überflug 3 löbtau

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fotos: felix liebig, 25. september 2011

der nördliche teil des im april begonnenen spaziergangs folgte nun ein gutes halbes jahr später. bei google-maps.

löbtau nord ist anders:

hier bilden sich von löbtau-süd verschiedene stadtstrukturen ab. es gibt dort den bramsch-tunnel. dort stehen plattenbauten. die flächen zwischen den häusern sind weiter. es gibt hier auch, aber andere, gegensätze. zwischen dem kaffee-mühlen-löbtau und dem plattenbau-löbtau ist ein bruch, der heute mit würfelhäusern bebaut wird. wer erfahren will wie das namensgleiche bramschareal der tlg in der friedrichstadt aussehen soll, kann hier schonmal visionen tanken. andere gegensätzlichkeiten liegen eher im politischen milieu und betreffen bestimmte straßen oder bauten. ist es nicht gut, dass man diese kraft noch spürt?

auch fällt das gelände an der „schanze“  – einem dieser dresdner eigennamen – stark ab und mensch kann ein wenig den blick in richtung friedrichstadt schweifen lassen. unter diesem blick liegen kleingärten, ehem. bahnwohnanlagen, bahnsportanlagen und güterverschiebeanlagen. die wohnverhältnisse sind hier zudem ein wenig „unaufgeräumter“ und die bevölkerung vernehmlich heterogener. man guckt öfter in „hinterhöfe“ oder auch weniger aufgeräumte vorgärten als im süden. hier ist nicht alles umkreist vom bürgerlichen gartenspeck. hier gibt es mehr (öffentliche) ecken zum „hinpinkeln“, alles wirkt auf mich ein wenig lebendiger und doch reichlich zwischengelagert. unentschieden.

nicht alles ist so lebendig. mancherorts wurde das dorf zum umzäunten wohnzirkus, der verwirrender weise bei streetview ausgepixelt ist. wem hilft diese soziale gestik

mein gefühl – vielleicht aber auch nur die diesmal getätigten fotos – eröffnen mir dennoch einen vielgestaltigeren teil der stadt, der mehr freiräume oder zumindest andersartige räume und details bietet mit demzufolge poetischeren anmutungen. verspielter, versonnener als der süden. der blick fand mehr und konnte kritischer agieren. deshalb hier auch mehr fotos. dafür haben wir hier direkt mit leuten sprechen können, wie einer frau die mit tochter vor ihr haus trat um uns ein wenig vom objekt zu berichten. mit anderen lieferten wir uns fotoduelle, anstatt miteinander zu sprechen…

paralleles gibt es allerdings auch. während die stützenden strukturen mancherorts im süden aus metall sind, sind diejenigen im norden eben aus holz; das ist der epoche geschuldet und macht doch visuell eindruck.

übrigens wurde reichlich saatgut ausgebracht, das vom verregneten unkrautsalon übrig war. hier dürfen wir auf das frühjahr gespannt sein, wenn die saat der stadtteil(be)arbeit(ung) aufgeht… durch die blume gesprochen.

wichtig für uns:

der stadtteil hat ein gesicht und menschen, die dieses gesicht auch zeigen!

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Kunst- und Kulturfabrik Krautwald 2011

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fotos war-zustand: felix liebig & ralf nowak, grafiken: conny cobra & nadja nitsche

nachdem das sachsenbad in dresden-pieschen der ig „metropole pieschen“ wiederholt vom liegenschaftsamt für zwecke der kulturellen überbrückung seines vegetativen verfalls versagt wurde, war seit zwei jahren die ehem. r. krautwald maschinenfabrik auf der torgauer straße 38 in das blickfeld gerückt.

bereits seit 2008 waren beauftragt von der metropole pieschen künstler im artist-run-space „koloni“ und angeschlossenem künstlerhaus auf der torgauer straße 40 unter leitung der künstler jens besser & kata huszar ansässig. mit dem eigentümer ist vertraglich eine zwischennutzung gegen miete vereinbart worden. das haus war nach der anlaufzeit gut gebucht. ausstellungen & veranstaltungen fanden regelmäßig statt.

während dieser zeit kamen unregelmäßige gespräche mit den eigentümern bzw. dem hausverwalter des grundstückes zustande. ausschlaggebend für intensivere gespräche war letztlich die übertragung des besitzes auf einen in dresden-pieschen ansässigen bauträger. künstler und vor ort tätige handwerker sowie der bauleiter des bauträgers kamen zunehmend auf dem hof zusammen. als gemeinsamer gesprächsinhalt stellte sich die geschichte des ortes als ex-ballsaal und über hundertjährige maschinenfabrik heraus. ebenso fanden die akteure über ganz alltägliche interessenlagen im umgang mit der immobilie bzw. den anliegen der jeweiligen anwesenheit zueinander.

diese menschliche grundlage im praghmatischen vor ort wurde ergänzt auf der ebene des administrativen im büro:

im zusammenhang mit den vorgesprächen für die zukunftswerkstatt „pieschen 2020“ fanden stefanie fuhrmann und felix liebig den weg zum inhaber des bauträgers. hier wurde die frage nach einer kooperation zur zwischennutzung des als bauvorhaben noch nicht genehmigten saales direkt gestellt.

kunst- und kulturfabrik krautwald 2011.

alltägliche und administrative aktivitäten ergänzen sich weiterhin. inzwischen hat sich eine gruppe von knapp 25 mehr oder weniger aktiven menschen um die metropole pieschen, den trägerverein pro pieschen e.v. und die künstlerin conny cobra in ihrer knark-art.gallery gebildet um das projekt zu begleiten. conny cobra – seit mehr als fünf jahren an diesem ort in dresden pieschen-ansässig und tätig– suchte für den „zapfenstreich“ ihrer gallery einen passenden ort und gibt mit ihrem programm ab 1. juni 2011 den startschuss für fünf monate kunst und kultur in der fabrik. das interesse hat bereits über den stadtteil hinaus regionale und internationale kulturinteressenten und künstler angesprochen und zur sehr schnellen vernetzung geführt – ausdruck für die langzeitwirkung und überregionalität der fortgeführten arbeit einer lokalen kutlurinitiative wie auch des vielfachen mehrwertes einer initialen kulturförderung durch die stadt dresden 2008.

in der knark-art.gallery auf der torgauer straße 24 treffen sich die organisatoren und interessenten nun jeden mittwoch ab 18 uhr.

mit blick auf die verzahnung im stadtteil und bei den menschen hat sich an diesem ort des früheren vergnügens und der arbeit in mehr als 100 jahren kürzlich ein ehemaliger mitarbeiter vorgestellt. das aufräumen und reinigen des raumes geht einher mit diversen erkenntnissen über seine frühere nutzung – nun auch tatsächlich menschlich. mit etwas glück wird uns der frühere mitarbeiter anhand von fotos und zeugenberichten einblick geben können.

die maschinenfabrik verzahnt nun geschichte, kunst und kultur mit den menschen im stadtteil.
das plakat von conny cobra gibt dies ohne gleichen wieder:

zapf_plak

einige der akteure:

stephan popella

– anikó töppel – stawowy media

– nadja nitsche – N2

– susann wagner – schultheater dresden

– ralf nowak – initiator der metropole pieschen

– carsten möller – scargo designbüro

– lothar lange – freiraum elbtal e.v.

rebecca jane jones

– jesn klant & kathrin peine – studio 24 tango argentino

yaelle dorison

überflug 2 löbtau

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fotos: felix liebig

die wenigen fotos zeigen vielleicht schon die rahmenbedingungen einer gelungenen ‚gestaltung‘:
kooperation, gruppendynamik, phänomenologische eigentümlichkeiten, vorlauf für neues und schönes wetter…

bei ‚überflug 2‘ in löbtau am 30. april 2011 – dem ersten echten öffentlichen nach einem inoffiziellen virtuellen überlfug für „LA PÖSCH“ – war dies der fall. man könnte sich auch mal fragen, inwiefern diese these der dresden marketing gmbh zutrifft:

dem schönen begegnen“ — ?!

antithese: das können wir schon lange! und an stellen der stadt, die dieser aussage und den gezeigten bildern vordergründig sicher nicht entsprechen. so begabt sind wir.

synthese: dies ist mein fragment des nachdenkens über löbtau nach dem spaziergang …

marc, matti, ommez, felix – in der vorbereitung eine unkomplizierte zusammenarbeit. die schöne karte von marc nach dem austüfteln der route. die fixe zuarbeit vom durchreisenden matti. direkt vor ort im werk.statt.ladden entstanden im sprichwörtlichen handumdrehen noch die handgemachten dokumentations-feldbuch-bretter. diese wurden dann von den teilnehmenden offenbar ausgiebig genutzt. stifte kamen von mir und anregungen von uns allen, denn

jeder ist ein experte auf einem spaziergang!

die gruppe war durchaus homogen: um die 20 bis 30, kreativ begabt und / oder beschäftigt, neugierig. nur ein ortsbeirat stach altersmäßig heraus. dafür hatte er anstelle der neugier das nötige politische und historische basiswissen an board. eine hervorragende ergänzung! mich persönlich hat die dokumentationsfreude und gelassenheit der spazierenden überrascht. auch das rasten ‚im feld‘ der ereignisse an der weißeritz war völlig entspannt und es gab zu keiner zeit zweifel an der stimmigkeit des ereignisses. wichtig dabei: ausgangs- und endpunkt sind mit dem werk.statt.laden sehr konkret benannt und bieten den wichtigen ruhepol samt kulinarischer unterstützung.

‚draussen‘ ergaben sich neben typischen sinnlichen grundwahrnehmungen auch diverse eigentümliche entdeckungen. ich selbst habe – und damit wage ich mich in das feld der persönlichen sinnlichen überraschungen beim spazierengehen – eine sehr inspirierende erfahrung auf diesem spaziergang gemacht, die ich gerne wiederholen würde. objektiv besehen, gab es also auch solche unorte, die ihre eigene poesie entfalten, weil sie nicht in die üblichen wahrnehmungsmuster passen. orte, die aufgeschlossen oder aufgelassen sind und einen so selbst aufschließen – die bogengalerie mit dem mini-fernseher und der bank. orte, die vielleicht eine raumqualität haben, die zwischen zwei extremen entsteht – der abgang an der weißeritz zwischen wasser und treppeneinschnitt. u.v.a.m.

zahlreiche anknüpfungen für weitere aktivitäten ergaben sich problemlos. mal abgesehen von dem unfertigen spaziergang, den wir nach löbtau nord fortsetzen werden. an der weißeritzbrücke haben wir nicht nur einen (verkehrs)knoten gesehen, wir haben ihn auch gehört und mal die augen zugemacht. ein hörspaziergang ist sicher eine besonders spannende geschichte. der am weitesten gereiste teilnehmer mag jan aus zschachwitz gewesen sein. eine querschnittswanderung durch die stadt vom werk.statt.laden nach zschachwitz kann ich mir sehr spannend vorstellen. man muss nicht immer in ‚die sächsische‘ fahren um berge und bäume und verschlungene wege zu finden. etc.

das schöne wetter ist natürlich nicht alles. aber sonne und die weite helle des raumes über unseren köpfen und um uns herum beeinflussen sicher das ‚klima‘ eines stadtspazierganges. zumal nicht nur dinge, sondern auch menschen eine merkwürdige aura entfalten. alles strahlt—

deshalb gibt es auch gar nicht mehr zu sagen.
die inhaltliche auswertung hat noch nicht stattgefunden.
ich bin auf der ebene der reinen impression zunächst sehr angetan und habe lust auf kritische reflektionen als nächsten schritt.

überflug 2

foto: felix liebig, dazwischengeflogen

nach meiner beteiligung am artikel ‚überflug löbtau‘ für das stadtteilmagazin „LA PÖSCH“ des werk.statt.laden nun der zweite streich.
ich werde im separaten post davon berichten und auch die kollegen vom werk.statt.laden werden ihre version anbieten. nur soviel: wir haben sechs stunden eindrücke gesammelt und sind nicht mehr nach löbtau nord bzw. zur ideenwerkstatt gekommen.

vorweg eine ungefilterte mitteilung zum werk.statt.laden selbst:

weiterführende informationen sind momentan nur direkt im Werk.Stadt.Laden erhältlich,
welcher jeden sonntag
 von 15-20uhr zu kaffee und kuchen / brezel und bier geöffnet ist,
sowie über unsere printmedien die seit einigen
 wochen im umlauf sind.
im internet wird man bisher nur spärlich fündig, daran wird noch gearbeitet.

vorab auch die exklusive, unerläßliche und wunderschöne karte zum spaziergang von marc schmidt: ueber_map

und hier noch die (fast) ungefilterte ankündigung zur nachlese:
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am SAMSTAG den 30/04/2011 um 13uhr am Werk.Stadt.Laden auf der WERNERSTRAßE
‚ÜBERFLUG 2‘ ein aktiver stadtspaziergang
durch dresden löbtau mit anschließender ideenwerkstatt

Als abschließende Veranstaltung zu unserem letzten Projekt, dem Stadtteilmagazin ‚LA PÖSCH‘ bieten wir einen Stadtrundgang an. Gemeinsam erkunden wir die Eigentümlichkeiten Dresden Löbtaus, indem wir markante Orte begehen. Wir wollen hier und da kurz verharren, ein paar Hintergrundinformationen fallen lassen und mit euch herausfinden, wie sich Stadtraum an den unterschiedlichsten Plätzen anfühlt. Das Ganze ist auch als Anreiz zu einem Diskurs in Themenfeldern wie Städtebau, Soziologie, Natur, Lebensraum zu verstehen. Anschließend gibt es die Möglichkeit zu einer illustren Runde in unserem Laden zusammen zu kommen.

Begleitet wird diese Veranstaltung u.a. von Felix Liebig (Dipl.-Ing. Architekt und selbsternannter Kulturingenieur), Thomas Jentzsch (Künstler, Gärtner und Assoziationsexperte) und meiner Wenigkeit – Marc Schmidt (schmidtzkatsegrafik druck fotografie kultur).

Der Spaziergang ist gleichzeitig Auftaktveranstaltung zu unserem nächsten Projekt, dem ‚freiraumsommer‘. Diesen Sommer sind wir mithilfe des Engagements der Mitglieder der ‚freiraumgruppe löbtau‘, Fördermitteln der EU und der Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt Dresden Drauf und Dran, einen partizipativen Prozess einzuleiten, der sich mit der Gestaltung von Lebensraum in Dresden Löbtau auseinandersetzt. Hauptaugenmerk liegt dabei auf ungenutzten Brachflächen und unergonomischen Orten hier im Stadtteil und eben dessen Bearbeitung mit Methoden, die wir gemeinsam entwickeln wollen. Diese Sätze seien lediglich ein kleiner Appetitmacher für das, was nicht mehr aufzuhalten ist. Weitere Informationen folgen zeitnah.
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überflug löbtau

überflug löbtau

(bild: google-earth, die leere flagge darf symbolisch mit fragen oder antworten gefüllt werden…)

für ein brandneues magazin der kollegen von ‚der werkstatt‘ in dresden-löbtau habe ich einen ‚überflug‘ gestartet. ich habe mich dabei an der weisseritz orientiert. meine erkenntnisse sind in folgendem text zusammengefasst. dies ist die reinversion, die marc, matti und omez in eine viel abwechslungsreichere form gebracht und durch zahlreiche eigene ermittlungen in unterschiedlichsten medien ergänzt haben haben.

es geht um authentisches stadträumliches erkunden mit dem ziel urbaner kultureller bildung.

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untertitel „gedanken zur kulturellen anatomie eines wachsenden stadtteils“

der mensch lebt bekanntlich in wahrnehmungsgebundenen raumkontinuen. wenn ich selbst an löbtau denke, weiss ich, auf welchen wegen ich mir den stadtteil aus notwendigkeit oder entdeckerfreude bislang erschlossen habe, und was dabei zum vorschein gekommen ist. wie ist das wohl bei anderen menschen?

das kritisch forschende schreiben ist dabei so eine sache: es formuliert noch keine fertigen gedanken und möchte dennoch nachvollziehbare denkanstöße liefern. ich werde im folgenden den stadtteil dresden-löbtau in einem spagat zwischen weitgehend intuitiver erkundung mit dem blick des raumforschers und angehend journalistischer sachkunde entlang der weißeritz darstellen.

ein vor–schein zum einstieg: löbtau ist ein stadtteil voller würfelhäuser und hat vorwiegend studentische einwohnerschaft. der schein trügt. löbtau hat alles an stadtkulturellem repertoire, das man sich denken kann. die würfelhäuser nennt man z.b. auch ‚dresdner kaffee-mühlen‘. bei einer heute nicht unüblichen google-suche“löbtau“ findet man auf den ersten zehn plätzen zunächst folgende einträge – stand 16.2.2011:

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Löbtau – die enzyklopädie wikipedia über löbtau
2 http://www.dresden-loebtau.de/ – die namentlich freche domain einer spielvereinigung in löbtau
3 http://www.dresdner-stadtteile.de/Sudwest/Lobtau/lobtau.html – ehrenamtliche historiker über löbtau
4 http://www.apotheke-loebtau.de/ – gesundheit! löbtau
5 http://www.dresden-und-sachsen.de/dresden/loebtau.htm – tourismusbörse über löbtau
6 http://www.dresden-lexikon.de/Lexikon/Loebtau.htm – eine stadtinterne enzyklopädie über löbtau
7 http://www.st-antonius-dresden.de/ – eine kirche in löbtau
8 http://www.loebtauer-kickers.de/ – diesmal fußball in löbtau
9 http://www.36te-mittelschule-dresden.de/ – eine mittelschule in löbtau
10 http://www.sn.schule.de/~gs35dd/ – eine grundschule in löbtau

das ist nun keinesfalls repräsentativ und deckt sich zu genau 10% mit dem von mir angestrebten allgemeinwissenden überblick über den stadtteil. deshalb habe ich ohne anspruch auf vollständigkeit weiter geforscht und mir dabei ein feld entlang der weißeritz per fahrrad erschlossen. dabei fiel mir auf, dass löbtau wie einen hammer zwei sich überschneidende sog. STRIPS als anatomische basis aufweist. strips sind seit robert venturi und denise scott-brown der begriff für ins suburbia führende straßenschneisen, entlang derer sich verschiedenste wirtschaftszweige wie auf einer kette aufreihen. das ‚rückgrat‘ von löbtau und gleich auch die teilung in nord und süd bildet die kesselsdorfer straße als quasi kommerzieller bunt gemixter strip. sie ist dies viel mehr als der andere strip, den ich im zug der löbtauer–tharandter–straße auszumachen glaube, der auch viel mehr abhängig von den örtlichen gegebenheiten zwischen verwertungsökonomien im norden und medienkulturellen clustern im süden changiert; zu nennen das kino in der fabrik (kif) und die bienert-mühle (museum hofmühle). und vor allem fliesst er mit dem fluss.

die kesselsdorfer straße hingegen weist in ihrem vorderen teil eine sehr starke konzentration ökonomischer ‚durchlauferhitzer‘ auf, bauten, die keinen architektonischen, dafür aber einen lokalökonomischen wert haben, um sich dann westwärts richtung gorbitz / naußlitz zu entfernen. an diesem umsteigebahnhof der wissens- und arbeitspendler endet auch das ’studenten-shuttle‘ der linie 61. doch schon ein paar meter weiter westlich auf der kesselsdorfer straße fehlen bauten, klaffen leerstellen, die – ein dortiges kuriosum an der ‚werbewagenecke‘ – expressiv von werbe-anhängern zugestellt werden. hier herrscht work-in-progress und kein feiner boulevard. es gibt lediglich eine unfreiweillige ‚torsituation‘, indem nämlich der autobahnhochstraßenzubringer die einfahrt zum stadtteil rahmt. das hat leider noch kein stadtplaner erkannt und für eine visuelle aufwertung gesorgt. das kraftwerk der drewag ist gleich dahinter. löbtau ist also erstmal gut angeschlossen – zumindest in sachen lebensadern.

die weißeritz z.b. ist seit der flut 2002 auch den neuen generationen dresdner bewohner bekannt. der sog. ‚weißeritz-knick‘ biegt den fluss, der längst schon kanal ist und damit seine industrielle geschichte erzählt, in richtung cotta ab, genau an dem beschriebenen löbtauer tor. der fluss hatte die gelegenheit des hochwassers genutzt um seine natürliche geschichte nocheinmal zu erzählen, denn er verlief bis vor 100 jahren entlang der heutigen löbtauer und weißeritz-strasse direkt nach nordosten. auf dem erweiterten gelände des ursprünglichen bettes befindet sich heute ein teil des ‚weißeritz-grünzuges‘. zwischen dem bahngelände an der bauhofstraße und der bienert-mühle in plauen wurde mit efre-förder-geldern (europäischer fond für regionale entwicklung) ein offener grünzug erstellt, der reste vorheriger bebauung in gabionen packt und versuche macht, freiräumliche aktionszonen zwischen baulichen investitionszonen zu definieren. eine beschilderung aus stehlen gibt fundiert auskunft über kulturell brisante orte. nicht weniges an authentischen baulichen entwicklungskernen ist dennoch dem föderprogramm zum opfer gefallen oder harrt wie das ehem. gelände des krankenhaus löbtau der vollendung, sodass man sich fragen kann, wem die aufwertungsmaßnahmen denn nützen? so hat man in dem alten krankenhaus altenheime stationieren können, was demografisch o.k. ist, doch die aktivere jugend muss sich auf einer mikrigen skater-ecke im grünzug herumdrücken. am löbtauer tor genießt man die wunderbare aussicht von hölzernen liege-sonnen-bänken auf den schon beschriebenen knoten von schlagadern des städtischen lebens.

es ist nicht wirklich ein ’stadtteil am fluss‘, dennoch behaupte ich dies provokativ. löbtau schwappt ans wasser, da wie besprochen der fluss als kanal nur noch in grosssen intervallen und dann richtig schwappt. besonders erfahrbar wird die weißeritz erst im oberen bereich ab lötauer tor, also im süden, wo die stadt sich langsam auflöst und mit der bienert-mühle der letzte bauliche ankerpunkt der stadt vor dem plauenschen grund steht. ‚die haifische‘ waren hier nicht nur in geologischer vorzeit zugegen und haben ihre zähne als fossile funde hinterlassen,  ein künstlerischer wettbewerb unter selbem namen erforscht und interveniert sukzessive an und um den fluss an der stelle, wo am deutlichsten zu spüren ist, wie die industrie und das auge des biedermeierlichen betrachters die urpsprüngliche landschaft sehend gestaltet haben. auch die immobilien-haie haben vor nicht allzu langer zeit ihre gesundeten zähne in die kulturell wertvolle mühle geschlagen, sodass diese auch heute noch nicht ganz gerettet ist. fabrikantenfrau ida bienert war kunstmäzenin und künstlerin. die gesellschaft der häuser in altplauen sei nur kurz erwähnt um zu zeigen, dass dresden die stadt der echten dorfkerne ist und damit einen besonderen schatz hat.

altlöbtau liegt auch heute nicht am fluss, besitzt in seiner stadtstruktur jedoch ebensolche dörfliche urprünge wie plauen. es bedient sich bereits modernerer bzw. gründerzeitlicher mittel um hier nicht den fluss, sondern den anger zu rahmen. so findet man eine kleine siedlung von ‚architekten-häusern‘, die leider genau keinen dorfcharakter hat und etwas zu individualistisch vermengt wirkt. (im übrigen auch auf google streetview kein schöner anblick, weil besitzer ihre häuser haben ausradieren lassen.) direkt daneben steht zum glück einer der kulturellen höhepunkte und stadtanatomischen brüche zugleich: die ev.–luth. friedenskirche. ihr turm repräsentiert noch den vorgängerbau, ihr krichenschiff jedoch ist ein viel kleinerer womöglich sogar typenbau aus der nachkriegszeit, da die kirche teilzerstört war. heute lädt man hier auch zu kulturellen veranstaltungen. noch ein höhepunkt ist in einem nahe gelegenen von neubauten und hochstrasse etwas eingeklemmten gründerzeitblock: ‚die praxis‘ und ‚die werkstatt‘ als unabhängige kulturprojekte, die meistenteils von studenten betrieben werden, neugierig auf löbtau sind und so mit der bürgerlichen sitte brechen, es sich einfach nur gemütlich zu machen. ein schaufenster-konzert zeugt davon!

verklemmt oder brüchig sind in löbtau viele stellen, vor allem im bereich der weißeritz und der genannten strips, weil hier ökonomische umschichtungen am eindrücklichsten zu bezeugen sind, weil der stadtteil einfach wachstumsrisse bekommt an seiner aussenhaut. die ‚filterzone‘ zwischen fluss und nord-süd-straße eröffnet einem einblicke in diesen prozess. doch auch in der gesellschaft der würfelhäuser im löbtauer binnenland finden sich eigenartige zeugen einer anderen zeit und anderer entwicklungen, die aus dem typischen rahmen fallen und auch wohnfremd genutzt werden. brachstellen im raster der bürgerlichen ordnung, die als freiräume kulturell anziehend sein sollten! dazu zählen auch leere läden, die unter den hier im gegensatz z.b. zu pieschen noch vorhandenen eckgeschäften potentiale eröffnen.

was ich nicht vergessen will: nicht nur sehenden auges erkenne ich in löbtau kulturelle prozesse – augen zu, ohren auf! die (straßen)bahn quietscht betörend, die weißeritz plätschert ungnädig, auch auf dem weißeritz-grünzug gibt es noch einen klappernden schrottplatz. richtig beeindruckend ist das drewag-kraftwerk an der nossener brücke, in dem das maschinen-brummen so umfassend ist, dass man sich kaum selbst verstehen kann und dennoch frequenzbedingt keine hörschäden erwarten muss. ich empfehle tage der offenen tür. die autos z.b. auf der kesselsdorfer bilden im kontrast den uns gar nicht mehr gewärtigen hintergrundteppich eines sonoren rauschens, das man sich ruhig mal wegdenken sollte!

ich habe im nachgang nochmal einen ‚überflug‘ bei google-maps unternommen und bin auch in streetview eingestiegen. wie anderswo auch existiert löbtau in dieser bilddimension bereits in drei zeitschichten: den älteren google-maps-daten, den 3 jahre alten streetview-daten und den realen ‚daten‘. (wer mehr wissen will, wendet sich an die örtlichen geschichtsvereine, die im gegensatz zur unterbesetzten leuchtturmarbeit des stadtarchivs flächendeckend arbeiten und für anregungen zu haben, vor allem aber zu nutzen sind.) man kann also in einem zeitrahmen von vielleicht 5–6 jahren löbtauer geschichte baulich virtuell nachvollziehen. da ist einiges, z.b. die löbtau-passage: sie ist auf google-maps eine brache, in streetview im bau und nun real-existierender fassadenschwindel. womit wir wieder bei venturi / scott-brown sind. das ‚decorated shed‘ (die dekorierte hütte) ist nicht nur an der löbtau–passage sehr eindrücklich zu erkennen. auch an den würfelhäusern gibt es vorblendungen, die uns etwas vom bürgertum vormachen sollen. nur, dass hinter dem bedeutungsträger fassade an der passage die autos auf dem supermarktdach gestapelt werden, während bei den bürgerhäusern sich die wohnungen stapeln. die ‚passage‘ ist, wenn man sich an leipzig oder gar mailand orientiert, ebensowenig passage wie der ‚boulevard‘ mit blick auf paris oder barcelona boulevard ist. interessant ist die aktuelle debatte im stadtrat um diesen ‚boulevard‘, der in völliger verkehrung seines baugeschichtlichen seins dann ohne autoverkehr auskommen soll – warum bezieht man nicht folgerichtig die kesselsdorfer straße als formales (sinnliches!) ganzes in die überlegungen mit ein? alles hier ist ein ‚ich-möchte-gern-etwas-sein‘, ich weiss aber noch nicht wie – das typische stadium der entwicklung bei jungen menschen im alter von ca. 20 jahren. auch streetview schwindelt, aber anders. die bindung der kamera an das automobil statt den menschen ist soziokulturell unrepräsentativ für aussagen über einen stadtbereich, der untertunnelt oder im bau ist, bzw. dessen eigentliche qualitäten wie die weißeritz nunmal nicht ‚erfahrbar‘ sind. hinzu kommen geo-tags von firmen usw., die wie schon die google-ergebnisse eingangs keinerlei repräsentative kulturelle aussage führen können, da dafür erstmal jeder im world-wide-web präsent sein müßte.

ich statiere: im gut geordneten raster der löbtauer stadterweiterung des beginnenden 20. jahrhunderts befinden sich gleich den bruchstellen an geografischen demarkationslinien wie der weißeritz und strassenmündungen auch soziale und kulturelle verwerfungen. ganz normal. und vor allem spannend! wer das herausfinden will, zumal, weil ich mich doch sehr begrenzt äussere, sollte mal von ‚der kesselsdorfer‘ richtung süden / bonhoeffer platz einbiegen und links gleich das kleine bungalow ansteuern, auf dem ‚ingrids stübchen‘ steht. oder er sollte am löbtauer tor mal in die stehbierhalle ‚drei–kaiser–hof‘ gehen. oder er macht sich mit mir und der werkstatt im frühjahr / sommer 2011 auf spaziergänge zwischen freiräumen in löbtau um mehr als das hier illustrierte zu entdecken.

eine hilfe beim entdecken sind übrigens möbel, die keiner wahrnimmt: an elektrokästen kann man nicht nur aufrufe ‚posten‘, sondern sich auch herrlich zum beobachten und aufzeichnen postieren.

summa summarum: ausbaufähig!

felix liebig © 2011

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quellen & empfehlungen:

– die liste ist fortsetzbar, gibt nur einen ausschnitt wieder; ich verweise gerne auf die erkenntnisse der kollegen im gedruckten magazin! …

– eigenes, nicht nachweisbares, nur erkundbares, allgemeinwissen über löbtau und dresden
– fundstück an der fröbelstraße, auf einem busch, metallprägeteil, rostig
– zum strip: robert venturi & denise scott-brown: learning from las vegas, MIT press, 1977
– lesenwertes feature dazu bei „dpr-bcn“
– google-suche „löbtau“ am 16.2.2011
– google-maps, google streetview: „löbtau, dresden, deutschland“ – screenshots 19.2.2011 & 20.2.2011
– seite des stadtplanungsamtes dresden zum „weißeritz-grünzug“
– dazu die „beschilderung“ im öffentlichen raum
– das efre förder-szenario beim städtischen sanierungsträger „stesad“
– kunst im öffentlichen raum der „haifische dresden“
– kino in der fabrik – „kif“
– das „museum hofmühle“ in der bienert–mühle
– encyclopaedia „wikipedia“
– die seiten der „dresdner stadtteile“ (ehrenamtliche historiker) über löbtau

pieschener zukunft

zukunftswerkstatt – pieschen 2020

für den stadtteil dresden-pieschen führen wir mitte april 2011 eine zukunftswerkstatt durch.

pieschener zukunft

die veranstaltung findet statt in kooperation des herbert-wehner-bildungswerkes, des pro pieschen e.v., des stadtteilzentrum emmers der outlaw ggmbh und des stadtplanungsamtes dresden. eine zusammenarbeit mit dipl.ing. umweltschutz und raumordnung, stefanie fuhrmann.

vorraussichtlicher termin: 15.–17.4.2011.
vorraussichtlicher ort: ’stadtteilzentrum emmers‘, grosser saal, dresden-pieschen, am ‚elbcentre‘.

im folgenden der pressetext:

„Das Ziel einer Zukunftswerkstatt ist es, daß Menschen für eine gewisse Zeit an einem Ort zusammenkommen und gemeinsam nach kreativen Lösungen für ein drängendes Problem oder eine Aufgabe suchen.“ (Zitat, Reinhard Sellnow, Einführung in die Methode der Zukunftswerkstatt)

Dresden-Pieschen, ein ‚Transitstadtteil‘, ist geprägt von einer verhältnismässig heterogenen Bevölkerungszusammensetzung, die relativ jung ist, eine vergleichsweise hohen Anteil sozial Benachteiligter aufweist und ethnisch eine breite Mischung besitzt. Demgegenüber besitzt der Stadtteil einen baulich mittlerweile nahezu homogenen Bestand und sehr gute Infrastruktur. Hervorstechend sind allerdings die sozialen und auch städtebaulichen kulturellen Mängel wie z.b. das unsanierte Sachsenbad.

Aus dem Podiumsgespräch des (Herbert-Wehner-Werkes) „Mein Stadtteil 2020: Lebens(T)raum Pieschen“ gingen drei Grundstränge der Betrachtung von Pieschen durch die Beteiligten hervor – 1 Städtebaulich wichtige Orte, 2 Potentiale von Brachen und Grünräumen sowie 3 Strukturen für soziales und kulturelles Bürgerengagement.

Motivation für die Zukunftswerkstatt ist damit das Bewußtmachen eines bestehenden Stadtentwicklungsprozesses. Einerseits bei den Bürgern selbst, die ermuntert werden sollen zur Beteiligung und selbstorganisierten Mitgestaltung ihres Stadtteils. Andererseits bei den Vertretern der Stadt, die gewonnen werden sollen die Beteiligung der Bürger als identitätsstiftenden Prozess zu unterstützen und damit den Wert des Stadtteils zu befördern. Es soll eine Bildungsplattform für ein besseres Verstehen von Stadtentwicklung bei allen Beteiligten geschaffen werden.

Anliegen der Zukunftswerkstatt in Pieschen ist zunächst das Sammeln von Ideen für den Stadtteil in der Perspektive auf das Jahr 2020. Diese Ideen sollen in der Zukunftswerkstatt konkretisiert und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Dabei ist das Ziel der Veranstaltung, das Kompendium an konkreten Aufgaben gemeinsam mit Stadt und Bürgern in Arbeitsgruppen weiter in die Umsetzungsphase zu begleiten. Die Werktatt will sich der (Stadt)Planung integrativ anbieten, indem sie Bedürfnisse und Visionen für den Stadtteil anhand von gemeinsamen Leitbildern kulturell vermittelt.

Die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt werden einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

In einem zweiten Schritt werden potentiell Betroffene und Interessierte eingeladen um ihre Vorstellungen auf der gegebenen Grundlage zu genauer zu verhandeln. Im dritten und finalen Schritt werden die entstandenen Leitbilder in Konzepten der Stadtplanung übergeben.

eugen nosko

kultur ist mitunter das wiederauflesen bedeutungsvoller informationen. ja, ein reinigungsprozess. ich fand beim reinigen meiner email-postfächer diesen wikimedia-link zu fotografien von eugen nosko, der eine selbstentwickelte und seinerzeit einmalig starke blitzanlage verwendete:

fotos von eugen nosko bei der deutschen fotothek

vielen dank an tim und jürgen für die übermittlung!

meine anregung:

schaut euch die photos von eugen nosko ruhig genauer und ausgiebig an. meine generation hat vieles davon anders oder gar nicht gesehen, dennoch: ich finde die fotos symphatisch und aufschlussreich, finde unzähige referenzen – besonders zu meinen vielen bahnreisen und den industrien an der strecke sowie zu dresden (z.b. prohliser hochhäuser whh17 im bau) usw. die menge ist überwältigend, doch es lohnt sich, zu blättern.

man kann sich fragen, ob einen eine gewisse nostalgie gefällt, inwiefern die bilder von damals und heute sich unterscheiden. man erkennt welche bildmotive eine dauerhaften wert haben könnten und warum eigentlich. die sujets von nosko sind vielfältig zwischen mensch und maschine, zwischen privatheit und industrie, zwischen leben und arbeit gelagert.

hier der pressetext zur kabinett-ausstellung der fotografien in den ‚technischen sammlungen dresden‚ april bis august 2010:

Pressemitteilung

Der hellste Blitz in Ost und West Eugen Nosko. Industriefotograf und Erfinder

Eine Kabinettausstellung in den Technischen Sammlungen Dresden

23. April bis 29. August 2010

Die Technischen Sammlungen Dresden präsentieren in einer Kabinettausstellung vom 23. April an ein fototechnisches Unikat und zugleich einen spektakulären Neuankauf für die Museumssammlung. Der Dresdner Industriefotograf Eugen Nosko entwickelte und baute in den 1970er Jahren die stärkste transportable Blitzlichtanlage der Welt. Mit dieser einzigartigen Technik fotografierte Nosko von 1977 an Maschinen, Prozesse und vor allem arbeitende Menschen unter extrem ungünstigen Lichtbedingungen in den großen Produktionsanlagen der Schwerindustrie und im Bergbau. 1985 reiste Nosko in die Bundesrepublik aus und konnte Dank seiner auch dort konkurrenzlosen Blitztechnik seine erfolgreiche Arbeit als Industriefotograf fortsetzen. Inzwischen lebt Nosko wieder in Dresden. Die Technischen Sammlungen konnten im vergangenen Jahr die technische Ausrüstung Noskos für die Museumssammlung erwerben.

Die Blitzlichtanlage von Eugen Nosko basiert auf handelsüblichen Blitzgeräten der Firma Elgawa in Plauen, die miteinander verknüpft und in ihrer Leistung bis an die Grenzen des Materials ausgereizt wurden. Nosko baute drei batteriebetriebene Blitzlichtleuchten mit einer Leistung von je 2.000 Wattsekunden. Während der Aufnahmen positionierte Nosko drei Assistenten in den auszuleuchtenden Räumen, die die schweren Geräte als „lebende Stative“ in der Hand hielten. Nosko war auf diese Weise in der Lage, Momentaufnahmen der Arbeitsprozesse zu machen. Seine Fotografien, die vor allem für die Berufswerbung Verwendung fanden, zeigten ungestellte Bilder von Menschen bei ihrer Arbeit und ersetzten die bis dahin üblichen inszenierten Aufnahmen, in denen Arbeiter zumeist als Helden posierten.

Außer Noskos „Fotografiermaschine“ und einer Materialsammlung aus seiner Erfinderwerkstatt ist in der Ausstellung der Technischen Sammlungen eine Auswahl aus Noskos Industriefotografien in Betrieben der Großindustrie der DDR und der BRD zu sehen. Ausschnitte aus Video-Interviews, die gemeinsam mit dem Mediencollege Dresden produziert worden sind, erinnern an ein erfolgreiches und ungewöhnliches Fotografenleben in Ost- und Westdeutschland.

Auf Wunsch stellen wir gern digitale Fotos zur Verfügung.

Ausstellungseröffnung: Donnerstag 22.04.2010, 19 Uhr

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertage 10 bis 18 Uhr

Kontakt: Vera Beyer, Museologin Technische Sammlungen, Fon: 4887236, vera.beyer@museen-dresden.de, Maren Dose, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Fon: 4887254, maren.dose@museen-dresden.de