gzg.ostwind.

fotos: felix liebig, 12. februar 2012

nach liberec unternahm der kutlur!ngenieur mit gastgeber michael winter am sonntag eine wanderung entlang der neisse richtung süden durch das neisseviadukt und dann landeinwärts am „roten fluss“ wieder hinein nach zgorzelec.

zur urbanen ästhetik hier die eindrucksvollen fotos einer reportage auf dem blog „halbrundes zimmer“.

die folge der eindrücke erklärt in der subjektiven sicht und unter geleit des ortskundigen recht gut das grenzphänomen. ein fluss bildet eine grenze, die beiderseits überschritten, verklärt und doch immer spürbar wird. neben naturphänomenen aus jahreszeittypischem eis, stehen direkt kulturphänomene wie das neisseviadukt, ohne das die bizarren eisskulpturen á la hans christian andersens märchen von der „schneekönigin“ gar nicht denkbar wären.

weiter unten bedeckt der zarte schnee und das eis kulturbrüche ganz anderer art, die hier und heute nur durch ein verworrenes und doch lesbares schild aufbrachen. spuren von militär. auch im wald, wo schießbahnen und reste von wehrbauten nur noch als regelhafte struktur im gelände erkennbar sind. sogar die pfadfinder (?) haben ihre spuren hinterlassen. weiter hinten ist ein ehemaliges kasernengelände nun fast vollständig überformt. den architektonischen clou des privaten umbaus von kraftwagenhallen erkennt mensch nur noch an wenigen hinterbliebenen hallentoren. dort umso eindrücklicher.

dann folgen langsam und allmählich polnische eigenheiten in der urbanen landschaft, die einen kontrast zur bekannten situation in deutschland bilden. vieles ist informeller. werbung ist eigenständiger. aber auch wilder. häuser sind mitunter bunter oder auch nur kontrastreicher im nebeneinander. noch ein wenig offensichtlicher werden architektonische träume von arkadien gepflegt. neben der oft spürbaren abgrenzung gegenüber dem grenzübergreifenden kriminalkapital, stehen denkbar offene höfe und parks. hier wird noch (immer) probiert. das ist gut. das bewegt. zwei bänke laden zum gespräch. das beruhigt.

vielleicht sah es in ostdeutschland vor 20 jahren auch so aus? was ist anders?

natürlich gibt es wirklich einige eigenheiten hier auf polnischer seite. aber das ist ja das eindrucksvolle. hier knüpfen die augen und der kopf zuerst an. plötzlich scheint europa ein gesicht zu haben. mensch muss den stein im park des dom kulturi nur aus dem richtigen winkel ansehen. und erst mit dem weg hinunter zurück an die neisse am polnischen ufer wird es wieder für deutsche sehgewohnheiten ausgeglichener. häuser sind in ihren farbtönen wohlproportioniert. die straßen werden mit eu-mitteln hergerichtet. eine schiere idylle im angesicht des deutschen ufers gegenüber. auch schön.

das gesamtbild und die eigenständigkeit beider kulturen ergeben sich dennoch erst aus der zusammenschau. die stadt, das haus, die menschen sind das gesicht einer kultur. gzg steht bei mir für das allmähliche verschmelzen zweier kulturen, die einst eins waren und nun unterschiedliche sichten auf die welt gefunden haben. zwei lange getrennte geschwister, die erst langsam zusammenfinden. mit der zeit verblendet man die brüche und wunden, aber sind sie dadurch verschwunden? man findet sie noch immer. auch ganz vorne, wenn man zwischen den zeilen liest. der roman „ostwind“ des genialen autors august scholtis kann auch heute noch aufschluss geben über die gesichter dieses zwischenlandes, über die metaphern des übergangs, die alltagsbilder der menschen im aneignen der großen politischen und kulturellen ströme.

wie die neisse fließen diese ab und zu unsichtbar unter dem eis. der brücke des winters. nur die enten haben es da leichter! die machen schon lange gemeinsame sache.

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