der himmel ueber loebtau kulturanatomie

Der Himmel über Löbtau – eine kulturelle Anatomie (und eine Hommage á Löbtau)

Dieser Artikel sollte im April 2014 im Fanzine „La Pôsch“ herausgegeben vom Werk.Stadt.Laden Löbtau, erscheinen. Aufgrund drängender interner Aufgaben aber wurde er bislang zurückgestellt. An dieser Stelle gibt es Neues, wenn es soweit ist…


„Überflug“(1) war gestern – ich bin jetzt gelandet in Löbtau. Ich lebe seit Ende 2011 hier. Seitdem bearbeite ich die Kultur im Stadtteil, u.a. in der „Löbtauer Runde(2), dem stadtteilübergreifenden Kulturstammtisch. Das ist soweit in Ordnung. Nun wage ich eine kulturelle Anatomie(3), eine Beschreibung der inneren kulturellen Beschaffenheit des Stadtteils für „La Pôsch“.

Dies ist ein Grenzgang um Dresden-Löbtau.

Ich möchte den Leserinnen und Lesern das heutige Löbtau so schmackhaft machen, dass ihnen ob kennerischer Inspirationen das sprichwörtliche Wasser der Weißeritz im Munde zusammenläuft und ob fachlicher Expertise die Kupferwindungen des Kraftwerkes im Kopf glühen. Ein roter Faden soll sich um den Stadtteil spannen und kulturelle Hoch- wie Tiefpunkte verbinden. Denn Kultur(4) ist alles um uns.

Und dieses Alles soll eine Ordnung haben: Es geht um Löbtau, nicht um Cotta, das den verwaltungsrechtlichen Mutterstadtteil bildet und auch schön ist, wo Frau Brauner ihr Ortsamt leitet und Löbtau unterstützt oder der Freundeskreis Cotta hoffentlich bald wieder seine „Froschpost(5) herausgibt; nicht um Gorbitz, das kunstvolle DDR-Gerippe im Westen mit der umtriebigen Bürgerinitiative und dem noch existenten Quartiersmanagement, und schon gar nicht um Naußlitz, Wölfnitz, die Friedrichstadt, Plauen oder gar die „neue Neustadt“. Interessanterweise lebe ich selbst genau an der Grenze zu Naußlitz. Aber gleich mehr davon.

Am südwestlichen Innenstadtrand, würden die in Löbtau angenehm präsenten Stadterneuerer nun sagen, wo von der dresdner Altstadt her kommend konvertierte Industriebrachen und gut geordnete Grünzüge uns schon fast auf dem Land oder gar in Freiberg wähnen, da beginnt unmerklich Löbtau, die scheinbar unendliche Stadt, an der Freiberger Straße, genau am Restaurant „Zum Heiteren Blick(6), das es heute aber nur noch als bleichen Fassadenschriftzug hinter einer alten Leuchtreklame gibt (BILD). Dafür gab es hier um die Ecke 2013 kreative Fassadenmalerei beim „Sichtbetong Camp(7) und ich denke spontan: Wir sollten werden mal der Ordnung halber auf der Stadtteilgrenze(8) drumrum laufen um dieses Löbtau. Um eine Sache zu erfassen, sollte man sie zunächst einmal umrunden.

der himmel über löbtau kulturanatomie FREIBERGER VERGLEICH HISTORISCH HEUTE

Der Himmel über Löbtau – Kulturanatomie: FREIBERGER STRASSE UM 1900 & HEUTE (6)

Also gehen wir noch ein Stück durch die Hirschfelder Straße, um links auf die Löbtauer Straße und dann rechts wieder in die Wernerstraße einzubiegen – schon haben wir jede Menge verpasst: Der „Weißeritz-Grünzug(9) mündet hier auf ehemaligen Kohlebahngleisen als EU-Förder- und städtisches Vorzeigeprojekt in den Stadtteil. Einen Kohlehandel gibt es noch. Den früheren Floßhof(10) der Flößer aber lange schon nicht mehr. Diesen Flitzebogen können wir bis ans andere Ende der Tour spannen um gespannt zu bleiben. Das Stadtteilschild zur Friedrichstadt steht rechts ein Stück die Löbtauer runter vor dem Kupplungswerk. Links können wir auch über den Autohof von Jürgen Liebigs Tankstelle abkürzen. Nein, der Autor und der Autodienstleister sind nicht verwandt. Hier wechseln nur viermal am Tag die Preise; gegenüber wechseln im „Volume 11(11) vielleicht viermal am Tag die Bands ihre Probenräume und sicher noch öfter die Möbelpacker der DMS ihre Kisten. Bald auch der Werk.Stadt.Laden? Mal sehen.

Die Wernerstraße gehen wir gaaanz langsam bis hoch und wieder rechts in die Lübecker Straße. Denn schon auf den ersten Metern ist es brisant: Am Wernerplatz schießen nicht nur Autos über uns hinweg, da haben sich letztes Jahr vor der Kneipe auch zwei Albaner einen Messerkampf(12) unter uns geliefert, und an der Ecke grinst nicht mehr wirklich das alte Punker-Lächeln des Gründerzeitbaus, wo in Urzeiten die Zentrale der Kommunisten in Ostsachsen(13) und später eine Brutzelle der „Commonisten(14) in Dresden war bis Rechte in Verkennung der zeitgenössischen Praxis (sic!) immer wieder und teils unter Aufsicht der Polizei die Scheiben einschlugen – zuletzt am 13. Februar 2011(15). Heute herrscht hier (fast) Ordnung. Die Nachbarschaft jedoch bleibt sehr rege, arbeitet an einem eigenen Fonds für finanziellen Kleinstbedarf und nennt sich gerne Kiez: Drei Häuser weiter hoch bildet der „Werk.Stadt.Laden“ mit einigen anderen ein „Konglomerat e.V.(16), gegenüber spinnt der „Liubituwa e.V.“(17) stadtteilbezogene Projekte für die in seinem Namen benannte „liebliche Aue“ Löbtau, u.a. das „Columbusstraßenfest“ oder den „Löbtauer Wochenmarkt“, auch die Plattform Brachfläche.de kommt von hier und drei Häuser weiter auf der Columbusstraße residiert der studentische „WUMS e.V.(18). Bald gibt es einen bürgerbetriebenen „Columbusgarten“(19) und den amtlichen Segen der Stadt. Jetzt schon gibt es einen Schaukasten für uns Bürger gegenüber. Den frechen Hochbeeten und dem Werk.Stadt.Garten-Initial sei dank! Was bürgerschaftliche Selbstverwaltung heißen kann, sehen wir hier demnach recht gut. Doch das war’s fast. In der Lübecker dann stolpern wir links schon über den alten Dorfanger von „Kuhlöbte(20) und wenig später über die unsichtbaren „Drescher-Häuser(21) der früheren Kornbauern. Heute gibt’s hier zwischen Bier-Netto und Bier-Anger ein pittoreskes Schreber-Lächeln unter Hochspannung und sonst weit und breit nur den TÜV.

Erst an der Pennricher oberhalb des gerade noch durch Löbtau zur Autobahn verlaufenden Bramsch-Tunnels biegen wir links ein, laufen rauf zur „Schanze“ und von da aus links die Rudolf-Renner Straße ein Stück runter bis zur Bramschstraße. Der erhabene Blick vom Hang über die Schreber gen Stadt ist nicht zu verachten! Weiter hinten sieht man vor dem ehrwürdigen Friedrichstädter Güterbahnhof(22), der dereinst mal á la park die Stadtteile Löbtau und Friedrichstadt verbinden könnte, das erste Dresdner Wächterhaus haushalten – samt seinem Garten am seit 1893 kanalisierten Teil der Weißeritz(23), dem Emmerich-Ambros-Ufer. Der Betreiberverein „EAU42 e.V.(24) sammelt gerade Funding aus der Crowd für den heutzutage ordnungsgemäß einzureichenden Bauantrag. Die Autopest dazwischen stört noch mehr als Anträge und die Pennricher Straße zeigt uns sodann sowieso gerade ihre schon beantragten Eingeweide. Also bahnen wir uns den Weg an einer Holzlattenwand lang, die wir schon aus „La Pôsch“ Nr. 1 kennen. Dahinter ist allerhand im Gange. Daneben gibt es in der Gohliser Straße noch ein paar wilde Obstbäume. Darauf ist nicht viel zu sehen. Immerhin sind die Häuser hier teils recht prägnant: Entweder mit ihrer neuen Farbe oder mit ihrer alten Marodie. Die „Schanze“ ist weniger eine Fluganlage, als eine alte Wehranlage(25) aus der Zeit von Napoleon und man bemühte sich ehedem um ortstypische Bezeichnungen. Heute ist die „Schanzen-Apotheke“ den Bach runter, nur Frau Aderhold von der „Robert-Koch-Apotheke(26) hat noch Laufkunden und kann auch deshalb etwas dazu sagen. Wie sie dem Interessierten ohnehin zu so vielem etwas sagen kann und für Stadtteilgeschichte(n) und Archive eine Multiplikatorin ist. „Pink Pizza“ heißt alliterarisch, sieht komisch aus, schmeckt nicht schlecht, kann aber nicht zählen und der Bäcker daneben ist lange schon dem Sonnenstudio gewichen. Auch das alte Pflaster weicht bald. Endlich glatt. Ordnung muss sein. Dafür halten sich auf der Rudolf-Renner-Straße gen Löbtau gleich zwei soziale Wahlkreisbüros: Der „Rote Renner“ der Linken und das „Bürgerbüro“ der SPD(27), während gen Cotta gar eine Mosché(X) in einem ausgebauten Erdgeschoss der Gründerzeit besteht. Der Conertplatz hat Charme, man sieht ihm die Plattenbauten am Nordrand gar nicht (mehr) an.

Nun aber gehen wir rechts in die Bramschstraße hinein bis zum westlichen Tunnelauge, an dem wir links rüber auf die Braunsdorfer Straße huschen und auf der wieder ein Stück rechts laufen. Das Panorama zwischen Coventry-Straße unter uns und Kindergarten hinter uns mit den WBS-70- auf der linken und den 30er-Jahre-Bauten auf der rechten Seite ist aufregender als es scheint: Hier ist die Schnittstelle zwischen den Ausläufern des oben schon grüßenden Gorbitz des zur Miete wohnenden Nachwendeproletariats und dem sehr begrenzten gründerzeitlichen Löbtau der oft wohneigentümelnden jungen Professionellen am Conertplatz. Von hinten durch die Brust ins Auge sozusagen durchsteigen wir hier einen Milieuknoten zwischen konträren Sozialräumen. Just hier, wo vormals das Dienstleistungskombinat der DDR (DLK) sein Domizil hatte und auch noch an den Fassaden im „Hof“ prangt, will die Eisenbahnerwohnungsbaugenossenschaft (EWG) den querstehenden Plattenbau in einen „Kunsthof(28) mit Künstlerateliers zur Aufwertung des Quartiers nachrüsten. Das ruft nicht nur die lobenswerte Kreativraumagentur auf den Plan, sondern auch Sozialkünstler und -kritiker. Wir bleiben gespannt.

Gleich nach dem zweiten Block schlüpfen wir links hindurch, an den Kleingärten und dem Sportplatz vorbei die Malterstraße entlang. Für den Sport gibt es in Löbtau reichlich Betätigungsfelder und Schrebergärten sind allüberall in den Rand- und Übergangsbereichen zu finden, wenngleich mit dem Aufheben des Bestandsschutzes für manche Kleingärten 2014 Bewegung in die alte Ordnung kommt. Im Hintergrund wurden – als seien wie in der „Kräutersiedlung“ Gorbitz Platten übrig gewesen – entlang der Hermsdorfer Straße Wohnkuben für Einzel- und Mehrfamilien an die „Piano Nobiles“ der Gründerzeit angehängt. Dafür muss die „Villa Friedrichsruh“(29) kurz hinter der Rennerstraße ihres Schicksals harren, weil gleich zwei von bald acht Kindertagesstätten im Stadtteil nebenan den Dresdner Babyboom(30) in einem Bauboom aus Neubauten auffangen und nicht in den alten Gemäuern mit noch erlebbarem Piano Nobile wie zuvor. Von dort könnten wir herrlich die Plattenstraße hinauf zu den Plattenbauten der Wohnhochhäuser „WHH 17(31) in Gorbitz sehen, wenn wir nicht auf der Malterstraße wären. In der nicht minder langen Stollestraße links mit den nachts so schön ordentlich aufgereiht leuchtenden Laternen befindet sich übrigens ein Absenker aus dem Werk.Stadt.Laden: die „Stolle33“. Parallel dazu in der Emil-Überall-Straße 6 verbirgt sich von hier aus gesehen am anderen Ende der diakonische Treff „Emil“, aus dem 2007 die Inititive zur Löbtauer Runde und 2010 auch zur Website http://www.löbtau.org kam.

Wo die Malterstraße schließlich die Kesselsdorfer Straße, diesen Zentralnerv von Löbtau kreuzt, stapfen wir halbrechts hinüber hoch in die Saalhausener Straße. Nicht aber, ohne uns vorher bewusst zu machen, dass wir genau hier die für den Stadtteil prägende Nord-Süd-Schwelle überschreiten, die gerne zitierte „Chinesische Mauer(32) und um uns hier umzusehen, denn an der ersten Ecke ist nicht nur der erste, einzige und bald letzte Matrazenoutlet von Löbtau, was für Zuzügler interessant gewesen sein dürfte, sondern mit der kleinen Bäckerei „Andrä“ an der zweiten Ecke auch der eine von gerade zwei Natursauerteigbäckern unter geschätzten zehn Backmischungs-Filialisten und drei Privaten auf dieser Straße und weiteren mindestens zehn Bäckern in Löbtau. Oben wie unten hängt der Einzelhandel der Kesselsdorfer Straße am Tropf des Globalkapitals(33), regalmeterweise hat es die Läden an der Straße bereits ausgezehrt und die Mieten sind unerreichbar, was heute an anderer Stelle bei „Globus“ wider die Erkenntnis weiter diskutiert werden muss. Dazwischen glänzen außer den Discountbäckern Tattoostudios, Reisebüros und rechte Reklamebuden. Eine Oase in der Handelswüste befindet sich nur abseits – im Mietparadies auf der Reisewitzer Straße, ein Glücksfall, der zum Ausflug lohnt: Der Weltladen und Verein „Quilombo“ reiht sich mit dem „Weltcafé“ an einer Hausfront auf, ein Stück weiter ist der feine Buchladen „Buchlese29“. Ob in diesem Umfeld auch mal der ersehnte Stadtteilladen der Löbtauer Runde und anderer Akteure sein kann? Oder doch direkt an der Kesselsdorfer? Der Gewerbeverein(34) im Büro der CDU jedenfalls tut sich schwer mit der schönen neuen Weltordnung, dem Leerstand wie an der Ecke mit dem schönen Holzerker und dem nicht vorhandenen bzw. anders gelagerten lokalen Interesse der neuen Gewerbetreibenden. Deshalb wird „Foto-Hahn“ an der vierten Ecke kostenfrei die Portraits der Löbtauer Runde für die Kampagne „Ich bin Löbtau!(35) beisteuern und so Kultur fördern. Leider sind damit noch keine leeren Läden zu Kulturinkubatoren transformiert. Doch das traditionelle „Kesselsdorfer Straßenfest“ am 5. bis 7. September 2014 als Teil dieser Initiative nutzt womöglich trotzdem einige. Die „Kellei“ ist aber eine eigene Tour wert.

Von der Saalhausener verabschieden wir uns schon beim Griechen „Thalassa“ mit einem leichten Linksschwung in die Rabenauer Straße. Wer hier nachts die Ohren gut dreht und dem Wind lauscht, der hört die Autobahn vom „Grünen Turm(36) her säuseln und antizipiert die verdrehten Straßenzüge dorthin. Sonst ist hier nicht viel los, schon gar nicht nachts. Löbtau Süd ist hauptsächlich ein Schlafstadtteil. Apropos: Die Gaslaternen flackern unverrichtet vor sich hin bis sie dereinst wohl angeblich der Sicherheit(37) und Energiekosten wegen ausgetauscht werden. Im gleichen Takt verrichten aufrichtige Löbtauer hier und da des nachts ihre Schäferstündchen. Schließlich soll es Babys für Dresdens Steuern regnen. Was aus der demografiegünstigen Heimeligkeit wohl wird, wenn Löbtau sicherer ist und alles neu strahlt und funkelt? Aber Ordnung muss sein. An gleich zwei Ecken kann ich in dieser Straße auch nach langen Nächten schnell noch Butter holen. Aber Vorsicht: Etikettenschwindel(38): Bei einem der beiden stimmt schon das Kneipenschild draußen nicht mehr mit dem Inhalt des Ladens überein und spätestens beim Blick auf die Produkte findet man sich auch hier im guten und günstigen globalen REWE-Markt-Regal wieder. Die Öffnungszeiten werden in regelmäßigen Abständen bedenklich kürzer.

Die Rabenauer mündet kurz vor den Schrebergärten. Dort wurde die Stadt nicht weiter gebaut, dort wird bis heute nur angebaut – Obst und Gemüse für den Heimbedarf. Die Grenze zu Naußlitz knickt direkt vor meinem Kultur!ngenieur.Büro(39) von Norden nach Osten mittig über die Kreuzung zur Clara-Zetkin-Straße und wir laufen mit Clara Zetkin Richtung Osten bis zur Dölzschener Straße. Deren Denkmal steht übrigens am Bonhoeffer Platz, aber schon an der Clara-Viebig-Straße gegenüber dem „West End“; hätte sie das gewusst! Das Panorama aus meinem Büro ist wie die „Kellei“ eine eigene Tour wert: Hier treffen Afrikaner auf solche, die das Wort nicht mal aussprechen können oder wollen, alte und junge Genossenschaftler begegnen den Leuten aus meinem „Taubenschlaghaus“ vom freien Immobilienmarkt und alle existieren irgendwie in der Mitte der Gesellschaft. Zu seltenen Anlässen kann man das Panorama in meinem Büro genießen, z.B. beim „Löbtauer Musikalischen Weihnachtskalender“ (LöMuWeiKa)(40). Die Alten haben übrigens einen wundervollen achtseitigen Abriss ihrer Erinnerungen an frühere Läden(41) insbesondere in Löbtau-Süd auf einem Klassentreffen in einen Textspaziergang ähnlich dem meinen gefasst und der kleinteiligen Handelsstruktur damit ein bürgerschaftliches Denkmal gesetzt. Die Ordnung der „Kaffeemühlen(42) war und ist hier zwar eine andere als in Striesen und Blasewitz, sicher weniger blüten- und überhaupt reich. Aber Würfelhaus für Würfelhaus glauben beinahe alle der knapp 20.000 heutigen Löbtauer an das Treppenhaus in der Mitte, die Wohnung im Karreé, das Auto auf der Straße und die Liebe zum Vierbeiner an der Leine. Löbtau wurde schon 1875 von besagtem Emil Überall am Grundriss(43) entworfen, hatte schon 1903 zur Eingemeindung fast doppelt soviele Einwohner und ist in diesem wohlfeilen Raster sozial merklich verankert. In seiner Mitte, quasi dem Bauch, beherbergt es mit dem Rücken zur Clara den sehr sehenswerten und namensträchtigen „Neuen Annenfriedhof(44), neuerdings auch mit einem Denkmal zum 100. Todestag des Dresdner Flugpioniers Hermann Reichelt(45) und öffentlichen Bauten wie der Hoffnungs-Kirche(46), der jeden Mittwoch testhalber lärmenden Feuerwehr, der heutigen Theater-Kita im damaligen Volksbad(47) und der jetzigen 35. Oberschule als einer von zwei Oberschulen und zwei Grundschulen im Stadtteil, aber keinem Gymnasium. Nur die Ambulanz ist in Löbtau-Nord. Hier an der Ecke gleich gegenüber der Schule gibt es eine feine Raststätte: Den zweiten Naturbäcker im Stadtteil, „Marcel“, aber eben auch einen geschickten Neubäcker mit beredsamer Schwiegermutter, der seine Arbeit einfach gut macht und Ideen hat.

Von da gehen wir rechts die Dölzschener Straße rauf, aber nicht ganz bis ins Luftbad(48) auf den Hügeln, sondern nur bis zu dem kleinen „Bienertpark(49). Sie führt uns durch die sog. „Johann-Mayer-Häuser(50) und wieder Schrebergärten mit Blick ins Weißeritztal bis fast zur ehem. „Aktienbrauerei Reisewitz(51) im ehedem hübschen „Reisewitzschen Garten“. Hier franst Löbtau langsam aus.

Ehe uns also die Luft zu gut wird, schlendern wir lieber links hinunter durch den Park zur Tharandter Straße und der „Bienertmühle(52). Wiewohl: Die liegt schon im reichen Plauen. Quer über das Roundabout laufen wir deshalb die Tharandter lang zum schwierigsten Teil der Strecke. Pfiffige Garten-Guerilleros(53) hatten auf dem Rondel mal einen Baum im Topf „gepflanzt“, aber Ordnung muss auch Ordnung bleiben und Sicherheit mit Sicherheit auch. So grüßt die Kultur der „Haifische Plauen(54) nur von gegenüber, wo einst echte Haifische ihre Zähne in den Sedimenten verloren, später Ida Bienert die Kunst einlud und heute Sonntägler wieder zu „Museum Hofmühle“ und seinem Café bei den neuen Mäzenen lustwandeln. An der Tharandter gibt es hier leider außer Immobilienhaien, Konsum und Autohäusern nicht viel, nicht mal mehr eine Tram. Und die Fischstäbchen im Netto sind nunmal auch nicht aus Miethaien. Oh, an der Ecke des ersten Netto, der mal ein Plus war, steht eine gut erhaltene Ruine wie ein hohler Zahn. Wie haiter!

Ausgerechnet am zweiten, dem echten Netto biegen wir rechts auf den Parkplatz ein und überqueren ihn, um hinten an der Mauer in die Weißeritz zu steigen. Wir sehen da den „Schwarzen Salon“ des beliebten „Kino in der Fabrik(55) von hinten und könnten uns hier Sonntag abends zum Tatort gesellen. Auch eine dazu passende Stahlfabrik liegt gegenüber noch. Sonst aber bloß viele Steine. Hier in der Weißeritz schlurfen wir möglichst ohne feuchte Füße gen Norden bis zur Brücke an der Oederaner Straße und klettern dort, gleich neben dem neuen „Pulvermühlpark(56) und dem alten „Weißeritzmühlgraben(57), aus dem Fluss. Nun können wir den Flitzebogen vom Beginn der Tour wieder einspannen, denn hier kennt sich der Weißeritzmühlen-Müller, besser bekannt als Wolfgang Müller, richtig gut aus. Wir sollten sein Buch gelesen haben und inmitten der Bauarbeiten zum Park kommt auch die „GAP Group Lückenglück(58) zum Einsatz. Einst hatte man hier ordentliche archäologische Ausgrabungen wie heute auf der „Herzogin Garten“ beim „Zwinger“ betrieben und alles dann doch stehen gelassen. Später fand man dort feinste „Audio-Filets(59) – keine Haifische und nun? Der Weißeritzgrünzug findet hier sein vorläufiges Ende bis zum Bienertgarten und wir drehen uns um zum Endspurt.

Jetzt nämlich kommt der wirklich nahezu unmögliche Teil der Strecke: Die Hochstraße zur Autobahn am Ebertplatz können wir nur umrunden, aber nicht überqueren, um auf der anderen Seite neben dem hübschen Kraftwerk unseren Weg die Oederaner Straße runter fortzusetzen. Hier hauste vor Zeiten das Glaswerk- und Eisenbahnerproletariat. Im jahr 2000 soll das „die schlimmste Meile von Dresden(60) gewesen sein. Die letzten Überlebenden haben 2005 der Künstlerin Susanne Keichel(61) ihre Geschichte(n) anvertraut, die 2013 nocheinmal beim Sichtbetong Camp zu hören waren. Wo diese Oede am Restaurant „Zum Heiteren Blick“ auf die Freiberger Straße trifft, schließt nicht nur unsere Umrundung von Löbtau.

Da bleiben wir auch in einem kulturellen Bild: Wenn wir ein GPS-Gerät laufen lassen und das auslesen, dann sehen wir nachher auf dem Bildschirm eine Art Schmetterling als Grundriss unserer Tour. Das Muster der Flügel zeichnet sich ab in einer bunten Kulturgeografie. Das ist das eigentliche Löbtau: Die Pfauenaugen, die Kieze, die Nachbarschaften, die Einsprängsel der Kulturakteure; das ist nunmehr die endliche Stadt, so wie sie auf der Karte von Marc Schmidt 2011 dargestellt war (BILD). Doch ein Überflug? Dann aber 4.0!

Der Himmel über Löbtau Kulturanatomie Schmetterling Maps

Der Himmel über Löbtau – Kulturanatomie: Schmetterling (8)

Wenn wir eines Tages auf der Freiberger Straße, der alten Bismarkbrücke zwischen der früheren Zollstation und dem heutigen Eingangsknoten zum Stadtteil an der Weißeritz und dann der Kesselsdorfer Straße quer durch den Stadtteil zurück bis zur Malterstraße laufen, dann werden wir sozial und kulturell einen völlig neuen Stadtteil entdecken: Wir würden die Menschen in der „Huschhalle(62), im „T3(63) und viele andere neue Perspektiven kennenlernen, nicht zuletzt auf dem leerstehenden obersten Parkdeck eines dieser allgemeingültigen Konsumgroßbauten hoch über der fälschlicherweise als „Boulevard“-Lösung bezeichneten baldigen Zentralhaltestelle mit ihren Schülern, Studenten, Arbeitslosen, Werktätigen und Drückern. So aber haben wir zu Fuß im Kopf eine Runde gedreht, einen virtuellen Spaziergang und kulturellen Grenzgang, der uns das Feld Löbtau erst zur Erschließung geöffnet hat. „Punkt und Linie zu Fläche(64) schrieb Wassily Kandinski dazu. Otto Dix(65) war näher dran: Er hatte sein Atelier über dem Fahrradkaufhaus, vielleicht bald auch mit Infoplakette der „AG Stadtteilgeschichte(66) bei der Löbtauer Runde, dafür aber mit Bildmaterial von dunnemals, das kürzlich in einem Buch von „Igeltour(67) vorgestellt wurde. Ohnehin könnte sich auch die beliebte Reihe der „Stadtteilhefte“ von Annett Dubbers Löbtau mal annehmen, schließlich schreiben auch die Zeitungen regelmäßig über hiesige Stadtteilkultur und -geschichte – nur die städtische Broschüre(68) zur zweiten Runde der Sanierungsförderung in Löbtau seit 2003 durfte nicht gedruckt werden – aber das ist eine eigene Tour.

Noch keine Vision? Löbtau ist echt in Ordnung!

Felix Liebig, Kultur!ngenieur, im April 2014. Kontakt für Hinweise → Impressum


Was trotz intensiver Recherche nicht oder ungenügend mit Quellen belegt wurde, entspringt aufmerksamer Beobachtung und stellt keine Wertung dar. Für externe Verweise keine Haftung; für Hinweise einen großen Dank! Der Autor.


Quellen & Referenzen:

  1. Überflug, der – erster und zweiter Teil eines Stadtteil-Spaziergangs im April und September 2011 unter dem Titel „Überflug 2“ und „Überflug 3“ zusammen mit dem Werk.Stadt.Laden. Zugleich erste journalistische Annäherung an den Dresdner Stadtteil Löbtau unter dem Titel „Überflug“ im Stadtteilmagazin „La Pôsch“ im März 2011. siehe auch: http://www.werkstadtladen.de/archiv
  2. „Löbtauer Runde“, die – Kulturstammtisch und Kulturnetzwerk in einem. Gemeinsam mit Dr. Angela Bösche ist Felix Liebig seit Jahresbeginn 2014 Sprecher. Siehe auch: http://www.löbtau.org
  3. Anatomie, die – a. Wissenschaft vom Bau des [menschlichen] Körpers und seiner Organe, b. Aufbau, Struktur des [menschlichen] Körpers (Duden).
  4. Kultur, die – 1. a. Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung (Duden).
  5. „Froschpost“, die & „Freundeskreis Cotta e.V.“, der – Verein und Stadtteilmagazin gehen Hand in Hand und ringen derzeit um ihre Perspektive. Siehe auch http://www.fropo.info
  6. Fotogegenüberstellung damals – heute am „Heiteren Blick“, Montage Felix Liebig: Ecke Freiberger Straße 93 / Oederaner Straße mit Restaurant „Zum heiteren Blick“,  wahrscheinlich um 1900/1905, Foto: unbekannt, hochgeladen: 12.11.2012, Scan: Benutzer: Tanja. http://dresden.stadtwiki.de/wiki/Datei:AK_Freiberger_Hohenzollernstraße.jpg; Foto: Felix Liebig, 29.4.2013.
  7. Sichtbetong Camp 2013: http://sichtbetong.de, Bitte Doku-Heft anfragen!
  8. Grundriss der Verwaltungsgrenzen von Löbtau, Google Maps, Screenshot am 14.4.2014
  9. Weißeritzgrünzug, der – „EFRE Stadtteilentwicklungsprojekt Weißeritz“. Siehe auch http://www.dresden.de/weisseritz und die schöne PDF aller Infotafeln am Grünzug http://www.dresden.de/media/pdf/weisseritz/Schilder-Nord_dt.pdf
  10. „Floßhof“, der – Endpunkt des aus dem Erzgebirge auf der Weißeritz herbeigeflößten Holzes. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Weißeritzmühlgraben
  11. „Volume11“ – Bandprobenhaus. Siehe auch http://www.volume11.de
  12. SZ, u.a. 16.9.2013. Siehe auch http://www.sz-online.de/nachrichten/der-angeklagte-schwaechelt-2664170.html (Aufruf am 22.4.2014)
  13. Versammlungsort der KPD – gefunden in „Dresden: Gedenkstadtrundgang zum 27. Januar“. Siehe auch de.indymedia.org/2011/01/298859.shtml
  14. Andrea Baier / Christa Müller / Karin Werner „Stadt der Commonisten – Neue urbane Räume des Do it yourself“, transcript Verlag, ISBN 978-3-8376-2367-3. Siehe auch PDF-Vorschau http://www.transcript-verlag.de/ts2367/ts2367_1.pdf
  15. Video vom 13.2.2011, Neonazis bewerfen das Eckhaus Columbusstraße 9 / Wernerstraße und die darin befindliche „Praxis“ mit Steinen. Anonym, gesendet auf „Dresden Fernsehen“. Quelle nicht mehr auffindbar.
  16. Werk.Stadt.Laden, der & Konglomerat e.V., der – Siehe auch http://www.werkstadtladen.de
  17. Liubituwa e.V. – der Verein ist nach dem alten slawischen Ursprungswort von „Löbtau“ benannt. „Columbusstraßenfest“, das & „Löbtauer Markt“, der gehen auf Bürgerinitiativen aus der Nachbarschaft hervor. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Löbtau und wochenmarktloebtau.wordpress.com
  18. WUMS e.V. – Verein hinter einem studentisch verwalteten Wohnhaus. Siehe auch http://www.wums.org
  19. „Columbusgarten“, der – eine zunächst spontan mit Hochbeeten genutzte Brachfläche wurde in einem relativ beispielhaften Verhandlungsprozess von Bürgern und Stadt gemeinsam entwickelt und nun weitestgehend wunschgemäß neu gestaltet.
  20. „Kuhlöbte“ & „Froschcotte“ – volkstümliche Ortsteilbezeichnungen für Löbtau und Cotta. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Löbtau und de.wikipedia.org/wiki/Cotta_(Dresden)
  21. „Drescherhäuser“, die – Die Straße erinnert an die Häuser ursprünglich böhmischer Gutsarbeiter. Siehe auch http://www.dresdner-stadtteile.de/Zentrum/Friedrichstadt/Strassen_Friedrichstadt/Drescherhauser/drescherhauser.html
  22. „Friedrichstädter Güterbahnhof“, der – Wichtiges städtebauliches Bindeglied der Stadtteil Friedrichstadt und Löbtau / Cotta wie auch der Altstadt. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Dresden-Friedrichstadt
  23. Verlegung der Weißeritz 1893, die – Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Weißeritz
  24. EAU42 e.V., „Wächterhaus“, das und Haushalten e.V. – Zwischennutzungsmodell aus Leipzig, das hier erstmals in Dresden Fuß fassen konnte. Siehe auch http://www.eau42.de und http://www.haushalten-dresden.de. Spendenkampagne unterstützen: http://www.startnext.de/erhalt-waechterhaus-dresden
  25. „Schanze“, die – Wehranlage aus der Dresdner Zeit Napoleons um 1813. Siehe das Tableau http://de.wikisource.org/wiki/Der_Schanzenkranz_um_Dresden, Schanze Nr. 1
  26. „Robert-Koch-Apotheke“, die – Inhaberin Marion Aderhold. Siehe auch http://www.robert-koch-apotheke-dresden.de
  27. Wahlkreisbüro, das – „Roter Renner“ von Annekathrin Kleppsch und „Bürgerbüro Eva Maria Stange“. Siehe auch http://www.annekatrin-klepsch.de und http://www.evamariastange.de
  28. Vorstellung der Kreativraumagentur in der „Löbtauer Runde“ , Torsten Rommel am 12.3.2014. Siehe auch http://kreativraumagentur.de
  29. Villa „Friedrichsruh“, die – Gebäude von Schilling und Gräbner von 1898 in der Hermsdorfer Straße 16, wurde nach 1945 als Kindergarten genutzt. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Villa_Friedrichsruh
  30. „Baby Boom“, der – Dresden ist geburtenfreudigste Stadt in Deutschland, … Siehe auch statistik-dresden.de/archives/8540 und http://de.wikipedia.org/wiki/Einwohnerentwicklung_von_Dresden
  31. WHH17 = Wohnhochhaus 17 Typ Dresden: Für Dresden entwickelter Plattenbautypus, der auch als 15-Geschosser bis zu 60 mal in Dresden gebaut worden war. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Plattenbau
  32. „Chinesische Mauer“, die – ortübliche Bezeichnung für ein empfundenes Nord-Süd-Gefälle zwischen den verwaltungstechnischen- und geografischen Teilen Löbtau Nord und Süd. Durch Zeitzeugenaussagen u.a. im Projekt „Meine Straße“ belegt.
  33. Rewe und Kaufland besetzen die strategischen Knotenpunkte im Stadtteil mit zwei Supermärkten im Ostteil der Kesselsdorfer Straße bzw. einem Wholesale-Großmarkt im alten Straßenbahnhof Naußlitz. Weitere Filial-Märkte schließen sich an. Kaufkraft wird aus dem traditionellen Einzelhandel abgezogen.
  34. „Kellei“ e.V. bzw. „Gewerbeverein Kesselsdorfer Straße“ e.V. sitzt im Wahlkreisbüro des MdL der CDU Lars Rower auf der Kesselsdorfer Straße 55 und hat aufgrund des Einzelhandelssterbens Mitgliederschwund. Siehe auch http://www.kellei.de
  35. „Ich bin Löbtau!“ – Kampagne de Löbtauer Runde für und mit ihren Akteuren. Finanziert und geplant für Sommer 2014.
  36. „Grüner Turm“, der – früherer Beobachtungs- und heutiger Funkturm an der A17. Siehe auch http://www.openstreetmap.org/#map=19/51.03517/13.63261
  37. Gaslaternen, die – wie in anderen deutschen Städten auch läuft die politische Diskussion im Ortsbeirat Cotta und ein Antrag der SPD im Dresdner Stadtrat dazu.  SZ vom 15.3.2014 „Löbtauer wollen keine historischen Gaslaternen“
  38. gemeint ist der für die meisten namenlose Eckladen Rabenauer / Essener Straße, der aber als „Emma-Laden“ mit einer Konzession von REWE beliefert wird, was offensichtlich ist.
  39. „Kultur!ngenieur.Büro“, das: Kulturproduktion in Echtzeit! Sitz des „Kultur!ngenieurs“ und der Arbeitsgemeinschaft „urbanofeel GbR“ swie des „Team Zeit:zeugen“ und offiziell auch Vertretung der „Löbtauer Runde“. Siehe auch http://www.kulturingenieur.com
  40. „LöMuWeiKa“, der – lebendiger Weihnachtskalender mit Musik und Kunst in diversen Räumen in Löbtau. Siehe auch http://loemuweika.wiki.zoho.com
  41. Textspaziergang, der – textliches Abschreiten eines Weges im Kopf der Autoren aufgrund langjähriger oder intensiver Erlebnisse. Hier: Vom Zeitzeugen Andreas Beutin 2012 überreichtes achtseitiges Erinnerungsdokument „Weißt Du noch? Ein Spaziergang durch Löbtau, Ende der 50er Jahre. Alte Leutchen erinnern sich“, aufgeschrieben von Gabi Wulff (geb. Schwarze) und Achim Schröter, 2004.
  42. „Kaffeemühle“, die – übliche Bezeichnung für die in einigen Dresdener Stadtteilen typischen Wohungsbauten aus der Gründerzeit. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Kaffeemühlenhaus
  43. Stadtplanung – dazu „Typisch für Löbtau ist das 1875 vom Geometer Emil Ueberall entworfene rasterförmige Straßennetz und die aufgelockerte Bebauung mit den “Würfelhäusern”“ Siehe auch http://www.dresdner-stadtteile.de/Sudwest/Lobtau/lobtau.html
  44. „Neue Annenfriedhof“, der – Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Neuer_Annenfriedhof
  45. Einweihung eines Denkmals für den Aviatiker Hermann Reichelt durch den Künstler Roland Fuhrmann am 12.4.2014 um 10:30 auf dem Neuen Annenfriedhof. Einladungs-E-Mail vom 7.4.2014. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Reichelt
  46. „Hoffnungskirche“, die – zur Gemeinde „Frieden & Hoffnung“ gehörig. Besonders durch den außenstehenden hölzernen Glockenstuhl. Siehe auch http://www.frieden-hoffnung.de und http://de.wikipedia.org/wiki/Hoffnungskirche_(Dresden)
  47. ehem. Volksbad Löbtau, das – ehem. Wannen- und Reinigungsbad; heute Sitz der sog. „Theater-Kita“ „FunkelDunkelLichtGedicht“. Siehe auch http://dresden.stadtwiki.de/wiki/Volksbad_Löbtau und http://www.theater-kita.de
  48. „Luftbad Dölzschen“, das – Luft- und Freibad auf den Höhen über dem Plauenschen Grund. Siehe auch dresdner-baeder.de/freibaeder/luftbad-doelzschen
  49. „Bienert-Park“, der – nicht Bienert-Garten. Siehe auch http://dresden.stadtwiki.de/wiki/Bienertpark
  50. „Johann-Meyer-Häuser“, die – Wohnanlage der Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft von 1912-14. Siehe auch http://www.dresdner-stadtteile.de/Sudwest/Lobtau/Strassen_Lobtau/strassen_lobtau.html
  51. ehem. „Reisewitzer Brauerei“, die und ehem. „Reisewitzscher Garten“, der – Ansiedelung einer Privatbrauerei auf dem Gelände eines barocken Gartens. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Reisewitzscher_Garten
  52. „Bienertmühle“, die und „Bienertgarten“, der – eigentlich „Hofmühle“; heutiges „Museum Hofmühle“ samt angeschlossenem historischen Garten. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Hofmühle_(Dresden)
  53. SZ, Artikel leider unauffindbar.
  54. „Haifische Plauen“, die – Freiluftkunstraum von Anke Binnewerk und Birgit Schuh im Areal des Museums Hofmühle. Siehe auch http://www.haifische-dresden.de/ort.html
  55. „Kino in der Fabrik“, das – beliebtes Tatort- und Programm-Kino in Löbtau direkt an der Weißeritz in der ehem. Kupplungs- und Triebwerksfabrik. Siehe auch http://www.kif-dresden.de
  56. „Pulvermühlenpark“, der – zunächst archäologisch untersuchtes Gelände und dann neu angelegter Park auf dem ehem „Weißeritzmühlgraben“. Siehe auch „Weißeritzmühlgraben“.
  57. „Weißeritzmühlgraben“, der – Kulturhistorische und archäologische Untersuchungen, nicht nur in Löbtau, maßgeblich publiziert – auch in Buchform – durch Wolfgang Müller. Siehe auch http://www.weisseritzmuehlgraben.de
  58. „GAP Group LÜCKENGLÜCK“, die – seit 2013 tätige Künstlergruppe, die sich mit klar umrissenen Freiräumen in der Stadt und deren vegetativer Genese und Beschaffenheit beschäftigt, bestehend aus Gärtner ______ Minack Nickel. Siehe auch http://gapgroup.wordpress.com
  59. „Audio-Filet“, das – DJ Set, das zur legendären Free Party „freigrillen und electroshit“ am 26.5.2011 im Weißeritzmühlgraben auflegte, als der das erste Mal aufgegraben und schon wieder zugewachsen war.
  60. „Oederaner Straße, Dresdens schlimmste Meile“ – BILD-Zeitung, 24.3.2000. Artikel liegt dem Autor vor.
  61. Susanne Keichel – Künstlerin (Dresden, Leipzig). „Oederaner Straße“: Interviews, Portraits, Ausstellung 2005. Siehe auch http://www.kulturserver-sachsen.de/home/oederanerstrasse/kontakt.html
  62. „Huschhalle“, die – ehem. Tramstop; heute fast 24 Stunden Bierbar und Spielhölle, sozialer Milieuknotenpunkt am Eingang zu Löbtau. Siehe auch SZ vom 16.2.2011 „Der Herr der Huschhalle“ http://www.sz-online.de/sachsen/der-herr-der-huschhalle-757112.html
  63. „Kinder- und Jugendaus T3“, das – Betrieben vom Kinderland Sachsen e.V. an einem Bau neben dem von einer Flut zerstörten ehem. Löbtauer Rathaus. Siehe auch http://kinderland-sachsen.de/angebote-dresden/freizeiteinrichtungen/kinder-und-jugendhaus-t3.html
  64. Wassily Kandinski, „Punkt und Linie zu Fläche“ – Kunsttheoretische Schrift. Beitrag zur Analyse der malerischen Elemente. 8. Auflage, Benteli, Bern 2002, ISBN 3-7165-0182-4
  65. Otto Dix, ehem. Atelier auf der Kesselsdorfer Straße 11. Früher Kaufhaus „Magnet“; heute Kaufhaus „Bike24“. Siehe auch http://www.otto-dix.de/leben/1933-1945 und http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Dix
  66. „AG Stadtteilgeschichte“, die – Neugründung einer stadtteilgeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft in Anlehnung an die frühere „IG Löbtau“ unter Schirmherrschaft des „WIMAD“ e.V. Siehe auch http://www.wimad-ev.homepage.t-online.de und http://www.löbtau.org
  67. „Dresden, Auf Spurensuche mit Igeltour“, edtition Sächsische Zeitung, 2014. Wertvolle historische Funde, u.a. zu Löbtau. Siehe auch http://www.editionsz.de/dresden-auf-spurensuche-mit-igeltour.html
  68. „Löbtau im Wandel“, Landeshauptstadt Dresden, 2. Auflage, August 2009. Broschüre zur EU-geförderten Stadterneuerung im Sanierungsgebiet Löbtau 1993-2003. Die Broschüre für die zweite Förderperiode durfte auf Beschluss der Oberbürgermeisterin weder gedruck werden, noch ist sie im Internet auffindbar, obwohl zahlreiche Akteure der Stadtteilentwicklung daran mitgewirkt hatten.
  69. (X) Mosché „Fatih Camiine“, die – geführt vom Imam Hatip. Siehe auch http://www.moscheesuche.de/moschee/Dresden/Fatih_Camiine/13921 (die Quelle wurde leider vergessen zu registrieren.)
Werbeanzeigen

werk.stadt.laden – freiraumsommer 2011

grafik & flyer: marc schmidt
programm: ladengemeinschaft & co.

ich freue mich erneut hier das aktuelle programm des „werk.stadt.laden“ präsentieren zu können. auch diesmal auf basis einer inhaltlichen kooperation zum spaziergang „überflug – teil2“ am 11. juni 2011 um 13 uhr ab laden.

infoflyer_mai

infoflyer_mai_freiraumsommer

brachen.wochen.ende.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

fotos: felix liebig

man könnte auf brachen auch wochen verbringen – soviel gibt es zu entdecken. doch am ende ist es weder gesund noch gänzlich erfüllend. also verabredet man sich für ein paar stunden. und räumt auf. — so geschehen diesen samstag und sonntag.

maschinenfabrik r. krautwald

die auf der torgrauer straße 38/40 vor 1900 noch als ballsaal des „gasthof pieschen“ errichtete anlage diente bis 2006 der r. krautwald maschinenfabrik als produktionsstandort. zahlreiche einträge in den firmenregistern im www zeugen noch von der firma (hier bei google). die metropole pieschen hat diesen raum nun vom 1. juni bis 31. oktober 2011 mithilfe des aktuellen besitzers hölzer wohnbau gmbh für eine zwischennutzung aufschließen können. am samstag morgen haben wir scheiben geputzt und den hof gefegt und aufgeräumt. in einer neuerlichen ‚aufräumaktion‘. auch das braucht eine brache. mehr dazu an besonderer stelle …

leipziger vorstadt

für samstag nachmittag hatte ich spontan freunde gefragt mitzukommen auf eine route durch das ‚gelände‘. zu dritt waren wir unterwegs mit drei unterschiedlichen zielen: graffitis (foto)dokumentieren, zerfall (foto)dokumentieren, sinnliche phänomene inventarisieren. erst die räumliche erfahrungssequenz macht einem klar, was dieses gelände alles in sich birgt. und, was man von den hauptstraßen oder dem überflug bei google zwar ahnt aber eben nicht nachvollziehen kann. dazu ein paar bilder…

schon am freitag war ich zu gast zum „dauerbrenner II“ bei der geh8. am samstag nachmittag stand dort fast alles noch so da, nur weniger leute waren anwesend. von den erstaunlichen (und nicht in jedem fall publizierbaren) ergebnissen der tour sind diese spannend:

die auch bei google.earth sichtbare mondlandschaft ist nun ein räumlich geschlossener jungwald. mit interessanten dschungeleffekten und einigen geschickten menschlichen eingriffen.

es passiert wesentlich mehr in dem gelände als mensch gemeinhin vielleicht annimmt. aber es ist nunmal weitläufig und nicht auf jedermanns weg.

auch hier findet – in ungleich größerem maßstab – ein aufräumen statt, nämlich städtebaulich.

über den seit jahren stattfindenden individuellen raubbau an der ehem. villeroy & boch fabrik (stadtwiki dresden) will ich nicht viel sagen. er geht mit der planerischen bzw. politischen „konjunktur des verschwindens“ kulturhistorischen erbes einher. mich wundert wie wenig respekt menschen vor dem schaffen und der tradition derjenigen haben, in deren waschbecken sie sich z.t. heute noch die hände waschen und mit deren namen (und fliesen) sie sich auch heute stets gern schmücken. hier wird vorr. niemand mehr aufräumen. wieviele menschen wissen, dass sanitärkeramik mit absicht ‚falsch geformt‘ wird, damit sie sich beim brennen aufgrund der eigenmasse in die richtige form verzieht?

zum kontext später mehr …

ex. plattenwerk johannstadt

nahe der trinitatiskirche existierte mit dem segen des amtes für kultur und denkmalschutz der stadt dresden bis vor jahren eine sogenannte „betonzeitschiene“ (homepage). sie verwies auf das ehemalige plattenwerk johannstadt (johannstadtarchiv), aus dem heraus im mindesten die johannstadt großindustriell errichtet wurde. der architekt und künstler ruairi o’brien errichtete die betonzeitschiene gemeinsam mit vielen anderen und unter vermittlung des sonderbaren werner ehrlich als patentiertes „micromuseum“.

das publizierte und gelobte werk, an dem auch ein guter bekannter mitarbeitete, ist nun 200 meter weiter ‚eingelagert‘ – besser beräumt. soweit bekannt wurde es aus grundrechtsgründen und nach langen streitereien abgebrochen. es ging offiziell um bauvorhaben. nicht das erste mal, dass ein vom kulturamt gefördertes und allgemein anerkanntes kulturprojekt unter den hammer der ökonomischen oder rechtlichen interessen gelangte. heute: brache, junge menschen. aber kein offenes museum, in dem die allseits geforderte bildung der (jungen) menschen stattfindet. nur das: die dekontextualisierung kulturellen engagements. nicht auf- sondern abgeräumt.

sichtbetontrinitrashnachmittag

dafür tun ein paar urbane arbeiter dennoch etwas sinniges. am gleichen ort sammelten wir am sonntag nachmittag alles rumliegende zu einer müllskulptur zusammen. der „dosenfriedhof“ und das „konsumopfer“ sind die ergebnisse. installationen, die dem ort im aufräumen und rekombinieren einen in ihm liegenden sinn entlocken und aufzeigen wollen. die ‚museumsfolgelandschaft‘ wurde von uns neu kontextualisiert. wir haben altes und neues bzw. zusammengehörendes, aber zertreutes, zusammengebracht. nebenbei haben wir die ein wenig dilletantische ‚restauration‘ eines benachbarten graffitis betrieben. hierzu das titelbild / die bilder… und der „stadt_gorilla“ auf flickr.

schnipseljagd – moreau, mein held

für sylvester 2009 / 10 arbeitete ich mit nadja eine kleine analoge schnipseljagd für die eingeladenen freunde aus. ein test.

schnipsel für die jagd

diese führte von meinem wohnsitz durch den campus der tu dresden richtung bismarck-turm auf der dresdner südhöhe. ich hatte alle um ‚tobehosen‘ gebeten, da z.t. durchaus körperlicher einsatz von nöten war.

wie auf dem bild zu sehen, waren nur wenige dinge nötig für die umsetzung:

  • handgeschnittene papierkarten für die lyrisch formulierten ortsgesuche
  • eine übersicht über alle orte auf der route
  • handgekaufte folienhüllen zum verstauen der karten
  • handgekauftes klebeband zum anbringen der gesuche an ihren verstecken – notfalls pins
  • eine filmdose für ein besonderes versteck

zusätzlich (nicht im bild):

  • ein stück schnur und eine geschütztes windlicht für den ersten ort.

die karten hatten nummern. wir hatten die texte vorbereitet, damit nadja sie dann in die oben sichtbare schönschrift bringen konnte. hier die abfolge, die gleichwegs die route erklärt:

M1 – HOFTOR > SCHACHT (an hoftüre gepinnt) – geht ihr nicht zur straße, sondern zum hof hinaus, kommt ihr hoch hinaus. doch achtung! ihr wißt ja: wer hoch steigt, kann tief fallen! so fallet nicht gleich in das erstbeste tiefe loch links von euch; geht lieber weiter die fünf stufen hinauf und steigt über die kleine mauer hinweg aufwärts. doch gebt wohl acht, es kommt ein tief leuchtender „schacht“ …

O2 – SCHACHT > TEICH (in laterne an seil in schacht) – steigt nun wieder auf aus dem dunklen verließ um das „filzige hornkraut“ dort zu finden, wo die „kraniche“ sich zur balz niedergelassen haben …

R3 – TEICH > OHNE UNS > WÄNDE (hinter filzkraut schild geklebt) – verlaßt daraufhin den tümpel der seeligkeit ohne euch am „ohne uns“ zu lange aufzuhalten und folgt dem nahegelegenen pfad aus beton bis zum „siedpunkt“. erhitzt euch nicht, bewahrt kühlen kopf und steigt dort ein paar stufen hinab. ihr findet die schon etwas löchrigen „magischen vier wände“ aus stahl …

E4 – WÄNDE > BRIEFKÄSTEN (hinter einer schiebewand durchscheinend) – die zeitläufte führen euch anschließend entlang ausgedehnter „lavendel-felder“ zum täglichen glück des postboten etwas weiter oben, der jedoch einen unter ihnen normalerweise schmäht. ein guter grund genauer nachzusehen …

A5 – BRIEFKÄSTEN > UHR > SLUB (im briefkasten versteckt – innerhalb!) – behaltet stets die „zeit“ im auge! es müßte der stundenzeiger bereits auf die elf zugehen, wenn ihr daselbst mutig – mit wachen augen und ohren auf den da fahrenden verkehr – auf das „rote fahnenmonument“ zugeht. drüben angekommen wird von euch der gipfel der „dreifahnigkeit“ erklommen. die vier buchstaben haben nichts zu bedeuten. schaut besser hinter das „goldene buch“! ihr müßt eine reminiszenz an die magischen vier wände finden …

U6 – SLUB > GITTER (hinter schild geklebt) – laßt euch sogleich wieder herab. fallt aber nicht auf eure vier buchstaben! fallt meinetwegen auf. tretet einfach ein in den vorhof des allmächtigen wissens, von wo ihr auf zwei etwas im dunkel verborgenen stiegen hinauf auf das blühende dach gesammelter schrift gelangt. dort, nahe der mitte, könnt ihr eine „geheimnisvolle dose“ an der südwestecke des nordöstliche der symmetrieachse gelegenen von acht „überdimensionalen fußabtretern“ im engsten umkreis um die heilige höhle der wissensaufnahme finden …

D7 – GITTER > WENDELTREPPE (in dose zwischen sprossen gesteckt) – überquert von hier den abgründigen garten der literatur in richtung einer „elbsandsteinernen abgelatschten treppe“, an deren seite einige „blaue und grüne abfallgroßbehälter“ situiert sind. folgt der treppe aufwärts zu einer zweiten, unterhalb welcher euch das „rückgrat“ einen eingehenderen blick wert sein sollte …

E8 – WENDELTREPPE > WASSERHAHN (unter treppe gepinnt/geklebt) – in den farben „gelb, blau und rot“ erstreckt sich oberhalb der treppe weiter links hinter den roten runden beeren am fuße eines seichten wiesenhügels das „heim der jungen wißbegierigen“. an dessen rückseite die „quelle des wissens“ aus der wand hervorsticht und auf eure inspektion wartet …

N9 – WASSERHAHN > HÄUSCHEN (an hahn gehängt) – ihr stapft von da aus festen schrittes bergauf der diagonale des wiesengrundstückes folgend auf den fernerab gelegenen saum des waldes zu. gebt acht: es geht steil hinauf! just dahinter findet ihr mit etwas umblick und katzenaugen ein „häuschen“ – bleibt schön im „rahmen“ des guten türgeschmacks und „hans guck-in-die-luft“ weist euch den weiteren weg …

K10 – HÄUSCHEN > STUMPF (unter zinkblech über türe gesteckt) – wendet euch wieder ab! wandert sogleich weiter hinan an der „bank“ vorbei auf das obere plateau, wo ihr einen hohlen „baumstumpf“ inspizieren solltet …

M11 – STUMPF > BAUMHAIN (im stumpf versteckt) – orientiert euch von da aus zu einem vielstämmigen offenen „baumhain“. seit keine „flaschen“ und greift beherzt hinein, jemand hat eine „post“ dazwischen hinterlassen …

A12 – BAUMHAIN > VIDEO (an/in flaschenpost zwischen bäumen verborgen) – entlang des „maschendrahtzauns“ führt euch ein schmaler weg an ein „tor“. vorsicht! „videoüberwachte anlage“. dahinter steckt aber – wie so oft – mehr …

L13 – VIDEO > MYTHOS (hinter schild geklebt/geklemmt) – also schnell weg! zur straße, von wo euch höher am berg gelegen „überreste“ eines längst wieder auferstandenen dresdner mythos ins auge fallen werden. an dem einen „verbotenen“ teil haltet inne und „denkt mal nach“: eventuell müßte einer von euch sich zu diesem objekt hindurchwinden …

MOREAUDENKMAL (unter dem bauteil versteckt) – ihr habt es fast geschafft! legt einfach alle buchstaben in der reihenfolge der orte zusammen. dies nun ist der finale ort des jahres … laßt es richtig krachen: im helm des helden findet ihr reichlich munition!

PROSIT NEUJAHR 2010!

und siehe: punkt mitternacht waren die freunde tatsächlich auf dem berg angekommen um feuerwerk und den minutengenauen einbruch des winters zu erleben.

video out now: our house is your house

das video zeigt einen zusammenschnitt der tagung ‚our house is your house‘ im september 2010 bei ‚geh8 – künstlerhaus & ateliers‘

<p><a href=“http://vimeo.com/18986877″>OUR HOUSE IS YOUR HOUSE</a> from <a href=“http://vimeo.com/etfa“>Eintagsfliegenakrobatik</a&gt; on <a href=“http://vimeo.com“>Vimeo</a&gt;.</p>

das vertexten deutsch-englisch hatte ich übernommen. credits siehe link!

###

the video refers to the artists‘ conference ‚our house is your house‘ in september 2010 at ‚geh8 – artist-run-space & studios‘

textwork german-english was done by myself. for credits follow the link!

g-zg

am 9. und 10.10.2010 war ich ein viertes mal in görlitz. auf reisen mit dem herbert-wehner-bildungswerk. eine richtig spannende exkursion!

die erste erkenntnis – europa hat in görlitzzgorzelec ein gesicht:

europa

aber keinen gemeinsamen internetauftritt … sondern lediglich eine von deutscher seite betriebene entwicklungs gmbh.

vor dem kulturhaus in zgorzelec steht der stein, der die europastatt görlitz-zgorzelec markiert. die zwei bäume als symbol sollen schon dem vandalismus zum opfer gefallen sein, aber der stein ist unverwüstlich. ist europa genauso beständig? das kulturhaus war mal eine ‚ruhmeshalle‘.

#

dies von mir hier beschriebene sind metaphorische aspekte meiner *kulturinventur*, die kulturelle potentiale in sich tragen, wie sie mit literarischer finesse italo calvino in seinem wundervollen buch ‚die unsichtbaren städte‚ aufzeigt und die einen die stadt mit anderen augen sehen lassen können! hinter der ästhetik, dem wahrnehmen, schlummert etwas, das erkennen… vielleicht ein vaages bild.

#

gemäß programm wurden wir ‚gut geführt‘. am tag 1 komplimentierte uns zunächst braumeister herr schäfer technisch korrekt und gewitzt in die landskron-brauerei, am nachmittag führte uns der pädagoge matthias voigt politisch-historisch durch görlitz, später erklärte uns die journalistin anett böttger vom förderkreis görlitzer synagoge e.v. kontrovers die synagoge. am tag 2 geleitete uns michael winter vom europahaus geistreich politisch-historisch nach zgorzelec und magdalena maruck vom willy-brandt-zentrum der universität wroclaw zog uns heldenhaft geschichtspolitisch durch das schlesische museum. auch kulinarisch und in bezug auf die unterkunft waren wir gut ver/geführt.

#

zur stadt görlitz-zgorzelec und den thematischen führungen fällt mir zuerst ein detail ein:

zwischen der landskron-brauerei und görlitz herrscht die parallele, dass beide baulich sehr geschlossen, ja kompakt, wirken und sich sichtbares mit unsichtbarem mehr als anderswo balance hält – beide sind baulich von besonders tiefen, mehrstöckigen, kellern geprägt. grund dafür war die lagerhaltung bei konstant tiefen temperaturen im fall der brauerei bzw. schlicht der bedarf an lagerkapazität (und feuerschutz?) im falle der hallenhäuser. darin verbirgt sich ein raumpotential, das aufgrund baupolizeilicher regeln und finanziellen mehraufwands in der innenstadt bislang zu großen teilen ungenutzt bleibt; wohingegen in der brauerei da unten reger verkehr (zweispurig) herrscht.

#

in fünf sehr unterschiedlichen führungen von fünf ebenso unterschiedlichen menschen sind mir unzählige bislang unbekannte informationen über görlitz-zgorzelec vermittelt worden. im skizzenbuch füllen diese samt skizzen zwölf seiten plus die hier eingestellte dia-schau. doch schon hier drängt sich die frage auf: was von alledem erzählt eine geschichte von görlitz-zgorzelec? ganz verschiedenes hat mich auf diesen stationen und den eigenen gängen berührt, aufweckt. wieviel weiss ich schon über die doppelstadt an der neisse? die orte und das wissen um sie wurden mir mehr oder weniger zugänglich anhand der art der vermittlung. die methode spielt eine rolle und die gruppe. gut zu erkennen war die tatsache, dass das diskutieren über einen mitunter auch persönlichen standpunkt viel mehr einsicht und anteilnahme erzeugt als das bloße weitergeben von fakten. wissen ist dynamisch und vor allem sinnlich-explorativ. das zu nutzen macht dann erst richtig spass.

#

die zweite wirklich bemerkenswerte information bildet eine überlieferung einer polnisch-schweizerischen künstlerin: görlitz sei die tote schöne stadt – zgorzelec sei die lebendige hässliche stadt. dies liesse sich vortrefflich überlagern mit kolportierter umgangsprache – görlitz als der ‚wilde osten‘ oder die ‚erste sonne‘ deutschlands – zgorzelec als der ‚wilde westen‘ oder die ‚abendsonne‘ polens. eine dialektische stadt(kultur).

wo sind also orte und schnittstellen für begegnung?

#

das europahaus hat mit dem projekt wir°my und michael winter einen umtriebigen vermittler, der begegnung als kulturproduzent vor allem für junge leute (vor)lebt. er ist nicht der einzige. auch fokus festival unter dem second attempt e.v. hat mit markus rüssel einen ehrenamtlichen jungen und umtriebigen mittler der jugendkultur. wenn also das fokus festival 2010 im alten schlachthof in görlitz parallel zum volksfest am kulturhaus in zgorzelec läuft und die jugend auf beiden seiten nicht wirklich interesse/wissen an/voneinander hat, dann haben unterschiedliche kulturräume unterschiedliche leit- und sinnbilder – dann ist noch viel zu tun!

#

zuletzt bitte ich, sich einmal von den bildern leiten und inspirieren zu lassen… anregungen zu eigenen metaphern?

Diese Diashow benötigt JavaScript.

spazierkarten

wenn man häufiger spazierengeht systematisiert man womöglich seine spazierweise.

so auch ich, indem ich meine spaziergänge aus dem stadtplan auf transparent durchzeichne. ganz bewußt von hand, wegen der sinnlichen verbindung zwischen (fuß)weg in der stadt und (hand)weg auf dem papier. demnächst aber auch per gps…

so entsteht ein archiv von abstrakten routen, die erst mit der karte in verbindung einen stadträumlichen sinn ergeben, an sich aber eine gestaltqualität haben.

sie sind schnitte aus der stadtfläche, segmente räumlichen erkundens, die in ihrer gesamtschau ein großes puzzle vom erkunden der stadt ergeben.

###

if one does walks more frequently he or she possibly starts to organize his or her manner of walking.

so do i, by drawing my walks through from a city map onto tracing paper. i do that consciously by hand, because of the sensual connection between the (walking)line in the city and the (drawing)line on the paper. soon i will be using gps as well…

in doing so an archive of abstract routes emerges which make sense only in correlation with the map, nonetheless possessing a quality of shape.

they are cuts from the surface of the city, segments of spatial exploration, that add up to a great puzzle of city exploration in their general view.

kart ein kart aus