LöMuWeiKa: Das Ding mit den Zipfeln

das ding mit den zipeln

das ding mit den zipfeln

Grafik: Annie Lux
Text & Bild: Felix Liebig

++ 15. Dezember 2012 um 19.00 Uhr im Kultur!ngenieurbüro, Clara-Zetkin-Straße 48, 01159 Dresden ++

++ LöMuWeiKA. Häh? 1 Jahr Kultur!ngenieurbüro. Aha! ++

++ Kurz & Gut: Der „Löbtauer Musikalische Weihnachtskalender“ ist der Weihnachtskalender für Menschen mit performativer Ader. Auch im tiefsten und verschneiten Löbtau-Süd. Die literarischen und musikalischen Gesellen Annie Lux & Micha Wieting schenken uns „Das Ding mit den Zipfeln“ – eine Lesung mit Klängen und Geräuschen auf nicht mehr als 20 qm Bürofläche, die seit etwas mehr als 1 Jahr Vorposten der Kulturarbeit sind. Dazu gibt es kulturzeittypische Freuden. Freut Euch drauf! (Link zum PROGRAMM) ++

++ „Acht Monate dieser Geruch! Acht Monate dieses Schmatzen und Glucksen! Acht Monate von einem Ding belagert zu werden, von dem ich noch nicht mal weiß, was es ist!“Das Ding mit den Zipfeln – Tagebuch einer Verfolgung ist die Geschichte einer Frau, die ein Ding in ihrer Küche gefunden hat, das nicht wieder gehen will. Vieles hat sie schon versucht, um es loszuwerden, doch es erweist sich als erstaunlich resistent. Die Nachbarn tuscheln, ihre Freunde meiden sie. Als Anke Sommer eines Morgens im Büro einen Schrei hört, beginnen sich die Dinge mit dem Ding zu überschlagen…

Kafkaesk und an den Haaren herbeigezogen. Während ich lese, wird Micha Wieting Klänge und Geräusche erzeugen. So werden wir beide versuchen, die Geschichte zum Leben zu erwecken. Das solltet Ihr nicht verpassen! Und nicht nur das. Unser werter Gastgeber Felix Liebig, seines Zeichens Kulturingenieur, feiert sein Büro, welches nun ein Jahr alt wird und bäckt für Euch einen Kuchen. Na, wenn Euch das nicht überzeugt, dann weiß ich auch nicht, wie man Euch hinterm Ofen hervorlocken kann.
Die Entscheidung liegt, wie immer, bei Euch: Entweder hinterm Ofen verdorren oder ins kultur!ngenieurbüro kommen. Wir sehen uns! ++

++ Vorgeschmack aus der Konserve. Ziege zeigt Zipfel. ++

brachenbrunch #2

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fotos: felix liebig – 16.6.2012

hier die fotos von sebastian.

ach war das schön!

sonnensucher, donnerzähmer, geocacher, jongleure, dj’s, wandmaler, nagelkünstler – vom vormittag bis in die nacht haben wir einiges an uns vorüberziehen sehen. beiträge kamen wie immer von allen in essbarer, in sichtbarer, in hörbarer, in verbaler, in sportlicher und sonstnochwas für einer form. zugegeben: wir haben uns ganz schön arbeit gemacht mit dem herschaffen der möbel. und weil nach dem brunch auch vor dem brunch ist (das sollte zur fünften jahreszeit in deutschland jeder wissen), werden wir im nächsten jahr beim nächsten brunch sanftere methoden anwenden, es aber genausoschön haben.

aber mal zu sache:

der herzogin garten ist nicht nur ein „sächsischer genitiv“, sondern auch ein ganz historisch konkreter, jedoch mit blick auf die stadtentwicklung derzeit absolut unkonkreter ort in dresden. 100 schritte vom zwinger entfernt, hinter dem schauspielhaus, um die ecke vom zentralen ortsamt, gleich bei SZ und MOPO, kirchentag und SIB, zwischen townhouses und designforen, gegenüber von den theaterwerkstätten, also mittendrin im zentrum der stadt liegt diese OASE.

und plötzlich bist du draußen!

leere, ein stelle ohne alles, bis auf ein blau angestrichenes, etwas krummes altes gewächshaus. stille, bis auf ein paar vögel und ein fernes rauschen; anfänglich ein kransurren; mal eine straßenbahn. sattes grün, bis auf ein paar urbane einsprengsel in pastelltönen, die der bewuchs noch nicht aus dem bild tilgen konnte. ein paar steine. der rest ist egal.

ulrike gärtner, deren leistungen in kunst & kultur dresdens ich nicht müde werde zu rühmen, hat 2003 mit partnern eine künstlerische aufarbeitung des ortes bestritten:

„BNU 2103 – Bau ’ne U-Bahn 2103“

sie haben archive durchstöbert und menschen befragt, bezüge zu anderen orten hergestellt und waren schlussendlich vor ort. alle reden über diesen ort. eine frau und noch ein paar menschen wissen beinahe alles über diesen ort!

das hier auzuarbeiten wäre demnach unmöglich. das brachenbrunch, das späte erscheinen der künstlerin, dann aber die intensive auseinandersetzung, das wieder-vor-holen, das vor-lesen der fakten allein schon hat viel an unschätzbarem vermittelt. mit freundlicher genehmigung der künstlerin darf ich teile des wissen hier teilen:

campussp!onage

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fotos: felix liebig, 24. märz 2012

die campussp!onage erging sich als teil der campus!nventur am hauptcampus der tu dresden in geschichten, den persönlichen raumerlebnissen von menschen mit der tu dresden.
sie war teil des eigenen programms zum 8. marktes für dresdner geschichte und geschichten.

deshalb sprechen hier auch nicht so sehr die bilder, als vielmehr die worte der sieben beteiligten menschen. diese hat antje meichsner von coloradio aufgezeichnet und sie müssen noch nach publikationsrecht und aussagekraft vorgehört werden… >>> bald hier in ton & text. ein würdiges zitat soll vorangestellt sein:

„so müssen wahrhafte erinnerungen
viel weniger berichtend verfahren
als genau den ort bezeichnen,
an dem der forscher ihrer habhaft wurde.“

(walter benjamin: ausgraben und erinnern – schweppenhäuser/tiedemann (hg.): walter benjamin – gesammelte schriften, bd. vi: fragmente, autobiographische schriften, frankfurt am main 1984, s. 486. zitiert bei: christa wolf, stadt der engel oder the overcoat of dr. freud, suhrkamp, 2010) (hier ein externer link zu dem fragment)

bei schönem wetter fanden einige junge und ältere forscher zum spaziergang im campus. sie begaben sich an die orte ihrer erinnerung und bestimmten mit ihrem vorwissen das tatsächliche ausformulieren der grob vorskizzierten route. vor ort wurde dann gezielter ausgegraben – eine „narrative archäologie“: eine spaziergängerin konnte z.b. fotos ihrer abschlussfeier am ort des damaligen studiums im berndt-bau vorzeigen sowie gar rasterelektronenmikroskopische proben von werkstoffen als fotos. zauberhaft! eine andere spaziergängerin ist als kunstgeschichtliche mitarbeiterin von „kunst+bau“ insbesondere in der kunst am, im und um den bau in dresden und auch der tud bewandert. das ist insofern schön, da maria obenaus von der kustodie der tu dresden, die normalerweise selbst spaziergänge auf dem campus zur kunstgeschichte anbietet, an diesem tag nicht dabei sein konnte. ein älterer spaziergänger vom geschichtsmarkt brachte seine kenntnisse als philatelist ein.

impulse zur route gab ebenso die tagessituation, die es nun ausgerechnet an diesem schönen sonnabend nicht erlaubte, in die am vorigen wochenende zur gleichen zeit noch offenen gebäude auch hineinzugelangen um dort nach „erzählarchäologie“ zu fanden. also unterhielten wir uns im außenraum über den innenraum. lange verweilten wir etwa beim neuen chemiegebäude, das in vier abschnitten an der bergstraße zwischen hörsaalzentrum und mommsenstraße unter einbezug eines altbaus aus den 80er jahren neu errichtet wurde. die „käsereiben“ an der fassade ließen uns über die größe des dazu passenden käses spekulieren. angewandte forschung ist das am gebauten objekt, das dazu reichlich anregt.

weitgehend spekulativ redeten wir auch – aber aus ganz anderen gründen – über die vorgänge im hannah-arendt-institut für totalitarismusforschung. hier werden merklich die grenzen des erklärbaren erreicht, da das thema totalität in seiner komplexität und verflechtung nicht nur mit der körperschaft der tu dresden zu jeder zeit – auch heute – politisch polarisiert und vielfach tabuisiert wird. menschen finden keine worte für durchaus erklärbares, weil sie unsicher sind über die zeitgeschichtliche „richtigkeit“ ihrer aussagen. dabei wären diese stimmen gerade wichtig für eine propagierte   u n i v e r s a l i t ä t   der blickwinkel. gleichsam leuchten hier die grenzen der sozialraumforschung auf, die nur soweit gehen kann wie die gedanken der menschen auch worte finden. öffentlich „erklärbares“ ist hierarchisiert von meinungsbildenden hoheiten und mehrheiten. zeitzeugenhaft erwiesen ist jedoch mittlerweile, dass die sed in zeiten der ddr in denselben räumen wie das heutige institut ihre büros hatte. das sprichwörtliche „kratzen an der tapete“ ist hier wie andernorts u.u. aufschlussreich, auch im übertragenen sinn.

so lädt die campussp!onage womöglich auch in zukunft wieder ein zum überschreiten einiger grenzen und erforschen augenscheinlicher allegorien in der tu dresden.

überflug 3 löbtau

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fotos: felix liebig, 25. september 2011

der nördliche teil des im april begonnenen spaziergangs folgte nun ein gutes halbes jahr später. bei google-maps.

löbtau nord ist anders:

hier bilden sich von löbtau-süd verschiedene stadtstrukturen ab. es gibt dort den bramsch-tunnel. dort stehen plattenbauten. die flächen zwischen den häusern sind weiter. es gibt hier auch, aber andere, gegensätze. zwischen dem kaffee-mühlen-löbtau und dem plattenbau-löbtau ist ein bruch, der heute mit würfelhäusern bebaut wird. wer erfahren will wie das namensgleiche bramschareal der tlg in der friedrichstadt aussehen soll, kann hier schonmal visionen tanken. andere gegensätzlichkeiten liegen eher im politischen milieu und betreffen bestimmte straßen oder bauten. ist es nicht gut, dass man diese kraft noch spürt?

auch fällt das gelände an der „schanze“  – einem dieser dresdner eigennamen – stark ab und mensch kann ein wenig den blick in richtung friedrichstadt schweifen lassen. unter diesem blick liegen kleingärten, ehem. bahnwohnanlagen, bahnsportanlagen und güterverschiebeanlagen. die wohnverhältnisse sind hier zudem ein wenig „unaufgeräumter“ und die bevölkerung vernehmlich heterogener. man guckt öfter in „hinterhöfe“ oder auch weniger aufgeräumte vorgärten als im süden. hier ist nicht alles umkreist vom bürgerlichen gartenspeck. hier gibt es mehr (öffentliche) ecken zum „hinpinkeln“, alles wirkt auf mich ein wenig lebendiger und doch reichlich zwischengelagert. unentschieden.

nicht alles ist so lebendig. mancherorts wurde das dorf zum umzäunten wohnzirkus, der verwirrender weise bei streetview ausgepixelt ist. wem hilft diese soziale gestik

mein gefühl – vielleicht aber auch nur die diesmal getätigten fotos – eröffnen mir dennoch einen vielgestaltigeren teil der stadt, der mehr freiräume oder zumindest andersartige räume und details bietet mit demzufolge poetischeren anmutungen. verspielter, versonnener als der süden. der blick fand mehr und konnte kritischer agieren. deshalb hier auch mehr fotos. dafür haben wir hier direkt mit leuten sprechen können, wie einer frau die mit tochter vor ihr haus trat um uns ein wenig vom objekt zu berichten. mit anderen lieferten wir uns fotoduelle, anstatt miteinander zu sprechen…

paralleles gibt es allerdings auch. während die stützenden strukturen mancherorts im süden aus metall sind, sind diejenigen im norden eben aus holz; das ist der epoche geschuldet und macht doch visuell eindruck.

übrigens wurde reichlich saatgut ausgebracht, das vom verregneten unkrautsalon übrig war. hier dürfen wir auf das frühjahr gespannt sein, wenn die saat der stadtteil(be)arbeit(ung) aufgeht… durch die blume gesprochen.

wichtig für uns:

der stadtteil hat ein gesicht und menschen, die dieses gesicht auch zeigen!

wohnzimmerspionage #3

19. august 2011

(fotos kommen evtl. von sebastian)

das war eine zwei-mann-tour. das ist auch mal schön!

wir sind vom krautwald durch torgauer straße und die konkordienstraße über den konkordienplatz und die moritzburger straße auf die leipziger straße gelaufen und da dann bis vor zur marienbrücke als endpunkt.

interessantes gab es dennoch zu entdecken:

die erweiterung des hauses, in dem früher das büro GRAS tätig und wohnhaft war – heute arztpraxen.

das alte haus an der konkordienstraße weiter oben, neben dem früher ein alter robur-lkw in der lücke zum nachbarhaus gestanden haben soll und das eigenartig morbide und doch lebendig wirkt.

+++ siehe kommentar von „hentaeser‘, das war natürlich ein w50 autodrehkran und ich danke für den link zum bild! +++

ifa w50 autodrehkran

+++ zu dem haus wüsste ich gern sehr viel mehr! bild letztens im vorbeifahren aufgenommen+++

engelmann

die brachfläche gegenüber vom konkordienplatz auf der moritzburger straße, an der in zukunft der durchstich der wohnstraße vom konkordienplatz münden soll und die pracht der häuser dort.

das eigenwillige china-restaurant „sonne“ mit dem eingezäunten boxladen im erdgeschoss in einem ehem. ballhaus.

der ehem. erotikladen „dr. pepper“ (?) an der leipziger straße, dessen zeitgenössischen pendant heute ein (neues) haus weiter ist.

mehr über die alte konkordienstraße erfährt man auf der website dresdner stadtteile in der entsprechenden rubrik. leider doch nicht alles, was man wiessen will.

nebenher gab es für mich – parallelwelt – allerhand unwirkliche begegnungen mit eigentlich ganz normalen menschen, aber das ist eine andere geschichte …

genossen habe ich wie eigentlich immer die ruhe und gelassenheit sich durch die straßen treiben zu lassen und dies und das zu entdecken und genauer zu verfolgen.