spiel mit den bildern

link & screenshot: Dokumentationsfilm „Spiel mit dem Tod“, Felix Müller

der link erreichte den kultur!ngenieur von einem bekannten mit der ausdrücklichen bitte, den film auch über minute 18 hinaus anzusehen. das ist tatsächlich ratsam und öffnet die augen für etwas, das wir alle irgendwie vielleicht wissen, jedoch alltäglich eben nicht bewusst vor augen haben.

spontan meine reaktion:

zu jedem im fernsehen gezeigten film, zu jeder werbung, zu jeder politikerrede müssten in zukunft gleichsam als „beipackzettel“ solche dokumentationen bzw. eingehende erläuterungen dazu wie das produkt entstand und wieviel und was genau daran verfälscht worden ist dargereicht werden. oder:

„alles zweifelhafte muss angezweifelt werden“

kurz zur erklärung: der film zeigt bis zur ca. 18. minute ein setting mit einer dokumentarischen handlung über ein kritisches thema. dann bricht er den sich aufbauenden spannungsbogen betont ab und bringt eine ca. 10-minütige erklärung der angewandten bildmanpulationen.

haben wir uns daran gewöhnt mit einer überfülle an halbwahrheiten zu leben?

wir können heute weder ermessen noch in allen einzelheiten bewerten, was uns als wahr und was als verfälscht vermittelt wird. medienpädagogik z.b. hat es demgegenüber reichlich schwer einen soliden standpunkt in der bildung von selbstbestimmten, neugierigen und kritischen menschen zu formulieren. in einem netz aus abhängigen (fehl)informationen lösen sich tatsächliche anschauungen auf und bilder werden produziert – bzw. produzieren sich im world wide web auf einen impuls hin mittlerweile selbst – die nurmehr ein amalgan einer tatsächlichen begebenheit, einer information sind.

wie kritisch müssen wir sein?

für mich ist nicht das, sondern vor allem der blick auf die authentizität von informationen, ihre fühlbarkeit, ihre sinnliche echtheit interessant. menschen bewegen sich heute in vielen „sinnlosen“ räumen, deren fühlbare information wie im fernsehen, in werbungen, in reden von repräsentanten nicht mehr auf ihre „echtheit“ überprüfbar sind. aus unfähigkeit, aus mangel an eben den echten informationen oder schlicht aus überdruß über die masse und konsequenz des abzuarbeitenden berges an fehlbarkeiten unterbleibt das hinterfragen. resignation ist dabei nicht weit und das equilibrium unter dem dauerfeuer an über- und unterreizung – eben reizung – besteht in einer balance des aushaltens, nicht aber in freier wahl.

was aber ist echt?

automatisch kommen einem gedanken an filme wie „the matrix“ oder „fight club“. aber auch an literatur und kunst. dort wird die hintergründigkeit des „echten“ beschrieben und in einer (fast) dystopie überspitzt. ganz nah liegen dann persönliche und berufliche themen wie stadtmarketing und andere bildgeführte debatten oder die omnipräsenz der welt in der digitalen welt, die überdeutlichkeit / überbedeutsamkeit alles wahrgenommenen in der (digitalen) reproduktion. aber auch die als „politiktheater“ längst verballhornte doppelbödigkeit im umgang mit den grundbedürfnissen der gesellschaft als sozialer ganzheit kommt mir in den sinn.

wo sind unsere rückzugsräume, um die welt zu reflektieren und sie wirklich zu erkennen und demnach zu gestalten?

nicht erst seit walter benjamin und „das kunstwerk im zeitalter seiner technischen reproduzierbarkeit“ (wikipedia) ist die maschinenhaft technoide und damit erst vermarktbare, weil abgrenzbare, verwertung alles sinnlichen zumeist de-konstruktiv. benjamin selbst hat hitlers vor- und untergang vorausgesehen. an dieser stelle könnte aber klar werden, dass der von benjamin vor allem in bezug auf film und fotografie und deren massenhafte reproduktion beschriebene wandel noch immer und vielleicht schon immer andauert. heute haben sich neue „erweiterungen“ in das repertoire geschlichen, der prozess sich auf ein allgmeingültiges für jeden zugängliches wirkungsfeld verlagert. heute sprechen wir davon global als „augmented reality“ bzw. erweiterter realität (wikipedia).

wo und wann aber setzen wir die mittel der verfälschung konstruktiv und kreativ sinnlich ein?
wann und wo nutzen wir diesen raum der möglichkeiten zum besseren unseres lebens, spielen und kreieren damit?

hinter reingerechneten neongrauen, zeitgereiften und anders retortenhaft titulierten oberflächen und spannenden animationen verbergen sich die wahren vorgänge eines bildhaften kulturinhalts, geschweige des prozesses. niemand erkennt mehr – und soll es auch nicht – welche authentizität und komplexität sich hinter dem schicken äußeren verbirgt. der gebrauchswert steht hinter dem objektwert klar zurück. unter der motorhaube des audi ist kein motor mehr, sondern ein plastikdeckel mit hübschen gelben knöpfen, sie man anfassen soll. das macbook und mehr noch das ipad ist nurmehr eine hülle ohne zugriff auf die bestandteile, sondern lediglich einem wischtableau, das uns eine neue taktilität anerzieht. ein verstehen ist so ausgeschlossen. aufschrauben kann man aber beide immernoch. werkzeug gibt es überall, in jedem haushalt… notfalls auch den hammer oder den kuhfuß.

hier beginnt die crux z.b. der medienpädagogik, die das nutzen vor das verstehen stellt. für das verstehen soll die informatik zuständig sein. gelbe knöpfe sind verführerisch, aber zeigen eben nur das, was man sehen soll.

was muss und soll ich erklären?
was soll und muss sich der nutzer selbst aneignen und woher bezieht er die motivation und die information dazu?

xxx

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ideen.werk.stadt.laden

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fotos: felix liebig, 28. september 2011

nach zwei spaziergängen in löbtau – verteilt über die spanne von einem halben jahr – wurde das gesammelte material in einer ideenwerkstatt verarbeitet. hierzu lieferte ich den einstieg und die methode. der rest war kooperative praxis.

+++ ideen.werk.stadt nun immer am letzten mittwoch im monat ab 18 uhr im werk.stadt.laden, wernerstraße 21, löbtau +++

rückblende:

„überflug1“ wurde als artikel in dem neu aufgelegten stadtteilmagazin „la pösch“ vom werk.stadt.laden in löbtau abgedruckt. parallel fanden auch andere im schreiben, zeichnen, fotografieren ihren anflug auf löbtau.
„überflug2“ fand als spaziergang am 30. april 2011 in löbtau-süd mit ausdehnung bis zur bienertmühle statt. an einem herrlichen frühlingstag. mit vielen jungen leuten. aber auch mit einem echten ortspolitischen experten. wir waren mit impressionen verblieben und ich hatte den wunsch nach kritischer reflektion für teil 2 geäußert.
+ „überflug3“ schließlich erschloss ebenfalls als spaziergang am 25. september 2011 löbtau-nord. an einem ebenfalls herrlichen noch-spätsommer-tag. diesmal mit weniger jungen menschen und einigen neuen gästen. ein szenisch sehr anderer rundgang. auch routinierter. ankündigung gab es wie folgt:

25.9. – 13 Uhr: Überflug 3 – Stadtteilspaziergang

Wie im ers­ten Teil des Rund­gangs (Ende April), wer­den wir auch dies­mal durch Löb­tau wan­dern
und Inter­es­san­tes begu­cken. Dies­mal in Löbtau-Nord. Letz­tes Mal war Süd. Weil das super war
beim letz­ten Mal und wir ein­fach nicht alles geschafft haben. Komm mit und hör dir hal­bes und
gan­zes Wis­sen über Städ­te­bau, Stadt­teil­his­to­rie und den gan­zen ande­ren Eigen­tüm­lich­kei­ten
die­ses Löb­tau an. Kuh-Löbte ward es näm­lich frü­her mal genannt.

das kritische auge der beteiligten köpfe hatte im frühjahr grund genug gefunden, sich löbtau und vor allem seine freiräume genauer unter die lupe zu nehmen. zahlreiche runden im stadtteil folgten. die spaziergänge konnten dies institutionalisieren. die ideen.werk.stadt sollte nun das dort zeichnerisch, auditiv, visuell, fotografisch, wie auch immer gesammelte material zusammenfassen und verarbeiten. die ankündigung:

28.9. – 18 Uhr: Ideen.Werk.Stadt – Zukunftswerkstatt

„Das Ziel einer Zukunfts­werk­statt ist es, daß
Men­schen für eine gewisse Zeit an einem Ort
zusam­men­kom­men und gemein­sam nach krea­ti­ven Lösun­gen
für ein drän­gen­des Pro­blem oder eine Auf­gabe suchen.“
Rein­hard Sell­now: Die Methode der Zukunfts­werk­statt, 1998

Stadt­um­bau von Unten ist ja erst­mal groß gespuckt. Es gab da auch schon diverse Ansätze.
Sowas klappt nicht von selbst, da sollte man sich zusam­men­tun und über­le­gen, was über­haupt
an der Reihe ist. Wie seht ihr Löb­tau? Mögt ihr euren Stadt­teil? Inter­es­siert Ihr euch für alles vor
der Haus­tür? Ein unvor­ein­ge­nom­me­nes Tref­fen, wo wir gemein­sam ein Bild ent­wi­ckeln wol­len.
Oder bes­ser: Ganz viele. Viel­leicht nur ein biss­chen infor­mie­ren, was so los ist. Zu Gast ist
Felix Lie­big (Kultur!ngenieur), der bereits in Pie­schen erfolg­reich auf dem Gebiet Stadt­teil­ar­beit

agiert. Selbst­ver­ständ­lich gibts auch Snacks und Drinks.

eine ideenwerkstatt ist schon noch etwas anderes als eine zukunftswerkstatt: siehe das methodenlexikon der sowi-online-seite dazu, das ich am abend vorher noch ausdruckte, obwohl ich unserer sache ziemlich sicher war. das war uns dann erstmal egal. der augen erfahrung ist der hände arbeit; der kritische prozess vollzieht sich von der hand in den kopf und zurück im handeln. einer werkstatt aus ideen ist deshalb ein ideenmodell gemäß. stifte und baumaterial gibt es da immer genug. zeitgenössische technik zur verkoppelung mit dem handwerk auch. also bauten wir einen tisch mit styropor und papier, daneben einen beamer und computer mit touchpad auf und legten los. schicht für schicht entwickelte sich kooperativ die sicht der beteilgten spaziergänger und interessenten auf löbtau in klein und in 3d:

zunächst vollzogen wir den grundriss von löbtau mit stiften nach. darauf entwickelte sich bereits viel interpretierende zeichnung. als nächstes element verarbeiteten wir die gesammelten aufzeichnungen mit dokumentationen und ideen der spaziergänger in zahnstocher-krepp-fähnchen. danach war es nicht mehr weit zu einer dreidimensionalen interpretation von ideen mit den gegebenen „baustoffen“. drumrum gab’s die unterstützenden snacks und drinks, die in die arbeit mit einflossen. auch exemplarische fundstücke des alltages wurden als repräsentanten verarbeitet im modell.

ich selbst habe es als rückfall in die bausteinjahre im kindergarten empfunden, von denen mir einige erinnerungen erhalten sind. für die stadtteilarbeit war es ein exemplarischer start, der erste schritt für die zukünftig an jedem letzten mittwoch im monat ab 18 uhr stattfindenden ideenwerkstätten, die darauf „aufbauen“ sollen!

B-Team Brownfield Days Dresden

Die Anfrage aus dem Stadtplanungsamt Dresden an diesem Programm mitzuwirken war eine willkomme Gelegenheit zur intensiven Auseinandersetzung mit der Leipziger Vorstadt in Dresden als Zielgebiet einerseits und den Werkzeugen des Spazierengehens, des Location-Scoutings und der „Kultur!nventur“ anderersetis.

Fotos folgen in Kürze …

Die sog. „B-Team Initiative“ vereint elf europäische Städte in einer strategischen Entwicklungspartnerschaft mit dem besonderen Augenmerk auf innerstädtische Brachen (engl. Brownfield) vor dem Hintergrund des regionalen Vermittlungsprogramms „Interreg IV C“ der Europäischen Union. Die Stadt Dresden lud im Rahmen dieser Initiative vom 4. bis 7. Juli 2011 Experten aus den beteilgten Städten und der lokalen Szene zu den Brownfield Days. Aufgabe der Stadt war es, den bestehenden Masterplan Leipziger Vorstadt, Neustädter Hafen mit neuen Erkenntnissen zu unterfüttern und weiter publik zu machen.

Meine Aufgabe war das Ermitteln und Aufschließen einiger Partner und Akteure im Gelände der Leipziger Vorstadt – von mir gemeinhin als „Kultur!nventur“ betitelt – und das Verarbeiten der Erkenntnisse zugunsten einer umfassenden Vorstimmung der Teilnehmenden Experten auf einem Spaziergang. Nebenbei konnte ich mit etwas Glück die Räumlichkeiten von der Geh 8, Michael Grzesiak von urbikon.com in Leipzig und den Szenekoch Paul Hackenberg vom „Genusswerk“ im Projektgebiet als Kollaborateure gewinnen.

Der Spaziergang erstreckte sich nach mehreren Probe- und Erkundungsläufen sowie intensiver und für mich fruchtbarer Zusammenarbeit mit den Kollegen im Stadtplanugnsamt – namentlich Matthias Flörke-Kempe, Barbara Engel, Thomas Herm – über das gesamte Gebiet und hatte einen Umfang von ca. vier Stunden. Leider war das Wetter nicht sehr wohlgesonnen, aber das haben alle Teilnehmenden hervorragend weggesteckt.

Idee war es dabei in einer Art potentiellem Panoptikum des Areals den Experten des B-Teams alle erdenklichen Schnittstellen für eine Entwicklung des Masterplangebietes vor Augen zu führen und sie mit Akteuren wie Objekten gleichermaßen vertraut zu machen und nebenher auch die Akteure vor Ort für ihr Gebiet und füreinander mehr zu interessieren. Das gelang zunächst hervorragend: Vom Immobilienentwickler mit eigens aufgebautem Zelt am Leipziger Bahnhof über den Szene-Akteur vom Beachklub bis zum Freiraum Elbtal mit alternativen Lebenskonzepten oder dem Betriebsleiter des Pillenherstellers waren alle und alles dabei.

Das Feedback war durchweg positiv.

In den Workshops und der öffentlichen Abschlussdiskussion der Brownfield Days wurde konstruktiv und teils äußerst kreativ an Verbesserungen und Ergänzungen des Masterplanes gearbeitet. Dabei wurde offen über ganz und gar zeitgenösische Entwicklungskonzepte debattiert, die lediglich den schweren Weg in die hiesige Politik und Ökonomie haben.

Für mich war es eine Ehre mit einigen wirklcih bewanderten und umtriebigen Köpfen der europäischen Stadtentwicklung in Kontakt zu kommen, zu sehen, dass die B-Team Initiative von einer Deutschen im Stadtentwicklung Departement in Belfast koordiniert wird und es im Grunde Menschen wie Du und Ich sind, die die europäische Stadt durch Stürme des Investments und Wogen der Politik zu einer lebenswerten Stadt zu machen versuchen. Die Arbeit war fruchtbar und zukunftsweisend, denn die nächsten Entwicklungen stehen so oder so im Kontext Pieschen, Leipziger Vorstadt schon an.

Alle Achtung!

Hier der Plan des Rundgangs als PDF:

110627_Spaziergang_handout_doppel

wohnzimmerspionage_eins

10. Juni 2011

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fotos: mit freundlicher unterstützung von annette nickel, wirklich herzlichen dank!

text folgt … prompt:

alles organisatorische zu den „wohnzimmerspionen“ findet ihr im kalender auf der metropole pieschen website.
das tagebuch schreibe ich erstmal hier:

+++ am freitag 15. juli 2011 wieder ab 22 uhr machen wir pieschen unsicher+++
+++ am samstag 16. juli 2011 gibt es zudem ab 14 uhr einen spaziergang im rahmen der u r b a n o f e e l–ausstellung in der krautwaldfabrik +++

dank annette gibt es herrlich diffus–verzerrte und intuitiv–stimmungsvolle nachtbilder vom geschehen in pieschen. was war da los?

wohnzimmerspione auf tour.

die ersten eindrücke haben wir zu siebent gesammelt. schon jetzt sind einige überraschungen hinter den fassaden zum vorschein gekommen. die zwei stunden zeit funktionieren gut. dies soll fortgesetzt werden.

vorschläge für neue orte und die ausgestaltung können jetzt abgegeben werden!

es hat sich bereits angekündigt, dass wir nachher noch ein bier in der fabrik oder an einem ort auf dem weg nehmen sollten (von „fusspils“ halte ich in diesem zusammenhang nicht ganz so viel …) aber das war ja geplant und regt die gedanken an. auch sind wir uns sicher einig, dass ein gewollter oder ungewollter „hausbesuch“ beim nächsten mal absolut erstrebenswert ist.

bitte fragt alle im pieschener bekanntenkreis nach interessierten!

so ein besuch sollte ungezwungen sein. ca. viertel stunde. kurzes gespräch über ort, zeit, wohnen. dann weiter, wenn nicht die sympathie für ein längeres verweilen spricht.

was noch?

wir kamen auf einiges. zum beispiel sprachen wir über die „gardinensteuer“, die es in den niederlanden gegeben haben soll. ein beitrag hierzu bei wikipedia klärt auf.

mir erscheint auch das bewusste verweilen und einhören an einem ort interessant. was im nachbarhhof gesprochen wird am grill oder was von ferne heranschallt. dann besser einfach hingehen und mitreden. aber auch die entdeckungen hinter den gardinen. was freitag abend so gemacht wird, wo sonst scheinbar wirklich im innersten pieschen die bürgersteige hochklappen und nur an frequenten straßen und treffpunkten das leben tobt. auch das könnte näher untersucht werden.

hausaufgabe *smile*

wo wollt ihr hin?
was / wen wollt ihr sehen?
was könnte spione noch herausfordern?

gibt es geeignete dokumentationswerkzeuge?
gibt es möglichkeiten zur intervention?

die knarks und die krauts und die kunst

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fotos: felix liebig; werke: c/o die künstler & kulturschaffenden

wir drehen am zahnrad,
in der ex. r. krautwald maschinenfabrik.

ZAPFENSTREICH

in diesem besonderen falle vom 1. bis 6 juni 2011 sind es die künstler um conny cobra.
und was dabei zustande kommt, kann der geneigte betrachter hier erahnen …

REVISION

in der zwischenzeit hat sich viel getan,
ich habe das verfolgt,
weitere fotos zeugen davon.

kunst und kultur – vor allem aber selbstbestimmtes handeln – versetzen orte in einen neuen daseinszustand.
auch conny cobra zitiert joseph beuys:

kunst als soziale plastik

was mir in der fabrik als „jungfräulichkeit“ des plastischen erscheint:
die korrespondenz des werdenden,
die poesie des unfertigen.


raumkunst,
kunstwerke,
werkzeuge,
zeugnisse,

ein noch loses sammelsurium reichhaltiger gegenstände.
mitunter microskopisch,
plus die menschen, die diese gegenstände durch ihr handeln erst kontextualisieren,

in ein verhältnis setzen.

hier greift mehr ineinander als ein paar zahnräder,
die übersetzung dieses „gebtriebes“ ist stufenlos:
von  herantasten bis zupacken und wieder loslassen.

der erste gang ist eingelegt für den krautwald–sommer.

u.v.a.m.

ein hoch auf den kontemplativen leerlauf!

brachen.wochen.ende.

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fotos: felix liebig

man könnte auf brachen auch wochen verbringen – soviel gibt es zu entdecken. doch am ende ist es weder gesund noch gänzlich erfüllend. also verabredet man sich für ein paar stunden. und räumt auf. — so geschehen diesen samstag und sonntag.

maschinenfabrik r. krautwald

die auf der torgrauer straße 38/40 vor 1900 noch als ballsaal des „gasthof pieschen“ errichtete anlage diente bis 2006 der r. krautwald maschinenfabrik als produktionsstandort. zahlreiche einträge in den firmenregistern im www zeugen noch von der firma (hier bei google). die metropole pieschen hat diesen raum nun vom 1. juni bis 31. oktober 2011 mithilfe des aktuellen besitzers hölzer wohnbau gmbh für eine zwischennutzung aufschließen können. am samstag morgen haben wir scheiben geputzt und den hof gefegt und aufgeräumt. in einer neuerlichen ‚aufräumaktion‘. auch das braucht eine brache. mehr dazu an besonderer stelle …

leipziger vorstadt

für samstag nachmittag hatte ich spontan freunde gefragt mitzukommen auf eine route durch das ‚gelände‘. zu dritt waren wir unterwegs mit drei unterschiedlichen zielen: graffitis (foto)dokumentieren, zerfall (foto)dokumentieren, sinnliche phänomene inventarisieren. erst die räumliche erfahrungssequenz macht einem klar, was dieses gelände alles in sich birgt. und, was man von den hauptstraßen oder dem überflug bei google zwar ahnt aber eben nicht nachvollziehen kann. dazu ein paar bilder…

schon am freitag war ich zu gast zum „dauerbrenner II“ bei der geh8. am samstag nachmittag stand dort fast alles noch so da, nur weniger leute waren anwesend. von den erstaunlichen (und nicht in jedem fall publizierbaren) ergebnissen der tour sind diese spannend:

die auch bei google.earth sichtbare mondlandschaft ist nun ein räumlich geschlossener jungwald. mit interessanten dschungeleffekten und einigen geschickten menschlichen eingriffen.

es passiert wesentlich mehr in dem gelände als mensch gemeinhin vielleicht annimmt. aber es ist nunmal weitläufig und nicht auf jedermanns weg.

auch hier findet – in ungleich größerem maßstab – ein aufräumen statt, nämlich städtebaulich.

über den seit jahren stattfindenden individuellen raubbau an der ehem. villeroy & boch fabrik (stadtwiki dresden) will ich nicht viel sagen. er geht mit der planerischen bzw. politischen „konjunktur des verschwindens“ kulturhistorischen erbes einher. mich wundert wie wenig respekt menschen vor dem schaffen und der tradition derjenigen haben, in deren waschbecken sie sich z.t. heute noch die hände waschen und mit deren namen (und fliesen) sie sich auch heute stets gern schmücken. hier wird vorr. niemand mehr aufräumen. wieviele menschen wissen, dass sanitärkeramik mit absicht ‚falsch geformt‘ wird, damit sie sich beim brennen aufgrund der eigenmasse in die richtige form verzieht?

zum kontext später mehr …

ex. plattenwerk johannstadt

nahe der trinitatiskirche existierte mit dem segen des amtes für kultur und denkmalschutz der stadt dresden bis vor jahren eine sogenannte „betonzeitschiene“ (homepage). sie verwies auf das ehemalige plattenwerk johannstadt (johannstadtarchiv), aus dem heraus im mindesten die johannstadt großindustriell errichtet wurde. der architekt und künstler ruairi o’brien errichtete die betonzeitschiene gemeinsam mit vielen anderen und unter vermittlung des sonderbaren werner ehrlich als patentiertes „micromuseum“.

das publizierte und gelobte werk, an dem auch ein guter bekannter mitarbeitete, ist nun 200 meter weiter ‚eingelagert‘ – besser beräumt. soweit bekannt wurde es aus grundrechtsgründen und nach langen streitereien abgebrochen. es ging offiziell um bauvorhaben. nicht das erste mal, dass ein vom kulturamt gefördertes und allgemein anerkanntes kulturprojekt unter den hammer der ökonomischen oder rechtlichen interessen gelangte. heute: brache, junge menschen. aber kein offenes museum, in dem die allseits geforderte bildung der (jungen) menschen stattfindet. nur das: die dekontextualisierung kulturellen engagements. nicht auf- sondern abgeräumt.

sichtbetontrinitrashnachmittag

dafür tun ein paar urbane arbeiter dennoch etwas sinniges. am gleichen ort sammelten wir am sonntag nachmittag alles rumliegende zu einer müllskulptur zusammen. der „dosenfriedhof“ und das „konsumopfer“ sind die ergebnisse. installationen, die dem ort im aufräumen und rekombinieren einen in ihm liegenden sinn entlocken und aufzeigen wollen. die ‚museumsfolgelandschaft‘ wurde von uns neu kontextualisiert. wir haben altes und neues bzw. zusammengehörendes, aber zertreutes, zusammengebracht. nebenbei haben wir die ein wenig dilletantische ‚restauration‘ eines benachbarten graffitis betrieben. hierzu das titelbild / die bilder… und der „stadt_gorilla“ auf flickr.

Der Kulturflohmarkt – Feilschen über Europa!

Foto: „Europa in der Tasche“ (Grafik: Felix Liebig)

Endspurt:

„Der Countdown läuft, die jungen Kulturschaffenden und Eu-Beitrittskandidaten aus dem Balkan sind bereits unterwegs auf ihrer Tour durch Europa. In einer Woche beschließen sie ihre Fahrt in Dresden.

Interkultureller Austausch geht auch durch den Magen. In Dresden steht dazu bereits das Porzellan für den Blümchenkaffee bereit (siehe Foto, Blümchenkaffeetassen, Felix Liebig), an die Eierschecke machen sich fünf fleissige Hobby-Bäcker Anfang nächster Woche. Die Europakundschafter treten ein in die heiligen Hallen des ‚Canaletto-Syndroms‘ (sicht/beton/ung/sechs). Was da wohl passiert … ?“

Pressemitteilung Deutsch:

Am Dienstag, den 3. Mai 2011 zwischen 12 und 16 Uhr lädt das Medienkulturzentrum Dresden e.V. und der friedrichstadtZentral e.V. alle Kultur- und Europainteressierten zum “Kulturflohmarkt“ ein.

Im Rahmen des Projektes „We Are Europeans“, welches Teil des europäischen Kulturaustauschs der Polnischen Robert-Schumann-Stiftung ist, stellen junge Erwachsene aus Montenegro, Albanien, Mazedonien, Bosnien, Serbien und Kroatien ihre Staaten als potentielle EU- Beitrittsländer vor.

Mit dem Kulturflohmarkt beenden sie ihre Reise durch Europa und laden auf ihrer letzten Station die Dresdner Bürger sowie Dresdner Vereine und Institutionen zum interkulturellen Austausch in Form eines Flohmarktes ein.

„Kerngedanke des Kulturflohmarktes ist der symbolische Austausch von Kulturgütern,“ erklärt Felix Liebig, Projektkoordinator. „Jeder Besucher bringt für ihn persönlich kulturtypische Dinge mit, die in seine Hosentasche passen“. Diese sollen auf dem Kulturflohmarkt feilgeboten und gehandelt werden. „Die Gäste aus dem Balkan und die Akteure aus Dresden sollen miteinander über ihre individuellen Visionen von Europakultur ins Gespräch kommen und schließlich eine gemeinsame europäische Vision formen“.

Kristina Schoger, Leiterin der Abteilung Europäische und Internationale Angelegenheiten im Büro der Oberbürgermeisterin der Stadt Dresden, wird die Gäste aus dem Balkan begrüßen. Als Teilnehmer haben bereits Kultur Aktiv e.V., das Societätstheater, Die Internationalen Gärten Dresden e.V. und Der Werk.Statt.Laden zugesagt. Interessierte Dresdner Vereine und Kulturschaffende, die sich ebenfalls am Kulturflohmarkt beteiligen wollen, können sich noch bis zum 21. April 2011 bei Felix Liebig unter der Telefonnummer 0351 / 4662766 melden.

Neben dem Flohmarkttreiben erwarten den Besucher kulinarische Dresdner Klassiker. Die Veranstaltung wird in englischer Sprache durchgeführt. Der Eintritt ist frei.

Der Kulturflohmarkt wird vom Medienkulturzentrum Dresden organsiert. We Are Europeans is ein Projekt der Polnischen Robert-Schumann-Stiftung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Robert-Schumann-Stiftung, kofinanziert durch die EU-Kommission.

Zeit: Dienstag, 3. Mai 2011 zwischen 12 und 16 Uhr
Ort: friedrichstadtZentral, 400er Saal, Friedrichstraße 52 HH, 01067 Dresden

Weitere Informationen und das Programm finden Sie auf der Projektseite der Polnischen Robert-Schuman-Stiftung.

Projektkoordination:
Felix Liebig
Medienkulturzentrum Dresden e.V.
fon: 0351 / 4662766, mobil: 0176 / 24083754
felixliebig [at] gmx [punkt] net