Streifzüge Johannstadt Wohnkultur Logo Favicon

Einladung auf die Johannstädter Streizüge

Ab Sofort wohnt & arbeitet der Kultur!ngenieur einen Monat für die Ausstellung Wohnkultur – zum Bauen und Wohnen nach 1945 in der Johannstadt und geht dabei mit älteren Menschen auf Streifzüge in deren persönliche Erinnerung an den Stadtteil.

Die Wohnung ist auf der Wormser Straße 24c in 01307 Dresden-Johannstadt. Erreichbar unter 0176 24083754.
Der Arbeitsort ist die Johannstadthalle auf der Holbeinstraße 68 in 01307 Dresden-Johannstadt. Erreichbar unter 0351 4469568.
Das Tagebuch des Projektes führt der Kultur!ngenieur auf der Website Streifzüge Johannstadt.

Orte der Erinnerung
– Ein Arbeitsaufenthalt zur Architekturfotografie verbunden mit einem Workshop für Senioren

6 Wochen lang lebt und arbeitet ein junger Fotograf in der Johannstadt mit dem Ziel, zusammen mit Senioren Orte deren Erinnerung aufzusuchen und zu dokumentieren. Ausgangspunkt sind dabei private Aufnahmen der Workshopteilnehmerinnen und –teilnehmer, die um aktuelle Aufnahmen dieser Orte ergänzt werden. So kann sich Dokumentarisches mit einem aktuellen Blick, Erfahrungswissen mit künstlerischer Betrachtung vermischen. Die künstlerische und generationsübergreifende Auseinandersetzung mit dem Baubestand der Johannstadt, ihrer Erinnerungskultur, mit dem Stadtteil an sich wird zum Arbeitsfeld.

Die „Johannstädter Streifzüge”

In Zusammenarbeit mit der Ausstellung „WohnKultur – Bauen und Wohnen nach 1945” in der JohannStadthalle entwickelt eine kleine Gruppe von 8 bis 10 Senioren im Frühsommer eigene fotografische Ausstellungsbeiträge. Diese sollen sich mit dem Ober-Thema „Raum – Zeit – Perspektiven” beschäftigen. Oder anders gefragt:

* An welche Orte in der Johannstadt erinnern sie sich besonders?
* Zu welchen Zeiten oder Zeitabschnitten haben sie die Johannstadt kennengelernt? 
* Mit welchem persönlichen Blick schauen sie heute auf die Johannstadt?

Ab Mitte Mai vereinbart die Gruppe  Termine zum Kennenzulernen und Spazierengehen in der Johannstadt sowie mehrere Einzeltermine um ihre fotografischen Interessen und vorhandenes Bildmaterial zu sondieren. Vom 3. bis 30. Juni dann betreibt das Team vier Wochen lang intensive Stadtteilforschung und Fotografie. Orte und Menschen werden z.T. (erneut) aufgesucht und individuelle fotografische Perspektiven auf Raum & Zeit in der Johannstadt entwickelt. Die Workshop-Termine werden gemeinsam geplant und gestaltet. Am Schluss steht die Vorbereitung von ganz persönlichen Foto-Beiträgen zur bestehenden Ausstellung „WohnKultur” für die Eröffnung in einer gesonderten Veranstaltung Anfang September 2013. Felix Liebig, Kultur!ngenieur, leitet und begleitet die Senioren methodisch bei ihren Streifzügen, ihrer Bildfindung und Auswahl. Er wird wie sie in der Johannstadt wohnen und sich ganz dem Stadtteil und den Menschen dort widmen.

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campus!nventur = (ge)schichten

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fotos: felix liebig, 24. und 25. märz 2012.

mit der campus!nventur wagte sich der kultur!ngenieur auf neues sozialraumforscherisches terrain. sie war teil des eigenen programms zum 8. markt für dresdner geschichte und geschichten. ihr ziel ist das abbilden und weiterdenken des campus der tu dresden in geschichten, den persönlichen raumerlebnissen von menschen mit der tu dresden.

die campus!nventur begab sich wie einige andere jungakteure in die domaine der ehrenamtlichen historienforschung auf dem 8. dresdner geschichtsmarkt. mit erfolg! das eigene programm aus einem etwas zu kompliziert geratenen statischen inventar der individuellen raumerlebnisse mit der tu dresden als marktstand und der dynamischen spionage mit zeitzeugen und interessenten als spaziergang hat viel neues wissen erbracht. der methodisch „weiche“ zugang zu den geschichten der menschen über die tu dresden mittels audiokommentar und verortung auf der karte lässt allen deutungsspielraum. im unterschied zu wikipedia bleibt hier mehr raum für nichtfaktische setzungen, die dem poetischen und auch entwicklungspsychologischen wert der erzählung dienen. über die „zeitgeschichtliche collage“ der meisten beteiligten des marktes geht die inventur medial und personell in ihrer multiperspektivität hinaus. der ansatz ist in der form des zeitgeschichtlichen kommentars bzw. der reportage authentisch – der mensch steht mit seinem raumbild und raumerleben im mittelpunkt. erst im nachgang werden die kommentare gehört und vertextet und geben dann anlass zu weiteren fragen und einem soziokulutrell-raumforscherischen vertiefen der informationen im netz der beteiligten „erzähler“. ziel ist ganz klar eine „soziale konstruktion“ von raumidentitäten im universellen raum- und wissensverständnis der tu dresden. (brendlertext)

die authentischen worte über die orte der anwesenden menschen wurden von mir demnach aufgezeichnet und müssen nun nach publikationsrecht und aussagekraft vorgehört werden… >>> bald hier in ton & text. alsbald werden auch die geknüpften kontakte weiter entwickelt und anhand einer projektkonzeption die möglichkeiten des weiteren bearbeitens studiert. der campus der tud hat noch viel zu bieten und die menschen, die darüber erzählen können und wollen sind reich an eindrücken.

ein dank gilt den akteuren des geschichtsmarktes und dem netzwerk der (noch demografisch geprägten) geschichtswerkstätten, ohne die stadtgeschichte meinem über jahre des gegenseitigen kennens gewachsenen eindruck nach nicht faßbar und z.b. in den museen der stadt nicht bezahlbar wäre. in der tat produzieren die damen und herren der geschichtswerkstätten kultur in echtzeit, indem sie z.t. akribisch, z.t. mit der verve des zeitzeugen kulturelle schichten zu geschichte(n) zusammenstellen und interpretieren. zumeist unentgeltlich, wenn man von der sachkostenbezogenen publikationstätigkeit einiger absieht. einige forschen dafür so unbedarft und doch einzigartig gewandt, dass mir das herz blüht – wie herr fobe von der interessengemeinschaft historische friedrichstadt mit seinen collagen aus straßennamen bedeutender persönlichkeiten und philatelistisch passenden funden dazu, also der ebenfalls physisch-räumlichen wie archivarisch-kategorischen inventur von kulturanzeigern. er war sichtlich froh über die aufmunterung doch mal eine ausstellung zu veranstalten oder in einer kooperation mit jungen menschen weitergehend an dem thema zu forschen.

kurz in kursdorf

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fotos: felix liebig, 15. februar 2012

kurz: was bleibt?

auf einem kurzen besuch im heutigen flughafendorf kursdorf bei leipzig fand ich das raumgefüge von 2008 sichtlich verändert vor. weite schneisen ersetzen nun bauernhöfe, parkplätze füllen die lücken auf, ganze straßenzüge sind gewichen. ankerpunkte der dorfkultur sind nunmehr einige häuser und höfe alteingesessener, die feuerwehr, die kirche samt friedhof und schule, die gärtnerei, die waschanlage (für die mietwagen des flughafens), das ehemalige funkhaus des ersten flughafens, ein hotel sowie eine werkzeugfirma.

mit der entscheidung für den ausbau des flughafens leipzig/halle als wirtschaftsmotor für das regjo/nal/konstrukt mitteldeutschland über die menschen und ihre lokale kultur hinweg, konnten viele betroffene nur noch kleinbeigeben und flüchteten in perioden etwa in die bereitgestellten baugebiete in schkeuditz. der ehem. bürgermeister war der erste. ich schätze die bewohnerschaft auf keine 15 personen mehr. 2008 waren es noch um die 50. nach dem krieg sollen fast 1000 menschen dort gelebt haben, in regelzeiten ca. 400. die salzstraße führte einst hier vorbei. heute ist es die autobahn 14 und eine ice-trasse. schon 2008 flogen für das neue dhl-frachtkreuz, dem der damalige flughafen-junior-chef heute vorsteht, ca. 60 maschinen pro nacht zwischen zwölf und vier uhr durch die köpfe aller schlafenden. kursdorf existiert noch im internet auf einer eigenen website. die örtliche kultur aber ist nun flurbereinigt geprägt vom transfer, auch einiger urlaubsliebenden menschen, die ihre autos zurücklassen, aber verdeckt solcher in uniform, von paketen, von frachtgut aller flugfähigen art. was „kasper auf schatzsuche“ wohl alles fände? jan caspers und kollegen fanden ein sinnbild (pdf) der denkbaren zukunft des ortes in ihrem projekt, ob dessen das festival „aus flug hafen sicht“ beinahe aufgeflogen wäre.

mit dem performance festival stellten raumlabor berlin und thalia theater halle anlässlich des „theater der welt“ in jenem jahr die umbrüche vor ort zur künstlerischen debatte. der kultur!ngenieur war als produktionsassistent für das festival und das stück „unterm radar“ von jörg lukas matthaei (matthaei & konsorten) dabei.

deutsche kulturlandschaften – heute: sanifair

abbildung: sanifair wert-bon

18. oktober 2011, rastsätte an der a19 bei prignitz-west

mitfahrgelegenheiten sind allein im auto kulturräume mit rasanten geschichten, doch auch links und rechts neben dem kulturasphalt gibt es kultur(t)räume zu entdecken. z.b. auf einem autobahn-wc.

eines sage ich gleich vorweg: die deutsche servicewüste gibt es! und sie hat einen namen:

SANIFAIR.

wer sich mühe macht und recherchiert, findet dies: http://www.sanifair.de/

wer wie ich einfach nur von rostock nach dresden in einer beschaulichen mitfahrgelegenheit fährt und schon beim zustieg ein leichtes bedrängnis fühlt, dem er erleichterung verschaffen muss, der erlebt dies – eine wahre geschichte:

vor dem dreieck wittstock/dosse ist der rasthof mit wc angekündigt – noch sieben kilometer. ich bitte den fahrer dort zu halten, weil es drängt. kein problem. nach dem dreieck biegen wir ein. im kopf habe ich lose gedanken von 30 bis 50 cent gebühr und einer netten dame, die einem beim pinkeln um die beine wischt. ich nehme trotzdem meine geldbörse und gehe los.

noch vor dem rasthaus stürmen eine mutter und ihr kind in die raststätte. auch dringend?! drinnen ist das wichtigste von auslagen in regalen verstellt. aha. da lang, ganz hinten. ich freue mich auf erleichterung. die vergeht mir – auch der gedanke daran – jäh, als ich die schranke am einlass zum wc sehe. der automat verlangt als ich dran bin geld. ok, nichts neues. ich erinnere mich an die deutsche-bahn-wc-center. mist, mein kleingeld reicht nicht. 70 cent will der! ich müßte wechseln. dieser hier akzeptiert auch keine münzen unter zehn cent. aber er wechelt. steht da. ich werfe also den noch vorhandenen euro ein. kling. ich nehme geistesabwesend einen zettel entgegen und fische 20 cent aus dem rückgabeschacht. moment. sollten es nicht 30 sein? ich fingere vergebens und nur aus aberglauben noch ein wenig. das kann noch sani werden, aber das ist mit sicherheit nicht fair! dann erinnere ich mich an etwas. „bitte durchghen“.

ich finde die herrentoilette und finde entgegen den deutsche-bahn-wc-centern keine geräumig toilettenanlage. alles eng. die urinals sehr tief, dafür riesig. irgendwas ist komisch hier. die sitzplätze sind natürlich besetzt. zweimal rot. ich warte.

dann kommt ein jüngling aus dem hinteren abteil. ich gebe höflichkeitsabstand. dann endlich. jetzt aber. nein! alles gelb, alles naß! ich zögere. dann gehe ich zurück. er wäscht sich noch. ob das von ihm sei. nein, das sei schon so gewesen. ich nehme es hin. putze alles trocken. aber was ist das? ich fahre nur mal eben zum spülen – denke ich – über die lichtschranke und nun wird mir einiges klar: ein selbstreinigendes wc. ein bürstenkopf fährt aus. dann dreht sich die klobrille und erscheint mir zunächst wie eine dieser verzerrten skulpturen von erwin wurm. bis ich erkenne, dass die bürste das ding putzt. cool! nun ist die brille immernoch naß. zum glück bloß wasser?! alle arbeit umsonst. aber doppelt hält besser.

dann die erleichterung.

mir bleibt so ein moment der ruhe um mich daran zu erinnern, dass ich meine zehn cent zurück will. ich beschließe draußen an der kasse zu fragen. als ich gerade fertig bin und mich erhebe, tönt eine sanfte frauenstimme wie dereinst bei der dvb in dresden in den trams, dass ich mich hier in einer modernen toilettenanlage von sanifair befinde, dass sie alles täten, damit ich mich hier rundum wohl fühlte. ich kriege einen koller. auf dem weg zum waschbecken raune ich dem anderen mann zu, dass dies bisher ein totaler reinfall sei.

an der kasse quatsche ich die dame unhöflich von der seite an, obwohl sie frontal einen kunden bedient. der automat habe von mir zehn cent trinkgeld einbehalten ohne warnung. sie bittet um geduld. die habe ich grad noch. die mfg war bisher kein rennen. dann fragt sie mich mehrmals welcher automat mich denn behumst habe. erst beim hinsehen erkenne ich, dass es der freistehende war. der pinkelt sicher im stehen, frei und ohne netz und hat weniger unannehmlichkeiten. der muss mich wohl erkannt haben. der jüngling wohl auch, denn auch er hatte offenbar im stehen gepinkelt, sonst hätte doch die lichtschranke ausgelöst und alles gereinigt, oder? blöde technik, die die sitten deutscher jungmänner nicht erkennt! die dame gibt mir aus einer plastikdose neben der kasse meine zehn cent. ein teilerfolg. danke. tschüss.

noch im rausgehen höre ich sie zu einer kollegin sagen: „der hat schon wieder zehn cent einbehalten!“

erst hinterher sehe ich beim freudigen berichten des erlebten im auto auf dem gutschein, dass es ein gutschein ist. ich solle mir meinen kaffee holen. haha. der tee und der orangensaft waren heute morgen mein leid! ich trinke aus guten gründen morgens ohne grundlage keinen kaffee. was nun? ich habe also für 70 cent gepinkelt und hätte für 50 cent kaffee trinken können. also hätte ich schätzungsweise noch wenigstens 100 cent zahlen müssen. dann aber hätte ich wieder auf klo gemusst. wie lange ich das wohl durchgehalten hätte? ob ich den gutschein woanders einlösen werde?

als wir über die preise philosophieren, bestätigt die ältere mitfahrerin, dass bei den deutsche-bahn-wc-centern nach der preiserhöhung ein euro pro toilettenanlagenbesuch angesagt sind. aber hallo! kaffeetrinken wird teuer. obwohl doch durch die schleichende automatisierung der gesellschaft alles billiger werden müsste?!

da fahr ich lieber in die echte wüste. da ist wasser knapp und man haushaltet damit und geht nicht so oft auf klo und wenn, dann richtig.

Sichtbeton Wandmaltage 2011 – Fame Over

2010 hatte ich die Sichtbeton Wandmaltage bei IDEE 01239 e.V. selbst mitorganisiert. Dieses Jahr war ich der Spaziergänger und konnte zusammen mit Jan und Konrad ein sehr dichtes und vielseitiges Bild der Wandkunst im Plattenbau vermitteln.

Fotos gibt es auf der Sichtbeton Website. Filmschnipsel folgt…

Am 13. und 14. August 2011 führte ich die Sichtbeton Stadtteilsafari in Prohlis inhaltlich an.

Die Idee war eine bunte Rundfahrt mit dem Bike durch den Stadtteil Prohlis, auf der neben den diesjährigen Wandmalspots auch die überbrachten Wandkunstwerke aus anderen Epochen gezeigt und diskutiert werden sollten. Während wir am Samstag aufgrund Publkumsmangel noch eine Art Generalprobe liefen, fuhren wir am Sonntag mit Mensch und Wagen auf unseren Rädern los und entdeckten die teilweise Verschüttete oder auch nur vergessenen Kultur der Wandkunst in Prohlis.

Nach einem Einstieg mit einem Zitat aus den Dresdner Heften Nr. 81 *) am Albert-Wolf-Platz erschlossen wir uns auf einer Rundfahrt das Viertel. Wesentlicher Aspekt war nach meiner Ansicht die Aneignung des Areals, der Häuser durch die Bewohner, die mit vielerlei selbstorganisierten und von der Administration mehr oder minder gebilligten Gestaltungsmaßnahmen sich das zunächst äußerst spröde Plattenbauumfeld in einen menschlichen Maßstab verwandelten. Nach der Wände taten dem offizielle und nicht mehr so umfänglich von Bürgern selbst begleitete Wohnumfeldverbesserungen genüge. Dennoch setzten sich wie beim „Freiraum für IDEE 01239“ Bürger und Partner für die Gestaltung der Aussenflächen nach wie vor ein. Die Sichtbeton Wandmaltage bilden dazu eine künstlerische Position der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit den Oberflächen des Stadtteils Wand und Boden.

Auf den Wänden gibt es ein breites Spekturm an künstlerischen Medien, die wir diskutierten und eine lange Historie. Wandmosaiken an Giebelwänden der Zehngeschosser, andkünstlerischen Malereien, informelle und beauftragte Graffitis, z.T. aus früheren Festivals, Tags, Oberflächengestaltungen der Betonwände, Bemalungen von DREWAG-Häusern und die seit letztem Jahr hinzukommenden legalen Arbeiten großer Stilvielfalt von Sichtbeton schmücken die Wände des Plattenbauviertels. Jens Besser ergänzte die Recherche aus dem Off mit diesem Zitat zu einem Festival 1997:

die sachen entstanden im rahmen der sprühfrisch jam – 1997 oder 98 , ich weiss es nichtmehr genau. es sind werke von internationalen malern wie toast (HH), daim (HH), loomit (München) oder der erst kürzlich an krebs gestorbene schweizer writer dare. ebenso finden sich namen an der wand von malern die schon lange nichtmehr in erscheinung getreten sind. wie skena, simo, earl( jena), hesk …

die eingeladenen maler waren das damalige highlight des jams, denn die lokalen kannten sich sowieso untereinander und so ein jam führte da eher zu auseinandersetzungen als zur freude des zusammentreffens – im übrigen immernoch typisch für viele graffitijams. 

Das werk zeugt von einer aktiven jugendszene in prohlis die sich mit graffiti und dem öffentlichen raum beschäftigt hat. man kann nur hoffen das sichtbeton den damaligen geist wiederbelebt, denn die jams zogen viele leute in das randgebiet dresdens und schufen viele bunte flecken im eher tristen plattenbaugrau prohlis‘

Dankenswert war die Vorarbeit von Jan und Jens zum Thema mit viel Material und Wissen sowie die nachhaltige Beteiligung von Kunst+Bau eG, Silvia Lemke, wo am 10. September eine neue Ausstellung zur Kunst am Bau eröffnet wird. Nicht minder wichtig war das Broadcasting von Konrad Behr (Audio) und Sebastian Bellmann (Video), das demnächst noch in einem Filmchen zu sehen sein wird.

—–

*) Artikel „Die Fragen zur Freitaumgestaltung sind in keiner Weise beantwortet“ Zum Leben in Prohlis, Zitat Anita Maas in Dresdner Hefte Beiträge zur Kulturgeschichte, 23. Jahrgang, Nummer 81, 1/2005, Seite 30, Großstadt des Sozialismus? Dresden in den siebziger Jahren.

B-Team Brownfield Days Dresden

Die Anfrage aus dem Stadtplanungsamt Dresden an diesem Programm mitzuwirken war eine willkomme Gelegenheit zur intensiven Auseinandersetzung mit der Leipziger Vorstadt in Dresden als Zielgebiet einerseits und den Werkzeugen des Spazierengehens, des Location-Scoutings und der „Kultur!nventur“ anderersetis.

Fotos folgen in Kürze …

Die sog. „B-Team Initiative“ vereint elf europäische Städte in einer strategischen Entwicklungspartnerschaft mit dem besonderen Augenmerk auf innerstädtische Brachen (engl. Brownfield) vor dem Hintergrund des regionalen Vermittlungsprogramms „Interreg IV C“ der Europäischen Union. Die Stadt Dresden lud im Rahmen dieser Initiative vom 4. bis 7. Juli 2011 Experten aus den beteilgten Städten und der lokalen Szene zu den Brownfield Days. Aufgabe der Stadt war es, den bestehenden Masterplan Leipziger Vorstadt, Neustädter Hafen mit neuen Erkenntnissen zu unterfüttern und weiter publik zu machen.

Meine Aufgabe war das Ermitteln und Aufschließen einiger Partner und Akteure im Gelände der Leipziger Vorstadt – von mir gemeinhin als „Kultur!nventur“ betitelt – und das Verarbeiten der Erkenntnisse zugunsten einer umfassenden Vorstimmung der Teilnehmenden Experten auf einem Spaziergang. Nebenbei konnte ich mit etwas Glück die Räumlichkeiten von der Geh 8, Michael Grzesiak von urbikon.com in Leipzig und den Szenekoch Paul Hackenberg vom „Genusswerk“ im Projektgebiet als Kollaborateure gewinnen.

Der Spaziergang erstreckte sich nach mehreren Probe- und Erkundungsläufen sowie intensiver und für mich fruchtbarer Zusammenarbeit mit den Kollegen im Stadtplanugnsamt – namentlich Matthias Flörke-Kempe, Barbara Engel, Thomas Herm – über das gesamte Gebiet und hatte einen Umfang von ca. vier Stunden. Leider war das Wetter nicht sehr wohlgesonnen, aber das haben alle Teilnehmenden hervorragend weggesteckt.

Idee war es dabei in einer Art potentiellem Panoptikum des Areals den Experten des B-Teams alle erdenklichen Schnittstellen für eine Entwicklung des Masterplangebietes vor Augen zu führen und sie mit Akteuren wie Objekten gleichermaßen vertraut zu machen und nebenher auch die Akteure vor Ort für ihr Gebiet und füreinander mehr zu interessieren. Das gelang zunächst hervorragend: Vom Immobilienentwickler mit eigens aufgebautem Zelt am Leipziger Bahnhof über den Szene-Akteur vom Beachklub bis zum Freiraum Elbtal mit alternativen Lebenskonzepten oder dem Betriebsleiter des Pillenherstellers waren alle und alles dabei.

Das Feedback war durchweg positiv.

In den Workshops und der öffentlichen Abschlussdiskussion der Brownfield Days wurde konstruktiv und teils äußerst kreativ an Verbesserungen und Ergänzungen des Masterplanes gearbeitet. Dabei wurde offen über ganz und gar zeitgenösische Entwicklungskonzepte debattiert, die lediglich den schweren Weg in die hiesige Politik und Ökonomie haben.

Für mich war es eine Ehre mit einigen wirklcih bewanderten und umtriebigen Köpfen der europäischen Stadtentwicklung in Kontakt zu kommen, zu sehen, dass die B-Team Initiative von einer Deutschen im Stadtentwicklung Departement in Belfast koordiniert wird und es im Grunde Menschen wie Du und Ich sind, die die europäische Stadt durch Stürme des Investments und Wogen der Politik zu einer lebenswerten Stadt zu machen versuchen. Die Arbeit war fruchtbar und zukunftsweisend, denn die nächsten Entwicklungen stehen so oder so im Kontext Pieschen, Leipziger Vorstadt schon an.

Alle Achtung!

Hier der Plan des Rundgangs als PDF:

110627_Spaziergang_handout_doppel

die knarks und die krauts und die kunst

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fotos: felix liebig; werke: c/o die künstler & kulturschaffenden

wir drehen am zahnrad,
in der ex. r. krautwald maschinenfabrik.

ZAPFENSTREICH

in diesem besonderen falle vom 1. bis 6 juni 2011 sind es die künstler um conny cobra.
und was dabei zustande kommt, kann der geneigte betrachter hier erahnen …

REVISION

in der zwischenzeit hat sich viel getan,
ich habe das verfolgt,
weitere fotos zeugen davon.

kunst und kultur – vor allem aber selbstbestimmtes handeln – versetzen orte in einen neuen daseinszustand.
auch conny cobra zitiert joseph beuys:

kunst als soziale plastik

was mir in der fabrik als „jungfräulichkeit“ des plastischen erscheint:
die korrespondenz des werdenden,
die poesie des unfertigen.


raumkunst,
kunstwerke,
werkzeuge,
zeugnisse,

ein noch loses sammelsurium reichhaltiger gegenstände.
mitunter microskopisch,
plus die menschen, die diese gegenstände durch ihr handeln erst kontextualisieren,

in ein verhältnis setzen.

hier greift mehr ineinander als ein paar zahnräder,
die übersetzung dieses „gebtriebes“ ist stufenlos:
von  herantasten bis zupacken und wieder loslassen.

der erste gang ist eingelegt für den krautwald–sommer.

u.v.a.m.

ein hoch auf den kontemplativen leerlauf!