der teufelsberg

in berlin unweit des olympiastadions befindet sich der ‚teufelsberg‚.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

ein besuch dort war neuerlich inspiriert vom profilbild einer freundin auf skype, das eines der sog. ‚radome‚ zeigt. die eindrücklichen schutzkuppeln schützten ehedem abhörantennen. der berg liegt in einem heutigen freizeitareal und ist ziel einer überraschend grossen menge von ‚urban explorers‚. die auffällige – und technisch z.t. aufwendige – fotografische inszenierung des ortes durch die ‚bildtouristen‘ brachte mich der frage nahe:

was haben besuch und bilder für eine bedeutung für den ort und die menschen?

zunächst einmal ging es mir wie vielen: ich hatte mir von der freundin erzählen lassen und nach mehrmaligen ‚drüber stolpern‘ fand sich die passende gelegenheit während eines berlin-aufenthalts. die suche nach einem ‚loch im zaun‘ war hier gar nicht nötig, wiewohl andere gerade darin ihr abenteuer zu finden suchten. im tor zum gelände fehlte eine strebe, der wachdienst gab sich gelassen und expedierte lediglich stichprobenhaft leute von den gedäuden. den rest liest man auf wikipedia und den verknüpften oder selbst gefunden artikeln, videos usw.

der ort bietet bei eingehender auseinandersetzung jedoch zahlreiche weitere schichten des bewußtseins über ihn. nachrichtendienste, trümmerhalden, freizeit, bauprojekte, erinnerungskultur, exploration, … ich konkretisiere die frage kulturtechnisch:

wie hoch ist die identifikation mit diesem ort? warum? was drücken die fotografien der besucher davon aus?

ich spreche hier erstmal erfahrungsgemäß: hinter der identifikation mit etwas liegen emotionale ebenso wie rationale motivationen. bei diesem ort kann ich sagen, dass für mich insbesondere die eher intuitiv-sinnlichen beweggründe eines ‚mysteriums‘ und einer ästhetischen prägnanz zu buche schlugen um dort hinzufahren; erst jetzt vermelde ich rationale motivationen bei der auseinandersetzung mit kulturwissenschaftlichen hintergründen des ortes.

orte wie diesen, das erfährt man bei recherchen, gibt es überall auf der welt. würde man bei google-maps alle radome visuell dechiffrieren, erhielte man eine eindrucksvolle topografie des grossen lauschangriffs. die besondere ästhetik dieses ortes ist die eines (hier) westlichen abhörnetzes namens ‚echelon‚, mit dem geheimdienstliche informationsaufgaben erledigt werden. am teufelsberg: zuerst überwachung des luftkorridors nach west-berlin, jedoch später datenspionage gegenüber dem ostblock durch die usa im ‚kalten krieg‚, heute verödet.

wie weit fortgeschritten diese technologie war und wie ungeheuer ähnlich der diskurs darüber den aktuellen debatten über facebook und den milliardenschweren informationsmarkt dahinter ist, kann man auf einschlägigen web- und video-plattformen nachvollziehen. hier sieht man wieviele menschen in diesen strukturen ihr arbeitsleben binden und wieviel volkswirtschaftliches kapital für das ‚übereinander-spionieren‘ gebunden wird.

hinter spionage liegen immer untiefen des bewussten. menschen sind neugierig. wenn es um macht und geld geht, stellt spionage das vermeintlich probate mittel zum erringen von geopolitischen vorteilen dar. der sonntägliche spaziergang vor ort wird mitunter zur (gegen)spionage. unsere eigenen ’spionage-technologien‘ und diejenigen des militärs stehen in enger relation zueinander, bedingen sich. auf der ebene der information erkunden wir menschen sinnlich ein räumliches phänomen, das etwas ausstrahlt, das wir aber nicht fassen können. wir versuchen ‚der sache näher zu kommen‘. fotografien als informationsträger bieten aufbereitet in weltweiten sozialen medien die chance zur identifikation und wissenvermittlung. der ort trägt lediglich die bedeutungsfolie dafür.

real in berlin nämlich ist dieser ort zerlegt in seine bestandteile. (fast) alles wertvolle ist verschwunden. vandalismus hat das meiste in stücke geschlagen, der rohbau steht noch – und hier zählt wieder die zäsur des öffentlichen interesses: nachdem ein film den ort bekannt machte (siehe wiki) stieg der strom der besucher offenbar erheblich. real-medial: es gab vor ort keine ruhige minute. (re)produziert wird nur noch das bekannte bild, identifikation als wiederkehr des gleichen.

oder erzählt der ort doch eine geschichte? was ist der genius loci?

der ausblick von da oben ist von überwältigender schönheit, sowohl gen sonnenuntergang über den ‚grunewald‚, als auch gen stadt berlin. in richtung innenstadt wird ein städtebauliches phänomen berlin als metropole deutlich: über einem teppich aus steinernem berlin gemäß ‚stimman-plan‚ erheben sich vereinzelte hochhäuser markant im abendlicht, anhand derer und weiterer landmarken bestimmte orte in der stadt leicht auszumachen sind. in jedem fall ist es auch der ästhetische reiz, der menschen hierher bringt. was sie dann entdecken, ist ihrem bildungsstreben überlassen.

liest und sieht man weiter, erfährt man, dass hier vom resort bis zur luxuswohnung schon so ziemlich alles versucht hat, kapital aus dem ort und seinem ‚genius‚ zu schlagen. am eindrucksvollsten ist die verbindung zwischen der damals bereits begonnenen wehrtechnischen fakultät der nazis für ihr ‚germania‚ und dem von david lynch geförderten projekt einer ‚vedischen friedensuniversität‘. wirklich arbeiten tut am ort nur eine unsichtbarer akteur, dessen spuren man überall findet, wenn man nicht nur fotografiert, sondern sich treiben läßt und hinsieht, die informationen sammelt, ruhen lässt und später beim reflektieren einzeldaten zu sequenzen zusammenwachsen lässt.

ich frage mich anhand des zumindest unvorsichtigen umgangs einzelner koryphäen oder gruppen mit einer so breiten identifikation durch die bevölkerung stets, woher einzelpersonen so wenig gespür für ort und geschichte nehmen? auch hier profilieren sich menschen vor o.g. bedeutungsfolie mit ‚ihren visionen‘, wo jedoch ist die gemeinsame vision aller?

am teufelsberg spricht die situation für sich: spaziergänger, location scouts, explorer und wachleute geben sich die klinke in die hand. wer das loch im zaun sucht, wird es finden. wer offene türen einrennen will, findet auch die. der wachmann ist hier kein feindbild. und vielleicht findet er direkten kontakt zu einer globalen ‚community‚, die sich sonntag abend im world wide web wiedertrifft.

zum teufel aber auch!

brachenrundgang am sachsenbad

der brachenrundgang fand im auftrag der ‚Sächsischen Umweltakademie der URANIA e.V.‚ statt.

hauptaspekte der erkundung waren stadt(teil)kultur und umwelt.

am rundgang nahmen vier junge menschen im freien ökologischen jahr teil (föj). wir trafen uns um 10 in einem aussichtsreichen ambiente gegenüber dem sachsenbad, spazierten im engsten umkreis um das bad und werteten hinterher das gefundene aus. hierzu die mentale karte.

kooperative praxis in der begriffsfindung

zur einstimmung und nachlese stellte ich aus meinem fundus ‚denkanstösse‘ ohne anspruch auf vollständigkeit über das sachsenbad zusammen:

BEGRIFFE

  • Konversion, Kooperation, Stadtraum, Ensemble, Geschichte, Identität, Projektion, Zwischennutzung, Intervention, …

FILM

> ‚Wege ins Sachsenbad‘ – 3,5 min – Christine Elmer / Felix Liebig – 2007 – (Vorf.)

  • Interviews über die Vorstellungen von Pieschener BürgerInnen, wie sie das Sachsenbad erlebt haben und sie denken, dass es wieder genutzt werden könnte

> ‚Tuvalu‚ – Spielfilm ca. 90 min – Veit Helmer – 1999 – (Teaser)

  • filmisch-komödiantische Erkundung des Zustandes eines ruinösen alten Bades und dessen Vorzügen gegenüber eines drohenden Abrisses …

STUDIEN

> Vertiefungsarbeit Sachsenbad – Fakultät Architektur – Lena Eppinger – (Bsp.)

  • Studie über die denkmalpflegerischen Gesichtspunkte bei einer möglichen Revitalisierung des Bades

> Sanierungskonzept der STESAD vertreten durch Axel Walther

  • offizielle, mit 150.000 € vom Stadtrat unterstützte, Studie zur Sanierung des Sachsenbades, veranschlagt aktuell mit der hochgerechneten Summe von 20 Mio €, Wettbewerbsprojekte: Waldbad Klotsche, Freiberger Straße, Bühlau

VEREINE

> Pro Pieschen e.V. zur Förderung der Soziokultur im Stadtteil Pieschen

  • Kulturverein, der aus dem Wunsch von Pieschener BürgerInnen nach kultureller Mitbestimmung in ihrem Stadtteil hervorging, Vorsitzende Heid Geiler
  • Träger der Inititive ‚Endlich wieder Wasser in das Sachsenbad ! ‚
  • Träger von Projekten im Rahmen der Metropole Pieschen seit 2008

INITIATIVEN

> Bürgerinitiative ‚Endlich wieder Wasser in das Sachsenbad ! ‚

  • politische Meinungsbildung über die Vorzüge des Bades, Aktionen, Podiumsdiskussionen
  • Podiumsdiskussion zu Sachsenbad mit Vertretern aus Politik, Bürgerschaft, Kulturprojekten, Unternehmern etc. in Pieschen am 19.11.2007
  • Fachgespräch zum Sachsenbad mit Vertretern des Sanierungsträgers der Stadt Dresden (STESAD), der Politik, der Bürgerschaft und Kulturprojekten zur Vorstellung der aktuellen Studie der STESAD zur Sanierung des Bades
  • Druck der Broschüre ‚SACHSENBAD‘ als historischen Abriß der wechselvollen Geschichte des Bades

KULTURPROJEKTE

> Metropole Pieschen – Interessengemeinschaft von Kulturproduzenten (Bsp.)

Aktionen/Interventionen:

  • Handtuchaktion – Handtücher in Pieschen gesammelt. z.T. zugenäht in Kooperation mit Bewohnern und in den Fenstern des Bades aufgehängt (wie am Giebel zu sehen)
  • Postkarten – ‚Grüße aus Dresden (Sachs.)‘
  • geplante Lichtinstallation ‚Sachsen BAD‘ mit der Leuchtschrift am Giebel …
  • verschiedene Konzepte zur potentiellen Zwischennutzung des Bades

> ‚Wünsche für das Sachsenbad‘ – (Bilder)

  • gemalte oder textliche Äusserungen von intuitiven Wünschen für das Sachsenbad von Pieschenern, die ihre Identifikation mit dem Bad ausdrücken

TAGUNGEN

> ‚Landschaft quer Denken‚ des ISGV am 17.9.2009 – Beitrag am Saba (Bsp.)

(Institut für sächsische Geschichte und Volkskunde)

  • Tagung zu Theorien, Bildern, Formationen im Verstehen von Stadt als eine Art Landschaftsraum mit typischen landschaftlichen Elementen,
  • gemeinsamer Beitrag mit Dorothea Becker von H.E.I.Z. Haus Architekten zum kulturellen Spannungsfeld des Sachsenbades als einstiger Integralbaustein eines städtebaulichen Ensembles und heutiger Ruine mit weitreichenden Nutzungsprojektionen seitens verschiedenster Träger

AUSSTELLUNGEN

> ‚Das Sachsenbad als Mehrgenerationenhaus‘ vom 20.1. – 25.2.2010 (Flyer)

  • Ausstellung studentischer Entwürfe eines Architekturwettbewerbs der Messeakademie Leipzig, die zur Messen ‚Denkmal‘ stattfindet
  • Ort: Kunstfoyer des Kulturrathauses, Königstraße 15, Innere Neustadt

ENTWÜRFE

  • Studentenentwürfe unter Dorothea Becker an der Westsächsischen Hochschule Zwickau
  • Studentenentwürfe unter Christoph Schulten an der Architekturfakultät der TU Dresden
  • Studentenentwürfe an der Fachhochschule Reichenbach

PARTNER

> H.E.I.Z Haus Architekten im Hof gegenüber des Sachsenbades (Besichtigung)

  • anerkanntes Architekturbüro, das sich auch in der Bürgerinitiative engagiert und der Metropole Pieschen bei ihren Projekten geholfen hat

> Stadtplanungsamt vertreten durch Heidi Geiler

  • in Personalunion immer neueste Informationen über aktuelle Entwicklungen

BEISPIELE

> Berlin: (Bilder)

> Dresden: (Bilder)

  • ehem. Güntzbad – nicht mehr vorhanden
  • Nordbad – saniert & beliebt – Vorbild für aktuelles Konzept zum Sachsenbad!

> Chemnitz: (Bilder)

> Jena: (Bilder)

  • Kulturbad Jena – Konversion zum Kulturspielort mit Theater usw.

> Leipzig: (Flyer)