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Der Himmel über Löbtau – eine kulturelle Anatomie (und eine Hommage á Löbtau)

Dieser Artikel sollte im April 2014 im Fanzine „La Pôsch“ herausgegeben vom Werk.Stadt.Laden Löbtau, erscheinen. Aufgrund drängender interner Aufgaben aber wurde er bislang zurückgestellt. An dieser Stelle gibt es Neues, wenn es soweit ist…


„Überflug“(1) war gestern – ich bin jetzt gelandet in Löbtau. Ich lebe seit Ende 2011 hier. Seitdem bearbeite ich die Kultur im Stadtteil, u.a. in der „Löbtauer Runde(2), dem stadtteilübergreifenden Kulturstammtisch. Das ist soweit in Ordnung. Nun wage ich eine kulturelle Anatomie(3), eine Beschreibung der inneren kulturellen Beschaffenheit des Stadtteils für „La Pôsch“.

Dies ist ein Grenzgang um Dresden-Löbtau.

Ich möchte den Leserinnen und Lesern das heutige Löbtau so schmackhaft machen, dass ihnen ob kennerischer Inspirationen das sprichwörtliche Wasser der Weißeritz im Munde zusammenläuft und ob fachlicher Expertise die Kupferwindungen des Kraftwerkes im Kopf glühen. Ein roter Faden soll sich um den Stadtteil spannen und kulturelle Hoch- wie Tiefpunkte verbinden. Denn Kultur(4) ist alles um uns.

Und dieses Alles soll eine Ordnung haben: Es geht um Löbtau, nicht um Cotta, das den verwaltungsrechtlichen Mutterstadtteil bildet und auch schön ist, wo Frau Brauner ihr Ortsamt leitet und Löbtau unterstützt oder der Freundeskreis Cotta hoffentlich bald wieder seine „Froschpost(5) herausgibt; nicht um Gorbitz, das kunstvolle DDR-Gerippe im Westen mit der umtriebigen Bürgerinitiative und dem noch existenten Quartiersmanagement, und schon gar nicht um Naußlitz, Wölfnitz, die Friedrichstadt, Plauen oder gar die „neue Neustadt“. Interessanterweise lebe ich selbst genau an der Grenze zu Naußlitz. Aber gleich mehr davon.

Am südwestlichen Innenstadtrand, würden die in Löbtau angenehm präsenten Stadterneuerer nun sagen, wo von der dresdner Altstadt her kommend konvertierte Industriebrachen und gut geordnete Grünzüge uns schon fast auf dem Land oder gar in Freiberg wähnen, da beginnt unmerklich Löbtau, die scheinbar unendliche Stadt, an der Freiberger Straße, genau am Restaurant „Zum Heiteren Blick(6), das es heute aber nur noch als bleichen Fassadenschriftzug hinter einer alten Leuchtreklame gibt (BILD). Dafür gab es hier um die Ecke 2013 kreative Fassadenmalerei beim „Sichtbetong Camp(7) und ich denke spontan: Wir sollten werden mal der Ordnung halber auf der Stadtteilgrenze(8) drumrum laufen um dieses Löbtau. Um eine Sache zu erfassen, sollte man sie zunächst einmal umrunden.

der himmel über löbtau kulturanatomie FREIBERGER VERGLEICH HISTORISCH HEUTE

Der Himmel über Löbtau – Kulturanatomie: FREIBERGER STRASSE UM 1900 & HEUTE (6)

Also gehen wir noch ein Stück durch die Hirschfelder Straße, um links auf die Löbtauer Straße und dann rechts wieder in die Wernerstraße einzubiegen – schon haben wir jede Menge verpasst: Der „Weißeritz-Grünzug(9) mündet hier auf ehemaligen Kohlebahngleisen als EU-Förder- und städtisches Vorzeigeprojekt in den Stadtteil. Einen Kohlehandel gibt es noch. Den früheren Floßhof(10) der Flößer aber lange schon nicht mehr. Diesen Flitzebogen können wir bis ans andere Ende der Tour spannen um gespannt zu bleiben. Das Stadtteilschild zur Friedrichstadt steht rechts ein Stück die Löbtauer runter vor dem Kupplungswerk. Links können wir auch über den Autohof von Jürgen Liebigs Tankstelle abkürzen. Nein, der Autor und der Autodienstleister sind nicht verwandt. Hier wechseln nur viermal am Tag die Preise; gegenüber wechseln im „Volume 11(11) vielleicht viermal am Tag die Bands ihre Probenräume und sicher noch öfter die Möbelpacker der DMS ihre Kisten. Bald auch der Werk.Stadt.Laden? Mal sehen.

Die Wernerstraße gehen wir gaaanz langsam bis hoch und wieder rechts in die Lübecker Straße. Denn schon auf den ersten Metern ist es brisant: Am Wernerplatz schießen nicht nur Autos über uns hinweg, da haben sich letztes Jahr vor der Kneipe auch zwei Albaner einen Messerkampf(12) unter uns geliefert, und an der Ecke grinst nicht mehr wirklich das alte Punker-Lächeln des Gründerzeitbaus, wo in Urzeiten die Zentrale der Kommunisten in Ostsachsen(13) und später eine Brutzelle der „Commonisten(14) in Dresden war bis Rechte in Verkennung der zeitgenössischen Praxis (sic!) immer wieder und teils unter Aufsicht der Polizei die Scheiben einschlugen – zuletzt am 13. Februar 2011(15). Heute herrscht hier (fast) Ordnung. Die Nachbarschaft jedoch bleibt sehr rege, arbeitet an einem eigenen Fonds für finanziellen Kleinstbedarf und nennt sich gerne Kiez: Drei Häuser weiter hoch bildet der „Werk.Stadt.Laden“ mit einigen anderen ein „Konglomerat e.V.(16), gegenüber spinnt der „Liubituwa e.V.“(17) stadtteilbezogene Projekte für die in seinem Namen benannte „liebliche Aue“ Löbtau, u.a. das „Columbusstraßenfest“ oder den „Löbtauer Wochenmarkt“, auch die Plattform Brachfläche.de kommt von hier und drei Häuser weiter auf der Columbusstraße residiert der studentische „WUMS e.V.(18). Bald gibt es einen bürgerbetriebenen „Columbusgarten“(19) und den amtlichen Segen der Stadt. Jetzt schon gibt es einen Schaukasten für uns Bürger gegenüber. Den frechen Hochbeeten und dem Werk.Stadt.Garten-Initial sei dank! Was bürgerschaftliche Selbstverwaltung heißen kann, sehen wir hier demnach recht gut. Doch das war’s fast. In der Lübecker dann stolpern wir links schon über den alten Dorfanger von „Kuhlöbte(20) und wenig später über die unsichtbaren „Drescher-Häuser(21) der früheren Kornbauern. Heute gibt’s hier zwischen Bier-Netto und Bier-Anger ein pittoreskes Schreber-Lächeln unter Hochspannung und sonst weit und breit nur den TÜV.

Erst an der Pennricher oberhalb des gerade noch durch Löbtau zur Autobahn verlaufenden Bramsch-Tunnels biegen wir links ein, laufen rauf zur „Schanze“ und von da aus links die Rudolf-Renner Straße ein Stück runter bis zur Bramschstraße. Der erhabene Blick vom Hang über die Schreber gen Stadt ist nicht zu verachten! Weiter hinten sieht man vor dem ehrwürdigen Friedrichstädter Güterbahnhof(22), der dereinst mal á la park die Stadtteile Löbtau und Friedrichstadt verbinden könnte, das erste Dresdner Wächterhaus haushalten – samt seinem Garten am seit 1893 kanalisierten Teil der Weißeritz(23), dem Emmerich-Ambros-Ufer. Der Betreiberverein „EAU42 e.V.(24) sammelt gerade Funding aus der Crowd für den heutzutage ordnungsgemäß einzureichenden Bauantrag. Die Autopest dazwischen stört noch mehr als Anträge und die Pennricher Straße zeigt uns sodann sowieso gerade ihre schon beantragten Eingeweide. Also bahnen wir uns den Weg an einer Holzlattenwand lang, die wir schon aus „La Pôsch“ Nr. 1 kennen. Dahinter ist allerhand im Gange. Daneben gibt es in der Gohliser Straße noch ein paar wilde Obstbäume. Darauf ist nicht viel zu sehen. Immerhin sind die Häuser hier teils recht prägnant: Entweder mit ihrer neuen Farbe oder mit ihrer alten Marodie. Die „Schanze“ ist weniger eine Fluganlage, als eine alte Wehranlage(25) aus der Zeit von Napoleon und man bemühte sich ehedem um ortstypische Bezeichnungen. Heute ist die „Schanzen-Apotheke“ den Bach runter, nur Frau Aderhold von der „Robert-Koch-Apotheke(26) hat noch Laufkunden und kann auch deshalb etwas dazu sagen. Wie sie dem Interessierten ohnehin zu so vielem etwas sagen kann und für Stadtteilgeschichte(n) und Archive eine Multiplikatorin ist. „Pink Pizza“ heißt alliterarisch, sieht komisch aus, schmeckt nicht schlecht, kann aber nicht zählen und der Bäcker daneben ist lange schon dem Sonnenstudio gewichen. Auch das alte Pflaster weicht bald. Endlich glatt. Ordnung muss sein. Dafür halten sich auf der Rudolf-Renner-Straße gen Löbtau gleich zwei soziale Wahlkreisbüros: Der „Rote Renner“ der Linken und das „Bürgerbüro“ der SPD(27), während gen Cotta gar eine Mosché(X) in einem ausgebauten Erdgeschoss der Gründerzeit besteht. Der Conertplatz hat Charme, man sieht ihm die Plattenbauten am Nordrand gar nicht (mehr) an.

Nun aber gehen wir rechts in die Bramschstraße hinein bis zum westlichen Tunnelauge, an dem wir links rüber auf die Braunsdorfer Straße huschen und auf der wieder ein Stück rechts laufen. Das Panorama zwischen Coventry-Straße unter uns und Kindergarten hinter uns mit den WBS-70- auf der linken und den 30er-Jahre-Bauten auf der rechten Seite ist aufregender als es scheint: Hier ist die Schnittstelle zwischen den Ausläufern des oben schon grüßenden Gorbitz des zur Miete wohnenden Nachwendeproletariats und dem sehr begrenzten gründerzeitlichen Löbtau der oft wohneigentümelnden jungen Professionellen am Conertplatz. Von hinten durch die Brust ins Auge sozusagen durchsteigen wir hier einen Milieuknoten zwischen konträren Sozialräumen. Just hier, wo vormals das Dienstleistungskombinat der DDR (DLK) sein Domizil hatte und auch noch an den Fassaden im „Hof“ prangt, will die Eisenbahnerwohnungsbaugenossenschaft (EWG) den querstehenden Plattenbau in einen „Kunsthof(28) mit Künstlerateliers zur Aufwertung des Quartiers nachrüsten. Das ruft nicht nur die lobenswerte Kreativraumagentur auf den Plan, sondern auch Sozialkünstler und -kritiker. Wir bleiben gespannt.

Gleich nach dem zweiten Block schlüpfen wir links hindurch, an den Kleingärten und dem Sportplatz vorbei die Malterstraße entlang. Für den Sport gibt es in Löbtau reichlich Betätigungsfelder und Schrebergärten sind allüberall in den Rand- und Übergangsbereichen zu finden, wenngleich mit dem Aufheben des Bestandsschutzes für manche Kleingärten 2014 Bewegung in die alte Ordnung kommt. Im Hintergrund wurden – als seien wie in der „Kräutersiedlung“ Gorbitz Platten übrig gewesen – entlang der Hermsdorfer Straße Wohnkuben für Einzel- und Mehrfamilien an die „Piano Nobiles“ der Gründerzeit angehängt. Dafür muss die „Villa Friedrichsruh“(29) kurz hinter der Rennerstraße ihres Schicksals harren, weil gleich zwei von bald acht Kindertagesstätten im Stadtteil nebenan den Dresdner Babyboom(30) in einem Bauboom aus Neubauten auffangen und nicht in den alten Gemäuern mit noch erlebbarem Piano Nobile wie zuvor. Von dort könnten wir herrlich die Plattenstraße hinauf zu den Plattenbauten der Wohnhochhäuser „WHH 17(31) in Gorbitz sehen, wenn wir nicht auf der Malterstraße wären. In der nicht minder langen Stollestraße links mit den nachts so schön ordentlich aufgereiht leuchtenden Laternen befindet sich übrigens ein Absenker aus dem Werk.Stadt.Laden: die „Stolle33“. Parallel dazu in der Emil-Überall-Straße 6 verbirgt sich von hier aus gesehen am anderen Ende der diakonische Treff „Emil“, aus dem 2007 die Inititive zur Löbtauer Runde und 2010 auch zur Website http://www.löbtau.org kam.

Wo die Malterstraße schließlich die Kesselsdorfer Straße, diesen Zentralnerv von Löbtau kreuzt, stapfen wir halbrechts hinüber hoch in die Saalhausener Straße. Nicht aber, ohne uns vorher bewusst zu machen, dass wir genau hier die für den Stadtteil prägende Nord-Süd-Schwelle überschreiten, die gerne zitierte „Chinesische Mauer(32) und um uns hier umzusehen, denn an der ersten Ecke ist nicht nur der erste, einzige und bald letzte Matrazenoutlet von Löbtau, was für Zuzügler interessant gewesen sein dürfte, sondern mit der kleinen Bäckerei „Andrä“ an der zweiten Ecke auch der eine von gerade zwei Natursauerteigbäckern unter geschätzten zehn Backmischungs-Filialisten und drei Privaten auf dieser Straße und weiteren mindestens zehn Bäckern in Löbtau. Oben wie unten hängt der Einzelhandel der Kesselsdorfer Straße am Tropf des Globalkapitals(33), regalmeterweise hat es die Läden an der Straße bereits ausgezehrt und die Mieten sind unerreichbar, was heute an anderer Stelle bei „Globus“ wider die Erkenntnis weiter diskutiert werden muss. Dazwischen glänzen außer den Discountbäckern Tattoostudios, Reisebüros und rechte Reklamebuden. Eine Oase in der Handelswüste befindet sich nur abseits – im Mietparadies auf der Reisewitzer Straße, ein Glücksfall, der zum Ausflug lohnt: Der Weltladen und Verein „Quilombo“ reiht sich mit dem „Weltcafé“ an einer Hausfront auf, ein Stück weiter ist der feine Buchladen „Buchlese29“. Ob in diesem Umfeld auch mal der ersehnte Stadtteilladen der Löbtauer Runde und anderer Akteure sein kann? Oder doch direkt an der Kesselsdorfer? Der Gewerbeverein(34) im Büro der CDU jedenfalls tut sich schwer mit der schönen neuen Weltordnung, dem Leerstand wie an der Ecke mit dem schönen Holzerker und dem nicht vorhandenen bzw. anders gelagerten lokalen Interesse der neuen Gewerbetreibenden. Deshalb wird „Foto-Hahn“ an der vierten Ecke kostenfrei die Portraits der Löbtauer Runde für die Kampagne „Ich bin Löbtau!(35) beisteuern und so Kultur fördern. Leider sind damit noch keine leeren Läden zu Kulturinkubatoren transformiert. Doch das traditionelle „Kesselsdorfer Straßenfest“ am 5. bis 7. September 2014 als Teil dieser Initiative nutzt womöglich trotzdem einige. Die „Kellei“ ist aber eine eigene Tour wert.

Von der Saalhausener verabschieden wir uns schon beim Griechen „Thalassa“ mit einem leichten Linksschwung in die Rabenauer Straße. Wer hier nachts die Ohren gut dreht und dem Wind lauscht, der hört die Autobahn vom „Grünen Turm(36) her säuseln und antizipiert die verdrehten Straßenzüge dorthin. Sonst ist hier nicht viel los, schon gar nicht nachts. Löbtau Süd ist hauptsächlich ein Schlafstadtteil. Apropos: Die Gaslaternen flackern unverrichtet vor sich hin bis sie dereinst wohl angeblich der Sicherheit(37) und Energiekosten wegen ausgetauscht werden. Im gleichen Takt verrichten aufrichtige Löbtauer hier und da des nachts ihre Schäferstündchen. Schließlich soll es Babys für Dresdens Steuern regnen. Was aus der demografiegünstigen Heimeligkeit wohl wird, wenn Löbtau sicherer ist und alles neu strahlt und funkelt? Aber Ordnung muss sein. An gleich zwei Ecken kann ich in dieser Straße auch nach langen Nächten schnell noch Butter holen. Aber Vorsicht: Etikettenschwindel(38): Bei einem der beiden stimmt schon das Kneipenschild draußen nicht mehr mit dem Inhalt des Ladens überein und spätestens beim Blick auf die Produkte findet man sich auch hier im guten und günstigen globalen REWE-Markt-Regal wieder. Die Öffnungszeiten werden in regelmäßigen Abständen bedenklich kürzer.

Die Rabenauer mündet kurz vor den Schrebergärten. Dort wurde die Stadt nicht weiter gebaut, dort wird bis heute nur angebaut – Obst und Gemüse für den Heimbedarf. Die Grenze zu Naußlitz knickt direkt vor meinem Kultur!ngenieur.Büro(39) von Norden nach Osten mittig über die Kreuzung zur Clara-Zetkin-Straße und wir laufen mit Clara Zetkin Richtung Osten bis zur Dölzschener Straße. Deren Denkmal steht übrigens am Bonhoeffer Platz, aber schon an der Clara-Viebig-Straße gegenüber dem „West End“; hätte sie das gewusst! Das Panorama aus meinem Büro ist wie die „Kellei“ eine eigene Tour wert: Hier treffen Afrikaner auf solche, die das Wort nicht mal aussprechen können oder wollen, alte und junge Genossenschaftler begegnen den Leuten aus meinem „Taubenschlaghaus“ vom freien Immobilienmarkt und alle existieren irgendwie in der Mitte der Gesellschaft. Zu seltenen Anlässen kann man das Panorama in meinem Büro genießen, z.B. beim „Löbtauer Musikalischen Weihnachtskalender“ (LöMuWeiKa)(40). Die Alten haben übrigens einen wundervollen achtseitigen Abriss ihrer Erinnerungen an frühere Läden(41) insbesondere in Löbtau-Süd auf einem Klassentreffen in einen Textspaziergang ähnlich dem meinen gefasst und der kleinteiligen Handelsstruktur damit ein bürgerschaftliches Denkmal gesetzt. Die Ordnung der „Kaffeemühlen(42) war und ist hier zwar eine andere als in Striesen und Blasewitz, sicher weniger blüten- und überhaupt reich. Aber Würfelhaus für Würfelhaus glauben beinahe alle der knapp 20.000 heutigen Löbtauer an das Treppenhaus in der Mitte, die Wohnung im Karreé, das Auto auf der Straße und die Liebe zum Vierbeiner an der Leine. Löbtau wurde schon 1875 von besagtem Emil Überall am Grundriss(43) entworfen, hatte schon 1903 zur Eingemeindung fast doppelt soviele Einwohner und ist in diesem wohlfeilen Raster sozial merklich verankert. In seiner Mitte, quasi dem Bauch, beherbergt es mit dem Rücken zur Clara den sehr sehenswerten und namensträchtigen „Neuen Annenfriedhof(44), neuerdings auch mit einem Denkmal zum 100. Todestag des Dresdner Flugpioniers Hermann Reichelt(45) und öffentlichen Bauten wie der Hoffnungs-Kirche(46), der jeden Mittwoch testhalber lärmenden Feuerwehr, der heutigen Theater-Kita im damaligen Volksbad(47) und der jetzigen 35. Oberschule als einer von zwei Oberschulen und zwei Grundschulen im Stadtteil, aber keinem Gymnasium. Nur die Ambulanz ist in Löbtau-Nord. Hier an der Ecke gleich gegenüber der Schule gibt es eine feine Raststätte: Den zweiten Naturbäcker im Stadtteil, „Marcel“, aber eben auch einen geschickten Neubäcker mit beredsamer Schwiegermutter, der seine Arbeit einfach gut macht und Ideen hat.

Von da gehen wir rechts die Dölzschener Straße rauf, aber nicht ganz bis ins Luftbad(48) auf den Hügeln, sondern nur bis zu dem kleinen „Bienertpark(49). Sie führt uns durch die sog. „Johann-Mayer-Häuser(50) und wieder Schrebergärten mit Blick ins Weißeritztal bis fast zur ehem. „Aktienbrauerei Reisewitz(51) im ehedem hübschen „Reisewitzschen Garten“. Hier franst Löbtau langsam aus.

Ehe uns also die Luft zu gut wird, schlendern wir lieber links hinunter durch den Park zur Tharandter Straße und der „Bienertmühle(52). Wiewohl: Die liegt schon im reichen Plauen. Quer über das Roundabout laufen wir deshalb die Tharandter lang zum schwierigsten Teil der Strecke. Pfiffige Garten-Guerilleros(53) hatten auf dem Rondel mal einen Baum im Topf „gepflanzt“, aber Ordnung muss auch Ordnung bleiben und Sicherheit mit Sicherheit auch. So grüßt die Kultur der „Haifische Plauen(54) nur von gegenüber, wo einst echte Haifische ihre Zähne in den Sedimenten verloren, später Ida Bienert die Kunst einlud und heute Sonntägler wieder zu „Museum Hofmühle“ und seinem Café bei den neuen Mäzenen lustwandeln. An der Tharandter gibt es hier leider außer Immobilienhaien, Konsum und Autohäusern nicht viel, nicht mal mehr eine Tram. Und die Fischstäbchen im Netto sind nunmal auch nicht aus Miethaien. Oh, an der Ecke des ersten Netto, der mal ein Plus war, steht eine gut erhaltene Ruine wie ein hohler Zahn. Wie haiter!

Ausgerechnet am zweiten, dem echten Netto biegen wir rechts auf den Parkplatz ein und überqueren ihn, um hinten an der Mauer in die Weißeritz zu steigen. Wir sehen da den „Schwarzen Salon“ des beliebten „Kino in der Fabrik(55) von hinten und könnten uns hier Sonntag abends zum Tatort gesellen. Auch eine dazu passende Stahlfabrik liegt gegenüber noch. Sonst aber bloß viele Steine. Hier in der Weißeritz schlurfen wir möglichst ohne feuchte Füße gen Norden bis zur Brücke an der Oederaner Straße und klettern dort, gleich neben dem neuen „Pulvermühlpark(56) und dem alten „Weißeritzmühlgraben(57), aus dem Fluss. Nun können wir den Flitzebogen vom Beginn der Tour wieder einspannen, denn hier kennt sich der Weißeritzmühlen-Müller, besser bekannt als Wolfgang Müller, richtig gut aus. Wir sollten sein Buch gelesen haben und inmitten der Bauarbeiten zum Park kommt auch die „GAP Group Lückenglück(58) zum Einsatz. Einst hatte man hier ordentliche archäologische Ausgrabungen wie heute auf der „Herzogin Garten“ beim „Zwinger“ betrieben und alles dann doch stehen gelassen. Später fand man dort feinste „Audio-Filets(59) – keine Haifische und nun? Der Weißeritzgrünzug findet hier sein vorläufiges Ende bis zum Bienertgarten und wir drehen uns um zum Endspurt.

Jetzt nämlich kommt der wirklich nahezu unmögliche Teil der Strecke: Die Hochstraße zur Autobahn am Ebertplatz können wir nur umrunden, aber nicht überqueren, um auf der anderen Seite neben dem hübschen Kraftwerk unseren Weg die Oederaner Straße runter fortzusetzen. Hier hauste vor Zeiten das Glaswerk- und Eisenbahnerproletariat. Im jahr 2000 soll das „die schlimmste Meile von Dresden(60) gewesen sein. Die letzten Überlebenden haben 2005 der Künstlerin Susanne Keichel(61) ihre Geschichte(n) anvertraut, die 2013 nocheinmal beim Sichtbetong Camp zu hören waren. Wo diese Oede am Restaurant „Zum Heiteren Blick“ auf die Freiberger Straße trifft, schließt nicht nur unsere Umrundung von Löbtau.

Da bleiben wir auch in einem kulturellen Bild: Wenn wir ein GPS-Gerät laufen lassen und das auslesen, dann sehen wir nachher auf dem Bildschirm eine Art Schmetterling als Grundriss unserer Tour. Das Muster der Flügel zeichnet sich ab in einer bunten Kulturgeografie. Das ist das eigentliche Löbtau: Die Pfauenaugen, die Kieze, die Nachbarschaften, die Einsprängsel der Kulturakteure; das ist nunmehr die endliche Stadt, so wie sie auf der Karte von Marc Schmidt 2011 dargestellt war (BILD). Doch ein Überflug? Dann aber 4.0!

Der Himmel über Löbtau Kulturanatomie Schmetterling Maps

Der Himmel über Löbtau – Kulturanatomie: Schmetterling (8)

Wenn wir eines Tages auf der Freiberger Straße, der alten Bismarkbrücke zwischen der früheren Zollstation und dem heutigen Eingangsknoten zum Stadtteil an der Weißeritz und dann der Kesselsdorfer Straße quer durch den Stadtteil zurück bis zur Malterstraße laufen, dann werden wir sozial und kulturell einen völlig neuen Stadtteil entdecken: Wir würden die Menschen in der „Huschhalle(62), im „T3(63) und viele andere neue Perspektiven kennenlernen, nicht zuletzt auf dem leerstehenden obersten Parkdeck eines dieser allgemeingültigen Konsumgroßbauten hoch über der fälschlicherweise als „Boulevard“-Lösung bezeichneten baldigen Zentralhaltestelle mit ihren Schülern, Studenten, Arbeitslosen, Werktätigen und Drückern. So aber haben wir zu Fuß im Kopf eine Runde gedreht, einen virtuellen Spaziergang und kulturellen Grenzgang, der uns das Feld Löbtau erst zur Erschließung geöffnet hat. „Punkt und Linie zu Fläche(64) schrieb Wassily Kandinski dazu. Otto Dix(65) war näher dran: Er hatte sein Atelier über dem Fahrradkaufhaus, vielleicht bald auch mit Infoplakette der „AG Stadtteilgeschichte(66) bei der Löbtauer Runde, dafür aber mit Bildmaterial von dunnemals, das kürzlich in einem Buch von „Igeltour(67) vorgestellt wurde. Ohnehin könnte sich auch die beliebte Reihe der „Stadtteilhefte“ von Annett Dubbers Löbtau mal annehmen, schließlich schreiben auch die Zeitungen regelmäßig über hiesige Stadtteilkultur und -geschichte – nur die städtische Broschüre(68) zur zweiten Runde der Sanierungsförderung in Löbtau seit 2003 durfte nicht gedruckt werden – aber das ist eine eigene Tour.

Noch keine Vision? Löbtau ist echt in Ordnung!

Felix Liebig, Kultur!ngenieur, im April 2014. Kontakt für Hinweise → Impressum


Was trotz intensiver Recherche nicht oder ungenügend mit Quellen belegt wurde, entspringt aufmerksamer Beobachtung und stellt keine Wertung dar. Für externe Verweise keine Haftung; für Hinweise einen großen Dank! Der Autor.


Quellen & Referenzen:

  1. Überflug, der – erster und zweiter Teil eines Stadtteil-Spaziergangs im April und September 2011 unter dem Titel „Überflug 2“ und „Überflug 3“ zusammen mit dem Werk.Stadt.Laden. Zugleich erste journalistische Annäherung an den Dresdner Stadtteil Löbtau unter dem Titel „Überflug“ im Stadtteilmagazin „La Pôsch“ im März 2011. siehe auch: http://www.werkstadtladen.de/archiv
  2. „Löbtauer Runde“, die – Kulturstammtisch und Kulturnetzwerk in einem. Gemeinsam mit Dr. Angela Bösche ist Felix Liebig seit Jahresbeginn 2014 Sprecher. Siehe auch: http://www.löbtau.org
  3. Anatomie, die – a. Wissenschaft vom Bau des [menschlichen] Körpers und seiner Organe, b. Aufbau, Struktur des [menschlichen] Körpers (Duden).
  4. Kultur, die – 1. a. Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung (Duden).
  5. „Froschpost“, die & „Freundeskreis Cotta e.V.“, der – Verein und Stadtteilmagazin gehen Hand in Hand und ringen derzeit um ihre Perspektive. Siehe auch http://www.fropo.info
  6. Fotogegenüberstellung damals – heute am „Heiteren Blick“, Montage Felix Liebig: Ecke Freiberger Straße 93 / Oederaner Straße mit Restaurant „Zum heiteren Blick“,  wahrscheinlich um 1900/1905, Foto: unbekannt, hochgeladen: 12.11.2012, Scan: Benutzer: Tanja. http://dresden.stadtwiki.de/wiki/Datei:AK_Freiberger_Hohenzollernstraße.jpg; Foto: Felix Liebig, 29.4.2013.
  7. Sichtbetong Camp 2013: http://sichtbetong.de, Bitte Doku-Heft anfragen!
  8. Grundriss der Verwaltungsgrenzen von Löbtau, Google Maps, Screenshot am 14.4.2014
  9. Weißeritzgrünzug, der – „EFRE Stadtteilentwicklungsprojekt Weißeritz“. Siehe auch http://www.dresden.de/weisseritz und die schöne PDF aller Infotafeln am Grünzug http://www.dresden.de/media/pdf/weisseritz/Schilder-Nord_dt.pdf
  10. „Floßhof“, der – Endpunkt des aus dem Erzgebirge auf der Weißeritz herbeigeflößten Holzes. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Weißeritzmühlgraben
  11. „Volume11“ – Bandprobenhaus. Siehe auch http://www.volume11.de
  12. SZ, u.a. 16.9.2013. Siehe auch http://www.sz-online.de/nachrichten/der-angeklagte-schwaechelt-2664170.html (Aufruf am 22.4.2014)
  13. Versammlungsort der KPD – gefunden in „Dresden: Gedenkstadtrundgang zum 27. Januar“. Siehe auch de.indymedia.org/2011/01/298859.shtml
  14. Andrea Baier / Christa Müller / Karin Werner „Stadt der Commonisten – Neue urbane Räume des Do it yourself“, transcript Verlag, ISBN 978-3-8376-2367-3. Siehe auch PDF-Vorschau http://www.transcript-verlag.de/ts2367/ts2367_1.pdf
  15. Video vom 13.2.2011, Neonazis bewerfen das Eckhaus Columbusstraße 9 / Wernerstraße und die darin befindliche „Praxis“ mit Steinen. Anonym, gesendet auf „Dresden Fernsehen“. Quelle nicht mehr auffindbar.
  16. Werk.Stadt.Laden, der & Konglomerat e.V., der – Siehe auch http://www.werkstadtladen.de
  17. Liubituwa e.V. – der Verein ist nach dem alten slawischen Ursprungswort von „Löbtau“ benannt. „Columbusstraßenfest“, das & „Löbtauer Markt“, der gehen auf Bürgerinitiativen aus der Nachbarschaft hervor. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Löbtau und wochenmarktloebtau.wordpress.com
  18. WUMS e.V. – Verein hinter einem studentisch verwalteten Wohnhaus. Siehe auch http://www.wums.org
  19. „Columbusgarten“, der – eine zunächst spontan mit Hochbeeten genutzte Brachfläche wurde in einem relativ beispielhaften Verhandlungsprozess von Bürgern und Stadt gemeinsam entwickelt und nun weitestgehend wunschgemäß neu gestaltet.
  20. „Kuhlöbte“ & „Froschcotte“ – volkstümliche Ortsteilbezeichnungen für Löbtau und Cotta. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Löbtau und de.wikipedia.org/wiki/Cotta_(Dresden)
  21. „Drescherhäuser“, die – Die Straße erinnert an die Häuser ursprünglich böhmischer Gutsarbeiter. Siehe auch http://www.dresdner-stadtteile.de/Zentrum/Friedrichstadt/Strassen_Friedrichstadt/Drescherhauser/drescherhauser.html
  22. „Friedrichstädter Güterbahnhof“, der – Wichtiges städtebauliches Bindeglied der Stadtteil Friedrichstadt und Löbtau / Cotta wie auch der Altstadt. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Dresden-Friedrichstadt
  23. Verlegung der Weißeritz 1893, die – Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Weißeritz
  24. EAU42 e.V., „Wächterhaus“, das und Haushalten e.V. – Zwischennutzungsmodell aus Leipzig, das hier erstmals in Dresden Fuß fassen konnte. Siehe auch http://www.eau42.de und http://www.haushalten-dresden.de. Spendenkampagne unterstützen: http://www.startnext.de/erhalt-waechterhaus-dresden
  25. „Schanze“, die – Wehranlage aus der Dresdner Zeit Napoleons um 1813. Siehe das Tableau http://de.wikisource.org/wiki/Der_Schanzenkranz_um_Dresden, Schanze Nr. 1
  26. „Robert-Koch-Apotheke“, die – Inhaberin Marion Aderhold. Siehe auch http://www.robert-koch-apotheke-dresden.de
  27. Wahlkreisbüro, das – „Roter Renner“ von Annekathrin Kleppsch und „Bürgerbüro Eva Maria Stange“. Siehe auch http://www.annekatrin-klepsch.de und http://www.evamariastange.de
  28. Vorstellung der Kreativraumagentur in der „Löbtauer Runde“ , Torsten Rommel am 12.3.2014. Siehe auch http://kreativraumagentur.de
  29. Villa „Friedrichsruh“, die – Gebäude von Schilling und Gräbner von 1898 in der Hermsdorfer Straße 16, wurde nach 1945 als Kindergarten genutzt. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Villa_Friedrichsruh
  30. „Baby Boom“, der – Dresden ist geburtenfreudigste Stadt in Deutschland, … Siehe auch statistik-dresden.de/archives/8540 und http://de.wikipedia.org/wiki/Einwohnerentwicklung_von_Dresden
  31. WHH17 = Wohnhochhaus 17 Typ Dresden: Für Dresden entwickelter Plattenbautypus, der auch als 15-Geschosser bis zu 60 mal in Dresden gebaut worden war. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Plattenbau
  32. „Chinesische Mauer“, die – ortübliche Bezeichnung für ein empfundenes Nord-Süd-Gefälle zwischen den verwaltungstechnischen- und geografischen Teilen Löbtau Nord und Süd. Durch Zeitzeugenaussagen u.a. im Projekt „Meine Straße“ belegt.
  33. Rewe und Kaufland besetzen die strategischen Knotenpunkte im Stadtteil mit zwei Supermärkten im Ostteil der Kesselsdorfer Straße bzw. einem Wholesale-Großmarkt im alten Straßenbahnhof Naußlitz. Weitere Filial-Märkte schließen sich an. Kaufkraft wird aus dem traditionellen Einzelhandel abgezogen.
  34. „Kellei“ e.V. bzw. „Gewerbeverein Kesselsdorfer Straße“ e.V. sitzt im Wahlkreisbüro des MdL der CDU Lars Rower auf der Kesselsdorfer Straße 55 und hat aufgrund des Einzelhandelssterbens Mitgliederschwund. Siehe auch http://www.kellei.de
  35. „Ich bin Löbtau!“ – Kampagne de Löbtauer Runde für und mit ihren Akteuren. Finanziert und geplant für Sommer 2014.
  36. „Grüner Turm“, der – früherer Beobachtungs- und heutiger Funkturm an der A17. Siehe auch http://www.openstreetmap.org/#map=19/51.03517/13.63261
  37. Gaslaternen, die – wie in anderen deutschen Städten auch läuft die politische Diskussion im Ortsbeirat Cotta und ein Antrag der SPD im Dresdner Stadtrat dazu.  SZ vom 15.3.2014 „Löbtauer wollen keine historischen Gaslaternen“
  38. gemeint ist der für die meisten namenlose Eckladen Rabenauer / Essener Straße, der aber als „Emma-Laden“ mit einer Konzession von REWE beliefert wird, was offensichtlich ist.
  39. „Kultur!ngenieur.Büro“, das: Kulturproduktion in Echtzeit! Sitz des „Kultur!ngenieurs“ und der Arbeitsgemeinschaft „urbanofeel GbR“ swie des „Team Zeit:zeugen“ und offiziell auch Vertretung der „Löbtauer Runde“. Siehe auch http://www.kulturingenieur.com
  40. „LöMuWeiKa“, der – lebendiger Weihnachtskalender mit Musik und Kunst in diversen Räumen in Löbtau. Siehe auch http://loemuweika.wiki.zoho.com
  41. Textspaziergang, der – textliches Abschreiten eines Weges im Kopf der Autoren aufgrund langjähriger oder intensiver Erlebnisse. Hier: Vom Zeitzeugen Andreas Beutin 2012 überreichtes achtseitiges Erinnerungsdokument „Weißt Du noch? Ein Spaziergang durch Löbtau, Ende der 50er Jahre. Alte Leutchen erinnern sich“, aufgeschrieben von Gabi Wulff (geb. Schwarze) und Achim Schröter, 2004.
  42. „Kaffeemühle“, die – übliche Bezeichnung für die in einigen Dresdener Stadtteilen typischen Wohungsbauten aus der Gründerzeit. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Kaffeemühlenhaus
  43. Stadtplanung – dazu „Typisch für Löbtau ist das 1875 vom Geometer Emil Ueberall entworfene rasterförmige Straßennetz und die aufgelockerte Bebauung mit den “Würfelhäusern”“ Siehe auch http://www.dresdner-stadtteile.de/Sudwest/Lobtau/lobtau.html
  44. „Neue Annenfriedhof“, der – Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Neuer_Annenfriedhof
  45. Einweihung eines Denkmals für den Aviatiker Hermann Reichelt durch den Künstler Roland Fuhrmann am 12.4.2014 um 10:30 auf dem Neuen Annenfriedhof. Einladungs-E-Mail vom 7.4.2014. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Reichelt
  46. „Hoffnungskirche“, die – zur Gemeinde „Frieden & Hoffnung“ gehörig. Besonders durch den außenstehenden hölzernen Glockenstuhl. Siehe auch http://www.frieden-hoffnung.de und http://de.wikipedia.org/wiki/Hoffnungskirche_(Dresden)
  47. ehem. Volksbad Löbtau, das – ehem. Wannen- und Reinigungsbad; heute Sitz der sog. „Theater-Kita“ „FunkelDunkelLichtGedicht“. Siehe auch http://dresden.stadtwiki.de/wiki/Volksbad_Löbtau und http://www.theater-kita.de
  48. „Luftbad Dölzschen“, das – Luft- und Freibad auf den Höhen über dem Plauenschen Grund. Siehe auch dresdner-baeder.de/freibaeder/luftbad-doelzschen
  49. „Bienert-Park“, der – nicht Bienert-Garten. Siehe auch http://dresden.stadtwiki.de/wiki/Bienertpark
  50. „Johann-Meyer-Häuser“, die – Wohnanlage der Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft von 1912-14. Siehe auch http://www.dresdner-stadtteile.de/Sudwest/Lobtau/Strassen_Lobtau/strassen_lobtau.html
  51. ehem. „Reisewitzer Brauerei“, die und ehem. „Reisewitzscher Garten“, der – Ansiedelung einer Privatbrauerei auf dem Gelände eines barocken Gartens. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Reisewitzscher_Garten
  52. „Bienertmühle“, die und „Bienertgarten“, der – eigentlich „Hofmühle“; heutiges „Museum Hofmühle“ samt angeschlossenem historischen Garten. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Hofmühle_(Dresden)
  53. SZ, Artikel leider unauffindbar.
  54. „Haifische Plauen“, die – Freiluftkunstraum von Anke Binnewerk und Birgit Schuh im Areal des Museums Hofmühle. Siehe auch http://www.haifische-dresden.de/ort.html
  55. „Kino in der Fabrik“, das – beliebtes Tatort- und Programm-Kino in Löbtau direkt an der Weißeritz in der ehem. Kupplungs- und Triebwerksfabrik. Siehe auch http://www.kif-dresden.de
  56. „Pulvermühlenpark“, der – zunächst archäologisch untersuchtes Gelände und dann neu angelegter Park auf dem ehem „Weißeritzmühlgraben“. Siehe auch „Weißeritzmühlgraben“.
  57. „Weißeritzmühlgraben“, der – Kulturhistorische und archäologische Untersuchungen, nicht nur in Löbtau, maßgeblich publiziert – auch in Buchform – durch Wolfgang Müller. Siehe auch http://www.weisseritzmuehlgraben.de
  58. „GAP Group LÜCKENGLÜCK“, die – seit 2013 tätige Künstlergruppe, die sich mit klar umrissenen Freiräumen in der Stadt und deren vegetativer Genese und Beschaffenheit beschäftigt, bestehend aus Gärtner ______ Minack Nickel. Siehe auch http://gapgroup.wordpress.com
  59. „Audio-Filet“, das – DJ Set, das zur legendären Free Party „freigrillen und electroshit“ am 26.5.2011 im Weißeritzmühlgraben auflegte, als der das erste Mal aufgegraben und schon wieder zugewachsen war.
  60. „Oederaner Straße, Dresdens schlimmste Meile“ – BILD-Zeitung, 24.3.2000. Artikel liegt dem Autor vor.
  61. Susanne Keichel – Künstlerin (Dresden, Leipzig). „Oederaner Straße“: Interviews, Portraits, Ausstellung 2005. Siehe auch http://www.kulturserver-sachsen.de/home/oederanerstrasse/kontakt.html
  62. „Huschhalle“, die – ehem. Tramstop; heute fast 24 Stunden Bierbar und Spielhölle, sozialer Milieuknotenpunkt am Eingang zu Löbtau. Siehe auch SZ vom 16.2.2011 „Der Herr der Huschhalle“ http://www.sz-online.de/sachsen/der-herr-der-huschhalle-757112.html
  63. „Kinder- und Jugendaus T3“, das – Betrieben vom Kinderland Sachsen e.V. an einem Bau neben dem von einer Flut zerstörten ehem. Löbtauer Rathaus. Siehe auch http://kinderland-sachsen.de/angebote-dresden/freizeiteinrichtungen/kinder-und-jugendhaus-t3.html
  64. Wassily Kandinski, „Punkt und Linie zu Fläche“ – Kunsttheoretische Schrift. Beitrag zur Analyse der malerischen Elemente. 8. Auflage, Benteli, Bern 2002, ISBN 3-7165-0182-4
  65. Otto Dix, ehem. Atelier auf der Kesselsdorfer Straße 11. Früher Kaufhaus „Magnet“; heute Kaufhaus „Bike24“. Siehe auch http://www.otto-dix.de/leben/1933-1945 und http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Dix
  66. „AG Stadtteilgeschichte“, die – Neugründung einer stadtteilgeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft in Anlehnung an die frühere „IG Löbtau“ unter Schirmherrschaft des „WIMAD“ e.V. Siehe auch http://www.wimad-ev.homepage.t-online.de und http://www.löbtau.org
  67. „Dresden, Auf Spurensuche mit Igeltour“, edtition Sächsische Zeitung, 2014. Wertvolle historische Funde, u.a. zu Löbtau. Siehe auch http://www.editionsz.de/dresden-auf-spurensuche-mit-igeltour.html
  68. „Löbtau im Wandel“, Landeshauptstadt Dresden, 2. Auflage, August 2009. Broschüre zur EU-geförderten Stadterneuerung im Sanierungsgebiet Löbtau 1993-2003. Die Broschüre für die zweite Förderperiode durfte auf Beschluss der Oberbürgermeisterin weder gedruck werden, noch ist sie im Internet auffindbar, obwohl zahlreiche Akteure der Stadtteilentwicklung daran mitgewirkt hatten.
  69. (X) Mosché „Fatih Camiine“, die – geführt vom Imam Hatip. Siehe auch http://www.moscheesuche.de/moschee/Dresden/Fatih_Camiine/13921 (die Quelle wurde leider vergessen zu registrieren.)
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ideen.werk.stadt.laden

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fotos: felix liebig, 28. september 2011

nach zwei spaziergängen in löbtau – verteilt über die spanne von einem halben jahr – wurde das gesammelte material in einer ideenwerkstatt verarbeitet. hierzu lieferte ich den einstieg und die methode. der rest war kooperative praxis.

+++ ideen.werk.stadt nun immer am letzten mittwoch im monat ab 18 uhr im werk.stadt.laden, wernerstraße 21, löbtau +++

rückblende:

„überflug1“ wurde als artikel in dem neu aufgelegten stadtteilmagazin „la pösch“ vom werk.stadt.laden in löbtau abgedruckt. parallel fanden auch andere im schreiben, zeichnen, fotografieren ihren anflug auf löbtau.
„überflug2“ fand als spaziergang am 30. april 2011 in löbtau-süd mit ausdehnung bis zur bienertmühle statt. an einem herrlichen frühlingstag. mit vielen jungen leuten. aber auch mit einem echten ortspolitischen experten. wir waren mit impressionen verblieben und ich hatte den wunsch nach kritischer reflektion für teil 2 geäußert.
+ „überflug3“ schließlich erschloss ebenfalls als spaziergang am 25. september 2011 löbtau-nord. an einem ebenfalls herrlichen noch-spätsommer-tag. diesmal mit weniger jungen menschen und einigen neuen gästen. ein szenisch sehr anderer rundgang. auch routinierter. ankündigung gab es wie folgt:

25.9. – 13 Uhr: Überflug 3 – Stadtteilspaziergang

Wie im ers­ten Teil des Rund­gangs (Ende April), wer­den wir auch dies­mal durch Löb­tau wan­dern
und Inter­es­san­tes begu­cken. Dies­mal in Löbtau-Nord. Letz­tes Mal war Süd. Weil das super war
beim letz­ten Mal und wir ein­fach nicht alles geschafft haben. Komm mit und hör dir hal­bes und
gan­zes Wis­sen über Städ­te­bau, Stadt­teil­his­to­rie und den gan­zen ande­ren Eigen­tüm­lich­kei­ten
die­ses Löb­tau an. Kuh-Löbte ward es näm­lich frü­her mal genannt.

das kritische auge der beteiligten köpfe hatte im frühjahr grund genug gefunden, sich löbtau und vor allem seine freiräume genauer unter die lupe zu nehmen. zahlreiche runden im stadtteil folgten. die spaziergänge konnten dies institutionalisieren. die ideen.werk.stadt sollte nun das dort zeichnerisch, auditiv, visuell, fotografisch, wie auch immer gesammelte material zusammenfassen und verarbeiten. die ankündigung:

28.9. – 18 Uhr: Ideen.Werk.Stadt – Zukunftswerkstatt

„Das Ziel einer Zukunfts­werk­statt ist es, daß
Men­schen für eine gewisse Zeit an einem Ort
zusam­men­kom­men und gemein­sam nach krea­ti­ven Lösun­gen
für ein drän­gen­des Pro­blem oder eine Auf­gabe suchen.“
Rein­hard Sell­now: Die Methode der Zukunfts­werk­statt, 1998

Stadt­um­bau von Unten ist ja erst­mal groß gespuckt. Es gab da auch schon diverse Ansätze.
Sowas klappt nicht von selbst, da sollte man sich zusam­men­tun und über­le­gen, was über­haupt
an der Reihe ist. Wie seht ihr Löb­tau? Mögt ihr euren Stadt­teil? Inter­es­siert Ihr euch für alles vor
der Haus­tür? Ein unvor­ein­ge­nom­me­nes Tref­fen, wo wir gemein­sam ein Bild ent­wi­ckeln wol­len.
Oder bes­ser: Ganz viele. Viel­leicht nur ein biss­chen infor­mie­ren, was so los ist. Zu Gast ist
Felix Lie­big (Kultur!ngenieur), der bereits in Pie­schen erfolg­reich auf dem Gebiet Stadt­teil­ar­beit

agiert. Selbst­ver­ständ­lich gibts auch Snacks und Drinks.

eine ideenwerkstatt ist schon noch etwas anderes als eine zukunftswerkstatt: siehe das methodenlexikon der sowi-online-seite dazu, das ich am abend vorher noch ausdruckte, obwohl ich unserer sache ziemlich sicher war. das war uns dann erstmal egal. der augen erfahrung ist der hände arbeit; der kritische prozess vollzieht sich von der hand in den kopf und zurück im handeln. einer werkstatt aus ideen ist deshalb ein ideenmodell gemäß. stifte und baumaterial gibt es da immer genug. zeitgenössische technik zur verkoppelung mit dem handwerk auch. also bauten wir einen tisch mit styropor und papier, daneben einen beamer und computer mit touchpad auf und legten los. schicht für schicht entwickelte sich kooperativ die sicht der beteilgten spaziergänger und interessenten auf löbtau in klein und in 3d:

zunächst vollzogen wir den grundriss von löbtau mit stiften nach. darauf entwickelte sich bereits viel interpretierende zeichnung. als nächstes element verarbeiteten wir die gesammelten aufzeichnungen mit dokumentationen und ideen der spaziergänger in zahnstocher-krepp-fähnchen. danach war es nicht mehr weit zu einer dreidimensionalen interpretation von ideen mit den gegebenen „baustoffen“. drumrum gab’s die unterstützenden snacks und drinks, die in die arbeit mit einflossen. auch exemplarische fundstücke des alltages wurden als repräsentanten verarbeitet im modell.

ich selbst habe es als rückfall in die bausteinjahre im kindergarten empfunden, von denen mir einige erinnerungen erhalten sind. für die stadtteilarbeit war es ein exemplarischer start, der erste schritt für die zukünftig an jedem letzten mittwoch im monat ab 18 uhr stattfindenden ideenwerkstätten, die darauf „aufbauen“ sollen!

B-Team Brownfield Days Dresden

Die Anfrage aus dem Stadtplanungsamt Dresden an diesem Programm mitzuwirken war eine willkomme Gelegenheit zur intensiven Auseinandersetzung mit der Leipziger Vorstadt in Dresden als Zielgebiet einerseits und den Werkzeugen des Spazierengehens, des Location-Scoutings und der „Kultur!nventur“ anderersetis.

Fotos folgen in Kürze …

Die sog. „B-Team Initiative“ vereint elf europäische Städte in einer strategischen Entwicklungspartnerschaft mit dem besonderen Augenmerk auf innerstädtische Brachen (engl. Brownfield) vor dem Hintergrund des regionalen Vermittlungsprogramms „Interreg IV C“ der Europäischen Union. Die Stadt Dresden lud im Rahmen dieser Initiative vom 4. bis 7. Juli 2011 Experten aus den beteilgten Städten und der lokalen Szene zu den Brownfield Days. Aufgabe der Stadt war es, den bestehenden Masterplan Leipziger Vorstadt, Neustädter Hafen mit neuen Erkenntnissen zu unterfüttern und weiter publik zu machen.

Meine Aufgabe war das Ermitteln und Aufschließen einiger Partner und Akteure im Gelände der Leipziger Vorstadt – von mir gemeinhin als „Kultur!nventur“ betitelt – und das Verarbeiten der Erkenntnisse zugunsten einer umfassenden Vorstimmung der Teilnehmenden Experten auf einem Spaziergang. Nebenbei konnte ich mit etwas Glück die Räumlichkeiten von der Geh 8, Michael Grzesiak von urbikon.com in Leipzig und den Szenekoch Paul Hackenberg vom „Genusswerk“ im Projektgebiet als Kollaborateure gewinnen.

Der Spaziergang erstreckte sich nach mehreren Probe- und Erkundungsläufen sowie intensiver und für mich fruchtbarer Zusammenarbeit mit den Kollegen im Stadtplanugnsamt – namentlich Matthias Flörke-Kempe, Barbara Engel, Thomas Herm – über das gesamte Gebiet und hatte einen Umfang von ca. vier Stunden. Leider war das Wetter nicht sehr wohlgesonnen, aber das haben alle Teilnehmenden hervorragend weggesteckt.

Idee war es dabei in einer Art potentiellem Panoptikum des Areals den Experten des B-Teams alle erdenklichen Schnittstellen für eine Entwicklung des Masterplangebietes vor Augen zu führen und sie mit Akteuren wie Objekten gleichermaßen vertraut zu machen und nebenher auch die Akteure vor Ort für ihr Gebiet und füreinander mehr zu interessieren. Das gelang zunächst hervorragend: Vom Immobilienentwickler mit eigens aufgebautem Zelt am Leipziger Bahnhof über den Szene-Akteur vom Beachklub bis zum Freiraum Elbtal mit alternativen Lebenskonzepten oder dem Betriebsleiter des Pillenherstellers waren alle und alles dabei.

Das Feedback war durchweg positiv.

In den Workshops und der öffentlichen Abschlussdiskussion der Brownfield Days wurde konstruktiv und teils äußerst kreativ an Verbesserungen und Ergänzungen des Masterplanes gearbeitet. Dabei wurde offen über ganz und gar zeitgenösische Entwicklungskonzepte debattiert, die lediglich den schweren Weg in die hiesige Politik und Ökonomie haben.

Für mich war es eine Ehre mit einigen wirklcih bewanderten und umtriebigen Köpfen der europäischen Stadtentwicklung in Kontakt zu kommen, zu sehen, dass die B-Team Initiative von einer Deutschen im Stadtentwicklung Departement in Belfast koordiniert wird und es im Grunde Menschen wie Du und Ich sind, die die europäische Stadt durch Stürme des Investments und Wogen der Politik zu einer lebenswerten Stadt zu machen versuchen. Die Arbeit war fruchtbar und zukunftsweisend, denn die nächsten Entwicklungen stehen so oder so im Kontext Pieschen, Leipziger Vorstadt schon an.

Alle Achtung!

Hier der Plan des Rundgangs als PDF:

110627_Spaziergang_handout_doppel

werk.stadt.laden – freiraumsommer 2011

grafik & flyer: marc schmidt
programm: ladengemeinschaft & co.

ich freue mich erneut hier das aktuelle programm des „werk.stadt.laden“ präsentieren zu können. auch diesmal auf basis einer inhaltlichen kooperation zum spaziergang „überflug – teil2“ am 11. juni 2011 um 13 uhr ab laden.

infoflyer_mai

infoflyer_mai_freiraumsommer

die knarks und die krauts und die kunst

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fotos: felix liebig; werke: c/o die künstler & kulturschaffenden

wir drehen am zahnrad,
in der ex. r. krautwald maschinenfabrik.

ZAPFENSTREICH

in diesem besonderen falle vom 1. bis 6 juni 2011 sind es die künstler um conny cobra.
und was dabei zustande kommt, kann der geneigte betrachter hier erahnen …

REVISION

in der zwischenzeit hat sich viel getan,
ich habe das verfolgt,
weitere fotos zeugen davon.

kunst und kultur – vor allem aber selbstbestimmtes handeln – versetzen orte in einen neuen daseinszustand.
auch conny cobra zitiert joseph beuys:

kunst als soziale plastik

was mir in der fabrik als „jungfräulichkeit“ des plastischen erscheint:
die korrespondenz des werdenden,
die poesie des unfertigen.


raumkunst,
kunstwerke,
werkzeuge,
zeugnisse,

ein noch loses sammelsurium reichhaltiger gegenstände.
mitunter microskopisch,
plus die menschen, die diese gegenstände durch ihr handeln erst kontextualisieren,

in ein verhältnis setzen.

hier greift mehr ineinander als ein paar zahnräder,
die übersetzung dieses „gebtriebes“ ist stufenlos:
von  herantasten bis zupacken und wieder loslassen.

der erste gang ist eingelegt für den krautwald–sommer.

u.v.a.m.

ein hoch auf den kontemplativen leerlauf!

überflug 2 löbtau

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fotos: felix liebig

die wenigen fotos zeigen vielleicht schon die rahmenbedingungen einer gelungenen ‚gestaltung‘:
kooperation, gruppendynamik, phänomenologische eigentümlichkeiten, vorlauf für neues und schönes wetter…

bei ‚überflug 2‘ in löbtau am 30. april 2011 – dem ersten echten öffentlichen nach einem inoffiziellen virtuellen überlfug für „LA PÖSCH“ – war dies der fall. man könnte sich auch mal fragen, inwiefern diese these der dresden marketing gmbh zutrifft:

dem schönen begegnen“ — ?!

antithese: das können wir schon lange! und an stellen der stadt, die dieser aussage und den gezeigten bildern vordergründig sicher nicht entsprechen. so begabt sind wir.

synthese: dies ist mein fragment des nachdenkens über löbtau nach dem spaziergang …

marc, matti, ommez, felix – in der vorbereitung eine unkomplizierte zusammenarbeit. die schöne karte von marc nach dem austüfteln der route. die fixe zuarbeit vom durchreisenden matti. direkt vor ort im werk.statt.ladden entstanden im sprichwörtlichen handumdrehen noch die handgemachten dokumentations-feldbuch-bretter. diese wurden dann von den teilnehmenden offenbar ausgiebig genutzt. stifte kamen von mir und anregungen von uns allen, denn

jeder ist ein experte auf einem spaziergang!

die gruppe war durchaus homogen: um die 20 bis 30, kreativ begabt und / oder beschäftigt, neugierig. nur ein ortsbeirat stach altersmäßig heraus. dafür hatte er anstelle der neugier das nötige politische und historische basiswissen an board. eine hervorragende ergänzung! mich persönlich hat die dokumentationsfreude und gelassenheit der spazierenden überrascht. auch das rasten ‚im feld‘ der ereignisse an der weißeritz war völlig entspannt und es gab zu keiner zeit zweifel an der stimmigkeit des ereignisses. wichtig dabei: ausgangs- und endpunkt sind mit dem werk.statt.laden sehr konkret benannt und bieten den wichtigen ruhepol samt kulinarischer unterstützung.

‚draussen‘ ergaben sich neben typischen sinnlichen grundwahrnehmungen auch diverse eigentümliche entdeckungen. ich selbst habe – und damit wage ich mich in das feld der persönlichen sinnlichen überraschungen beim spazierengehen – eine sehr inspirierende erfahrung auf diesem spaziergang gemacht, die ich gerne wiederholen würde. objektiv besehen, gab es also auch solche unorte, die ihre eigene poesie entfalten, weil sie nicht in die üblichen wahrnehmungsmuster passen. orte, die aufgeschlossen oder aufgelassen sind und einen so selbst aufschließen – die bogengalerie mit dem mini-fernseher und der bank. orte, die vielleicht eine raumqualität haben, die zwischen zwei extremen entsteht – der abgang an der weißeritz zwischen wasser und treppeneinschnitt. u.v.a.m.

zahlreiche anknüpfungen für weitere aktivitäten ergaben sich problemlos. mal abgesehen von dem unfertigen spaziergang, den wir nach löbtau nord fortsetzen werden. an der weißeritzbrücke haben wir nicht nur einen (verkehrs)knoten gesehen, wir haben ihn auch gehört und mal die augen zugemacht. ein hörspaziergang ist sicher eine besonders spannende geschichte. der am weitesten gereiste teilnehmer mag jan aus zschachwitz gewesen sein. eine querschnittswanderung durch die stadt vom werk.statt.laden nach zschachwitz kann ich mir sehr spannend vorstellen. man muss nicht immer in ‚die sächsische‘ fahren um berge und bäume und verschlungene wege zu finden. etc.

das schöne wetter ist natürlich nicht alles. aber sonne und die weite helle des raumes über unseren köpfen und um uns herum beeinflussen sicher das ‚klima‘ eines stadtspazierganges. zumal nicht nur dinge, sondern auch menschen eine merkwürdige aura entfalten. alles strahlt—

deshalb gibt es auch gar nicht mehr zu sagen.
die inhaltliche auswertung hat noch nicht stattgefunden.
ich bin auf der ebene der reinen impression zunächst sehr angetan und habe lust auf kritische reflektionen als nächsten schritt.

fA!

freiheit Aushalten!

grafik: felix liebig, montage

an irgendeinem punkt um neujahr 2011 herum ging mir „das jahr der spaziergänge“ durch den kopf.
was man so findet auf seinen streifzügen! – manchmal auch auf einem ganz normalen weg von A nach B.

schwarz auf gelb

in dresden nichts besonderes;

wir leben in einer gesellschaft aus territorien und sichtbaren wie unsichtbaren handlungsanweisungen. (farb)codes! dem eigentlichen kulturgemäß-menschlichen handeln wird dabei in den seltensten fällen entsprochen. ritualisierung! freiräume sind kostbar geworden, aber es gibt sie. dies u.a. zu erforschen und zu ändern machen sich neben urbanofeel viele andere menschen zur aufgabe.

im alltag sehr präsent und doch übersehen sind dennoch diese schilder.
in der auseinandersetzung mit oben gesagtem und dem menschlichen bedürfnis nach (frei)raum  – also auch meinem freidenken – entstand das etwas abgewandelte schild:

freiheit Aushalten!

es begegnet uns tagtäglich. ein ready-made! überall da, wo freiheit anlässlich des omnipotenten und omnipräsenten eichmaßes unseres fortschritts eingegrenzt, gefiltert, abgezäunt, verschränkt wird – es kommt auf die lesart an.

wie in so vielen dingen im leben sollte man wissen, ob man aufgrund eigener bewegung vorwärts will oder lieber fortschreiten lässt. freiheit muss man in der tat jeden tag aushalten können, wenn man menschlich wachsen will. aber wem sage ich das … raum ist universell und denken ist universell. zunächst.

es kommt mehr hinzu:

dass der mensch das aushalten nicht immer kann, sieht man, wenn er mit echter freiheit konfrontiert ist, z.b. allein in einem großen raum, oder vor der entscheidung zwischen einer unbestimmbaren chance und einer sicheren rezeptur wählen zu müssen. und das ist menschlich.

aber: wir sind so ausgiebig und umfassend mit rezepturen für alles und jedes – mit produkten – umgeben, dass wir es gar nicht mehr wissen, wie man aus nichts etwas machen oder aus einem toten ort einen lebendigen platz machen kann. dass das spaß machen kann! unsere „neue realität“ (oder auch erweiterte realität der jetztzeit) hält uns bereits an sanften fesseln. wir müssen nicht mehr entscheiden. alle bedürfnisse sind schon gedeckt und erzeugt. die „dritte industrialisierung“ rollt. die produkte werden immer besser. uns geht es blendend.

was also müssen wir eigentlich noch aushalten? oder was treibt uns noch an?

aushalten müssen wir sogar einiges; all jenes, das von perfekten produkten nicht bedient werden kann. von z.b. unvermittelter und ungehinderter aggression durch menschen, die dem selbstdarstellungszwang im engmaschigen netz angepriesener ‚freiheit‘ nicht mehr standhalten über die – sinnlich aggressive – überfülle an „unnötigen“ informationen im stadtraum bis zu den tatsächlichen sinnlichen beanspruchungen, zu denen wir kaum noch vordringen, weil keiner mehr den sinn und einfluss perfekter produkte auf unsere frei(t)räume hinterfragt.
angetrieben werden wir trotzdem von mehr als dem erhalt der existenz. von neugierde, von der eigendynamik unseres bewußtseins. dem folgen wir so selten ernsthaft, dass immernoch die mär von der notwendigkeit der 40h-woche oder das paradighma (paradoghma?) von der leistungsgesellschaft funktionieren.

womit wir wieder beim fortschritt sind.

und jetzt explizit zum (auto)mobil, weil das z.t. hinter meiner argumentation steckt – als metapher: ich selbst bin überzeugt, dass die ikonen unseres gesellschaftlichen fortschritts uns womöglich ungeheuer aufhalten. das kann jeder jeden tag auf den einfallstraßen der großstadt beobachten. keine zeit für einfälle. ausfälle vielmehr. abfälle sowieso und abgase. stress. unsinn.

das perfekte sinnbild einer trägen, ungebremsten hülle (aus versprechungen), die das eigene agieren altern läßt und behäbig macht und unbeherrschbar die lebenszeit rafft.

in dresden möchte man dem nun mit echtzeit-verkehrsbeeinflussung begegnen. siehe den film „the italien job“! „welcome to dresden’s automated traffic control and operation centre“. die einbahnstraße in den köpfen, die schranken, die unsichtbaren roten ampeln, der subtile gasfuss im täglichen leben (z.b. beim morgentlichen schwimmen der berufspendler in der freiberger straße); das alles wird davon nicht verschwinden. und das ist nur ein laster unserer fortschrittlichen gesellschaft, der/das nichts trägt. nicht nur aus der atomkraft sollten wir bald aussteigen.

soviel zum kulturpessimismus ;)

ich träume von einer gesellschaft, in der wir die freiheit haben uns so zu bewegen wie wir das für richtig halten und zeit zum entdecken haben.

spaziergänge helfen dabei, sich ein paar dinge in echtzeit genauer anzusehen und zu reflektieren. nicht nur das sichtbare, auch das dazwischen. den raum zu öffnen durch das bewußte und nur mental zielgerichtete bewegen ohne ziel. sie machen optimistisch, weil alles noch vor uns liegt. der „innere visionär“ der schamanen ist nicht so abwegig. gehen und denken interagieren. im spazierengehen überlagern sich wahrnehmung und auseinandersetzung. zumal im dialog mit mitgängern. perspektiven wechseln dynamisch. das „dynamische seminar“.

davon gab es dieses jahr bereits einige und wird es weitere geben; in pieschern, in löbtau, in der friedrichstadt und dazwischen…

bitte aussteigen.

ps: 4. september 2011: freiheit Aushalten! bei google googlen und staunen. kultur ist ein prozess paralleler gedankenwelten, die irgendwann aufeinandertreffen. interessant dabei sind buch und theaterstück!