen der gröbsten probleme bis weihnachten. tatsache ist nämlich, dass die wohnung / der laden seit der sanierung 2008 leer stand und handwerker hier ein und ausgingen und so wetter und menschen ihre spuren hinterlassen haben. bei google streetview sieht man die situation sogar. ich wohne quasi „trocken“ als pionier in einem als gewerbe bestimmten mietteil. die wohnung war zum übergabetermin und vertragsbeginn nicht fertig. jetzt muss ich diesen nachteil gegenüber der vermieterin durchsetzen. im grunde sehe ich wieder meine schnittstellenfunktion und ich möchte hier eigentlich sogar eine art hausmeister sein, die noch junge hausgemeinschaft unterstützen und kleine vernachlässigungen der wohnsituation durch die vermieter konstruktiv lösen.

in der altbauwohnung habe ich unterdessen viel geräumt und ein wenig geputzt. nun ist alles weg außer der herde aus der küche, die ich veräußern oder eintauschen will. anekdote: das von mir einstmals eigenmächtig eingebaute haustürschloss muss ich durch ein anderes ersetzen, wenn ich es wieder bekommen will. ansonsten war die abwicklung der übergabe problemlos. zum abschied habe ich nicht nur meinen eigens gehauenen stein, sondern auch weitere ostseesteine einer ehem. mitbewohnerin zurückgelassen – als alter gewissermaßen. der war kurzer hand von witzbolden teilweise geplündert worden. man glaubt es nicht.

22. dezember 2011

die schlüssel meiner alten wohnung sind nun endlich abgeben. ich habe mein eigenes schloss ausbauen „dürfen“, indem ich ein anderes vorhandenes dort einsetzte. dennoch habe ich schlüssel nummer sechs von meinem schloss noch nicht zurück, sodass ich sicher im neuen jahr nochmal mit der vermieterin zu tun haben werde.

im neuen haus habe ich nun zufällig gleich auf einen schlag zwei der jungen familien kennengelernt. wie das so ist: ich nahm einmal ein paket für die mir schon bekannte nachbarin an. weihnachten kommt der postbote ja oft. also hatte sie nun ein paket von mir angenommen. und als ich die wohnungstür öffnete um zu sehen, ob ihr kinderwagen schon wieder da steht, stand sie gerade daneben. zum tee eingeladen plauderten wir ein wenig über haus und leute. und schließlich kamen die drei von der familie im ersten og noch vorbei. interssanterweise ist sie freischaffende tanzpädagogin und er singt zumindest zuhause vernehmbar. ausgerechnet die beiden wollen mit ihrer tochter aber wieder wegziehen – aus gründen, die mit dem haus durchaus zu tun haben könnten. ich fänd’s schade. beide familien sind absolut symphatische leute – auch die kinder – und es ist ein schönes gefühl sie nun zu kennen.

die „gründe“ – so erklärt mir auch mein direkter nachbar, den ich eben an der tür hatte wegen einem paket – sind in feuchten wänden, besonders an der südseite des hauses zu suchen. offenbar soll dort die wärmedämmung weggelassen worden sein, was ich eigenartig finde. aber generell täuscht der eindruck nicht über das gesagte hinweg, dass das haus mit der „heißen kelle“ saniert worden ist und irgendwann das geld alle war. auch das ein seitenwink auf die aktuelle wohnungsmarktdebatte in dresden. so liegen offenbar alle einigermaßen rechtssinnigen mieter im klinsch mit der vermietung und auch über die direkte vermieterin sagt man sich das eine oder andere. gepflogenheiten in der immobilienbranche sollten aber nicht über menschliche notwendigkeiten und die stimme der mieter hinwegtäuschen. ich bin erstaunt wie widersinnig hausverwaltungen und eigentümer „gegen“ ihre mieter wirtschaften, indem sie wo es nur geht sparen, den mietern also die last der mängel aufhalsen, die diese dann umständlich in gerichtsverfahren zurückweisen müsssen, anstatt einfach „mit“ den mietern kooperativ ans werk zu gehen und dabei womöglich durch die synergien viel größeren profit zu machen. verstehen diese leute ihr handwerk?

Advertisements

Ein Gedanke zu “wohnungsspionagetagebuch

  1. ich kenne die wg die früher da gewohnt hat, wir feierten da noch dieses silvester. eine echt geniale wohnung. könnte dir die leute auch vermitteln, bei interesse.

    grüßr

    sebastian

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s