überflug 2

foto: felix liebig, dazwischengeflogen

nach meiner beteiligung am artikel ‚überflug löbtau‘ für das stadtteilmagazin „LA PÖSCH“ des werk.statt.laden nun der zweite streich.
ich werde im separaten post davon berichten und auch die kollegen vom werk.statt.laden werden ihre version anbieten. nur soviel: wir haben sechs stunden eindrücke gesammelt und sind nicht mehr nach löbtau nord bzw. zur ideenwerkstatt gekommen.

vorweg eine ungefilterte mitteilung zum werk.statt.laden selbst:

weiterführende informationen sind momentan nur direkt im Werk.Stadt.Laden erhältlich,
welcher jeden sonntag
 von 15-20uhr zu kaffee und kuchen / brezel und bier geöffnet ist,
sowie über unsere printmedien die seit einigen
 wochen im umlauf sind.
im internet wird man bisher nur spärlich fündig, daran wird noch gearbeitet.

vorab auch die exklusive, unerläßliche und wunderschöne karte zum spaziergang von marc schmidt: ueber_map

und hier noch die (fast) ungefilterte ankündigung zur nachlese:
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am SAMSTAG den 30/04/2011 um 13uhr am Werk.Stadt.Laden auf der WERNERSTRAßE
‚ÜBERFLUG 2‘ ein aktiver stadtspaziergang
durch dresden löbtau mit anschließender ideenwerkstatt

Als abschließende Veranstaltung zu unserem letzten Projekt, dem Stadtteilmagazin ‚LA PÖSCH‘ bieten wir einen Stadtrundgang an. Gemeinsam erkunden wir die Eigentümlichkeiten Dresden Löbtaus, indem wir markante Orte begehen. Wir wollen hier und da kurz verharren, ein paar Hintergrundinformationen fallen lassen und mit euch herausfinden, wie sich Stadtraum an den unterschiedlichsten Plätzen anfühlt. Das Ganze ist auch als Anreiz zu einem Diskurs in Themenfeldern wie Städtebau, Soziologie, Natur, Lebensraum zu verstehen. Anschließend gibt es die Möglichkeit zu einer illustren Runde in unserem Laden zusammen zu kommen.

Begleitet wird diese Veranstaltung u.a. von Felix Liebig (Dipl.-Ing. Architekt und selbsternannter Kulturingenieur), Thomas Jentzsch (Künstler, Gärtner und Assoziationsexperte) und meiner Wenigkeit – Marc Schmidt (schmidtzkatsegrafik druck fotografie kultur).

Der Spaziergang ist gleichzeitig Auftaktveranstaltung zu unserem nächsten Projekt, dem ‚freiraumsommer‘. Diesen Sommer sind wir mithilfe des Engagements der Mitglieder der ‚freiraumgruppe löbtau‘, Fördermitteln der EU und der Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt Dresden Drauf und Dran, einen partizipativen Prozess einzuleiten, der sich mit der Gestaltung von Lebensraum in Dresden Löbtau auseinandersetzt. Hauptaugenmerk liegt dabei auf ungenutzten Brachflächen und unergonomischen Orten hier im Stadtteil und eben dessen Bearbeitung mit Methoden, die wir gemeinsam entwickeln wollen. Diese Sätze seien lediglich ein kleiner Appetitmacher für das, was nicht mehr aufzuhalten ist. Weitere Informationen folgen zeitnah.
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werkstattladen

Komm in.. Werkstattladen in Löbtau

… so der titel des werkstattladen-flyers

willkommen im WERKSTATTLADEN!

die lieben kollegen freidenker und ausprobierer aus löbtau haben in der zwischenzeit einiges vollbracht, das ich richtig klasse finde, weil sie es einfach machen und damit auf offene ohren und türen zu stoßen scheinen.
ich selbst durfte in teilen daran mitwirken und werde dies auch zukünftig hier und da gern tun:

Werkstadtladen Löbtau
Wernerstraße 21, 01159 Dresden, post@werkstadtladen.de
Offen: Wenn jemand da ist. Sonntags 15-20Uhr – Werkstatt-Café. Zu den Workshops. Und nach Vereinbarung.

das aktuelle programm ist sehr spannend für jeden, der schon immer mal etwas praktisches machen und dabei den stadtteil löbtau fördern wollte:

laden_webflyer_marapr

ich möchte ausdrücklich auf das neueste projekt „La Pösch“ verweisen – ein stadteil-fanzin, das ich inhaltlich mitgestalten konnte und das authentisch von den autoren so beschrieben wird:

Ein Heft wollten wir schon lange mal basteln. Jetzt ist es fertig. Ein Magazin, was sich um Löbtau dreht, unseren Stadtteil unter die Lupe nimmt, ihn beleuchtet, ein Statusbericht. Zu lesen gibts ein paar analytisch angehauchte Texte, zu sehen gibts schöne Fotografien und Illustrationen. Ein Gimmick obendrauf: ein Stadtplan von Löbtau, mit Orten, die unserer Meinung nach anschauens- oder besuchenswert sind. Das Ganze ist 100% handgemacht, mit viel Liebe. Es kostet knappe zwei Taler und ist bei uns im Werkstadt-laden, sowie in ausgewähl-ten Institutionen in Löbtau erhältlich.

überflug löbtau

überflug löbtau

(bild: google-earth, die leere flagge darf symbolisch mit fragen oder antworten gefüllt werden…)

für ein brandneues magazin der kollegen von ‚der werkstatt‘ in dresden-löbtau habe ich einen ‚überflug‘ gestartet. ich habe mich dabei an der weisseritz orientiert. meine erkenntnisse sind in folgendem text zusammengefasst. dies ist die reinversion, die marc, matti und omez in eine viel abwechslungsreichere form gebracht und durch zahlreiche eigene ermittlungen in unterschiedlichsten medien ergänzt haben haben.

es geht um authentisches stadträumliches erkunden mit dem ziel urbaner kultureller bildung.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

untertitel „gedanken zur kulturellen anatomie eines wachsenden stadtteils“

der mensch lebt bekanntlich in wahrnehmungsgebundenen raumkontinuen. wenn ich selbst an löbtau denke, weiss ich, auf welchen wegen ich mir den stadtteil aus notwendigkeit oder entdeckerfreude bislang erschlossen habe, und was dabei zum vorschein gekommen ist. wie ist das wohl bei anderen menschen?

das kritisch forschende schreiben ist dabei so eine sache: es formuliert noch keine fertigen gedanken und möchte dennoch nachvollziehbare denkanstöße liefern. ich werde im folgenden den stadtteil dresden-löbtau in einem spagat zwischen weitgehend intuitiver erkundung mit dem blick des raumforschers und angehend journalistischer sachkunde entlang der weißeritz darstellen.

ein vor–schein zum einstieg: löbtau ist ein stadtteil voller würfelhäuser und hat vorwiegend studentische einwohnerschaft. der schein trügt. löbtau hat alles an stadtkulturellem repertoire, das man sich denken kann. die würfelhäuser nennt man z.b. auch ‚dresdner kaffee-mühlen‘. bei einer heute nicht unüblichen google-suche“löbtau“ findet man auf den ersten zehn plätzen zunächst folgende einträge – stand 16.2.2011:

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Löbtau – die enzyklopädie wikipedia über löbtau
2 http://www.dresden-loebtau.de/ – die namentlich freche domain einer spielvereinigung in löbtau
3 http://www.dresdner-stadtteile.de/Sudwest/Lobtau/lobtau.html – ehrenamtliche historiker über löbtau
4 http://www.apotheke-loebtau.de/ – gesundheit! löbtau
5 http://www.dresden-und-sachsen.de/dresden/loebtau.htm – tourismusbörse über löbtau
6 http://www.dresden-lexikon.de/Lexikon/Loebtau.htm – eine stadtinterne enzyklopädie über löbtau
7 http://www.st-antonius-dresden.de/ – eine kirche in löbtau
8 http://www.loebtauer-kickers.de/ – diesmal fußball in löbtau
9 http://www.36te-mittelschule-dresden.de/ – eine mittelschule in löbtau
10 http://www.sn.schule.de/~gs35dd/ – eine grundschule in löbtau

das ist nun keinesfalls repräsentativ und deckt sich zu genau 10% mit dem von mir angestrebten allgemeinwissenden überblick über den stadtteil. deshalb habe ich ohne anspruch auf vollständigkeit weiter geforscht und mir dabei ein feld entlang der weißeritz per fahrrad erschlossen. dabei fiel mir auf, dass löbtau wie einen hammer zwei sich überschneidende sog. STRIPS als anatomische basis aufweist. strips sind seit robert venturi und denise scott-brown der begriff für ins suburbia führende straßenschneisen, entlang derer sich verschiedenste wirtschaftszweige wie auf einer kette aufreihen. das ‚rückgrat‘ von löbtau und gleich auch die teilung in nord und süd bildet die kesselsdorfer straße als quasi kommerzieller bunt gemixter strip. sie ist dies viel mehr als der andere strip, den ich im zug der löbtauer–tharandter–straße auszumachen glaube, der auch viel mehr abhängig von den örtlichen gegebenheiten zwischen verwertungsökonomien im norden und medienkulturellen clustern im süden changiert; zu nennen das kino in der fabrik (kif) und die bienert-mühle (museum hofmühle). und vor allem fliesst er mit dem fluss.

die kesselsdorfer straße hingegen weist in ihrem vorderen teil eine sehr starke konzentration ökonomischer ‚durchlauferhitzer‘ auf, bauten, die keinen architektonischen, dafür aber einen lokalökonomischen wert haben, um sich dann westwärts richtung gorbitz / naußlitz zu entfernen. an diesem umsteigebahnhof der wissens- und arbeitspendler endet auch das ’studenten-shuttle‘ der linie 61. doch schon ein paar meter weiter westlich auf der kesselsdorfer straße fehlen bauten, klaffen leerstellen, die – ein dortiges kuriosum an der ‚werbewagenecke‘ – expressiv von werbe-anhängern zugestellt werden. hier herrscht work-in-progress und kein feiner boulevard. es gibt lediglich eine unfreiweillige ‚torsituation‘, indem nämlich der autobahnhochstraßenzubringer die einfahrt zum stadtteil rahmt. das hat leider noch kein stadtplaner erkannt und für eine visuelle aufwertung gesorgt. das kraftwerk der drewag ist gleich dahinter. löbtau ist also erstmal gut angeschlossen – zumindest in sachen lebensadern.

die weißeritz z.b. ist seit der flut 2002 auch den neuen generationen dresdner bewohner bekannt. der sog. ‚weißeritz-knick‘ biegt den fluss, der längst schon kanal ist und damit seine industrielle geschichte erzählt, in richtung cotta ab, genau an dem beschriebenen löbtauer tor. der fluss hatte die gelegenheit des hochwassers genutzt um seine natürliche geschichte nocheinmal zu erzählen, denn er verlief bis vor 100 jahren entlang der heutigen löbtauer und weißeritz-strasse direkt nach nordosten. auf dem erweiterten gelände des ursprünglichen bettes befindet sich heute ein teil des ‚weißeritz-grünzuges‘. zwischen dem bahngelände an der bauhofstraße und der bienert-mühle in plauen wurde mit efre-förder-geldern (europäischer fond für regionale entwicklung) ein offener grünzug erstellt, der reste vorheriger bebauung in gabionen packt und versuche macht, freiräumliche aktionszonen zwischen baulichen investitionszonen zu definieren. eine beschilderung aus stehlen gibt fundiert auskunft über kulturell brisante orte. nicht weniges an authentischen baulichen entwicklungskernen ist dennoch dem föderprogramm zum opfer gefallen oder harrt wie das ehem. gelände des krankenhaus löbtau der vollendung, sodass man sich fragen kann, wem die aufwertungsmaßnahmen denn nützen? so hat man in dem alten krankenhaus altenheime stationieren können, was demografisch o.k. ist, doch die aktivere jugend muss sich auf einer mikrigen skater-ecke im grünzug herumdrücken. am löbtauer tor genießt man die wunderbare aussicht von hölzernen liege-sonnen-bänken auf den schon beschriebenen knoten von schlagadern des städtischen lebens.

es ist nicht wirklich ein ’stadtteil am fluss‘, dennoch behaupte ich dies provokativ. löbtau schwappt ans wasser, da wie besprochen der fluss als kanal nur noch in grosssen intervallen und dann richtig schwappt. besonders erfahrbar wird die weißeritz erst im oberen bereich ab lötauer tor, also im süden, wo die stadt sich langsam auflöst und mit der bienert-mühle der letzte bauliche ankerpunkt der stadt vor dem plauenschen grund steht. ‚die haifische‘ waren hier nicht nur in geologischer vorzeit zugegen und haben ihre zähne als fossile funde hinterlassen,  ein künstlerischer wettbewerb unter selbem namen erforscht und interveniert sukzessive an und um den fluss an der stelle, wo am deutlichsten zu spüren ist, wie die industrie und das auge des biedermeierlichen betrachters die urpsprüngliche landschaft sehend gestaltet haben. auch die immobilien-haie haben vor nicht allzu langer zeit ihre gesundeten zähne in die kulturell wertvolle mühle geschlagen, sodass diese auch heute noch nicht ganz gerettet ist. fabrikantenfrau ida bienert war kunstmäzenin und künstlerin. die gesellschaft der häuser in altplauen sei nur kurz erwähnt um zu zeigen, dass dresden die stadt der echten dorfkerne ist und damit einen besonderen schatz hat.

altlöbtau liegt auch heute nicht am fluss, besitzt in seiner stadtstruktur jedoch ebensolche dörfliche urprünge wie plauen. es bedient sich bereits modernerer bzw. gründerzeitlicher mittel um hier nicht den fluss, sondern den anger zu rahmen. so findet man eine kleine siedlung von ‚architekten-häusern‘, die leider genau keinen dorfcharakter hat und etwas zu individualistisch vermengt wirkt. (im übrigen auch auf google streetview kein schöner anblick, weil besitzer ihre häuser haben ausradieren lassen.) direkt daneben steht zum glück einer der kulturellen höhepunkte und stadtanatomischen brüche zugleich: die ev.–luth. friedenskirche. ihr turm repräsentiert noch den vorgängerbau, ihr krichenschiff jedoch ist ein viel kleinerer womöglich sogar typenbau aus der nachkriegszeit, da die kirche teilzerstört war. heute lädt man hier auch zu kulturellen veranstaltungen. noch ein höhepunkt ist in einem nahe gelegenen von neubauten und hochstrasse etwas eingeklemmten gründerzeitblock: ‚die praxis‘ und ‚die werkstatt‘ als unabhängige kulturprojekte, die meistenteils von studenten betrieben werden, neugierig auf löbtau sind und so mit der bürgerlichen sitte brechen, es sich einfach nur gemütlich zu machen. ein schaufenster-konzert zeugt davon!

verklemmt oder brüchig sind in löbtau viele stellen, vor allem im bereich der weißeritz und der genannten strips, weil hier ökonomische umschichtungen am eindrücklichsten zu bezeugen sind, weil der stadtteil einfach wachstumsrisse bekommt an seiner aussenhaut. die ‚filterzone‘ zwischen fluss und nord-süd-straße eröffnet einem einblicke in diesen prozess. doch auch in der gesellschaft der würfelhäuser im löbtauer binnenland finden sich eigenartige zeugen einer anderen zeit und anderer entwicklungen, die aus dem typischen rahmen fallen und auch wohnfremd genutzt werden. brachstellen im raster der bürgerlichen ordnung, die als freiräume kulturell anziehend sein sollten! dazu zählen auch leere läden, die unter den hier im gegensatz z.b. zu pieschen noch vorhandenen eckgeschäften potentiale eröffnen.

was ich nicht vergessen will: nicht nur sehenden auges erkenne ich in löbtau kulturelle prozesse – augen zu, ohren auf! die (straßen)bahn quietscht betörend, die weißeritz plätschert ungnädig, auch auf dem weißeritz-grünzug gibt es noch einen klappernden schrottplatz. richtig beeindruckend ist das drewag-kraftwerk an der nossener brücke, in dem das maschinen-brummen so umfassend ist, dass man sich kaum selbst verstehen kann und dennoch frequenzbedingt keine hörschäden erwarten muss. ich empfehle tage der offenen tür. die autos z.b. auf der kesselsdorfer bilden im kontrast den uns gar nicht mehr gewärtigen hintergrundteppich eines sonoren rauschens, das man sich ruhig mal wegdenken sollte!

ich habe im nachgang nochmal einen ‚überflug‘ bei google-maps unternommen und bin auch in streetview eingestiegen. wie anderswo auch existiert löbtau in dieser bilddimension bereits in drei zeitschichten: den älteren google-maps-daten, den 3 jahre alten streetview-daten und den realen ‚daten‘. (wer mehr wissen will, wendet sich an die örtlichen geschichtsvereine, die im gegensatz zur unterbesetzten leuchtturmarbeit des stadtarchivs flächendeckend arbeiten und für anregungen zu haben, vor allem aber zu nutzen sind.) man kann also in einem zeitrahmen von vielleicht 5–6 jahren löbtauer geschichte baulich virtuell nachvollziehen. da ist einiges, z.b. die löbtau-passage: sie ist auf google-maps eine brache, in streetview im bau und nun real-existierender fassadenschwindel. womit wir wieder bei venturi / scott-brown sind. das ‚decorated shed‘ (die dekorierte hütte) ist nicht nur an der löbtau–passage sehr eindrücklich zu erkennen. auch an den würfelhäusern gibt es vorblendungen, die uns etwas vom bürgertum vormachen sollen. nur, dass hinter dem bedeutungsträger fassade an der passage die autos auf dem supermarktdach gestapelt werden, während bei den bürgerhäusern sich die wohnungen stapeln. die ‚passage‘ ist, wenn man sich an leipzig oder gar mailand orientiert, ebensowenig passage wie der ‚boulevard‘ mit blick auf paris oder barcelona boulevard ist. interessant ist die aktuelle debatte im stadtrat um diesen ‚boulevard‘, der in völliger verkehrung seines baugeschichtlichen seins dann ohne autoverkehr auskommen soll – warum bezieht man nicht folgerichtig die kesselsdorfer straße als formales (sinnliches!) ganzes in die überlegungen mit ein? alles hier ist ein ‚ich-möchte-gern-etwas-sein‘, ich weiss aber noch nicht wie – das typische stadium der entwicklung bei jungen menschen im alter von ca. 20 jahren. auch streetview schwindelt, aber anders. die bindung der kamera an das automobil statt den menschen ist soziokulturell unrepräsentativ für aussagen über einen stadtbereich, der untertunnelt oder im bau ist, bzw. dessen eigentliche qualitäten wie die weißeritz nunmal nicht ‚erfahrbar‘ sind. hinzu kommen geo-tags von firmen usw., die wie schon die google-ergebnisse eingangs keinerlei repräsentative kulturelle aussage führen können, da dafür erstmal jeder im world-wide-web präsent sein müßte.

ich statiere: im gut geordneten raster der löbtauer stadterweiterung des beginnenden 20. jahrhunderts befinden sich gleich den bruchstellen an geografischen demarkationslinien wie der weißeritz und strassenmündungen auch soziale und kulturelle verwerfungen. ganz normal. und vor allem spannend! wer das herausfinden will, zumal, weil ich mich doch sehr begrenzt äussere, sollte mal von ‚der kesselsdorfer‘ richtung süden / bonhoeffer platz einbiegen und links gleich das kleine bungalow ansteuern, auf dem ‚ingrids stübchen‘ steht. oder er sollte am löbtauer tor mal in die stehbierhalle ‚drei–kaiser–hof‘ gehen. oder er macht sich mit mir und der werkstatt im frühjahr / sommer 2011 auf spaziergänge zwischen freiräumen in löbtau um mehr als das hier illustrierte zu entdecken.

eine hilfe beim entdecken sind übrigens möbel, die keiner wahrnimmt: an elektrokästen kann man nicht nur aufrufe ‚posten‘, sondern sich auch herrlich zum beobachten und aufzeichnen postieren.

summa summarum: ausbaufähig!

felix liebig © 2011

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quellen & empfehlungen:

– die liste ist fortsetzbar, gibt nur einen ausschnitt wieder; ich verweise gerne auf die erkenntnisse der kollegen im gedruckten magazin! …

– eigenes, nicht nachweisbares, nur erkundbares, allgemeinwissen über löbtau und dresden
– fundstück an der fröbelstraße, auf einem busch, metallprägeteil, rostig
– zum strip: robert venturi & denise scott-brown: learning from las vegas, MIT press, 1977
– lesenwertes feature dazu bei „dpr-bcn“
– google-suche „löbtau“ am 16.2.2011
– google-maps, google streetview: „löbtau, dresden, deutschland“ – screenshots 19.2.2011 & 20.2.2011
– seite des stadtplanungsamtes dresden zum „weißeritz-grünzug“
– dazu die „beschilderung“ im öffentlichen raum
– das efre förder-szenario beim städtischen sanierungsträger „stesad“
– kunst im öffentlichen raum der „haifische dresden“
– kino in der fabrik – „kif“
– das „museum hofmühle“ in der bienert–mühle
– encyclopaedia „wikipedia“
– die seiten der „dresdner stadtteile“ (ehrenamtliche historiker) über löbtau

schnipseljagd – moreau, mein held

für sylvester 2009 / 10 arbeitete ich mit nadja eine kleine analoge schnipseljagd für die eingeladenen freunde aus. ein test.

schnipsel für die jagd

diese führte von meinem wohnsitz durch den campus der tu dresden richtung bismarck-turm auf der dresdner südhöhe. ich hatte alle um ‚tobehosen‘ gebeten, da z.t. durchaus körperlicher einsatz von nöten war.

wie auf dem bild zu sehen, waren nur wenige dinge nötig für die umsetzung:

  • handgeschnittene papierkarten für die lyrisch formulierten ortsgesuche
  • eine übersicht über alle orte auf der route
  • handgekaufte folienhüllen zum verstauen der karten
  • handgekauftes klebeband zum anbringen der gesuche an ihren verstecken – notfalls pins
  • eine filmdose für ein besonderes versteck

zusätzlich (nicht im bild):

  • ein stück schnur und eine geschütztes windlicht für den ersten ort.

die karten hatten nummern. wir hatten die texte vorbereitet, damit nadja sie dann in die oben sichtbare schönschrift bringen konnte. hier die abfolge, die gleichwegs die route erklärt:

M1 – HOFTOR > SCHACHT (an hoftüre gepinnt) – geht ihr nicht zur straße, sondern zum hof hinaus, kommt ihr hoch hinaus. doch achtung! ihr wißt ja: wer hoch steigt, kann tief fallen! so fallet nicht gleich in das erstbeste tiefe loch links von euch; geht lieber weiter die fünf stufen hinauf und steigt über die kleine mauer hinweg aufwärts. doch gebt wohl acht, es kommt ein tief leuchtender „schacht“ …

O2 – SCHACHT > TEICH (in laterne an seil in schacht) – steigt nun wieder auf aus dem dunklen verließ um das „filzige hornkraut“ dort zu finden, wo die „kraniche“ sich zur balz niedergelassen haben …

R3 – TEICH > OHNE UNS > WÄNDE (hinter filzkraut schild geklebt) – verlaßt daraufhin den tümpel der seeligkeit ohne euch am „ohne uns“ zu lange aufzuhalten und folgt dem nahegelegenen pfad aus beton bis zum „siedpunkt“. erhitzt euch nicht, bewahrt kühlen kopf und steigt dort ein paar stufen hinab. ihr findet die schon etwas löchrigen „magischen vier wände“ aus stahl …

E4 – WÄNDE > BRIEFKÄSTEN (hinter einer schiebewand durchscheinend) – die zeitläufte führen euch anschließend entlang ausgedehnter „lavendel-felder“ zum täglichen glück des postboten etwas weiter oben, der jedoch einen unter ihnen normalerweise schmäht. ein guter grund genauer nachzusehen …

A5 – BRIEFKÄSTEN > UHR > SLUB (im briefkasten versteckt – innerhalb!) – behaltet stets die „zeit“ im auge! es müßte der stundenzeiger bereits auf die elf zugehen, wenn ihr daselbst mutig – mit wachen augen und ohren auf den da fahrenden verkehr – auf das „rote fahnenmonument“ zugeht. drüben angekommen wird von euch der gipfel der „dreifahnigkeit“ erklommen. die vier buchstaben haben nichts zu bedeuten. schaut besser hinter das „goldene buch“! ihr müßt eine reminiszenz an die magischen vier wände finden …

U6 – SLUB > GITTER (hinter schild geklebt) – laßt euch sogleich wieder herab. fallt aber nicht auf eure vier buchstaben! fallt meinetwegen auf. tretet einfach ein in den vorhof des allmächtigen wissens, von wo ihr auf zwei etwas im dunkel verborgenen stiegen hinauf auf das blühende dach gesammelter schrift gelangt. dort, nahe der mitte, könnt ihr eine „geheimnisvolle dose“ an der südwestecke des nordöstliche der symmetrieachse gelegenen von acht „überdimensionalen fußabtretern“ im engsten umkreis um die heilige höhle der wissensaufnahme finden …

D7 – GITTER > WENDELTREPPE (in dose zwischen sprossen gesteckt) – überquert von hier den abgründigen garten der literatur in richtung einer „elbsandsteinernen abgelatschten treppe“, an deren seite einige „blaue und grüne abfallgroßbehälter“ situiert sind. folgt der treppe aufwärts zu einer zweiten, unterhalb welcher euch das „rückgrat“ einen eingehenderen blick wert sein sollte …

E8 – WENDELTREPPE > WASSERHAHN (unter treppe gepinnt/geklebt) – in den farben „gelb, blau und rot“ erstreckt sich oberhalb der treppe weiter links hinter den roten runden beeren am fuße eines seichten wiesenhügels das „heim der jungen wißbegierigen“. an dessen rückseite die „quelle des wissens“ aus der wand hervorsticht und auf eure inspektion wartet …

N9 – WASSERHAHN > HÄUSCHEN (an hahn gehängt) – ihr stapft von da aus festen schrittes bergauf der diagonale des wiesengrundstückes folgend auf den fernerab gelegenen saum des waldes zu. gebt acht: es geht steil hinauf! just dahinter findet ihr mit etwas umblick und katzenaugen ein „häuschen“ – bleibt schön im „rahmen“ des guten türgeschmacks und „hans guck-in-die-luft“ weist euch den weiteren weg …

K10 – HÄUSCHEN > STUMPF (unter zinkblech über türe gesteckt) – wendet euch wieder ab! wandert sogleich weiter hinan an der „bank“ vorbei auf das obere plateau, wo ihr einen hohlen „baumstumpf“ inspizieren solltet …

M11 – STUMPF > BAUMHAIN (im stumpf versteckt) – orientiert euch von da aus zu einem vielstämmigen offenen „baumhain“. seit keine „flaschen“ und greift beherzt hinein, jemand hat eine „post“ dazwischen hinterlassen …

A12 – BAUMHAIN > VIDEO (an/in flaschenpost zwischen bäumen verborgen) – entlang des „maschendrahtzauns“ führt euch ein schmaler weg an ein „tor“. vorsicht! „videoüberwachte anlage“. dahinter steckt aber – wie so oft – mehr …

L13 – VIDEO > MYTHOS (hinter schild geklebt/geklemmt) – also schnell weg! zur straße, von wo euch höher am berg gelegen „überreste“ eines längst wieder auferstandenen dresdner mythos ins auge fallen werden. an dem einen „verbotenen“ teil haltet inne und „denkt mal nach“: eventuell müßte einer von euch sich zu diesem objekt hindurchwinden …

MOREAUDENKMAL (unter dem bauteil versteckt) – ihr habt es fast geschafft! legt einfach alle buchstaben in der reihenfolge der orte zusammen. dies nun ist der finale ort des jahres … laßt es richtig krachen: im helm des helden findet ihr reichlich munition!

PROSIT NEUJAHR 2010!

und siehe: punkt mitternacht waren die freunde tatsächlich auf dem berg angekommen um feuerwerk und den minutengenauen einbruch des winters zu erleben.

hier: ein bild abgeben – wie wär’s mit prohlis?

künstlerin grit ruhland (e.t.f.a. = ‚eintagsfliegenakrobatik‚) hat bei idee 01239 ev in dresden-prohlis ein mail-art projekt initiert, das viele schnittstellen mit unserem gemeinschaftsprojekt ‚urbanofeel‚ besitzt.

DIE POSTKARTE IST ZUM AUSDRUCKEN UND EINSENDEN!
(© bei grit ruhland)

hier: ein bild abgeben - wie wär's mit prohlis

eröffnung der ausstellung aller eingesandten karten am 31.1.2011 von 16–20 uhr im prohlis-zentrum, prohliser allee 10, dresden-prohlis.

hier die ankündigung mit allen informationen von grit ruhland:

„Im Januar organisieren das Stadtteilforum IDEE 01239 e.V. und ich ein Mail-Art-Projekt für Dresden-Prohlis.

Unter dem Motto „Hier: Ein Bild abgeben – wie wär’s mit Prohlis?“ rufen wir künstlerischen Äußerung per Postkarte auf. Diesem Ruf folgten bereits über Hundert Leute – aus Prohlis, Dresden und ganz Deutschland: Tendenz steigend! Es ergibt sich schon jetzt eine lebendige Mischung aus Meinungen, künstlerischen Mitteln und  Altersgruppen. Danke an alle, die etwas geschickt haben! Kulizeichnungen von Hochhäusern finden sich ebenso wie Aquarelle, Fotocollagen, aber auch Wortgruppen, einzelne Sätze und bewegende Geschichten. Bis zum Tag der Eröffnung der zugehörigen Ausstellung, am 31.Januar um 16 Uhr werden Postkarten bei IDEE01239 e.V., Gamigstr. 26, 01239 Dresden entgegengenommen – und darüber hinaus! Bitte mailt mir, wenn Ihr Euch beteiligen wollt – ich schicke Euch gern was zu bzw. wenn Ihr anderen Karten weitergeben wollt! Mehr unter:

http://bildabgabe.wordpress.com

Nächsten Mittwoch, den 26.1. von 15-18 Uhr findet eine weitere öffentliche Schreib- und Zeichenaktion im ProhlisZentrum, Prohliser Allee 10 statt. Beteiligt sind ebenfalls die Dresdner Künstlerin Christine Schiewe, die Zeichnerin und Architektin Grit Koalick, der Autor Roman Israel und ich. Interessierte sind herzlich willkommen!

Ausstellungseröffnung: 31.1. 2011 von 16 – 20 Uhr ProhlisZentrum
Ausstellung: 1.2. – 5.2.2011 9 -20 Uhr
Finissage: 5.2.2011 ab 15 Uhr Kreativitätstraining mit Manuela Stein
Ort: ProhlisZentrum, Prohliser Allee 10, 01239 Dresden
http://www.prohliszentrum.de/

pieschener zukunft

zukunftswerkstatt – pieschen 2020

für den stadtteil dresden-pieschen führen wir mitte april 2011 eine zukunftswerkstatt durch.

pieschener zukunft

die veranstaltung findet statt in kooperation des herbert-wehner-bildungswerkes, des pro pieschen e.v., des stadtteilzentrum emmers der outlaw ggmbh und des stadtplanungsamtes dresden. eine zusammenarbeit mit dipl.ing. umweltschutz und raumordnung, stefanie fuhrmann.

vorraussichtlicher termin: 15.–17.4.2011.
vorraussichtlicher ort: ’stadtteilzentrum emmers‘, grosser saal, dresden-pieschen, am ‚elbcentre‘.

im folgenden der pressetext:

„Das Ziel einer Zukunftswerkstatt ist es, daß Menschen für eine gewisse Zeit an einem Ort zusammenkommen und gemeinsam nach kreativen Lösungen für ein drängendes Problem oder eine Aufgabe suchen.“ (Zitat, Reinhard Sellnow, Einführung in die Methode der Zukunftswerkstatt)

Dresden-Pieschen, ein ‚Transitstadtteil‘, ist geprägt von einer verhältnismässig heterogenen Bevölkerungszusammensetzung, die relativ jung ist, eine vergleichsweise hohen Anteil sozial Benachteiligter aufweist und ethnisch eine breite Mischung besitzt. Demgegenüber besitzt der Stadtteil einen baulich mittlerweile nahezu homogenen Bestand und sehr gute Infrastruktur. Hervorstechend sind allerdings die sozialen und auch städtebaulichen kulturellen Mängel wie z.b. das unsanierte Sachsenbad.

Aus dem Podiumsgespräch des (Herbert-Wehner-Werkes) „Mein Stadtteil 2020: Lebens(T)raum Pieschen“ gingen drei Grundstränge der Betrachtung von Pieschen durch die Beteiligten hervor – 1 Städtebaulich wichtige Orte, 2 Potentiale von Brachen und Grünräumen sowie 3 Strukturen für soziales und kulturelles Bürgerengagement.

Motivation für die Zukunftswerkstatt ist damit das Bewußtmachen eines bestehenden Stadtentwicklungsprozesses. Einerseits bei den Bürgern selbst, die ermuntert werden sollen zur Beteiligung und selbstorganisierten Mitgestaltung ihres Stadtteils. Andererseits bei den Vertretern der Stadt, die gewonnen werden sollen die Beteiligung der Bürger als identitätsstiftenden Prozess zu unterstützen und damit den Wert des Stadtteils zu befördern. Es soll eine Bildungsplattform für ein besseres Verstehen von Stadtentwicklung bei allen Beteiligten geschaffen werden.

Anliegen der Zukunftswerkstatt in Pieschen ist zunächst das Sammeln von Ideen für den Stadtteil in der Perspektive auf das Jahr 2020. Diese Ideen sollen in der Zukunftswerkstatt konkretisiert und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Dabei ist das Ziel der Veranstaltung, das Kompendium an konkreten Aufgaben gemeinsam mit Stadt und Bürgern in Arbeitsgruppen weiter in die Umsetzungsphase zu begleiten. Die Werktatt will sich der (Stadt)Planung integrativ anbieten, indem sie Bedürfnisse und Visionen für den Stadtteil anhand von gemeinsamen Leitbildern kulturell vermittelt.

Die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt werden einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

In einem zweiten Schritt werden potentiell Betroffene und Interessierte eingeladen um ihre Vorstellungen auf der gegebenen Grundlage zu genauer zu verhandeln. Im dritten und finalen Schritt werden die entstandenen Leitbilder in Konzepten der Stadtplanung übergeben.

video out now: our house is your house

das video zeigt einen zusammenschnitt der tagung ‚our house is your house‘ im september 2010 bei ‚geh8 – künstlerhaus & ateliers‘

<p><a href=“http://vimeo.com/18986877″>OUR HOUSE IS YOUR HOUSE</a> from <a href=“http://vimeo.com/etfa“>Eintagsfliegenakrobatik</a&gt; on <a href=“http://vimeo.com“>Vimeo</a&gt;.</p>

das vertexten deutsch-englisch hatte ich übernommen. credits siehe link!

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the video refers to the artists‘ conference ‚our house is your house‘ in september 2010 at ‚geh8 – artist-run-space & studios‘

textwork german-english was done by myself. for credits follow the link!