campussp!onage = ge(h)schichten

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fotos: felix liebig, 24. märz 2012

die campussp!onage erging sich als teil der campus!nventur am hauptcampus der tu dresden in geschichten, den persönlichen raumerlebnissen von menschen mit der tu dresden.
sie war teil des eigenen programms zum 8. marktes für dresdner geschichte und geschichten.

deshalb sprechen hier auch nicht so sehr die bilder, als vielmehr die worte der sieben beteiligten menschen. diese hat antje meichsner von coloradio aufgezeichnet und sie müssen noch nach publikationsrecht und aussagekraft vorgehört werden… >>> bald hier in ton & text. ein würdiges zitat soll vorangestellt sein:

„so müssen wahrhafte erinnerungen
viel weniger berichtend verfahren
als genau den ort bezeichnen,
an dem der forscher ihrer habhaft wurde.“

(walter benjamin: ausgraben und erinnern – schweppenhäuser/tiedemann (hg.): walter benjamin – gesammelte schriften, bd. vi: fragmente, autobiographische schriften, frankfurt am main 1984, s. 486. zitiert bei: christa wolf, stadt der engel oder the overcoat of dr. freud, suhrkamp, 2010) (hier ein externer link zu dem fragment)

bei schönem wetter fanden einige junge und ältere forscher zum spaziergang im campus. sie begaben sich an die orte ihrer erinnerung und bestimmten mit ihrem vorwissen das tatsächliche ausformulieren der grob vorskizzierten route. vor ort wurde dann gezielter ausgegraben – eine „narrative archäologie“: eine spaziergängerin konnte z.b. fotos ihrer abschlussfeier am ort des damaligen studiums im berndt-bau vorzeigen sowie gar rasterelektronenmikroskopische proben von werkstoffen als fotos. zauberhaft! eine andere spaziergängerin ist als kunstgeschichtliche mitarbeiterin von „kunst+bau“ insbesondere in der kunst am, im und um den bau in dresden und auch der tud bewandert. das ist insofern schön, da maria obenaus von der kustodie der tu dresden, die normalerweise selbst spaziergänge auf dem campus zur kunstgeschichte anbietet, an diesem tag nicht dabei sein konnte. ein älterer spaziergänger vom geschichtsmarkt brachte seine kenntnisse als philatelist ein.

impulse zur route gab ebenso die tagessituation, die es nun ausgerechnet an diesem schönen sonnabend nicht erlaubte, in die am vorigen wochenende zur gleichen zeit noch offenen gebäude auch hineinzugelangen um dort nach „erzählarchäologie“ zu fanden. also unterhielten wir uns im außenraum über den innenraum. lange verweilten wir etwa beim neuen chemiegebäude, das in vier abschnitten an der bergstraße zwischen hörsaalzentrum und mommsenstraße unter einbezug eines altbaus aus den 80er jahren neu errichtet wurde. die „käsereiben“ an der fassade ließen uns über die größe des dazu passenden käses spekulieren. angewandte forschung ist das am gebauten objekt, das dazu reichlich anregt.

weitgehend spekulativ redeten wir auch – aber aus ganz anderen gründen – über die vorgänge im hannah-arendt-institut für totalitarismusforschung. hier werden merklich die grenzen des erklärbaren erreicht, da das thema totalität in seiner komplexität und verflechtung nicht nur mit der körperschaft der tu dresden zu jeder zeit – auch heute – politisch polarisiert und vielfach tabuisiert wird. menschen finden keine worte für durchaus erklärbares, weil sie unsicher sind über die zeitgeschichtliche „richtigkeit“ ihrer aussagen. dabei wären diese stimmen gerade wichtig für eine propagierte   u n i v e r s a l i t ä t   der blickwinkel. gleichsam leuchten hier die grenzen der sozialraumforschung auf, die nur soweit gehen kann wie die gedanken der menschen auch worte finden. öffentlich „erklärbares“ ist hierarchisiert von meinungsbildenden hoheiten und mehrheiten. zeitzeugenhaft erwiesen ist jedoch mittlerweile, dass die sed in zeiten der ddr in denselben räumen wie das heutige institut ihre büros hatte. das sprichwörtliche „kratzen an der tapete“ ist hier wie andernorts u.u. aufschlussreich, auch im übertragenen sinn.

so lädt die campussp!onage womöglich auch in zukunft wieder ein zum überschreiten einiger grenzen und erforschen augenscheinlicher allegorien in der tu dresden.

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tud II

fotos: felix liebig, 17. märz 2012

auf dem zweiten meiner vorbereitenden streifzüge durch den kerncampus der tu dresden begegnete ich in besonderer weise den „eingeweiden“ dieser stadt in der stadt, namentlich dem innenleben des barkhausenbaus im westen und des neuen chemiegebäudes im zentrum des campus. sie sind der hauptgrund für eine neuerliche gedankliche überlagerung mit den schriften des italo calvino in „die unsichtbaren städte„, die ich anhand der tu dresden wiederzulesen gedenke.

„unsichtbar“ ist hier durchaus mehrdeutig zu verstehen. im chemiegebäude traf ich zunächst auf den lichtstrahl aus zwei zimmern, bevor sich mir eröffnete, dass hier zum einen in der küche sehr viel sekt ausgtrunken worden war und zum anderen auch wirklich jemand nebenan arbeitete. das war eine frau, die vermutlich ebenso beängstigt wie schließlich ich sie ansah an ihrem laptop saß. sie musste mich ja schon eine weile gehört haben und das gebäude schien doch so gut wie verlassen zu sein. beschämt über diese begegnung voller vorurteile machte auch ich mich physisch in ein anderes geschoss davon, während die frau hoffentlich aus ihrem inneren exil entlassen war. die frage blieb denoch, ob ein gespräch über diesen verflechtungsraum zweier menschen in einem gebäude nicht gut gewesen wäre. ich wollte ja niemanden stören. in einem labor lief zudem noch (film)musik und ich fühlte mich tatsächlich auf einmal unheimlich. vielleicht sollte ich hier nicht zu genau stöbern?

andere dinge sind so sichtbar wie der helle tag und werden dennoch nicht gesehen. das sind neben obigen mikroskopischen bzw. sozialen innereien die auch bei calvino beschriebenen greifbaren „eingeweide“ namens klimaanlagen und heizungsrohren oder notdürftig der heutigen bauordnung angedienten nottreppen usw., die überall da, wo niemand so genau hinschaut ins auge springen. die tud hat ein vorne und ein hinten. sie hat auch ein außen und ein innen. sie ist lebendig. sie ist ein körper und besitzt vielfältige organe. ein organismus.

wie im großen, so im kleinen, repräsentiert auch das obige chemiegebäude diese idee, und der barkhausenbau. der barkhauseneffekt, der im foyer digital auf einem touchscreen beschrieben wird, steht zudem sinnbildlich für viele vorgänge im täglichen leben. frei interpretiert: erst mit einer gewissen redundanz „springt“ in vielen lebensbereichen die akzeptanz oder überhaupt die wahrnehmung eines sachverhaltes. wir alle sind sozusagen geplagt von „weisschen bezirken“, die sich einer veränderung in unserem umfeld (dem magnetfeld) entgegenstellen, bis sie nicht mehr anders können. aber es geht hier um ein gebäude, das in seiner räumlichen und beinahe syn-ästhetischen vielfalt beeindruckend ist. nicht nur, weil unterhalb des foyers – wie ich erst nachher durch prof. fritsche erfuhr – ein, nein das akustikmodell der semperoper stehen soll, die für ihre klangliche rafinesse stets gelobt wird. imponiert hat mir auch wie frei sich mensch hier am wochenende bewegen kann, wenn er glück und guten sinn hat. die abseitigkeit und auch poetik von orten an der tud kann da hautnah erlebt werden, wo über jahre der staub liegengeblieben ist und nur eine stiege bzw. das sich-treiben-lassen im raum gegen jede vernunft die hintersten winkel sichtbar werden läßt. doch auch hier waren schon vor mir menschen. es ist nicht der mond. es ist die in vielen schichten auch heute noch wachsende bauliche verkörperung menschlicher bedürfnisse zwischen heerer wissensvermittlung und bloßem dasein. vom breiten gang in die schmale nische, vorbei an der toilette und dann auf einmal der weitläufige und treppenknarzende hörsaal! auch das eine art „barkhausensprung“. italo calvino hätte seine freude daran.

auch hier wieder: die vielfalt der bilder ergibt die komplexität des eindrucks von diesem raumgebilde tu dresden. wer wagt, gewinnt eindrücke…

vergangenheitsspuren @ adrem

foto: amac garbe, text: jana schäfer

am 7. märz 2012 schreibt die unabhängige regionale hochschulzeitung „adrem“ anlässlich des 8. dresdner marktes für geschichte und geschichten in ihrem artikel „vergangenheitsspuren“ auf seite vier über den kultur!ngenieur und seine campussp!onage.

das freut!

vielen dank an klaus brendler (geschichtsmarkt), jana schäfer (adrem redaktion) und amac garbe („zentrale für schnelle fotoeinsätze„)

hier der artikel in der adrem vom 7. märz 2012 als pdf.

tud

fotos: felix liebig, 3. märz 2012

vorweg: so menschenleer wie auf den bildern ist die tu dresden nicht. schon gar nicht in der woche und schon gar nicht außerhalb der semesterferien. vielmehr zeugen alle dinge dort auch jetzt vom menschen und seinem tun.

getreu und frei nach dem motto „tue gutes und sprich darüber“ tut die tud allerhand um ihr image zu entwickeln und eine excellente universität zu werden. ja! bzw. „¥€S“ schreibt direkt vor der neuen mensa die boston conculting group (bcg) auf ein plakat, und addiert den claim „grow further“. (den dollar kennt mein browser aus unerfindlichen gründen nicht.) ich aber kenne die boston consulting group und finde das zitat geradezu paradox in unserer zeit der be- und verschränkungen; gerade im bereich sozialen, also nicht technisierbaren wissens- und informationsaustausches. mehr studenten wird es auch weiterhin geben, weil es kaum einen flachen bildungsweg mehr gibt, sondern bald nur noch den höheren, und damit auch von keiner (wissens)agentur auf der welt mehr geld zu verdienen ist. wissensspekulation ist nötig. hier setzt die excellence-initiative an.

ich meine, die tu dresden ist schon excellent, braucht also kein neues „dresden concept“ gleich oben rechts auf der startseite, denn sie weiß um ihre qualitäten nur nicht, weil sie – ich bitte um vergebung – betriebsblind ist. auf dem spaziergang sind auch deshalb 103 aussagekräftige fotos entstanden, weil spazierengehen in bildsequenzen verläuft und das für_wahr_nimmt, was da ist und mit dem gewebe des materialisierten nicht irgendwo, sondern vor ort spekuliert. mancherorts sind es sogar beinahe cinematografische bildfolgen als verweis auf mögliches. die tud hat viel zu bieten. ick kieke, staune, wundre mir. und verfalle auf berlin und walter benjamin (wiki), der ja ein künstler im textlichen aufbereiten von bildsequenzen war. denkbilder. wissen_schafft_denkräume.

was in der tu dresden zu denken gibt und als bild wirkt, sind z.b. in der nachschau die container. die blauen. klar. aber auch die beiden sandsteinfarbenen. die slub. doch während die letzten wissen beherbergen bzw. die menschen, die man nicht sieht, die aber im namen der sächsischen landes- und universtitätsbibliothek dieses wissen zugänglich machen – ich kenne selbst einige – beherbergen die blauen container nichts. sie proklamieren nur sinnsprüche der excellence-kampagne. hier und da steht innen ein tisch mit stühlen. klaustrophobisch. entsteht so wissen? ist excellent, was gleichmacht? ich fühle mich an die kunst erinnert, die unzählige gleichanmutende männer um einen langen (konferenz)tisch sitzen lässt. einmütig. der künstler und das werk sind mir entfallen.

wie wissen wirklich entsteht ist in den fotos sicher auch zu sehen. nämlich in der überlagerung unterschiedlicher reize, die auf uns wirken mit bildern, die wir schon haben. und das geschieht immer im raum. der raum wirkt und wir wirken auf den raum. der raum ist sinnlich und sinngebend. jemand, der sich in den weiteren recherchen als experte für sinn(es)räume erweist, ist jörg rainer noennig, juniorprofessor für wissensarchitekuren an der fakultät architektur. unter anderem in einer garage lässt sich wissen durchaus besser als in einem schicken container vermitteln. die reihe „undsonstso“ bewies es mit der # 1.

dass die tu dresden blaue container des multinationalen konzerns bilfinger/berger aufstellt anstatt meinetwegen von excellenten studenten oder künstlern blau angemalte räume zugänglich zu machen, verwundert, weil sie so reich an unterschiedlichen räumen und raumstrukturen ist, dass sie allein dadurch excellent sein kann. nur leider ist wissen immernoch zunächst einmal ein plakatives marktinstrument, das geld kosten muss und nicht das, was es ist, nämlich ein fluidum aus realem raum und gedankenraum, den man mit ein wenig blauer farbe sichtbar machen kann. ein „realer raummarker“. für die tu dresden. symphatisch. man denke nur an den barkhausenbau oder den von mir selbst erlebten försterbau mit ihren zum verlaufen vielfältigen raumfolgen, winkeln und nischen, in denen alles passieren kann. diese konglomerate des raumwissens ganzer studenten- und mitarbeitergenerationen.

apropos generationen: auch das logo der tu dresden wird ja gern auf’s korn genommen, oder wird selbst zur kimme oder zum korn – je nach lesart – in der stele von jürgen schieferdecker am unteren ende des zelleschen weges. dort verräumlicht sich das buchstabenpaar sogar. im gegenwärtigen design „flirrt“ es vielen zu sehr. am heinz-schönfeld-hörsaal aber ist eine ältere generation des logos aus den vermutlich 60er jahren zu sehen, die erstaunliche anklänge an heutige bekannte bilder wie barcodes mitbringt und in sachen figur-grund-phänomene klarer als das heutige logo erscheint. ein vergessenes logo – ein vergessener ort?

ich kann nur hoffen, dass die tu dresden die chance erkennt mit der wissen_schaffenden excellence auch kritisch-kreative künstlerische excellence zu fördern, sich eben nicht selbst zu vergessen, sondern sichtweisen auf den campus zu eröffnen, die dem klische der technischen universität das narrativ der sozialen und kulturellen universität gegenüberstellen. was zwischen den zeilen steht kann beim lesen auch mal gut tun. t-u-n. t-u-d. tut nicht weh. oh doch, tat auch weh, z.b. im dritten reich. aber dazu anderer stelle mehr. z.b. dem hannah-arendt-institut für totalitarismusforschung und der stiftung sächsische gedenkstätten mit der gedenkstätte münchner platz.

deshalb, weil nämlich die geschichten und raumerinnerungen der menschen die zeilen liefern, zwischen denen ich meine mehr zu lesen als zwischen den kubisch-technokratischen äußerungen excellenten stahlbaus, gehe ich am 24. märz ab 14 uhr mit jedem interessierten auf campussp!onage.

infofak

campussp!onage

grafik: felix liebig auf basis von tu dresden, dezernet für akademische angelegenheiten und google maps
foto: felix liebig, 2010 

zum 8. markt für dresdner geschichte und geschichten eröffnet der kutlur!ngenieur gleich zwei formate für geneigte betrachter des campus der tu dresden. die umsetzbarkeit ist dem engagement des nunmehr langjährigen bekannten klaus brendler, vorsitzender des vereins „dresdner geschichtsmarkt“ e.v. zu danken. hier der bewegte teil davon.

campussp!onage

> zeit: am samstag, den 24. märz 2012 in der zeit von 14 bis 16 uhr.
> ort : technische universität dresden, fakultät informatik, nöthnitzer straße 46, 01187 dresden

besucher des marktes und interessenten sind zum spaziergang herzlich willkommen. es gibt keine teilnehmerbeschränkung.

idee >>> ein forscher-spaziergang in form einer interaktiven spionage in ergänzung der erzähllandschaft zur geschichte des campus der tu dresden.

das ziel der „campussp!onage“ ist nicht das wiedergeben, sondern das erforschen historischer (ge)schichte(n) im campusareal der tu dresden. sie reiht sich in die forschungsinhalte der campus!nventur ein und geht vor ort auf spurensuche. somit beginnt sie mit einer kurzen sichtung bisher gesammelter historischer schichten und erzählungen.

weniger im historisch faktischen sinne, sondern vielmehr in der erzählperspektive der beteiligten wird der erfahrungsraum universität an der tu dresden durchleuchtet und auf schnittstellen zwischen den vielen historischen schichten hin untersucht. die methode ist es im gehen die schichten zu durchschreiten – (geh)schichten – und bewusst zu spionieren. die erzählstränge anwesender interessenten und experten setzen sich auf dieser basis dann mit den komplexen zusammenhängen und historischen zeitläuften im campus beim spazierengehen weiter auseinander. anregungen und erzählungen der spaziergänger werden mit text, audio und foto aufgezeichnet um in der datenbank der campus!inventur und für spätere qualifizierte projekte verfügbar zu sein. faktische schwerpunkte der forschung ergeben sich daraus ebenso wie potentiale weiterer beteiligung durch interessenten…

die campussp!onage ist vom kultur!ngenieur geprägt worden.