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Einladung auf die Johannstädter Streizüge

Ab Sofort wohnt & arbeitet der Kultur!ngenieur einen Monat für die Ausstellung Wohnkultur – zum Bauen und Wohnen nach 1945 in der Johannstadt und geht dabei mit älteren Menschen auf Streifzüge in deren persönliche Erinnerung an den Stadtteil.

Die Wohnung ist auf der Wormser Straße 24c in 01307 Dresden-Johannstadt. Erreichbar unter 0176 24083754.
Der Arbeitsort ist die Johannstadthalle auf der Holbeinstraße 68 in 01307 Dresden-Johannstadt. Erreichbar unter 0351 4469568.
Das Tagebuch des Projektes führt der Kultur!ngenieur auf der Website Streifzüge Johannstadt.

Orte der Erinnerung
– Ein Arbeitsaufenthalt zur Architekturfotografie verbunden mit einem Workshop für Senioren

6 Wochen lang lebt und arbeitet ein junger Fotograf in der Johannstadt mit dem Ziel, zusammen mit Senioren Orte deren Erinnerung aufzusuchen und zu dokumentieren. Ausgangspunkt sind dabei private Aufnahmen der Workshopteilnehmerinnen und –teilnehmer, die um aktuelle Aufnahmen dieser Orte ergänzt werden. So kann sich Dokumentarisches mit einem aktuellen Blick, Erfahrungswissen mit künstlerischer Betrachtung vermischen. Die künstlerische und generationsübergreifende Auseinandersetzung mit dem Baubestand der Johannstadt, ihrer Erinnerungskultur, mit dem Stadtteil an sich wird zum Arbeitsfeld.

Die „Johannstädter Streifzüge”

In Zusammenarbeit mit der Ausstellung „WohnKultur – Bauen und Wohnen nach 1945” in der JohannStadthalle entwickelt eine kleine Gruppe von 8 bis 10 Senioren im Frühsommer eigene fotografische Ausstellungsbeiträge. Diese sollen sich mit dem Ober-Thema „Raum – Zeit – Perspektiven” beschäftigen. Oder anders gefragt:

* An welche Orte in der Johannstadt erinnern sie sich besonders?
* Zu welchen Zeiten oder Zeitabschnitten haben sie die Johannstadt kennengelernt? 
* Mit welchem persönlichen Blick schauen sie heute auf die Johannstadt?

Ab Mitte Mai vereinbart die Gruppe  Termine zum Kennenzulernen und Spazierengehen in der Johannstadt sowie mehrere Einzeltermine um ihre fotografischen Interessen und vorhandenes Bildmaterial zu sondieren. Vom 3. bis 30. Juni dann betreibt das Team vier Wochen lang intensive Stadtteilforschung und Fotografie. Orte und Menschen werden z.T. (erneut) aufgesucht und individuelle fotografische Perspektiven auf Raum & Zeit in der Johannstadt entwickelt. Die Workshop-Termine werden gemeinsam geplant und gestaltet. Am Schluss steht die Vorbereitung von ganz persönlichen Foto-Beiträgen zur bestehenden Ausstellung „WohnKultur” für die Eröffnung in einer gesonderten Veranstaltung Anfang September 2013. Felix Liebig, Kultur!ngenieur, leitet und begleitet die Senioren methodisch bei ihren Streifzügen, ihrer Bildfindung und Auswahl. Er wird wie sie in der Johannstadt wohnen und sich ganz dem Stadtteil und den Menschen dort widmen.

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campussp!onage = ge(h)schichten

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fotos: felix liebig, 24. märz 2012

die campussp!onage erging sich als teil der campus!nventur am hauptcampus der tu dresden in geschichten, den persönlichen raumerlebnissen von menschen mit der tu dresden.
sie war teil des eigenen programms zum 8. marktes für dresdner geschichte und geschichten.

deshalb sprechen hier auch nicht so sehr die bilder, als vielmehr die worte der sieben beteiligten menschen. diese hat antje meichsner von coloradio aufgezeichnet und sie müssen noch nach publikationsrecht und aussagekraft vorgehört werden… >>> bald hier in ton & text. ein würdiges zitat soll vorangestellt sein:

„so müssen wahrhafte erinnerungen
viel weniger berichtend verfahren
als genau den ort bezeichnen,
an dem der forscher ihrer habhaft wurde.“

(walter benjamin: ausgraben und erinnern – schweppenhäuser/tiedemann (hg.): walter benjamin – gesammelte schriften, bd. vi: fragmente, autobiographische schriften, frankfurt am main 1984, s. 486. zitiert bei: christa wolf, stadt der engel oder the overcoat of dr. freud, suhrkamp, 2010) (hier ein externer link zu dem fragment)

bei schönem wetter fanden einige junge und ältere forscher zum spaziergang im campus. sie begaben sich an die orte ihrer erinnerung und bestimmten mit ihrem vorwissen das tatsächliche ausformulieren der grob vorskizzierten route. vor ort wurde dann gezielter ausgegraben – eine „narrative archäologie“: eine spaziergängerin konnte z.b. fotos ihrer abschlussfeier am ort des damaligen studiums im berndt-bau vorzeigen sowie gar rasterelektronenmikroskopische proben von werkstoffen als fotos. zauberhaft! eine andere spaziergängerin ist als kunstgeschichtliche mitarbeiterin von „kunst+bau“ insbesondere in der kunst am, im und um den bau in dresden und auch der tud bewandert. das ist insofern schön, da maria obenaus von der kustodie der tu dresden, die normalerweise selbst spaziergänge auf dem campus zur kunstgeschichte anbietet, an diesem tag nicht dabei sein konnte. ein älterer spaziergänger vom geschichtsmarkt brachte seine kenntnisse als philatelist ein.

impulse zur route gab ebenso die tagessituation, die es nun ausgerechnet an diesem schönen sonnabend nicht erlaubte, in die am vorigen wochenende zur gleichen zeit noch offenen gebäude auch hineinzugelangen um dort nach „erzählarchäologie“ zu fanden. also unterhielten wir uns im außenraum über den innenraum. lange verweilten wir etwa beim neuen chemiegebäude, das in vier abschnitten an der bergstraße zwischen hörsaalzentrum und mommsenstraße unter einbezug eines altbaus aus den 80er jahren neu errichtet wurde. die „käsereiben“ an der fassade ließen uns über die größe des dazu passenden käses spekulieren. angewandte forschung ist das am gebauten objekt, das dazu reichlich anregt.

weitgehend spekulativ redeten wir auch – aber aus ganz anderen gründen – über die vorgänge im hannah-arendt-institut für totalitarismusforschung. hier werden merklich die grenzen des erklärbaren erreicht, da das thema totalität in seiner komplexität und verflechtung nicht nur mit der körperschaft der tu dresden zu jeder zeit – auch heute – politisch polarisiert und vielfach tabuisiert wird. menschen finden keine worte für durchaus erklärbares, weil sie unsicher sind über die zeitgeschichtliche „richtigkeit“ ihrer aussagen. dabei wären diese stimmen gerade wichtig für eine propagierte   u n i v e r s a l i t ä t   der blickwinkel. gleichsam leuchten hier die grenzen der sozialraumforschung auf, die nur soweit gehen kann wie die gedanken der menschen auch worte finden. öffentlich „erklärbares“ ist hierarchisiert von meinungsbildenden hoheiten und mehrheiten. zeitzeugenhaft erwiesen ist jedoch mittlerweile, dass die sed in zeiten der ddr in denselben räumen wie das heutige institut ihre büros hatte. das sprichwörtliche „kratzen an der tapete“ ist hier wie andernorts u.u. aufschlussreich, auch im übertragenen sinn.

so lädt die campussp!onage womöglich auch in zukunft wieder ein zum überschreiten einiger grenzen und erforschen augenscheinlicher allegorien in der tu dresden.

Kunst- und Kulturfabrik Krautwald 2011

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fotos war-zustand: felix liebig & ralf nowak, grafiken: conny cobra & nadja nitsche

nachdem das sachsenbad in dresden-pieschen der ig „metropole pieschen“ wiederholt vom liegenschaftsamt für zwecke der kulturellen überbrückung seines vegetativen verfalls versagt wurde, war seit zwei jahren die ehem. r. krautwald maschinenfabrik auf der torgauer straße 38 in das blickfeld gerückt.

bereits seit 2008 waren beauftragt von der metropole pieschen künstler im artist-run-space „koloni“ und angeschlossenem künstlerhaus auf der torgauer straße 40 unter leitung der künstler jens besser & kata huszar ansässig. mit dem eigentümer ist vertraglich eine zwischennutzung gegen miete vereinbart worden. das haus war nach der anlaufzeit gut gebucht. ausstellungen & veranstaltungen fanden regelmäßig statt.

während dieser zeit kamen unregelmäßige gespräche mit den eigentümern bzw. dem hausverwalter des grundstückes zustande. ausschlaggebend für intensivere gespräche war letztlich die übertragung des besitzes auf einen in dresden-pieschen ansässigen bauträger. künstler und vor ort tätige handwerker sowie der bauleiter des bauträgers kamen zunehmend auf dem hof zusammen. als gemeinsamer gesprächsinhalt stellte sich die geschichte des ortes als ex-ballsaal und über hundertjährige maschinenfabrik heraus. ebenso fanden die akteure über ganz alltägliche interessenlagen im umgang mit der immobilie bzw. den anliegen der jeweiligen anwesenheit zueinander.

diese menschliche grundlage im praghmatischen vor ort wurde ergänzt auf der ebene des administrativen im büro:

im zusammenhang mit den vorgesprächen für die zukunftswerkstatt „pieschen 2020“ fanden stefanie fuhrmann und felix liebig den weg zum inhaber des bauträgers. hier wurde die frage nach einer kooperation zur zwischennutzung des als bauvorhaben noch nicht genehmigten saales direkt gestellt.

kunst- und kulturfabrik krautwald 2011.

alltägliche und administrative aktivitäten ergänzen sich weiterhin. inzwischen hat sich eine gruppe von knapp 25 mehr oder weniger aktiven menschen um die metropole pieschen, den trägerverein pro pieschen e.v. und die künstlerin conny cobra in ihrer knark-art.gallery gebildet um das projekt zu begleiten. conny cobra – seit mehr als fünf jahren an diesem ort in dresden pieschen-ansässig und tätig– suchte für den „zapfenstreich“ ihrer gallery einen passenden ort und gibt mit ihrem programm ab 1. juni 2011 den startschuss für fünf monate kunst und kultur in der fabrik. das interesse hat bereits über den stadtteil hinaus regionale und internationale kulturinteressenten und künstler angesprochen und zur sehr schnellen vernetzung geführt – ausdruck für die langzeitwirkung und überregionalität der fortgeführten arbeit einer lokalen kutlurinitiative wie auch des vielfachen mehrwertes einer initialen kulturförderung durch die stadt dresden 2008.

in der knark-art.gallery auf der torgauer straße 24 treffen sich die organisatoren und interessenten nun jeden mittwoch ab 18 uhr.

mit blick auf die verzahnung im stadtteil und bei den menschen hat sich an diesem ort des früheren vergnügens und der arbeit in mehr als 100 jahren kürzlich ein ehemaliger mitarbeiter vorgestellt. das aufräumen und reinigen des raumes geht einher mit diversen erkenntnissen über seine frühere nutzung – nun auch tatsächlich menschlich. mit etwas glück wird uns der frühere mitarbeiter anhand von fotos und zeugenberichten einblick geben können.

die maschinenfabrik verzahnt nun geschichte, kunst und kultur mit den menschen im stadtteil.
das plakat von conny cobra gibt dies ohne gleichen wieder:

zapf_plak

einige der akteure:

stephan popella

– anikó töppel – stawowy media

– nadja nitsche – N2

– susann wagner – schultheater dresden

– ralf nowak – initiator der metropole pieschen

– carsten möller – scargo designbüro

– lothar lange – freiraum elbtal e.v.

rebecca jane jones

– jesn klant & kathrin peine – studio 24 tango argentino

yaelle dorison

überflug 2 löbtau

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fotos: felix liebig

die wenigen fotos zeigen vielleicht schon die rahmenbedingungen einer gelungenen ‚gestaltung‘:
kooperation, gruppendynamik, phänomenologische eigentümlichkeiten, vorlauf für neues und schönes wetter…

bei ‚überflug 2‘ in löbtau am 30. april 2011 – dem ersten echten öffentlichen nach einem inoffiziellen virtuellen überlfug für „LA PÖSCH“ – war dies der fall. man könnte sich auch mal fragen, inwiefern diese these der dresden marketing gmbh zutrifft:

dem schönen begegnen“ — ?!

antithese: das können wir schon lange! und an stellen der stadt, die dieser aussage und den gezeigten bildern vordergründig sicher nicht entsprechen. so begabt sind wir.

synthese: dies ist mein fragment des nachdenkens über löbtau nach dem spaziergang …

marc, matti, ommez, felix – in der vorbereitung eine unkomplizierte zusammenarbeit. die schöne karte von marc nach dem austüfteln der route. die fixe zuarbeit vom durchreisenden matti. direkt vor ort im werk.statt.ladden entstanden im sprichwörtlichen handumdrehen noch die handgemachten dokumentations-feldbuch-bretter. diese wurden dann von den teilnehmenden offenbar ausgiebig genutzt. stifte kamen von mir und anregungen von uns allen, denn

jeder ist ein experte auf einem spaziergang!

die gruppe war durchaus homogen: um die 20 bis 30, kreativ begabt und / oder beschäftigt, neugierig. nur ein ortsbeirat stach altersmäßig heraus. dafür hatte er anstelle der neugier das nötige politische und historische basiswissen an board. eine hervorragende ergänzung! mich persönlich hat die dokumentationsfreude und gelassenheit der spazierenden überrascht. auch das rasten ‚im feld‘ der ereignisse an der weißeritz war völlig entspannt und es gab zu keiner zeit zweifel an der stimmigkeit des ereignisses. wichtig dabei: ausgangs- und endpunkt sind mit dem werk.statt.laden sehr konkret benannt und bieten den wichtigen ruhepol samt kulinarischer unterstützung.

‚draussen‘ ergaben sich neben typischen sinnlichen grundwahrnehmungen auch diverse eigentümliche entdeckungen. ich selbst habe – und damit wage ich mich in das feld der persönlichen sinnlichen überraschungen beim spazierengehen – eine sehr inspirierende erfahrung auf diesem spaziergang gemacht, die ich gerne wiederholen würde. objektiv besehen, gab es also auch solche unorte, die ihre eigene poesie entfalten, weil sie nicht in die üblichen wahrnehmungsmuster passen. orte, die aufgeschlossen oder aufgelassen sind und einen so selbst aufschließen – die bogengalerie mit dem mini-fernseher und der bank. orte, die vielleicht eine raumqualität haben, die zwischen zwei extremen entsteht – der abgang an der weißeritz zwischen wasser und treppeneinschnitt. u.v.a.m.

zahlreiche anknüpfungen für weitere aktivitäten ergaben sich problemlos. mal abgesehen von dem unfertigen spaziergang, den wir nach löbtau nord fortsetzen werden. an der weißeritzbrücke haben wir nicht nur einen (verkehrs)knoten gesehen, wir haben ihn auch gehört und mal die augen zugemacht. ein hörspaziergang ist sicher eine besonders spannende geschichte. der am weitesten gereiste teilnehmer mag jan aus zschachwitz gewesen sein. eine querschnittswanderung durch die stadt vom werk.statt.laden nach zschachwitz kann ich mir sehr spannend vorstellen. man muss nicht immer in ‚die sächsische‘ fahren um berge und bäume und verschlungene wege zu finden. etc.

das schöne wetter ist natürlich nicht alles. aber sonne und die weite helle des raumes über unseren köpfen und um uns herum beeinflussen sicher das ‚klima‘ eines stadtspazierganges. zumal nicht nur dinge, sondern auch menschen eine merkwürdige aura entfalten. alles strahlt—

deshalb gibt es auch gar nicht mehr zu sagen.
die inhaltliche auswertung hat noch nicht stattgefunden.
ich bin auf der ebene der reinen impression zunächst sehr angetan und habe lust auf kritische reflektionen als nächsten schritt.

überflug 2

foto: felix liebig, dazwischengeflogen

nach meiner beteiligung am artikel ‚überflug löbtau‘ für das stadtteilmagazin „LA PÖSCH“ des werk.statt.laden nun der zweite streich.
ich werde im separaten post davon berichten und auch die kollegen vom werk.statt.laden werden ihre version anbieten. nur soviel: wir haben sechs stunden eindrücke gesammelt und sind nicht mehr nach löbtau nord bzw. zur ideenwerkstatt gekommen.

vorweg eine ungefilterte mitteilung zum werk.statt.laden selbst:

weiterführende informationen sind momentan nur direkt im Werk.Stadt.Laden erhältlich,
welcher jeden sonntag
 von 15-20uhr zu kaffee und kuchen / brezel und bier geöffnet ist,
sowie über unsere printmedien die seit einigen
 wochen im umlauf sind.
im internet wird man bisher nur spärlich fündig, daran wird noch gearbeitet.

vorab auch die exklusive, unerläßliche und wunderschöne karte zum spaziergang von marc schmidt: ueber_map

und hier noch die (fast) ungefilterte ankündigung zur nachlese:
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am SAMSTAG den 30/04/2011 um 13uhr am Werk.Stadt.Laden auf der WERNERSTRAßE
‚ÜBERFLUG 2‘ ein aktiver stadtspaziergang
durch dresden löbtau mit anschließender ideenwerkstatt

Als abschließende Veranstaltung zu unserem letzten Projekt, dem Stadtteilmagazin ‚LA PÖSCH‘ bieten wir einen Stadtrundgang an. Gemeinsam erkunden wir die Eigentümlichkeiten Dresden Löbtaus, indem wir markante Orte begehen. Wir wollen hier und da kurz verharren, ein paar Hintergrundinformationen fallen lassen und mit euch herausfinden, wie sich Stadtraum an den unterschiedlichsten Plätzen anfühlt. Das Ganze ist auch als Anreiz zu einem Diskurs in Themenfeldern wie Städtebau, Soziologie, Natur, Lebensraum zu verstehen. Anschließend gibt es die Möglichkeit zu einer illustren Runde in unserem Laden zusammen zu kommen.

Begleitet wird diese Veranstaltung u.a. von Felix Liebig (Dipl.-Ing. Architekt und selbsternannter Kulturingenieur), Thomas Jentzsch (Künstler, Gärtner und Assoziationsexperte) und meiner Wenigkeit – Marc Schmidt (schmidtzkatsegrafik druck fotografie kultur).

Der Spaziergang ist gleichzeitig Auftaktveranstaltung zu unserem nächsten Projekt, dem ‚freiraumsommer‘. Diesen Sommer sind wir mithilfe des Engagements der Mitglieder der ‚freiraumgruppe löbtau‘, Fördermitteln der EU und der Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt Dresden Drauf und Dran, einen partizipativen Prozess einzuleiten, der sich mit der Gestaltung von Lebensraum in Dresden Löbtau auseinandersetzt. Hauptaugenmerk liegt dabei auf ungenutzten Brachflächen und unergonomischen Orten hier im Stadtteil und eben dessen Bearbeitung mit Methoden, die wir gemeinsam entwickeln wollen. Diese Sätze seien lediglich ein kleiner Appetitmacher für das, was nicht mehr aufzuhalten ist. Weitere Informationen folgen zeitnah.
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fA!

freiheit Aushalten!

grafik: felix liebig, montage

an irgendeinem punkt um neujahr 2011 herum ging mir „das jahr der spaziergänge“ durch den kopf.
was man so findet auf seinen streifzügen! – manchmal auch auf einem ganz normalen weg von A nach B.

schwarz auf gelb

in dresden nichts besonderes;

wir leben in einer gesellschaft aus territorien und sichtbaren wie unsichtbaren handlungsanweisungen. (farb)codes! dem eigentlichen kulturgemäß-menschlichen handeln wird dabei in den seltensten fällen entsprochen. ritualisierung! freiräume sind kostbar geworden, aber es gibt sie. dies u.a. zu erforschen und zu ändern machen sich neben urbanofeel viele andere menschen zur aufgabe.

im alltag sehr präsent und doch übersehen sind dennoch diese schilder.
in der auseinandersetzung mit oben gesagtem und dem menschlichen bedürfnis nach (frei)raum  – also auch meinem freidenken – entstand das etwas abgewandelte schild:

freiheit Aushalten!

es begegnet uns tagtäglich. ein ready-made! überall da, wo freiheit anlässlich des omnipotenten und omnipräsenten eichmaßes unseres fortschritts eingegrenzt, gefiltert, abgezäunt, verschränkt wird – es kommt auf die lesart an.

wie in so vielen dingen im leben sollte man wissen, ob man aufgrund eigener bewegung vorwärts will oder lieber fortschreiten lässt. freiheit muss man in der tat jeden tag aushalten können, wenn man menschlich wachsen will. aber wem sage ich das … raum ist universell und denken ist universell. zunächst.

es kommt mehr hinzu:

dass der mensch das aushalten nicht immer kann, sieht man, wenn er mit echter freiheit konfrontiert ist, z.b. allein in einem großen raum, oder vor der entscheidung zwischen einer unbestimmbaren chance und einer sicheren rezeptur wählen zu müssen. und das ist menschlich.

aber: wir sind so ausgiebig und umfassend mit rezepturen für alles und jedes – mit produkten – umgeben, dass wir es gar nicht mehr wissen, wie man aus nichts etwas machen oder aus einem toten ort einen lebendigen platz machen kann. dass das spaß machen kann! unsere „neue realität“ (oder auch erweiterte realität der jetztzeit) hält uns bereits an sanften fesseln. wir müssen nicht mehr entscheiden. alle bedürfnisse sind schon gedeckt und erzeugt. die „dritte industrialisierung“ rollt. die produkte werden immer besser. uns geht es blendend.

was also müssen wir eigentlich noch aushalten? oder was treibt uns noch an?

aushalten müssen wir sogar einiges; all jenes, das von perfekten produkten nicht bedient werden kann. von z.b. unvermittelter und ungehinderter aggression durch menschen, die dem selbstdarstellungszwang im engmaschigen netz angepriesener ‚freiheit‘ nicht mehr standhalten über die – sinnlich aggressive – überfülle an „unnötigen“ informationen im stadtraum bis zu den tatsächlichen sinnlichen beanspruchungen, zu denen wir kaum noch vordringen, weil keiner mehr den sinn und einfluss perfekter produkte auf unsere frei(t)räume hinterfragt.
angetrieben werden wir trotzdem von mehr als dem erhalt der existenz. von neugierde, von der eigendynamik unseres bewußtseins. dem folgen wir so selten ernsthaft, dass immernoch die mär von der notwendigkeit der 40h-woche oder das paradighma (paradoghma?) von der leistungsgesellschaft funktionieren.

womit wir wieder beim fortschritt sind.

und jetzt explizit zum (auto)mobil, weil das z.t. hinter meiner argumentation steckt – als metapher: ich selbst bin überzeugt, dass die ikonen unseres gesellschaftlichen fortschritts uns womöglich ungeheuer aufhalten. das kann jeder jeden tag auf den einfallstraßen der großstadt beobachten. keine zeit für einfälle. ausfälle vielmehr. abfälle sowieso und abgase. stress. unsinn.

das perfekte sinnbild einer trägen, ungebremsten hülle (aus versprechungen), die das eigene agieren altern läßt und behäbig macht und unbeherrschbar die lebenszeit rafft.

in dresden möchte man dem nun mit echtzeit-verkehrsbeeinflussung begegnen. siehe den film „the italien job“! „welcome to dresden’s automated traffic control and operation centre“. die einbahnstraße in den köpfen, die schranken, die unsichtbaren roten ampeln, der subtile gasfuss im täglichen leben (z.b. beim morgentlichen schwimmen der berufspendler in der freiberger straße); das alles wird davon nicht verschwinden. und das ist nur ein laster unserer fortschrittlichen gesellschaft, der/das nichts trägt. nicht nur aus der atomkraft sollten wir bald aussteigen.

soviel zum kulturpessimismus ;)

ich träume von einer gesellschaft, in der wir die freiheit haben uns so zu bewegen wie wir das für richtig halten und zeit zum entdecken haben.

spaziergänge helfen dabei, sich ein paar dinge in echtzeit genauer anzusehen und zu reflektieren. nicht nur das sichtbare, auch das dazwischen. den raum zu öffnen durch das bewußte und nur mental zielgerichtete bewegen ohne ziel. sie machen optimistisch, weil alles noch vor uns liegt. der „innere visionär“ der schamanen ist nicht so abwegig. gehen und denken interagieren. im spazierengehen überlagern sich wahrnehmung und auseinandersetzung. zumal im dialog mit mitgängern. perspektiven wechseln dynamisch. das „dynamische seminar“.

davon gab es dieses jahr bereits einige und wird es weitere geben; in pieschern, in löbtau, in der friedrichstadt und dazwischen…

bitte aussteigen.

ps: 4. september 2011: freiheit Aushalten! bei google googlen und staunen. kultur ist ein prozess paralleler gedankenwelten, die irgendwann aufeinandertreffen. interessant dabei sind buch und theaterstück!

Sachsenbad: Ein Abriss – zur Konjunktur des Verschwindens

[foto: Felix Liebig, 1.4.2011]

[ENTWURF]

Das Sachsenbad steht wie ich finde in einem unhaltbar negativen und polarisierten öffentlichen Licht. Was die meisten Menschen aufgrund der Meinungshoheit von Politik und Medien nicht kennen, ist das hohe soziokulturelle Engagement, dessen sich das Bad seit seinem Bau bis heute in Pieschen erfreut. Ich möchte diesen Strang beinahe ungesehener Aktivität im Sinne einer mündigen Bürgerschaft hier parallel zu den öffentlichen Berichterstattungen darstellen. Deshalb stelle ich Korrelationen zwischen der medial und politisch geführten Debatte um das Bad und den tatsächlichen soziokulturellen und kulturwirtschaftlichen Aktivitäten vor Ort in den Mittelpunkt der Argumentation. Es ist meines Erachtens dringend notwendig in diesen Diskurs sowohl das Expertenwissen der Planer als auch dasjenige Expertenwissen der Bürger einzuführen!

1927 war der Entscheid zum Bau des Sachsenbades ein Meilenstein sozialer Verantwortung; heute – im Jahr 2011 – wird das alte Volksbad in Politik und Medien behandelt wie ein kultureller Sündenfall.

Was ist geschehen?

Damals waren die Goldenen Zwanziger beinahe vorbei. Nur wußte das noch niemand. In einem Jahrzehnt erster demokratischer Gehversuche in Deutschland war für Dresden die Stadterweiterung am Arbeiterviertel Pieschen eine Chance zum Verwirklichen von sozial aufklärerischen Idealen. Schon zwei Jahre später wäre dies vielleicht nicht mehr möglich gewesen.

Heute ist die sogenannte Wende zwanzig Jahre her. Die existenziell geführten gesellschaftspolitischen Interessenkämpfe sind lange beigelegt. Auch das ist noch nicht allen klar. In einem Zeitalter steigender Kluft zwischen Trägern soziokultureller und denen wirtschaftspolitischer Belange bei der Verwendung öffentlicher Finanzen gehen die Grundlagen der Demokratie in allen Lebensbereichen baden. Jeder Strohhalm einer Idee wird als Vision verkauft.

Wenn ich von einer „Konjunktur des Verschwindens“ spreche, dann meine ich die Umkehrung eines gestalterischen Prozesses in das Negative. Mit dem Bau des Sachsenbades ist ein positiver Impuls für eine den Stadtteil Pieschen stark beeinflussende Entwicklung, ein soziales und kulturelles Wachstum gesetzt worden. Das Ensemble der von Stadtbaurat Wolf entwickelten Siedlung um das Bad verankert diesen Impuls auch baulich-räumlich im Gründerzeitviertel von Pieschen.

Was laut Angaben von Bau-Experten bereits seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts mit dem Sachsenbad passiert, ist das Gegenteil dieses Impulses. In einem steten Prozess ästhetischer und soziokultureller Vernachlässigung wurde das Bad schon zu Betriebszeiten in der Wahrnehmung der Nutzer geschmälert. Als negativer Höhepunkt und quasi Unterschreiten der Nullinie steht in diesem Prozess die Schließung 1994.

Seitdem agieren Bürgerinitiativen wie „Endlich Wasser in das Sachsenbad“, Vereine wie Pro Pieschen e.V. und Aktionen z.B. von der IG Metropole Pieschen gegen diese negative Entwicklung. Dennoch wurde das Bad bei Verantwortlichen in der Politik baulich und als Folgeerscheinung auch in der Argumentation der Medien verbal weiter vernachlässigt.

[ … wird fortgesetzt … ]