++ Kultur!ngenieur ++ Ticker ++ 121007 ++

nachgereichter Ticker, Berlin, 7. Oktober 2012
 
Liebe Kulturvagabunden, Schnittstellenakteure, Grenzgänger,
 
es ist schon wieder Zeit, der Oktober weit fortgeschritten, wir befinden uns in Berlin, genauer im Haus der Künstler Page+Hertzsch, und schauen–auf Dresden.
 
Im Gepäck steckt ein Buch: „Rom, Blicke“ von Rolf Dieter Brinckmann. Seine Reise dorthin und sein Aufenthalt an der Villa Massimo 1972 sind darin reichhaltig und intensiv verarbeitet. Page+Hertzsch waren schon dort. Eingeladen in die Villa Massimo. Im letzten TICKER sprachen wir von Hanns Josef Ortheil, dessen wundervolles Buch „Die Erfindung des Lebens“ gerade zu der Zeit in Rom spielt, als er sich emanzipiert und das Leben aufsaugt wie ein Schwamm. Eine eigene Liste mit Gründen ist im Skizzenbuch des Kultur!ngenieurs entstanden, warum es lohnt dorthin zu fahren.
 
Was hat das alles mit Dresden zu tun?
 
Nun, aus verschiedenen Anlässen sprachen wir zuletzt in der Kulturstadt von Emanzipation und–auch heute noch und wieder–einem dringend nötigen Relativismus–vielleicht auch einer Kritik–der inneren Kulturanatomie dieser Stadt–ohne sie nicht auch zu lieben. Der kritische Blick kann nur von außen kommen; aber er muss innen gelebt werden. Von Rom, Wien oder Berlin können wir an einem beliebigen „archimedischen Punkt“ den Hebel der Veränderung ansetzen. Verändern aber müssen wir vor Ort. 
 
Oder? – Gedankensprung: Bürgerbeiteiligung, was ist das? Was hat Stuttgart 21 für Auswirkungen auf Dresden? Wie treten wir als Schnittstellenakteure zwischen Formalplanung und Aneignungslust an die Öffentlichkeit? Warum begreifen Planer, Politiker, Medienmacher noch immer nicht wie sensibel und zuerst formlos die Identifikation mit der eigenen Stadt für Menschen ist? (Weil sie zu wenig Prosa und Belletristik lesen?) Warum stehen gerade diese drei Akteure als Mittler vor einem schier unlösbaren Problem, wie sie nämlich die Unvereinbarkeit über Jahrhunderte formalisierter Wirkungsstrukturen mit den unberechenbaren Schwärmen einer globalisierten digital-realen Welt abgleichen sollen?
 
In der hochkarätigen, wenn auch lange nicht wirklich tiefgreifenden Konferenz „Make_Shift“ in Berlin am 6. Oktober 2012 kamen wir zu folgendem von mir frei formuliertem Schluss: „Die Planungsressource Mensch ist endlich, weil sie sich dem im Ämter-, Ministerien, Medien- und Politikkanon tradierten Verständnis von Einbeziehen und Beteiligen längst entzieht. Oder: Politik ist was wir wollen!“ Auch das WIR sind nicht alle gleich. Ein Bericht dazu ist HIER zu lesen.
 
Mit unendlichen Grüßen.
Der Kultur!ngenieur.
 
 
>>>>>>>>>> Der Oktober
++ Website-Schmiede: Vom 22. bis 27. Oktober 2012 oder vom 29. Oktober bis 3. November 2012 können Schüler und Schülerinnen der 8. bis 12. Klassen kostenlos lernen wie eine Website gestaltet, gebaut und Inhalte dafür erstellt werden. Das ganze findet im ESB Mediencollege auf der Jordanstraße 7 in 01099 Dresden statt und wird von der Trans-Media-Akademie Hellerau ausgerichtet. Der Kultur!ngenieur doziert hier die technische Umsetzung und den Mediafeed. ++ MEHR ++
++ #CYNAL 01: Die erste Printausgabe ist da, sie ist hier. Sie erscheint mit dem ersten Thema „Der gefühlte Wert der Lee(h)rstelle und wird am 25. Oktober 2012 um 19:00 Uhr in der galerie modul.KUNSTHALLE DRESDEN gefeiert. Der Kultur!ngenieur hat sowohl redaktionell als auch textlich seinen Teil geleistet und ist schon sehr gespannt. ++ MEHR ++
++ „Es war einmal im Krautwald“: Die Metropole Pieschen lädt zum Nachruf auf die R. Krautwal Maschinenfabrik in Pieschen, die nun Geschichte ist. Die Form soll ein Brief oder eine Postkarte sein. Weiterleiten und Mitmachen! ++ MEHR ++
 
Der September <<<<<<<<<<
 
++ der September war voll–der spaziergängerische CYNAL Salon #6, die spannende PEGASUS Diasafari für Schüler, eine eigenwillige Wohnzimmersp!onage im Industriegelände, zwei wunderbare Exkursionen nach Berlin samt der zauberhaften URBANSCAPES von Kollege Jörg Lukas Matthaei & Konsorten, eine nach Leipzig, der schöne Abschluss des Sommercamp futOUR 2012, aber mal ehrlich: Wer soll das alles dokumentieren? Vorne ist gerade mehr los als hinten. Der Kultur!ngenieur bittet um Geduld. ++
 
Bibliophiles
 
++ Ich muss es immer wieder sagen: Dank wundervoller Menschen stolpere ich über wundervolle Bücher. Die Anregungen kommen aus allen Ecken und ich hebe den pädagogischen Zeigefinger. Ohne Literatur wären wir nichts und ich kann vielen Menschen in der Stadtentwicklung das Lesen nur an ihr stilles Herz legen. ++ Nicht nur aus beruflichen Gründen las ich Kurt Vonneguts „Slaughterhouse 5“ wieder, in dem nämlich der mittlerweile ebenso geschlachtete Schlachthof im Ostragehege vorkommt. ++ Äußerst angeregt, aber auch eindringlich gewarnt lese ich Rolf Dieter Brinkmanns „Rom, Blicke“. Das ist in seiner Struktur leichte Kost für einen Spaziergänger, noch bevor Lucius Burckhardt die Spaziergangswissenschaften begründete, arbeitet mit Methoden der Fotografie, des Fieldrecording und des Mindmapping. Inhaltlich allerdings sei die Warnung wiederholt, denn Brinkmann schreibt imm Kompendium seines Stipendiats an der Villa Massimo in Rom voller Inbrunst all das nieder, was der Psychologe Alexander Mitscherlich nur andeutungsweise in „Die Unwirtlichkeit unserer Städte“ abstrahiert. ++ Parallel lese ich gerade Heinrich Bölls „Briefe aus dem Rheinland“ – Schriften und Reden 1960 bis 1963 (auf der Straße gefunden), Max Frischs „Stichworte“  – Ausgesucht von Uwe Johnson, beides echte Fundgruben, endlich auch Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ (ebenfalls gefunden) und Roger Willemsens neues Buch „Momentum“. ++ Es bleibt literarisch. ++
 
 
>>> Einladen & Ausladen <<<++ Wer dem Kultur!ngenieur folgen mag, der drücke gerne den „Follow“-Knopf, nicht auf Twitter, sondern auf kulturingenieur.com und erhalte Email-Erinnerungen bei neuen Artikeln. Das lohnt sich! ++ Wer Menschen kennt, die das hier Geschriebene gut finden könnten, und auch nicht ganz „Freund mit Facebook“ ist, leite es bitte gerne weiter. Vielen Dank. ++ Wer keinen ++Kultur!ngenieur–Ticker++ mehr bekommen möchte, der antworte mir bitte kurz. Vielen dank. ++

 

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