felix liebig kulturtagebuch null morgen

Null

dresden 02|09|2014

schnell vergeht die zeit, nicht aber das denken.

egal, ob es morgen los geht oder irgendwann: meine gedanken kreisen um das kulturtagebuch. wieviel ich von mir selbst und meinen erlebnissen darein lege. wie authentisch es sein muss, darf, wird. die inspirationen und motivationen haben sich zu einer kleinen unvollständigen agenda geschärft – ein status quo:

jenseits des von mir zu oft so empfundenen funktionierens will ich das schreiben als ventil nutzen. dabei will ich der poesie des alltages nicht nur in fotos, sondern auch prosaisch auf der spur bleiben. das kleine im großen zu sehen, auch das große im kleinen ist ohnehin mein antrieb. die soziale wechselwirkung zwischen meinem ich und dem mich umgebenden wir interessiert mich dabei. im schreiben suche ich reflexion und distanz vom täglichen auf und ab. so will ich nicht nur den kopf über dem wasser der täglichen einflüsse halten, sondern vor allem neues land entdecken. das distanzieren hat auch etwas mit innerer reife zu tun. folglich geht es elementar, vielleicht existentiell um freiheit und freie entfaltung. das von mir als kulturelle basis betrachtete beobachten, hinterfragen und kritisieren sucht eine argumentative schule. ich will rückhaltlos zweifeln dürfen an den mich umgebenden zuständen – und wohl formulierte vorschläge zum besseren machen. gemeint sind freie kulturbetrachtungen, ein freischreiben anhand von dezidierten beobachtungen und stichworten. damit hoffe ich auch allzu gängige kulturrezepte zu sprengen. zugleich ist das erkunden der welt eine wichtige selbstreflexion, ein innehalten im fluss der kulturellen zeit und ein mutfassen gegenüber der praktischen arbeit. anders kann kultur meiner ansicht nach nicht entstehen. somit werde ich erstmal schreibender zeit:genosse sein; eines tages – wie christa wolf schließlich in „ein tag im jahr“ 2000 schreibt – vielleicht plötzlich zeit:zeuge, der genau, oder sogar etwas genauer hingesehen hat. schicht für schicht, beitrag für beitrag wird also etwas unvorhersehbares entstehen.

das „MORGEN“ im foto trägt beinahe jede nacht die „Morgenpost„, die in dresden gelesen wird. darin ist also bereits eine (fotografische) interpretation eines größeren räumlichen und funktionalen zusammenhangs enthalten. auch drehen sich die räder laufend, der morgen wird also mitunter nur teils oder gar nicht wahrgenommen oder sogar von der morgenpost verdeckt. somit ist das foto ein verdienst des schreibenden und dessen, der die schrift wieder hervorholte. zivilisationsarchäologie im arbeitsalltag.

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