spiel mit den bildern

link & screenshot: Dokumentationsfilm „Spiel mit dem Tod“, Felix Müller

der link erreichte den kultur!ngenieur von einem bekannten mit der ausdrücklichen bitte, den film auch über minute 18 hinaus anzusehen. das ist tatsächlich ratsam und öffnet die augen für etwas, das wir alle irgendwie vielleicht wissen, jedoch alltäglich eben nicht bewusst vor augen haben.

spontan meine reaktion:

zu jedem im fernsehen gezeigten film, zu jeder werbung, zu jeder politikerrede müssten in zukunft gleichsam als „beipackzettel“ solche dokumentationen bzw. eingehende erläuterungen dazu wie das produkt entstand und wieviel und was genau daran verfälscht worden ist dargereicht werden. oder:

„alles zweifelhafte muss angezweifelt werden“

kurz zur erklärung: der film zeigt bis zur ca. 18. minute ein setting mit einer dokumentarischen handlung über ein kritisches thema. dann bricht er den sich aufbauenden spannungsbogen betont ab und bringt eine ca. 10-minütige erklärung der angewandten bildmanpulationen.

haben wir uns daran gewöhnt mit einer überfülle an halbwahrheiten zu leben?

wir können heute weder ermessen noch in allen einzelheiten bewerten, was uns als wahr und was als verfälscht vermittelt wird. medienpädagogik z.b. hat es demgegenüber reichlich schwer einen soliden standpunkt in der bildung von selbstbestimmten, neugierigen und kritischen menschen zu formulieren. in einem netz aus abhängigen (fehl)informationen lösen sich tatsächliche anschauungen auf und bilder werden produziert – bzw. produzieren sich im world wide web auf einen impuls hin mittlerweile selbst – die nurmehr ein amalgan einer tatsächlichen begebenheit, einer information sind.

wie kritisch müssen wir sein?

für mich ist nicht das, sondern vor allem der blick auf die authentizität von informationen, ihre fühlbarkeit, ihre sinnliche echtheit interessant. menschen bewegen sich heute in vielen „sinnlosen“ räumen, deren fühlbare information wie im fernsehen, in werbungen, in reden von repräsentanten nicht mehr auf ihre „echtheit“ überprüfbar sind. aus unfähigkeit, aus mangel an eben den echten informationen oder schlicht aus überdruß über die masse und konsequenz des abzuarbeitenden berges an fehlbarkeiten unterbleibt das hinterfragen. resignation ist dabei nicht weit und das equilibrium unter dem dauerfeuer an über- und unterreizung – eben reizung – besteht in einer balance des aushaltens, nicht aber in freier wahl.

was aber ist echt?

automatisch kommen einem gedanken an filme wie „the matrix“ oder „fight club“. aber auch an literatur und kunst. dort wird die hintergründigkeit des „echten“ beschrieben und in einer (fast) dystopie überspitzt. ganz nah liegen dann persönliche und berufliche themen wie stadtmarketing und andere bildgeführte debatten oder die omnipräsenz der welt in der digitalen welt, die überdeutlichkeit / überbedeutsamkeit alles wahrgenommenen in der (digitalen) reproduktion. aber auch die als „politiktheater“ längst verballhornte doppelbödigkeit im umgang mit den grundbedürfnissen der gesellschaft als sozialer ganzheit kommt mir in den sinn.

wo sind unsere rückzugsräume, um die welt zu reflektieren und sie wirklich zu erkennen und demnach zu gestalten?

nicht erst seit walter benjamin und „das kunstwerk im zeitalter seiner technischen reproduzierbarkeit“ (wikipedia) ist die maschinenhaft technoide und damit erst vermarktbare, weil abgrenzbare, verwertung alles sinnlichen zumeist de-konstruktiv. benjamin selbst hat hitlers vor- und untergang vorausgesehen. an dieser stelle könnte aber klar werden, dass der von benjamin vor allem in bezug auf film und fotografie und deren massenhafte reproduktion beschriebene wandel noch immer und vielleicht schon immer andauert. heute haben sich neue „erweiterungen“ in das repertoire geschlichen, der prozess sich auf ein allgmeingültiges für jeden zugängliches wirkungsfeld verlagert. heute sprechen wir davon global als „augmented reality“ bzw. erweiterter realität (wikipedia).

wo und wann aber setzen wir die mittel der verfälschung konstruktiv und kreativ sinnlich ein?
wann und wo nutzen wir diesen raum der möglichkeiten zum besseren unseres lebens, spielen und kreieren damit?

hinter reingerechneten neongrauen, zeitgereiften und anders retortenhaft titulierten oberflächen und spannenden animationen verbergen sich die wahren vorgänge eines bildhaften kulturinhalts, geschweige des prozesses. niemand erkennt mehr – und soll es auch nicht – welche authentizität und komplexität sich hinter dem schicken äußeren verbirgt. der gebrauchswert steht hinter dem objektwert klar zurück. unter der motorhaube des audi ist kein motor mehr, sondern ein plastikdeckel mit hübschen gelben knöpfen, sie man anfassen soll. das macbook und mehr noch das ipad ist nurmehr eine hülle ohne zugriff auf die bestandteile, sondern lediglich einem wischtableau, das uns eine neue taktilität anerzieht. ein verstehen ist so ausgeschlossen. aufschrauben kann man aber beide immernoch. werkzeug gibt es überall, in jedem haushalt… notfalls auch den hammer oder den kuhfuß.

hier beginnt die crux z.b. der medienpädagogik, die das nutzen vor das verstehen stellt. für das verstehen soll die informatik zuständig sein. gelbe knöpfe sind verführerisch, aber zeigen eben nur das, was man sehen soll.

was muss und soll ich erklären?
was soll und muss sich der nutzer selbst aneignen und woher bezieht er die motivation und die information dazu?

xxx

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