Streifzüge Johannstadt Wohnkultur Logo Favicon

Einladung auf die Johannstädter Streizüge

Ab Sofort wohnt & arbeitet der Kultur!ngenieur einen Monat für die Ausstellung Wohnkultur – zum Bauen und Wohnen nach 1945 in der Johannstadt und geht dabei mit älteren Menschen auf Streifzüge in deren persönliche Erinnerung an den Stadtteil.

Die Wohnung ist auf der Wormser Straße 24c in 01307 Dresden-Johannstadt. Erreichbar unter 0176 24083754.
Der Arbeitsort ist die Johannstadthalle auf der Holbeinstraße 68 in 01307 Dresden-Johannstadt. Erreichbar unter 0351 4469568.
Das Tagebuch des Projektes führt der Kultur!ngenieur auf der Website Streifzüge Johannstadt.

Orte der Erinnerung
– Ein Arbeitsaufenthalt zur Architekturfotografie verbunden mit einem Workshop für Senioren

6 Wochen lang lebt und arbeitet ein junger Fotograf in der Johannstadt mit dem Ziel, zusammen mit Senioren Orte deren Erinnerung aufzusuchen und zu dokumentieren. Ausgangspunkt sind dabei private Aufnahmen der Workshopteilnehmerinnen und –teilnehmer, die um aktuelle Aufnahmen dieser Orte ergänzt werden. So kann sich Dokumentarisches mit einem aktuellen Blick, Erfahrungswissen mit künstlerischer Betrachtung vermischen. Die künstlerische und generationsübergreifende Auseinandersetzung mit dem Baubestand der Johannstadt, ihrer Erinnerungskultur, mit dem Stadtteil an sich wird zum Arbeitsfeld.

Die „Johannstädter Streifzüge”

In Zusammenarbeit mit der Ausstellung „WohnKultur – Bauen und Wohnen nach 1945” in der JohannStadthalle entwickelt eine kleine Gruppe von 8 bis 10 Senioren im Frühsommer eigene fotografische Ausstellungsbeiträge. Diese sollen sich mit dem Ober-Thema „Raum – Zeit – Perspektiven” beschäftigen. Oder anders gefragt:

* An welche Orte in der Johannstadt erinnern sie sich besonders?
* Zu welchen Zeiten oder Zeitabschnitten haben sie die Johannstadt kennengelernt? 
* Mit welchem persönlichen Blick schauen sie heute auf die Johannstadt?

Ab Mitte Mai vereinbart die Gruppe  Termine zum Kennenzulernen und Spazierengehen in der Johannstadt sowie mehrere Einzeltermine um ihre fotografischen Interessen und vorhandenes Bildmaterial zu sondieren. Vom 3. bis 30. Juni dann betreibt das Team vier Wochen lang intensive Stadtteilforschung und Fotografie. Orte und Menschen werden z.T. (erneut) aufgesucht und individuelle fotografische Perspektiven auf Raum & Zeit in der Johannstadt entwickelt. Die Workshop-Termine werden gemeinsam geplant und gestaltet. Am Schluss steht die Vorbereitung von ganz persönlichen Foto-Beiträgen zur bestehenden Ausstellung „WohnKultur” für die Eröffnung in einer gesonderten Veranstaltung Anfang September 2013. Felix Liebig, Kultur!ngenieur, leitet und begleitet die Senioren methodisch bei ihren Streifzügen, ihrer Bildfindung und Auswahl. Er wird wie sie in der Johannstadt wohnen und sich ganz dem Stadtteil und den Menschen dort widmen.

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Wohnzimmersp!onage #15 Willst’e druff?

Foto & Grafik: Felix Liebig

November 2012: Wohnzimmersp!onage #15 Willst’e druff?

++ Zeitpunkt: Freitag, 16. November 2012 um 19:00 Uhr ++ offizielle Dauer bis ca. 21 Uhr ++
++ Gastgeber: Michael Pietrusky („Ureinwohner“ des Stadtteils), Überraschungsgastgeber aus Stadtgeschichte, Kunst & Kultur ++
++ Treffpunkt: Tram-S-Bahn-Haltestelle „Bahnhof Mitte“ der Linien 2,6, 10, S1, S2 vor dem Haupteingang von Möbelhaus Poco ++
++ Geolink ++

Idee >>> Willst’e druff?

„Willst’e druff? kennt der Urdresdner aus diesem Kontext: Als die Carolabrücke noch neurussisch Dimitroffbrücke hieß, bildete sich schnell das Volkwort „Die mit roff und die mit roff.“ Jene Gruppe von Menschen, die das aussprach, wohnte damals schon in der Seevorstadt und der Wilsdruffer Vorstadt–Name der letzteren selbsterklärend. Dort nämlich wurden einige der ersten Dresdner Nachkriegswohnungen gebaut. In denen wohnen viele der Dresdner der ersten Nachkriegsstunden noch heute. Ihr Nachwuchs hat dort viele Jahre verbracht, Freunde, Treffpunkte und Verstecke an allen Ecken erkannt und ein herzliches Verhältnis zum Stadtteil entwickelt. Die komfortable Würze der Kürze des Arbeitsweges eingeschlossen. Die nicht ungünstige Lage im Innern des ehem. „26er Rings“ auch. Die Spionage ist in der glücklichen Lage, einen dieser Herangewachsenen dabei zu haben und mit ihm gemeinsam und seinem Spürsinn in die Nacht in der Willsdruffer Vorstadt zu zieh’n.

Die Spionage beginnt am Bahnhof Mitte, wo man in alten Markthallen Wohndinge kaufen kann. Sie folgt Bauepochen vom barocken Zwinger bis zum neumodernen Townhouse. Sie zeigt politische Nukleoli wie die der SPD, der Linken, der Bücherverbrennungen im 3. Reich und auch der VG am Wettiner Platz. Sie gibt Raum für Fragen an den privaten Haushalt in einem der vielschichtigsten, aber auch alterswürdigsten städtischen Quartiere. Sie mäandert zwischen Leuchttürmen theatralisch-musikalisch-medial-kreativer Hochkultur und dem subtilen Gefüge verbliebener informeller Aneignungen von Stadt da, wo leere Stellen voller „Elbfrieden“ von stockendem Wachstum und sich verjüngender Stadtpolitik erzählen. Sie fabuliert davon, warum gerade Wir hier neuerdings Dresden gestalten ohne es zu ahnen und bald schon Dresden nicht mehr seine Gäste grüßen könnte, sondern Wir hier ebenso ahnungslos „Unser schönes Dresden“ in die Nacht hinausleuchten. Sie berichtet schließlich, warum ein blecherner Bauzaun heute keine bewohnbare Häuserzeile mehr ist, sondern ein fast 3.000 € teures Spontankunstwerk.

WZS #15 stellt die Frage: Wenn Dresden eine Brücke in die Zukunft wäre: Willst’e mit druff?

Ausklang zur Erklärung der Frage bei guten Getränken in einem der ortstypischen Bierkrüge.“

++

im dunkeln ist gut munkeln, stubenhocker aufgepaßt, die wohnzimmerspione kommen! ob löbtau, pieschen oder london – nachtspaziergänge zur lage des privaten haushalts.

die „wohnzimmerspionage“ ist ein hinterwitziger stadtteilspaziergang bei laternenlicht: investigativ & interventionistisch. ziel ist es den abendlichen haushalt im jeweiligen viertel unter die lupe zu nehmen und dabei zum streunerischen aufenthalt im freien und diskursiven ruhen auf der couch anzuregen. hoch vom sofa zuhause und rauf auf’s sofa bei jemand anderem! vielleicht in einem anderen stadtteil, vielleicht nebenan. mehr dazu im leitartikel!

++ ein format von kultur!ngenieur felix liebig in kooperation mit gastgebern & gästen. ++

Wohnzimmersp!onage #14 Wohn-Industrie

foto & grafik: felix liebig

September 2012: Wohnzimmersp!onage #14 Wohn-Industrie

++ Zeitpunkt: Freitag, 21. September 2012 schon um 18:00 Uhr ++
++ Gastgeber: Dieter Haufe (Geschichtsforscher & Experte für Industriegelände und Albertstadt), Überraschungsgäste aus Stadtgeschichte, Kunst & Kultur ++
++ Treffpunkt: Tram-Haltestelle „Industriegelände“  der Linie 7 & 8, Eingang Industriegelände, Hermann-Mende-Straße 1, 01099 Dresden ++
++ Geolink ++

Idee >>> Wohn-Industrie

„Mensch und Maschine haben sich im Industriegelände bald acht Jahrzehnte der kapitalistischen Kriegsproduktion gewidmet. Danach gaben sie sich der sozialistischen Utopie hin. Nun dienen sie wieder in den alten Hallen – zu großen Teilen der postindustriellen Dienstleistungsindustrie aus Automobilismus, Werbung und Tourismus, auch weiterhin dem Staat. Jetzt drehen wir den Spiess um. Im Industriegelände machen Menschen seit längerem schon gute Dinge für sich und andere, intervenieren in kleinem Masstab und nutzen die Maschinen zu klugen Zwecken. Darüber sollte gesprochen werden. Auch darüber wie ein großer Wohnkonzern sich ins Gelände geschlichen hat. Die Wohnzimmersp!onage betreibt deshalb ausnahmsweise Industriesp!onage und lädt damit zum bewegten Diskurs über den menschlichen Masstab. Hier wird, wenn nicht gewohnt wird, auch nicht in der eigenen Werkstatt, doch wenigstens am Wohnen gehobelt, getanzt, gerockt, gefeiert. Samt allem, was darum herum noch interessiert, z. B. Wandkunst, Musik und Film…“

Der Abend beginnt um 18 Uhr an der Haltestelle „Industriegelände“, Eingang zum Industriegelände mit einem ca. 2-stündigen Spaziergang. Begleitet wird die Tour von Dieter Haufe, der sich in Albertstadt und Industriegelände als ehrenamtlicher Geschichtsforscher besonders gut auskennt. Der Abend wird abgerundet von einer Filmprojektion an seinem Ende an einem verborgenen Ort.

im dunkeln ist gut munkeln, stubenhocker aufgepaßt, die wohnzimmerspione kommen! ob löbtau, pieschen oder london – nachtspaziergänge zur lage des privaten haushalts.

die „wohnzimmerspionage“ ist ein hinterwitziger stadtteilspaziergang bei laternenlicht: investigativ & interventionistisch. ziel ist es den abendlichen haushalt im jeweiligen viertel unter die lupe zu nehmen und dabei zum streunerischen aufenthalt im freien und diskursiven ruhen auf der couch anzuregen. hoch vom sofa zuhause und rauf auf’s sofa bei jemand anderem! vielleicht in einem anderen stadtteil, vielleicht nebenan. mehr dazu im leitartikel!

++ ein format von kultur!ngenieur felix liebig in kooperation mit gastgebern & gästen. ++

wohnzimmerspionage #11,5 im labyrinth der wohnkunst – die nachlese

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fotos: felix liebig – 9. juni 2012

der kultur!ngenieur war kurzfristig eingeladen am“spirnghouse 2012“ mit einer wohnzimmersp!onage teilzuhaben. er sagte zu, konzipierte einfixdrei #11,5, war vorbereitet und war da. die einladung seiner gastgeberin aus der wohngemeinschaft war aber sehr viel willkommenheißender als die der kuratorin des projektes. er wurde also vor ort von der veranstalterin nicht willkommengeheißen. so kam nur eine halbe wohnzimmersp!onage, #11,5, zustande. schade. das projekt ist nämlich spannend und das spionieren in haus und hof der „pension froehlich“ war durchaus ein vergnügen.

die in mehreren privaträumen mit bleibender wirkung verwirklichten kunstprojekte überzeugten vielleicht nicht alle durch ihre qualität an sich, aber fast alle durch ihre situative kunst das intime wohnen und das allgemeine leben zusammenzubringen. im keller gab es konzerte. zwischen keller und hof war eine bar. im hof war der aufenthaltsbereich und wurde später – nunja – fussball geschaut. aber: dabei wurden haare geschnitten. eine völlig neue erfahrung und ehrlich: viel spannender zum zuschauen als fussball. und zum philosophieren über das leben mit netten banknachbarn.

die von mir eigens für die spionage aus ihrem garten gelockten bekannten in der südvorstadt besuchte ich dann kurz zwischendurch um mich bei ihnen zu entschuldigen, mit ihnen ein paar worte über das leben zu wechseln und ihre wohnung mal wieder von innen zu sehen. 50er jahre wohnungsbau der ddr. der ganze kontrast zur großzügigkeit der villa, in der die pension froehlich unter einer 93-jährigen rüstigen dame in einer vorherigen schreinerwerkstatt eingemietet ist. schon deshalb ist der raum dort vielschichtig und für die bewohner interpretier- und gestaltbar wie es in den vom bauhaus industrialisierten wohnprozessen auch der 50er jahre nicht möglich wäre. in der villa fließen innen und außen am ende doch zusammen. werden eins. offene architektur.

das in dresden bekannte architekturbüro kilianarchitekten lieferte einen punktgenauen zweistündigen formalästhetischen architekturspaziergang durch südvorstadt (wiki) und campus der tu dresden (wiki) mit fundiertem hintergrundwissen um historie und baudetails ab und wurde dafür reich mit blumen und bier belohnt. ungesehen blieben aufgrund der disposition all die dinge, die eine wohnzimmersp!onage zum licht des tages bzw. zum dunkel der nacht bringt und die in diesem stets bürgerlich geprägten stadtteil auf besondere weise von der verbindung der menschen mit ihrem „wohnglück“ – und darin nicht minder der kunst, auch der aneignung der umwelt – in verschiedenen zeiten, aber auch dem unglück unterschiedlicher formen der zerstörung berichten. die bilder zeigen es.

wohnzimmerspionage_elf komma fünf im labyrinth der wohnkunst

foto & grafik: felix liebig

juni 2012: wohnzimmerspionage_elf komma fünf im labyrinth der wohnkunst

++ zeitpunkt: samtag, 9.6.2012,  ÄNDERUNG: 18 bis 21 uhr ++
++ gastgeber: springhouse 2012 @ pension froehlich ++
++ treffpunkt: pension froehlich, rugestraße 9, 01069 dresden ++

idee >>> im labyrinth der wohnkunst

so verwoben das wohnen der pension froehlich in der ehemaligen schreinerwerkstatt mit ihren winkeln und verstecken, so verwoben sind die künste mit der stadt. hier, in der südvorstadt, wo menschen durch türen und katzen durch ihre klappen schlüpfen, lädt die wohnzimmersp!onage # 11,5 zum ausspionieren großer & kleiner künstlerischer setzungen im labyrinth des stadtteils, im wohngespinnst des hauses ein. vom wohnen für die kunst im „springhouse“ 2012 bis zur kunst des wohnens im „schweizer viertel“ schlägt der hinterwitzige abendspaziergang einen bogen über den campus der tu dresden und wagt sich auf und in ein paar echte höhepunkte des stadtteils.

im dunkeln ist gut munkeln, stubenhocker aufgepaßt, die wohnzimmerspione kommen! ob löbtau, pieschen oder london – nachtspaziergänge zur lage des privaten haushalts.
die „wohnzimmerspionage“ ist ein hinterwitziger stadtteilspaziergang bei laternenlicht: investigativ & interventionistisch. ziel ist es den abendlichen haushalt im jeweiligen viertel unter die lupe zu nehmen und dabei zum streunerischen aufenthalt im freien und diskursiven ruhen auf der couch anzuregen. hoch vom sofa zuhause und rauf auf’s sofa bei jemand anderem! vielleicht in einem anderen stadtteil, vielleicht nebenan. mehr dazu im leitartikel!

++ ein format von kultur!ngenieur felix liebig in kooperation mit gastgebern & gästen. ++

wohnzimmersp!onage elf studentenleben – die nachlese

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fotos: felix liebig – 18. mai 2012

nein, keine industriespionage, das machen andere.

die wohnzimmerspione trafen sich am wohnheim in der fritz-löffler-straße beim club novitatis und bekamen gleich erstmal die volle breitseite vom „dresdner nachtskaten„.

dann aber wurde es spannend, denn der weg führte erstmal in das wohnheim und auf das dachgeschoss. auf beiden seiten von den markanten dresdner plattenbauzehngeschossern gerahmt, philosophierten wir über die frühere studentenklubkultur auf dresdens dächern, die noch heute mit 16 klubs zur stärksten im lande gehört, ebenso wie die möglichkeit, hier wieder zu wohnen, zu arbeiten, zu feten… raum wäre hier dafür.

und da wir schon im wohnheim fritz-löffler-straße 12 unterwegs waren, trafen wir auch gleich auf studenten, die bloß mal einen schlüssel für die kulturräume im keller abgeben wollten. die schlüsselverantwortliche wg spendierte uns keinen einblick in ihre wohnzimmer, aber die schlüsselgewaltigen studenten nahmen uns mit in den anderen aufgang. sie zeigten uns spontan eine wohnung. das war insofern interessant, weil die nette gastgeberin bei einer kollegin eine medieninformatik-hauptfach absolvierte und ihre wandinstallation zum moirée-effekt uns sehr in bann nahm. auch zu den zahlen kamen wir noch. 210 € all inklusvie für 18 qm. heute wohnen einige schon wieder lieber im studentenwerk, weil es dort billiger und vielleicht auch einfacher ist als auf dem nun dichten wohnungsmarkt in dresden.

treppenhäuser und zugänge haben hier die üblichen abnutzungsspuren, sonst aber wirkt alles recht steril beim studentenwohnen im studentenwerk. es muss eben für alle funktionieren.

angekommen: der nette herr ist einer von vielen, die momentan in dresden „angekommen“ sind. auf plakatwänden.

dann näherten wir uns schon der eigentlichen studentenstadt, die nachts noch imposanter und vielleicht auch undurchdringlicher wirkt als tags, wo die sanierten hochhäuser in der sonne glänzen. auf das hochhaus hochschulsstraße 48 stiegen wir dann bzw. fuhren wir hinauf. zwei fahrstuhlgäste auf dem weg nach oben wollten uns leider nicht mitnehmen. vielleicht waren wir nicht überzeugend genug. oder  zuviele? der ausblick allerdings von hier oben war gewaltig. und nebenan büffelten sogar nach (dieser) himmelfahrt einige studenten in der 46. sonst wurde der ort als fotospot entdeckt. alles gold! und alles verspiegelt! ein dank den architekten knerer & lang.

von dort ging es in die kleinteiligen untiefen des vorstadtviertels am hang. viele kleine villen. einige alte und neue bzw. sanierte kirchennahe bauten. durchaus auch das ein oder andere schmankerl aus dem neuen bauen der 20er jahre ist dabei. ein viertel, das mit der neuen uni auf dem heutigen campus erwuchs und in dem der kultur!ngenieur acht jahre wohnte. peter kulka, bedeutender dresdner architekt, baute dem witzigen herrn prof. z., der die technische mechanik bei den bauingenieuren unterrichtet, sein hübsches „haus z.“ in der patrice-lumumba-straße. wohlan: dresdner gedenkkultur versteckt sich im tiefsten wohnen. lumumba war einer der vordenker einer heute wieder kurrupten und seitens allerwelt ausgebeuteten sog. demokratischen republik kongo. gegenüber grüßt eine antagonistische kleindeutsche idylle.

schon bald trafen wir aber wieder auf eine wand aus hochhäusern. die stehen an der wundstraße. das letzte wird vom freistaat nun gerade saniert. eine freundin projektierte die nummer sieben beim büro ag zimmermann. heute macht sie mode unter dem label „rotyve“ und das sieht man dem bau schon an. auch das rot. beides mit liebe zum detail, aber ich fange an zu schwärmen…

„möbel röthing“ dagegen betreibt zwei werbeschilder auf dem zelleschen weg um kunden zur fahrt die paradisstraße hinauf zu locken. ebenso rot leuchten nachts durch die kamera die balkons.

weiter westlich saßen auch nachts um elf noch studenten – der medizin? – unten tief im lesesaal der SLUB und paukten offenbar anatomie. die anatomie der slub, die ja an bücherrücken erinnern soll und uns auch an den netten herrn vor dem bücherregal auf dem plakat erinnert, gleicht bisweilen aber eher den bambusstangengerüsten in asien.

schlussendlich beim gastgeber jendrik sahen wir uns mit gründerzeitlicher und neuzeitlicher kosmetik konfrontiert. die charme menschlicher kosmetik bleibt unerklärt. der der baulichen kosmetik liegt im detail. die wohnung hat übrigens zwei türen und nicht jeder hat beide schlüssel. hm.

die nacht ging zu ende mit einigen episoden des „minecraft“-filmers „gronkh„. das ist auch eine domain unseres gastgebers gewesen, der nicht nur zockt und platten auflegt, sondern auch mal physik studiert und damit besagte himmelfahrt verbringt. mit „minecraft“ kann der mensch – so er denn will – auch wohnlandschaften bauen und nichts anderes erklärt der „gronkh“ zu beginn seiner filmografie.

plötzlich sah die studentenstadt seltsam kubisch-kubistisch aus und der „menger-schwamm“ und der filmthriller „cube“ oder auch der „rubikwürfel“ wurden eigenartig real. vielleicht sind studenten doch wundersame fabelwesen, die es schaffen zwischen freigeisterei & zielgruppenverhalten ihren lebensweg auf ganz anderen ausgeklügelteren wegen zu gestalten?

wohnzimmerspionage_zehn_wiederseh’n – die nachlese

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fotos: felix liebig, sebastian löder – 20. april 2012 – fotos sind z.t. spionagebedingt unscharf
text(e): felix liebig, sebastian löder

das wiederseh’n war in der tat ein zusammentreffen mit alten bekannten: der friedrichstadt, na klar, aber auch menschen, die der kultur!ngenieur nicht erwartet hätte an diesem abend. eine freude! gefreut habe ich mich ebensosehr über udo wargowske aus dem päppelmannhaus und erich riedel von der ig historische friedrichstadt als ortskundigen, geistreichen bis hintersinnigen und illustrativen kulturspionen. ihr wissen ist hier niedergeschrieben. danke.

anbei die destillierten ausführungen des partnerblogs „halbrundes zimmer“ und dort auch die bilder:

„Im Dunkeln die Friedrichstadt erkunden. Geschichte und Geschichten von Adeligen, Hausbesitzern, Brunnen und Schnellrechnern. Den lyrischen Keller gesucht, eine geschlossene Gesellschaft gefunden, Landartstimmung mit Echtholz im Neubaublock, Bessersche Wandbilder und Reste/Überschiebungen verschiedener Lebens- und Bauzeiten an fast jedem Haus und jeder Ecke. Die Friedrichstadt ist schon ein besonderes Fleckchen.“

auf dem beinahe U-förmigen spionagegang durch die südlicheren teile der friedrichstadt begegneten uns Unmengen Untergründiger Utensilien – mit anderen worten: die friedrichstadt scheint ein ausgesprochen dienstbarer stadtteil zu sein. von a wie altenpflege bis w wie wachsbleiche betrieb und betreibt man hier so ziemlich alles, was mittelbar und unmittelbar mit dem haushalt und so auch dem wohnen zu tun hat. also gar nicht so privat und doch hat jeder bewohner ja auch irgendwo dort oder an vergleichbaren orten gearbeitet. vielleicht erhellt daraus, warum der stadtteil auch heute noch so „abgelegen“ erscheint. er war und ist ein versorgungszentrum von alters her. hier war das vorwerk der könige. im ostragehege nebenan wurde erst gejagt und später geschlachtet.

das kleine kulturalphabet zur lage des privaten haushalts in der friedrichstadt:

mit A fing in der friedrichstadt nicht alles an, sondern hörte vieles auf – wie abriss. noch 1989 es gab man signal zur sprengung auf der schäferstraße. da standen die plattenbauten auf der südseite schon. so gibt es durch den wendebruch hier jede menge brachen. die machte das kulturprojekt „R.A.U.M.citybrache“ zum inhalt und projektraum. eine B wie brauerei an der bräuergasse oder auch einen „bananenrichter“, bei dem es – wenn denn mal – die gelben krümmlinge gab. schon vor dem krieg. das hat eine gruppe um den herrn B wie besser im projekt C wie „citybilder“ nun an der brandwand der adlergasse 16 aufgegriffen. dieses und das haus um die ecke gehören noch heute dem nachfahren emil richter, der zwei plaketten zur familiengeschichte in dem haus wachsbleichstraße 1 anbrachte. die D wie dinterstraße ist wie auch die vorwerkstraße heute vom krankenhauskomplex unterbrochen. an ihrer ecke zur wachsbleichstraße fand sich ehemals ein friseur namens philipp. ein E ist mir nicht Untergekommen. im zentrum steht dafür F wie friedrichstadt. besser gesagt Zentral, denn im anderen kulturverein im stadtteil, dem friedrichstadtZentral gab es am tag drauf die sichtIbetonIungIsieben. die lud zum „tanz der klischees“. weiter oben am hohenthalplatz gab es eine G wie gullideckelfabrik mit dem illustren namen „kelle & hildebrandt“. noch heute findet man sie in der stadt – die gullideckel. H wie „hilde’s bierstuben“ standen drüben an der schäferstraße. nicht das einzige lokal im viertel. in einem anderen in der bräuergasse gab es angeblich mehr als genug schlägereien. die jungs vom hafen waren nicht weit. übrigens hieß „1/4 friedrichstadt“ ein projekt des riesa efau, dem wir heute die geäzten metallschilder mit geschichtlichen und kulturellen hinweisen an laternen im stadtteil verdanken. I und J sind leider nicht verzeichnet. aber K wie kristallpalast war einer der knüller auf unserer runde. ungefähr am heutigen ort der L wie lyra stand nämlich einst ein prachtvoller ballsaal. ob das coop himmelb(l)au bzw. die ufa bei ihrem renommierprojekt, dem kristallpalast an der petersburger straße wussten? aber den hat wohl der volksmund erfunden. im übrigen ist die lyra als kneipe vermutlich in den kellern des damaligen ballhauses eingerichtet, wo man noch heute kegeln kann und nur ein pförtnerhäuschen auf der oberfläche der erde von den dionysischen abgründen im Untergrund zeugt. wir hörten frohe stimmen und trauten uns dann doch nicht in die tiefen. achtung: verwechslungsgefahr. denn die lydia war die angeblich erste christin. das kann zu blitz und donner zwischen himmel und hölle führen. folgt M wie „meisel’s“ brauerei. noch eine, die nahe der schäferstraße gewesen sein soll. mit M spricht sich auch das wort mauer, das der wachsbleichstraße ihr etwas undurchsichtiges gepräge gibt. und N wie neptun heißt der gute mann, der dem brunnen hinter ebendieser mauer seinen namen lieh. wenn er wüsste! der brunnen ist nun im zweiten sanierungsabschnitt, das komplette becken ist weg und die randsteine beiseite gestellt. interessant ist, dass ein paar schritte weiter ein garagentunnel bedenklich nah an den brunnen führt. zu allem guten auch das nicht so gute: N wie nazibauten, sie gesellen sich an der ecke berliner / vorwerkstraße in das vielschichtige bauhistorische bild der friedrichstadt von barock bis gegenwart. nicht o, aber die ö wie ölmühle stand einst direkt an der weißeritzstraße. sie ist schon lange weg. das bild eines freundes finde ich nicht mehr. es hängt noch in der ausstellung der ag stadtdokumentation im kino in der fabrik. die „citybrache“ hatte zuletzt ihre lettern an dem giebel des baus. nun steht das betonarmierte hinterhaus neben den losegebrochenen steinen des bruders allein auf weiter flur. auf dem grundstück war ehedem ein gemüsehändler, später ein trödler und heute ein sandsteinlager. das alte dresden wird hier nun in „berliner-mauer-andenken-format“ verkauft. das P wie pfarramt stand anstelle des heutigen schwesternheimes am hohenthalplatz. man kann es nur ahnen, denn der friedhof ist gleich nebenan. R wie riesa darf nicht fehlen. das „stadt riesa“ war ausgangsort dieser zweiten spionage in der friedrichstadt und versteht sich für viele als „wohnzimmer“ des stadtteils, gar der stadt überhaupt. riesa efau – dazu ist nicht viel zu sagen, denn der kulturverein spricht mittlerweile für sich. da war auch ein S wie „schnellrechner“, der früher als die waage und wohl auch der liebe herr im himmel den preis der ware erriet. himmlischer waren sicher nur die schafe beim S wie schäfer am anfang der schäferstraße. doch das ist lange her. zu T fällt mir nur ein: tut mir leid, kein eintrag. bitte schauen sie später nochmal rein. U wie untergründig wurde eingangs erwähnt. sogar einen V wie vogel gab es, allerdings einen der nicht storchengleich kinder bringt, sondern nur kinderwagen zum transport derselben anbietet. früher war auch er an der schäferstraße. es gibt ihn nun nahe dem postplatz. und auch – ein zufallstreffer – in briesnitz unterhalb der kirche. in der W wie wachsbleiche bleichte man übrigens das kerzenwachs, das heute bunt oder doch wieder naturbelassen sein soll. x, y, z – wär nett, aber wurde nicht verzeichnet…to be continued.

ein kurzschluss:

die friedrichstadt wird (hoffentlich) noch einige zeit das experimentierfeld sein, das sie ist. sie dient, sie umsorgt, sie behaust menschen in vielfältiger form. sie hat bereits eine qualität. nur die passt nicht in die bildvorstellungen vieler in dresden tätiger und lebhafter menschen.