tud II

fotos: felix liebig, 17. märz 2012

auf dem zweiten meiner vorbereitenden streifzüge durch den kerncampus der tu dresden begegnete ich in besonderer weise den „eingeweiden“ dieser stadt in der stadt, namentlich dem innenleben des barkhausenbaus im westen und des neuen chemiegebäudes im zentrum des campus. sie sind der hauptgrund für eine neuerliche gedankliche überlagerung mit den schriften des italo calvino in „die unsichtbaren städte„, die ich anhand der tu dresden wiederzulesen gedenke.

„unsichtbar“ ist hier durchaus mehrdeutig zu verstehen. im chemiegebäude traf ich zunächst auf den lichtstrahl aus zwei zimmern, bevor sich mir eröffnete, dass hier zum einen in der küche sehr viel sekt ausgtrunken worden war und zum anderen auch wirklich jemand nebenan arbeitete. das war eine frau, die vermutlich ebenso beängstigt wie schließlich ich sie ansah an ihrem laptop saß. sie musste mich ja schon eine weile gehört haben und das gebäude schien doch so gut wie verlassen zu sein. beschämt über diese begegnung voller vorurteile machte auch ich mich physisch in ein anderes geschoss davon, während die frau hoffentlich aus ihrem inneren exil entlassen war. die frage blieb denoch, ob ein gespräch über diesen verflechtungsraum zweier menschen in einem gebäude nicht gut gewesen wäre. ich wollte ja niemanden stören. in einem labor lief zudem noch (film)musik und ich fühlte mich tatsächlich auf einmal unheimlich. vielleicht sollte ich hier nicht zu genau stöbern?

andere dinge sind so sichtbar wie der helle tag und werden dennoch nicht gesehen. das sind neben obigen mikroskopischen bzw. sozialen innereien die auch bei calvino beschriebenen greifbaren „eingeweide“ namens klimaanlagen und heizungsrohren oder notdürftig der heutigen bauordnung angedienten nottreppen usw., die überall da, wo niemand so genau hinschaut ins auge springen. die tud hat ein vorne und ein hinten. sie hat auch ein außen und ein innen. sie ist lebendig. sie ist ein körper und besitzt vielfältige organe. ein organismus.

wie im großen, so im kleinen, repräsentiert auch das obige chemiegebäude diese idee, und der barkhausenbau. der barkhauseneffekt, der im foyer digital auf einem touchscreen beschrieben wird, steht zudem sinnbildlich für viele vorgänge im täglichen leben. frei interpretiert: erst mit einer gewissen redundanz „springt“ in vielen lebensbereichen die akzeptanz oder überhaupt die wahrnehmung eines sachverhaltes. wir alle sind sozusagen geplagt von „weisschen bezirken“, die sich einer veränderung in unserem umfeld (dem magnetfeld) entgegenstellen, bis sie nicht mehr anders können. aber es geht hier um ein gebäude, das in seiner räumlichen und beinahe syn-ästhetischen vielfalt beeindruckend ist. nicht nur, weil unterhalb des foyers – wie ich erst nachher durch prof. fritsche erfuhr – ein, nein das akustikmodell der semperoper stehen soll, die für ihre klangliche rafinesse stets gelobt wird. imponiert hat mir auch wie frei sich mensch hier am wochenende bewegen kann, wenn er glück und guten sinn hat. die abseitigkeit und auch poetik von orten an der tud kann da hautnah erlebt werden, wo über jahre der staub liegengeblieben ist und nur eine stiege bzw. das sich-treiben-lassen im raum gegen jede vernunft die hintersten winkel sichtbar werden läßt. doch auch hier waren schon vor mir menschen. es ist nicht der mond. es ist die in vielen schichten auch heute noch wachsende bauliche verkörperung menschlicher bedürfnisse zwischen heerer wissensvermittlung und bloßem dasein. vom breiten gang in die schmale nische, vorbei an der toilette und dann auf einmal der weitläufige und treppenknarzende hörsaal! auch das eine art „barkhausensprung“. italo calvino hätte seine freude daran.

auch hier wieder: die vielfalt der bilder ergibt die komplexität des eindrucks von diesem raumgebilde tu dresden. wer wagt, gewinnt eindrücke…

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spiel mit den bildern

link & screenshot: Dokumentationsfilm „Spiel mit dem Tod“, Felix Müller

der link erreichte den kultur!ngenieur von einem bekannten mit der ausdrücklichen bitte, den film auch über minute 18 hinaus anzusehen. das ist tatsächlich ratsam und öffnet die augen für etwas, das wir alle irgendwie vielleicht wissen, jedoch alltäglich eben nicht bewusst vor augen haben.

spontan meine reaktion:

zu jedem im fernsehen gezeigten film, zu jeder werbung, zu jeder politikerrede müssten in zukunft gleichsam als „beipackzettel“ solche dokumentationen bzw. eingehende erläuterungen dazu wie das produkt entstand und wieviel und was genau daran verfälscht worden ist dargereicht werden. oder:

„alles zweifelhafte muss angezweifelt werden“

kurz zur erklärung: der film zeigt bis zur ca. 18. minute ein setting mit einer dokumentarischen handlung über ein kritisches thema. dann bricht er den sich aufbauenden spannungsbogen betont ab und bringt eine ca. 10-minütige erklärung der angewandten bildmanpulationen.

haben wir uns daran gewöhnt mit einer überfülle an halbwahrheiten zu leben?

wir können heute weder ermessen noch in allen einzelheiten bewerten, was uns als wahr und was als verfälscht vermittelt wird. medienpädagogik z.b. hat es demgegenüber reichlich schwer einen soliden standpunkt in der bildung von selbstbestimmten, neugierigen und kritischen menschen zu formulieren. in einem netz aus abhängigen (fehl)informationen lösen sich tatsächliche anschauungen auf und bilder werden produziert – bzw. produzieren sich im world wide web auf einen impuls hin mittlerweile selbst – die nurmehr ein amalgan einer tatsächlichen begebenheit, einer information sind.

wie kritisch müssen wir sein?

für mich ist nicht das, sondern vor allem der blick auf die authentizität von informationen, ihre fühlbarkeit, ihre sinnliche echtheit interessant. menschen bewegen sich heute in vielen „sinnlosen“ räumen, deren fühlbare information wie im fernsehen, in werbungen, in reden von repräsentanten nicht mehr auf ihre „echtheit“ überprüfbar sind. aus unfähigkeit, aus mangel an eben den echten informationen oder schlicht aus überdruß über die masse und konsequenz des abzuarbeitenden berges an fehlbarkeiten unterbleibt das hinterfragen. resignation ist dabei nicht weit und das equilibrium unter dem dauerfeuer an über- und unterreizung – eben reizung – besteht in einer balance des aushaltens, nicht aber in freier wahl.

was aber ist echt?

automatisch kommen einem gedanken an filme wie „the matrix“ oder „fight club“. aber auch an literatur und kunst. dort wird die hintergründigkeit des „echten“ beschrieben und in einer (fast) dystopie überspitzt. ganz nah liegen dann persönliche und berufliche themen wie stadtmarketing und andere bildgeführte debatten oder die omnipräsenz der welt in der digitalen welt, die überdeutlichkeit / überbedeutsamkeit alles wahrgenommenen in der (digitalen) reproduktion. aber auch die als „politiktheater“ längst verballhornte doppelbödigkeit im umgang mit den grundbedürfnissen der gesellschaft als sozialer ganzheit kommt mir in den sinn.

wo sind unsere rückzugsräume, um die welt zu reflektieren und sie wirklich zu erkennen und demnach zu gestalten?

nicht erst seit walter benjamin und „das kunstwerk im zeitalter seiner technischen reproduzierbarkeit“ (wikipedia) ist die maschinenhaft technoide und damit erst vermarktbare, weil abgrenzbare, verwertung alles sinnlichen zumeist de-konstruktiv. benjamin selbst hat hitlers vor- und untergang vorausgesehen. an dieser stelle könnte aber klar werden, dass der von benjamin vor allem in bezug auf film und fotografie und deren massenhafte reproduktion beschriebene wandel noch immer und vielleicht schon immer andauert. heute haben sich neue „erweiterungen“ in das repertoire geschlichen, der prozess sich auf ein allgmeingültiges für jeden zugängliches wirkungsfeld verlagert. heute sprechen wir davon global als „augmented reality“ bzw. erweiterter realität (wikipedia).

wo und wann aber setzen wir die mittel der verfälschung konstruktiv und kreativ sinnlich ein?
wann und wo nutzen wir diesen raum der möglichkeiten zum besseren unseres lebens, spielen und kreieren damit?

hinter reingerechneten neongrauen, zeitgereiften und anders retortenhaft titulierten oberflächen und spannenden animationen verbergen sich die wahren vorgänge eines bildhaften kulturinhalts, geschweige des prozesses. niemand erkennt mehr – und soll es auch nicht – welche authentizität und komplexität sich hinter dem schicken äußeren verbirgt. der gebrauchswert steht hinter dem objektwert klar zurück. unter der motorhaube des audi ist kein motor mehr, sondern ein plastikdeckel mit hübschen gelben knöpfen, sie man anfassen soll. das macbook und mehr noch das ipad ist nurmehr eine hülle ohne zugriff auf die bestandteile, sondern lediglich einem wischtableau, das uns eine neue taktilität anerzieht. ein verstehen ist so ausgeschlossen. aufschrauben kann man aber beide immernoch. werkzeug gibt es überall, in jedem haushalt… notfalls auch den hammer oder den kuhfuß.

hier beginnt die crux z.b. der medienpädagogik, die das nutzen vor das verstehen stellt. für das verstehen soll die informatik zuständig sein. gelbe knöpfe sind verführerisch, aber zeigen eben nur das, was man sehen soll.

was muss und soll ich erklären?
was soll und muss sich der nutzer selbst aneignen und woher bezieht er die motivation und die information dazu?

xxx

B-Team Brownfield Days Dresden

Die Anfrage aus dem Stadtplanungsamt Dresden an diesem Programm mitzuwirken war eine willkomme Gelegenheit zur intensiven Auseinandersetzung mit der Leipziger Vorstadt in Dresden als Zielgebiet einerseits und den Werkzeugen des Spazierengehens, des Location-Scoutings und der „Kultur!nventur“ anderersetis.

Fotos folgen in Kürze …

Die sog. „B-Team Initiative“ vereint elf europäische Städte in einer strategischen Entwicklungspartnerschaft mit dem besonderen Augenmerk auf innerstädtische Brachen (engl. Brownfield) vor dem Hintergrund des regionalen Vermittlungsprogramms „Interreg IV C“ der Europäischen Union. Die Stadt Dresden lud im Rahmen dieser Initiative vom 4. bis 7. Juli 2011 Experten aus den beteilgten Städten und der lokalen Szene zu den Brownfield Days. Aufgabe der Stadt war es, den bestehenden Masterplan Leipziger Vorstadt, Neustädter Hafen mit neuen Erkenntnissen zu unterfüttern und weiter publik zu machen.

Meine Aufgabe war das Ermitteln und Aufschließen einiger Partner und Akteure im Gelände der Leipziger Vorstadt – von mir gemeinhin als „Kultur!nventur“ betitelt – und das Verarbeiten der Erkenntnisse zugunsten einer umfassenden Vorstimmung der Teilnehmenden Experten auf einem Spaziergang. Nebenbei konnte ich mit etwas Glück die Räumlichkeiten von der Geh 8, Michael Grzesiak von urbikon.com in Leipzig und den Szenekoch Paul Hackenberg vom „Genusswerk“ im Projektgebiet als Kollaborateure gewinnen.

Der Spaziergang erstreckte sich nach mehreren Probe- und Erkundungsläufen sowie intensiver und für mich fruchtbarer Zusammenarbeit mit den Kollegen im Stadtplanugnsamt – namentlich Matthias Flörke-Kempe, Barbara Engel, Thomas Herm – über das gesamte Gebiet und hatte einen Umfang von ca. vier Stunden. Leider war das Wetter nicht sehr wohlgesonnen, aber das haben alle Teilnehmenden hervorragend weggesteckt.

Idee war es dabei in einer Art potentiellem Panoptikum des Areals den Experten des B-Teams alle erdenklichen Schnittstellen für eine Entwicklung des Masterplangebietes vor Augen zu führen und sie mit Akteuren wie Objekten gleichermaßen vertraut zu machen und nebenher auch die Akteure vor Ort für ihr Gebiet und füreinander mehr zu interessieren. Das gelang zunächst hervorragend: Vom Immobilienentwickler mit eigens aufgebautem Zelt am Leipziger Bahnhof über den Szene-Akteur vom Beachklub bis zum Freiraum Elbtal mit alternativen Lebenskonzepten oder dem Betriebsleiter des Pillenherstellers waren alle und alles dabei.

Das Feedback war durchweg positiv.

In den Workshops und der öffentlichen Abschlussdiskussion der Brownfield Days wurde konstruktiv und teils äußerst kreativ an Verbesserungen und Ergänzungen des Masterplanes gearbeitet. Dabei wurde offen über ganz und gar zeitgenösische Entwicklungskonzepte debattiert, die lediglich den schweren Weg in die hiesige Politik und Ökonomie haben.

Für mich war es eine Ehre mit einigen wirklcih bewanderten und umtriebigen Köpfen der europäischen Stadtentwicklung in Kontakt zu kommen, zu sehen, dass die B-Team Initiative von einer Deutschen im Stadtentwicklung Departement in Belfast koordiniert wird und es im Grunde Menschen wie Du und Ich sind, die die europäische Stadt durch Stürme des Investments und Wogen der Politik zu einer lebenswerten Stadt zu machen versuchen. Die Arbeit war fruchtbar und zukunftsweisend, denn die nächsten Entwicklungen stehen so oder so im Kontext Pieschen, Leipziger Vorstadt schon an.

Alle Achtung!

Hier der Plan des Rundgangs als PDF:

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die knarks und die krauts und die kunst

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fotos: felix liebig; werke: c/o die künstler & kulturschaffenden

wir drehen am zahnrad,
in der ex. r. krautwald maschinenfabrik.

ZAPFENSTREICH

in diesem besonderen falle vom 1. bis 6 juni 2011 sind es die künstler um conny cobra.
und was dabei zustande kommt, kann der geneigte betrachter hier erahnen …

REVISION

in der zwischenzeit hat sich viel getan,
ich habe das verfolgt,
weitere fotos zeugen davon.

kunst und kultur – vor allem aber selbstbestimmtes handeln – versetzen orte in einen neuen daseinszustand.
auch conny cobra zitiert joseph beuys:

kunst als soziale plastik

was mir in der fabrik als „jungfräulichkeit“ des plastischen erscheint:
die korrespondenz des werdenden,
die poesie des unfertigen.


raumkunst,
kunstwerke,
werkzeuge,
zeugnisse,

ein noch loses sammelsurium reichhaltiger gegenstände.
mitunter microskopisch,
plus die menschen, die diese gegenstände durch ihr handeln erst kontextualisieren,

in ein verhältnis setzen.

hier greift mehr ineinander als ein paar zahnräder,
die übersetzung dieses „gebtriebes“ ist stufenlos:
von  herantasten bis zupacken und wieder loslassen.

der erste gang ist eingelegt für den krautwald–sommer.

u.v.a.m.

ein hoch auf den kontemplativen leerlauf!

Der Kulturflohmarkt – Feilschen über Europa!

Foto: „Europa in der Tasche“ (Grafik: Felix Liebig)

Endspurt:

„Der Countdown läuft, die jungen Kulturschaffenden und Eu-Beitrittskandidaten aus dem Balkan sind bereits unterwegs auf ihrer Tour durch Europa. In einer Woche beschließen sie ihre Fahrt in Dresden.

Interkultureller Austausch geht auch durch den Magen. In Dresden steht dazu bereits das Porzellan für den Blümchenkaffee bereit (siehe Foto, Blümchenkaffeetassen, Felix Liebig), an die Eierschecke machen sich fünf fleissige Hobby-Bäcker Anfang nächster Woche. Die Europakundschafter treten ein in die heiligen Hallen des ‚Canaletto-Syndroms‘ (sicht/beton/ung/sechs). Was da wohl passiert … ?“

Pressemitteilung Deutsch:

Am Dienstag, den 3. Mai 2011 zwischen 12 und 16 Uhr lädt das Medienkulturzentrum Dresden e.V. und der friedrichstadtZentral e.V. alle Kultur- und Europainteressierten zum “Kulturflohmarkt“ ein.

Im Rahmen des Projektes „We Are Europeans“, welches Teil des europäischen Kulturaustauschs der Polnischen Robert-Schumann-Stiftung ist, stellen junge Erwachsene aus Montenegro, Albanien, Mazedonien, Bosnien, Serbien und Kroatien ihre Staaten als potentielle EU- Beitrittsländer vor.

Mit dem Kulturflohmarkt beenden sie ihre Reise durch Europa und laden auf ihrer letzten Station die Dresdner Bürger sowie Dresdner Vereine und Institutionen zum interkulturellen Austausch in Form eines Flohmarktes ein.

„Kerngedanke des Kulturflohmarktes ist der symbolische Austausch von Kulturgütern,“ erklärt Felix Liebig, Projektkoordinator. „Jeder Besucher bringt für ihn persönlich kulturtypische Dinge mit, die in seine Hosentasche passen“. Diese sollen auf dem Kulturflohmarkt feilgeboten und gehandelt werden. „Die Gäste aus dem Balkan und die Akteure aus Dresden sollen miteinander über ihre individuellen Visionen von Europakultur ins Gespräch kommen und schließlich eine gemeinsame europäische Vision formen“.

Kristina Schoger, Leiterin der Abteilung Europäische und Internationale Angelegenheiten im Büro der Oberbürgermeisterin der Stadt Dresden, wird die Gäste aus dem Balkan begrüßen. Als Teilnehmer haben bereits Kultur Aktiv e.V., das Societätstheater, Die Internationalen Gärten Dresden e.V. und Der Werk.Statt.Laden zugesagt. Interessierte Dresdner Vereine und Kulturschaffende, die sich ebenfalls am Kulturflohmarkt beteiligen wollen, können sich noch bis zum 21. April 2011 bei Felix Liebig unter der Telefonnummer 0351 / 4662766 melden.

Neben dem Flohmarkttreiben erwarten den Besucher kulinarische Dresdner Klassiker. Die Veranstaltung wird in englischer Sprache durchgeführt. Der Eintritt ist frei.

Der Kulturflohmarkt wird vom Medienkulturzentrum Dresden organsiert. We Are Europeans is ein Projekt der Polnischen Robert-Schumann-Stiftung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Robert-Schumann-Stiftung, kofinanziert durch die EU-Kommission.

Zeit: Dienstag, 3. Mai 2011 zwischen 12 und 16 Uhr
Ort: friedrichstadtZentral, 400er Saal, Friedrichstraße 52 HH, 01067 Dresden

Weitere Informationen und das Programm finden Sie auf der Projektseite der Polnischen Robert-Schuman-Stiftung.

Projektkoordination:
Felix Liebig
Medienkulturzentrum Dresden e.V.
fon: 0351 / 4662766, mobil: 0176 / 24083754
felixliebig [at] gmx [punkt] net

Der Kulturflohmarkt – Feilschen über Europa!

foto: der ort des geschehens wird mit leben erfüllt. (© mit freundlicher genehmigung des friedrichstadtZentral e.v.)

ich veröffentliche hier den entwurf einer pressemitteilung zu einem wundervollen projekt, für das ich im auftrag der polnischen robert-schumann-stiftung die gesamtkoordination der station dresden übernommen habe:

„Am Dienstag, 3. Mai 2011 zwischen 12 und 16 Uhr, findet der “Kulturflohmarkt” des Medienkulturzentrum Dresden e.V. im 400er Saal des friedrichstadtZentral e.V. statt.

Kristina Schoger, Abteilung Europäische und Internationale Angelegenheiten der Stadt Dresden, wurde angefragt die Gäste offiziell zu begrüßen. Mit dabei ist Kultur Aktiv e.V. Das Societätstheater, die Internationalen Gärten Dresden e.V. und weitere Kulturvertreter haben ihr Interesse angemeldet.

Das Projekt ist Teil des europäischen Kulturaustauschs der Polnischen Robert-Schumann-Stiftung im Rahmen des Projektes „We Are Europeans“. Sechs Kulturglobetrotter aus den Balkan-Staaten sind zu Gast in Dresden als letzter Station ihrer Europa-Rundfahrt. Die Gastgeber wollen mit ihnen vor ihrer Rückfahrt nach Warschau ausgiebig kulturell feilschen!

Deshalb ist alles auf Kulturaustausch angelegt. „Die Gäste aus dem Balkan und die Akteure aus Dresden feilschen miteinander über ihre individuellen Visionen von Europakultur und werden eine gemeinsame europäische Vision formen,“ sagt Felix Liebig, Projektkoordinator für die Station Dresden, „natürlich spielt dabei das Netzwerken eine große Rolle.“

Gefeilscht wird anhand authentischer ‚Kulturflöhe‘, d.h. jeder bringt für ihn persönlich kulturtypische Dinge mit, die in eine Hosentasche passen. Diese werden auf dem Kulturflohmarkt feilgeboten und gehandelt. Alle Teilnehmer sind ‚Kulturhändler‘ ihrer wichtigsten kulturellen Werte und Vorstellungen für Europa.

Die Veranstaltung wird in englischer Sprache gehalten. Sie ist offen für alle Kultur- und Europainteressierten. Der Eintritt ist frei. Es gibt Dresdner Kartoffelsuppe, Eierschecke und Blümchenkaffee!“

* weitere Informationen auf:

der Programmseite der Polnischen Robert-Schumann-Stiftung

* Ansprechpartner der Projektkoordination:

Felix Liebig
i.A. des Medienkulturzentrum Dresden e.V.

siehe unter ‚imprint‘ auf dieser Internetpräsenz

* verantwortlich für die Pressearbeit:

Mandy Ziegler
Medienkulturzentrum Dresden e.V.
Schandauer Str. 64
01277 Dresden

fon: 0351 / 31 540 678, fax: 0351 / 31 540 671

http://www.medienkulturzentrum.de

Sachsenbad: Ein Abriss – zur Konjunktur des Verschwindens

[foto: Felix Liebig, 1.4.2011]

[ENTWURF]

Das Sachsenbad steht wie ich finde in einem unhaltbar negativen und polarisierten öffentlichen Licht. Was die meisten Menschen aufgrund der Meinungshoheit von Politik und Medien nicht kennen, ist das hohe soziokulturelle Engagement, dessen sich das Bad seit seinem Bau bis heute in Pieschen erfreut. Ich möchte diesen Strang beinahe ungesehener Aktivität im Sinne einer mündigen Bürgerschaft hier parallel zu den öffentlichen Berichterstattungen darstellen. Deshalb stelle ich Korrelationen zwischen der medial und politisch geführten Debatte um das Bad und den tatsächlichen soziokulturellen und kulturwirtschaftlichen Aktivitäten vor Ort in den Mittelpunkt der Argumentation. Es ist meines Erachtens dringend notwendig in diesen Diskurs sowohl das Expertenwissen der Planer als auch dasjenige Expertenwissen der Bürger einzuführen!

1927 war der Entscheid zum Bau des Sachsenbades ein Meilenstein sozialer Verantwortung; heute – im Jahr 2011 – wird das alte Volksbad in Politik und Medien behandelt wie ein kultureller Sündenfall.

Was ist geschehen?

Damals waren die Goldenen Zwanziger beinahe vorbei. Nur wußte das noch niemand. In einem Jahrzehnt erster demokratischer Gehversuche in Deutschland war für Dresden die Stadterweiterung am Arbeiterviertel Pieschen eine Chance zum Verwirklichen von sozial aufklärerischen Idealen. Schon zwei Jahre später wäre dies vielleicht nicht mehr möglich gewesen.

Heute ist die sogenannte Wende zwanzig Jahre her. Die existenziell geführten gesellschaftspolitischen Interessenkämpfe sind lange beigelegt. Auch das ist noch nicht allen klar. In einem Zeitalter steigender Kluft zwischen Trägern soziokultureller und denen wirtschaftspolitischer Belange bei der Verwendung öffentlicher Finanzen gehen die Grundlagen der Demokratie in allen Lebensbereichen baden. Jeder Strohhalm einer Idee wird als Vision verkauft.

Wenn ich von einer „Konjunktur des Verschwindens“ spreche, dann meine ich die Umkehrung eines gestalterischen Prozesses in das Negative. Mit dem Bau des Sachsenbades ist ein positiver Impuls für eine den Stadtteil Pieschen stark beeinflussende Entwicklung, ein soziales und kulturelles Wachstum gesetzt worden. Das Ensemble der von Stadtbaurat Wolf entwickelten Siedlung um das Bad verankert diesen Impuls auch baulich-räumlich im Gründerzeitviertel von Pieschen.

Was laut Angaben von Bau-Experten bereits seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts mit dem Sachsenbad passiert, ist das Gegenteil dieses Impulses. In einem steten Prozess ästhetischer und soziokultureller Vernachlässigung wurde das Bad schon zu Betriebszeiten in der Wahrnehmung der Nutzer geschmälert. Als negativer Höhepunkt und quasi Unterschreiten der Nullinie steht in diesem Prozess die Schließung 1994.

Seitdem agieren Bürgerinitiativen wie „Endlich Wasser in das Sachsenbad“, Vereine wie Pro Pieschen e.V. und Aktionen z.B. von der IG Metropole Pieschen gegen diese negative Entwicklung. Dennoch wurde das Bad bei Verantwortlichen in der Politik baulich und als Folgeerscheinung auch in der Argumentation der Medien verbal weiter vernachlässigt.

[ … wird fortgesetzt … ]