campus!nventur

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fotos: felix liebig, 24. und 25. märz 2012.

mit der campus!nventur wagte sich der kultur!ngenieur auf neues sozialraumforscherisches terrain. sie war teil des eigenen programms zum 8. markt für dresdner geschichte und geschichten. ihr ziel ist das abbilden und weiterdenken des campus der tu dresden in geschichten, den persönlichen raumerlebnissen von menschen mit der tu dresden.

die campus!nventur begab sich wie einige andere jungakteure in die domaine der ehrenamtlichen historienforschung auf dem 8. dresdner geschichtsmarkt. mit erfolg! das eigene programm aus einem etwas zu kompliziert geratenen statischen inventar der individuellen raumerlebnisse mit der tu dresden als marktstand und der dynamischen spionage mit zeitzeugen und interessenten als spaziergang hat viel neues wissen erbracht. der methodisch „weiche“ zugang zu den geschichten der menschen über die tu dresden mittels audiokommentar und verortung auf der karte lässt allen deutungsspielraum. im unterschied zu wikipedia bleibt hier mehr raum für nichtfaktische setzungen, die dem poetischen und auch entwicklungspsychologischen wert der erzählung dienen. über die „zeitgeschichtliche collage“ der meisten beteiligten des marktes geht die inventur medial und personell in ihrer multiperspektivität hinaus. der ansatz ist in der form des zeitgeschichtlichen kommentars bzw. der reportage authentisch – der mensch steht mit seinem raumbild und raumerleben im mittelpunkt. erst im nachgang werden die kommentare gehört und vertextet und geben dann anlass zu weiteren fragen und einem soziokulutrell-raumforscherischen vertiefen der informationen im netz der beteiligten „erzähler“. ziel ist ganz klar eine „soziale konstruktion“ von raumidentitäten im universellen raum- und wissensverständnis der tu dresden. (brendlertext)

die authentischen worte über die orte der anwesenden menschen wurden von mir demnach aufgezeichnet und müssen nun nach publikationsrecht und aussagekraft vorgehört werden… >>> bald hier in ton & text. alsbald werden auch die geknüpften kontakte weiter entwickelt und anhand einer projektkonzeption die möglichkeiten des weiteren bearbeitens studiert. der campus der tud hat noch viel zu bieten und die menschen, die darüber erzählen können und wollen sind reich an eindrücken.

ein dank gilt den akteuren des geschichtsmarktes und dem netzwerk der (noch demografisch geprägten) geschichtswerkstätten, ohne die stadtgeschichte meinem über jahre des gegenseitigen kennens gewachsenen eindruck nach nicht faßbar und z.b. in den museen der stadt nicht bezahlbar wäre. in der tat produzieren die damen und herren der geschichtswerkstätten kultur in echtzeit, indem sie z.t. akribisch, z.t. mit der verve des zeitzeugen kulturelle schichten zu geschichte(n) zusammenstellen und interpretieren. zumeist unentgeltlich, wenn man von der sachkostenbezogenen publikationstätigkeit einiger absieht. einige forschen dafür so unbedarft und doch einzigartig gewandt, dass mir das herz blüht – wie herr fobe von der interessengemeinschaft historische friedrichstadt mit seinen collagen aus straßennamen bedeutender persönlichkeiten und philatelistisch passenden funden dazu, also der ebenfalls physisch-räumlichen wie archivarisch-kategorischen inventur von kulturanzeigern. er war sichtlich froh über die aufmunterung doch mal eine ausstellung zu veranstalten oder in einer kooperation mit jungen menschen weitergehend an dem thema zu forschen.

campussp!onage

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fotos: felix liebig, 24. märz 2012

die campussp!onage erging sich als teil der campus!nventur am hauptcampus der tu dresden in geschichten, den persönlichen raumerlebnissen von menschen mit der tu dresden.
sie war teil des eigenen programms zum 8. marktes für dresdner geschichte und geschichten.

deshalb sprechen hier auch nicht so sehr die bilder, als vielmehr die worte der sieben beteiligten menschen. diese hat antje meichsner von coloradio aufgezeichnet und sie müssen noch nach publikationsrecht und aussagekraft vorgehört werden… >>> bald hier in ton & text. ein würdiges zitat soll vorangestellt sein:

„so müssen wahrhafte erinnerungen
viel weniger berichtend verfahren
als genau den ort bezeichnen,
an dem der forscher ihrer habhaft wurde.“

(walter benjamin: ausgraben und erinnern – schweppenhäuser/tiedemann (hg.): walter benjamin – gesammelte schriften, bd. vi: fragmente, autobiographische schriften, frankfurt am main 1984, s. 486. zitiert bei: christa wolf, stadt der engel oder the overcoat of dr. freud, suhrkamp, 2010) (hier ein externer link zu dem fragment)

bei schönem wetter fanden einige junge und ältere forscher zum spaziergang im campus. sie begaben sich an die orte ihrer erinnerung und bestimmten mit ihrem vorwissen das tatsächliche ausformulieren der grob vorskizzierten route. vor ort wurde dann gezielter ausgegraben – eine „narrative archäologie“: eine spaziergängerin konnte z.b. fotos ihrer abschlussfeier am ort des damaligen studiums im berndt-bau vorzeigen sowie gar rasterelektronenmikroskopische proben von werkstoffen als fotos. zauberhaft! eine andere spaziergängerin ist als kunstgeschichtliche mitarbeiterin von „kunst+bau“ insbesondere in der kunst am, im und um den bau in dresden und auch der tud bewandert. das ist insofern schön, da maria obenaus von der kustodie der tu dresden, die normalerweise selbst spaziergänge auf dem campus zur kunstgeschichte anbietet, an diesem tag nicht dabei sein konnte. ein älterer spaziergänger vom geschichtsmarkt brachte seine kenntnisse als philatelist ein.

impulse zur route gab ebenso die tagessituation, die es nun ausgerechnet an diesem schönen sonnabend nicht erlaubte, in die am vorigen wochenende zur gleichen zeit noch offenen gebäude auch hineinzugelangen um dort nach „erzählarchäologie“ zu fanden. also unterhielten wir uns im außenraum über den innenraum. lange verweilten wir etwa beim neuen chemiegebäude, das in vier abschnitten an der bergstraße zwischen hörsaalzentrum und mommsenstraße unter einbezug eines altbaus aus den 80er jahren neu errichtet wurde. die „käsereiben“ an der fassade ließen uns über die größe des dazu passenden käses spekulieren. angewandte forschung ist das am gebauten objekt, das dazu reichlich anregt.

weitgehend spekulativ redeten wir auch – aber aus ganz anderen gründen – über die vorgänge im hannah-arendt-institut für totalitarismusforschung. hier werden merklich die grenzen des erklärbaren erreicht, da das thema totalität in seiner komplexität und verflechtung nicht nur mit der körperschaft der tu dresden zu jeder zeit – auch heute – politisch polarisiert und vielfach tabuisiert wird. menschen finden keine worte für durchaus erklärbares, weil sie unsicher sind über die zeitgeschichtliche „richtigkeit“ ihrer aussagen. dabei wären diese stimmen gerade wichtig für eine propagierte   u n i v e r s a l i t ä t   der blickwinkel. gleichsam leuchten hier die grenzen der sozialraumforschung auf, die nur soweit gehen kann wie die gedanken der menschen auch worte finden. öffentlich „erklärbares“ ist hierarchisiert von meinungsbildenden hoheiten und mehrheiten. zeitzeugenhaft erwiesen ist jedoch mittlerweile, dass die sed in zeiten der ddr in denselben räumen wie das heutige institut ihre büros hatte. das sprichwörtliche „kratzen an der tapete“ ist hier wie andernorts u.u. aufschlussreich, auch im übertragenen sinn.

so lädt die campussp!onage womöglich auch in zukunft wieder ein zum überschreiten einiger grenzen und erforschen augenscheinlicher allegorien in der tu dresden.

tud vergangenheitsspuren

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foto: amac garbe, text: jana schäfer

am 7. märz 2012 schreibt die unabhängige regionale hochschulzeitung „adrem“ anlässlich des 8. dresdner marktes für geschichte und geschichten in ihrem artikel „vergangenheitsspuren“ auf seite vier über den kultur!ngenieur und seine campussp!onage.

das freut!

vielen dank an klaus brendler (geschichtsmarkt), jana schäfer (adrem redaktion) und amac garbe („zentrale für schnelle fotoeinsätze„)

hier der artikel in der adrem vom 7. märz 2012 als pdf.

tud I

fotos: felix liebig, 3. märz 2012

vorweg: so menschenleer wie auf den bildern ist die tu dresden nicht. schon gar nicht in der woche und schon gar nicht außerhalb der semesterferien. vielmehr zeugen alle dinge dort auch jetzt vom menschen und seinem tun.

getreu und frei nach dem motto „tue gutes und sprich darüber“ tut die tud allerhand um ihr image zu entwickeln und eine excellente universität zu werden. ja! bzw. „¥€S“ schreibt direkt vor der neuen mensa die boston conculting group (bcg) auf ein plakat, und addiert den claim „grow further“. (den dollar kennt mein browser aus unerfindlichen gründen nicht.) ich aber kenne die boston consulting group und finde das zitat geradezu paradox in unserer zeit der be- und verschränkungen; gerade im bereich sozialen, also nicht technisierbaren wissens- und informationsaustausches. mehr studenten wird es auch weiterhin geben, weil es kaum einen flachen bildungsweg mehr gibt, sondern bald nur noch den höheren, und damit auch von keiner (wissens)agentur auf der welt mehr geld zu verdienen ist. wissensspekulation ist nötig. hier setzt die excellence-initiative an.

ich meine, die tu dresden ist schon excellent, braucht also kein neues „dresden concept“ gleich oben rechts auf der startseite, denn sie weiß um ihre qualitäten nur nicht, weil sie – ich bitte um vergebung – betriebsblind ist. auf dem spaziergang sind auch deshalb 103 aussagekräftige fotos entstanden, weil spazierengehen in bildsequenzen verläuft und das für_wahr_nimmt, was da ist und mit dem gewebe des materialisierten nicht irgendwo, sondern vor ort spekuliert. mancherorts sind es sogar beinahe cinematografische bildfolgen als verweis auf mögliches. die tud hat viel zu bieten. ick kieke, staune, wundre mir. und verfalle auf berlin und walter benjamin (wiki), der ja ein künstler im textlichen aufbereiten von bildsequenzen war. denkbilder. wissen_schafft_denkräume.

was in der tu dresden zu denken gibt und als bild wirkt, sind z.b. in der nachschau die container. die blauen. klar. aber auch die beiden sandsteinfarbenen. die slub. doch während die letzten wissen beherbergen bzw. die menschen, die man nicht sieht, die aber im namen der sächsischen landes- und universtitätsbibliothek dieses wissen zugänglich machen – ich kenne selbst einige – beherbergen die blauen container nichts. sie proklamieren nur sinnsprüche der excellence-kampagne. hier und da steht innen ein tisch mit stühlen. klaustrophobisch. entsteht so wissen? ist excellent, was gleichmacht? ich fühle mich an die kunst erinnert, die unzählige gleichanmutende männer um einen langen (konferenz)tisch sitzen lässt. einmütig. der künstler und das werk sind mir entfallen.

wie wissen wirklich entsteht ist in den fotos sicher auch zu sehen. nämlich in der überlagerung unterschiedlicher reize, die auf uns wirken mit bildern, die wir schon haben. und das geschieht immer im raum. der raum wirkt und wir wirken auf den raum. der raum ist sinnlich und sinngebend. jemand, der sich in den weiteren recherchen als experte für sinn(es)räume erweist, ist jörg rainer noennig, juniorprofessor für wissensarchitekuren an der fakultät architektur. unter anderem in einer garage lässt sich wissen durchaus besser als in einem schicken container vermitteln. die reihe „undsonstso“ bewies es mit der # 1.

dass die tu dresden blaue container des multinationalen konzerns bilfinger/berger aufstellt anstatt meinetwegen von excellenten studenten oder künstlern blau angemalte räume zugänglich zu machen, verwundert, weil sie so reich an unterschiedlichen räumen und raumstrukturen ist, dass sie allein dadurch excellent sein kann. nur leider ist wissen immernoch zunächst einmal ein plakatives marktinstrument, das geld kosten muss und nicht das, was es ist, nämlich ein fluidum aus realem raum und gedankenraum, den man mit ein wenig blauer farbe sichtbar machen kann. ein „realer raummarker“. für die tu dresden. symphatisch. man denke nur an den barkhausenbau oder den von mir selbst erlebten försterbau mit ihren zum verlaufen vielfältigen raumfolgen, winkeln und nischen, in denen alles passieren kann. diese konglomerate des raumwissens ganzer studenten- und mitarbeitergenerationen.

apropos generationen: auch das logo der tu dresden wird ja gern auf’s korn genommen, oder wird selbst zur kimme oder zum korn – je nach lesart – in der stele von jürgen schieferdecker am unteren ende des zelleschen weges. dort verräumlicht sich das buchstabenpaar sogar. im gegenwärtigen design „flirrt“ es vielen zu sehr. am heinz-schönfeld-hörsaal aber ist eine ältere generation des logos aus den vermutlich 60er jahren zu sehen, die erstaunliche anklänge an heutige bekannte bilder wie barcodes mitbringt und in sachen figur-grund-phänomene klarer als das heutige logo erscheint. ein vergessenes logo – ein vergessener ort?

ich kann nur hoffen, dass die tu dresden die chance erkennt mit der wissen_schaffenden excellence auch kritisch-kreative künstlerische excellence zu fördern, sich eben nicht selbst zu vergessen, sondern sichtweisen auf den campus zu eröffnen, die dem klische der technischen universität das narrativ der sozialen und kulturellen universität gegenüberstellen. was zwischen den zeilen steht kann beim lesen auch mal gut tun. t-u-n. t-u-d. tut nicht weh. oh doch, tat auch weh, z.b. im dritten reich. aber dazu anderer stelle mehr. z.b. dem hannah-arendt-institut für totalitarismusforschung und der stiftung sächsische gedenkstätten mit der gedenkstätte münchner platz.

deshalb, weil nämlich die geschichten und raumerinnerungen der menschen die zeilen liefern, zwischen denen ich meine mehr zu lesen als zwischen den kubisch-technokratischen äußerungen excellenten stahlbaus, gehe ich am 24. märz ab 14 uhr mit jedem interessierten auf campussp!onage.

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