Sommercamp futOUR

Das Sommercamp futOUR war ein wichtiger Baustein in der Entwicklung des Arbeitsfeldes kulturelle Jugendbildung zur Stadtentwicklung.

Fotos werden aufgrund der Bildrechte hier nicht gezeigt, siehe Website unter Bildergalerie.

Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung in Berlin veranstaltet jährlich das Sommercamp futOUR. Das sind zwei Jugendcamps z.Z. in Naumburg / Sachsen-Anhalt und Genewiko / Brandenburg. Die Idee das Camps in meiner Version liegt im Heranführen junger 12 bis 14-jähriger Menschen aus Berlin an die Berufswahl mit Mitteln des Projektlernens.

Ich bin als sog. Teamer im März 2011 in das Team aufgenommen worden, das von den beiden Camps die Fahrt nach Naumburg in das Sporthotel Euroville organisierte. Als Neuling in der Camp-Szene und lediglich Ferienlager-erfahrener Kulturarbeiter eine völlig neue Welt! Zuvor absolvierte ich beim Jugendverein Roter Baum in Dresden die JULEICA und brachte mich mit einem Kurs für Lebensrettende Sofortmaßnahmen beim DRK auf den neuesten Stand für das Camp.

In der Durchführung des Camps erlebte ich drei Phasen:

  • die Vorbereitung des Camps mit zwei Teamertreffen in Berlin und vor Ort in Naumburg und einem offiziellen Treffen mit allen Jugendlichen, Eltern und Organisatoren in Berlin,
  • das Camp mit 20 Tagen Jugendarbeit rund um die Uhr und
  • die Nachbereitung mit dem abermals offiziellen Nachtreffen in Bad Liebenberg.

In drei Teams wurden Projekte vorbereitet und bearbeitet. Gemeinsam wurden Ausflüge veranstaltet und jede Menge Freizeitangebote im Camp gemacht. In unserem Projekt „Platzierung“ (Bau, Planung), das ursprünglich mit dem Thema Energie nach Naumburg gestartet war, warfen wir aufgrund der Vorlieben der Teilnehmer das Thema wieder über den Haufen und orientierten uns neu auf Dinge des täglichen Bedarfs wie v.a. Möbelstücke. Das haben wir und die Jugendlichen im Projekt mit Bravur gemeistert.

Auch die anderen zwei Teams „Inszenierung“ (Stadterkundung / Inrervention) und „Gestaltung“ (Alltagsdesign) waren sehr produktiv. Alle zusammen – und das war das Schönste daran – stellten ihre Ergebnisse zwei Tage lang mitten in Naumburgs Altstadt in einem eigens angemieteten Laden aus. Volle Begeisterung rundum!

Für mich war es eine rundum besondere Erfahrung mit 39 quirligen Jugendlichen und acht bemerkenswerten Teamern zusammenzuarbeiten. Mitgenommen habe ich bis hierher neue Sichtweisen aufgrund der wie ich finde herausragenden Persönlichkeiten unter den Teamern. Ich nehme mit eine neue Einstellung zu Menschen, denn jeder Tag war ein neues Verhandeln der Grundbedingungen des Zusammenlebens mit den Jugendlichen und hat diesbzüglich meinen Blick auf das Wichtigste geschärft. Alles in allem war es ein spannendes und dennoch entspannendes Camp. Natürlich konnte ich auch Naumburg ein wenig kennenlernen, wo ich zuletzt als Kind gewesen war.

Inspiriert hat mich diese Arbeit vor allem im Hinblick auf die auch von u r b a n o f e e l vertretene Ansicht, dass Stadtentwicklung vermehrt über Jugendbildung sta(d)ttfinden sollte. Hieran werde ich weiter intensiv wirken.

die knarks und die krauts und die kunst

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fotos: felix liebig; werke: c/o die künstler & kulturschaffenden

wir drehen am zahnrad,
in der ex. r. krautwald maschinenfabrik.

ZAPFENSTREICH

in diesem besonderen falle vom 1. bis 6 juni 2011 sind es die künstler um conny cobra.
und was dabei zustande kommt, kann der geneigte betrachter hier erahnen …

REVISION

in der zwischenzeit hat sich viel getan,
ich habe das verfolgt,
weitere fotos zeugen davon.

kunst und kultur – vor allem aber selbstbestimmtes handeln – versetzen orte in einen neuen daseinszustand.
auch conny cobra zitiert joseph beuys:

kunst als soziale plastik

was mir in der fabrik als „jungfräulichkeit“ des plastischen erscheint:
die korrespondenz des werdenden,
die poesie des unfertigen.


raumkunst,
kunstwerke,
werkzeuge,
zeugnisse,

ein noch loses sammelsurium reichhaltiger gegenstände.
mitunter microskopisch,
plus die menschen, die diese gegenstände durch ihr handeln erst kontextualisieren,

in ein verhältnis setzen.

hier greift mehr ineinander als ein paar zahnräder,
die übersetzung dieses „gebtriebes“ ist stufenlos:
von  herantasten bis zupacken und wieder loslassen.

der erste gang ist eingelegt für den krautwald–sommer.

u.v.a.m.

ein hoch auf den kontemplativen leerlauf!

Kunst- und Kulturfabrik Krautwald 2011

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fotos war-zustand: felix liebig & ralf nowak, grafiken: conny cobra & nadja nitsche

nachdem das sachsenbad in dresden-pieschen der ig „metropole pieschen“ wiederholt vom liegenschaftsamt für zwecke der kulturellen überbrückung seines vegetativen verfalls versagt wurde, war seit zwei jahren die ehem. r. krautwald maschinenfabrik auf der torgauer straße 38 in das blickfeld gerückt.

bereits seit 2008 waren beauftragt von der metropole pieschen künstler im artist-run-space „koloni“ und angeschlossenem künstlerhaus auf der torgauer straße 40 unter leitung der künstler jens besser & kata huszar ansässig. mit dem eigentümer ist vertraglich eine zwischennutzung gegen miete vereinbart worden. das haus war nach der anlaufzeit gut gebucht. ausstellungen & veranstaltungen fanden regelmäßig statt.

während dieser zeit kamen unregelmäßige gespräche mit den eigentümern bzw. dem hausverwalter des grundstückes zustande. ausschlaggebend für intensivere gespräche war letztlich die übertragung des besitzes auf einen in dresden-pieschen ansässigen bauträger. künstler und vor ort tätige handwerker sowie der bauleiter des bauträgers kamen zunehmend auf dem hof zusammen. als gemeinsamer gesprächsinhalt stellte sich die geschichte des ortes als ex-ballsaal und über hundertjährige maschinenfabrik heraus. ebenso fanden die akteure über ganz alltägliche interessenlagen im umgang mit der immobilie bzw. den anliegen der jeweiligen anwesenheit zueinander.

diese menschliche grundlage im praghmatischen vor ort wurde ergänzt auf der ebene des administrativen im büro:

im zusammenhang mit den vorgesprächen für die zukunftswerkstatt „pieschen 2020“ fanden stefanie fuhrmann und felix liebig den weg zum inhaber des bauträgers. hier wurde die frage nach einer kooperation zur zwischennutzung des als bauvorhaben noch nicht genehmigten saales direkt gestellt.

kunst- und kulturfabrik krautwald 2011.

alltägliche und administrative aktivitäten ergänzen sich weiterhin. inzwischen hat sich eine gruppe von knapp 25 mehr oder weniger aktiven menschen um die metropole pieschen, den trägerverein pro pieschen e.v. und die künstlerin conny cobra in ihrer knark-art.gallery gebildet um das projekt zu begleiten. conny cobra – seit mehr als fünf jahren an diesem ort in dresden pieschen-ansässig und tätig– suchte für den „zapfenstreich“ ihrer gallery einen passenden ort und gibt mit ihrem programm ab 1. juni 2011 den startschuss für fünf monate kunst und kultur in der fabrik. das interesse hat bereits über den stadtteil hinaus regionale und internationale kulturinteressenten und künstler angesprochen und zur sehr schnellen vernetzung geführt – ausdruck für die langzeitwirkung und überregionalität der fortgeführten arbeit einer lokalen kutlurinitiative wie auch des vielfachen mehrwertes einer initialen kulturförderung durch die stadt dresden 2008.

in der knark-art.gallery auf der torgauer straße 24 treffen sich die organisatoren und interessenten nun jeden mittwoch ab 18 uhr.

mit blick auf die verzahnung im stadtteil und bei den menschen hat sich an diesem ort des früheren vergnügens und der arbeit in mehr als 100 jahren kürzlich ein ehemaliger mitarbeiter vorgestellt. das aufräumen und reinigen des raumes geht einher mit diversen erkenntnissen über seine frühere nutzung – nun auch tatsächlich menschlich. mit etwas glück wird uns der frühere mitarbeiter anhand von fotos und zeugenberichten einblick geben können.

die maschinenfabrik verzahnt nun geschichte, kunst und kultur mit den menschen im stadtteil.
das plakat von conny cobra gibt dies ohne gleichen wieder:

zapf_plak

einige der akteure:

stephan popella

– anikó töppel – stawowy media

– nadja nitsche – N2

– susann wagner – schultheater dresden

– ralf nowak – initiator der metropole pieschen

– carsten möller – scargo designbüro

– lothar lange – freiraum elbtal e.v.

rebecca jane jones

– jesn klant & kathrin peine – studio 24 tango argentino

yaelle dorison

brachen.wochen.ende.

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fotos: felix liebig

man könnte auf brachen auch wochen verbringen – soviel gibt es zu entdecken. doch am ende ist es weder gesund noch gänzlich erfüllend. also verabredet man sich für ein paar stunden. und räumt auf. — so geschehen diesen samstag und sonntag.

maschinenfabrik r. krautwald

die auf der torgrauer straße 38/40 vor 1900 noch als ballsaal des „gasthof pieschen“ errichtete anlage diente bis 2006 der r. krautwald maschinenfabrik als produktionsstandort. zahlreiche einträge in den firmenregistern im www zeugen noch von der firma (hier bei google). die metropole pieschen hat diesen raum nun vom 1. juni bis 31. oktober 2011 mithilfe des aktuellen besitzers hölzer wohnbau gmbh für eine zwischennutzung aufschließen können. am samstag morgen haben wir scheiben geputzt und den hof gefegt und aufgeräumt. in einer neuerlichen ‚aufräumaktion‘. auch das braucht eine brache. mehr dazu an besonderer stelle …

leipziger vorstadt

für samstag nachmittag hatte ich spontan freunde gefragt mitzukommen auf eine route durch das ‚gelände‘. zu dritt waren wir unterwegs mit drei unterschiedlichen zielen: graffitis (foto)dokumentieren, zerfall (foto)dokumentieren, sinnliche phänomene inventarisieren. erst die räumliche erfahrungssequenz macht einem klar, was dieses gelände alles in sich birgt. und, was man von den hauptstraßen oder dem überflug bei google zwar ahnt aber eben nicht nachvollziehen kann. dazu ein paar bilder…

schon am freitag war ich zu gast zum „dauerbrenner II“ bei der geh8. am samstag nachmittag stand dort fast alles noch so da, nur weniger leute waren anwesend. von den erstaunlichen (und nicht in jedem fall publizierbaren) ergebnissen der tour sind diese spannend:

die auch bei google.earth sichtbare mondlandschaft ist nun ein räumlich geschlossener jungwald. mit interessanten dschungeleffekten und einigen geschickten menschlichen eingriffen.

es passiert wesentlich mehr in dem gelände als mensch gemeinhin vielleicht annimmt. aber es ist nunmal weitläufig und nicht auf jedermanns weg.

auch hier findet – in ungleich größerem maßstab – ein aufräumen statt, nämlich städtebaulich.

über den seit jahren stattfindenden individuellen raubbau an der ehem. villeroy & boch fabrik (stadtwiki dresden) will ich nicht viel sagen. er geht mit der planerischen bzw. politischen „konjunktur des verschwindens“ kulturhistorischen erbes einher. mich wundert wie wenig respekt menschen vor dem schaffen und der tradition derjenigen haben, in deren waschbecken sie sich z.t. heute noch die hände waschen und mit deren namen (und fliesen) sie sich auch heute stets gern schmücken. hier wird vorr. niemand mehr aufräumen. wieviele menschen wissen, dass sanitärkeramik mit absicht ‚falsch geformt‘ wird, damit sie sich beim brennen aufgrund der eigenmasse in die richtige form verzieht?

zum kontext später mehr …

ex. plattenwerk johannstadt

nahe der trinitatiskirche existierte mit dem segen des amtes für kultur und denkmalschutz der stadt dresden bis vor jahren eine sogenannte „betonzeitschiene“ (homepage). sie verwies auf das ehemalige plattenwerk johannstadt (johannstadtarchiv), aus dem heraus im mindesten die johannstadt großindustriell errichtet wurde. der architekt und künstler ruairi o’brien errichtete die betonzeitschiene gemeinsam mit vielen anderen und unter vermittlung des sonderbaren werner ehrlich als patentiertes „micromuseum“.

das publizierte und gelobte werk, an dem auch ein guter bekannter mitarbeitete, ist nun 200 meter weiter ‚eingelagert‘ – besser beräumt. soweit bekannt wurde es aus grundrechtsgründen und nach langen streitereien abgebrochen. es ging offiziell um bauvorhaben. nicht das erste mal, dass ein vom kulturamt gefördertes und allgemein anerkanntes kulturprojekt unter den hammer der ökonomischen oder rechtlichen interessen gelangte. heute: brache, junge menschen. aber kein offenes museum, in dem die allseits geforderte bildung der (jungen) menschen stattfindet. nur das: die dekontextualisierung kulturellen engagements. nicht auf- sondern abgeräumt.

sichtbetontrinitrashnachmittag

dafür tun ein paar urbane arbeiter dennoch etwas sinniges. am gleichen ort sammelten wir am sonntag nachmittag alles rumliegende zu einer müllskulptur zusammen. der „dosenfriedhof“ und das „konsumopfer“ sind die ergebnisse. installationen, die dem ort im aufräumen und rekombinieren einen in ihm liegenden sinn entlocken und aufzeigen wollen. die ‚museumsfolgelandschaft‘ wurde von uns neu kontextualisiert. wir haben altes und neues bzw. zusammengehörendes, aber zertreutes, zusammengebracht. nebenbei haben wir die ein wenig dilletantische ‚restauration‘ eines benachbarten graffitis betrieben. hierzu das titelbild / die bilder… und der „stadt_gorilla“ auf flickr.

der teufelsberg

in berlin unweit des olympiastadions befindet sich der ‚teufelsberg‚.

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ein besuch dort war neuerlich inspiriert vom profilbild einer freundin auf skype, das eines der sog. ‚radome‚ zeigt. die eindrücklichen schutzkuppeln schützten ehedem abhörantennen. der berg liegt in einem heutigen freizeitareal und ist ziel einer überraschend grossen menge von ‚urban explorers‚. die auffällige – und technisch z.t. aufwendige – fotografische inszenierung des ortes durch die ‚bildtouristen‘ brachte mich der frage nahe:

was haben besuch und bilder für eine bedeutung für den ort und die menschen?

zunächst einmal ging es mir wie vielen: ich hatte mir von der freundin erzählen lassen und nach mehrmaligen ‚drüber stolpern‘ fand sich die passende gelegenheit während eines berlin-aufenthalts. die suche nach einem ‚loch im zaun‘ war hier gar nicht nötig, wiewohl andere gerade darin ihr abenteuer zu finden suchten. im tor zum gelände fehlte eine strebe, der wachdienst gab sich gelassen und expedierte lediglich stichprobenhaft leute von den gedäuden. den rest liest man auf wikipedia und den verknüpften oder selbst gefunden artikeln, videos usw.

der ort bietet bei eingehender auseinandersetzung jedoch zahlreiche weitere schichten des bewußtseins über ihn. nachrichtendienste, trümmerhalden, freizeit, bauprojekte, erinnerungskultur, exploration, … ich konkretisiere die frage kulturtechnisch:

wie hoch ist die identifikation mit diesem ort? warum? was drücken die fotografien der besucher davon aus?

ich spreche hier erstmal erfahrungsgemäß: hinter der identifikation mit etwas liegen emotionale ebenso wie rationale motivationen. bei diesem ort kann ich sagen, dass für mich insbesondere die eher intuitiv-sinnlichen beweggründe eines ‚mysteriums‘ und einer ästhetischen prägnanz zu buche schlugen um dort hinzufahren; erst jetzt vermelde ich rationale motivationen bei der auseinandersetzung mit kulturwissenschaftlichen hintergründen des ortes.

orte wie diesen, das erfährt man bei recherchen, gibt es überall auf der welt. würde man bei google-maps alle radome visuell dechiffrieren, erhielte man eine eindrucksvolle topografie des grossen lauschangriffs. die besondere ästhetik dieses ortes ist die eines (hier) westlichen abhörnetzes namens ‚echelon‚, mit dem geheimdienstliche informationsaufgaben erledigt werden. am teufelsberg: zuerst überwachung des luftkorridors nach west-berlin, jedoch später datenspionage gegenüber dem ostblock durch die usa im ‚kalten krieg‚, heute verödet.

wie weit fortgeschritten diese technologie war und wie ungeheuer ähnlich der diskurs darüber den aktuellen debatten über facebook und den milliardenschweren informationsmarkt dahinter ist, kann man auf einschlägigen web- und video-plattformen nachvollziehen. hier sieht man wieviele menschen in diesen strukturen ihr arbeitsleben binden und wieviel volkswirtschaftliches kapital für das ‚übereinander-spionieren‘ gebunden wird.

hinter spionage liegen immer untiefen des bewussten. menschen sind neugierig. wenn es um macht und geld geht, stellt spionage das vermeintlich probate mittel zum erringen von geopolitischen vorteilen dar. der sonntägliche spaziergang vor ort wird mitunter zur (gegen)spionage. unsere eigenen ’spionage-technologien‘ und diejenigen des militärs stehen in enger relation zueinander, bedingen sich. auf der ebene der information erkunden wir menschen sinnlich ein räumliches phänomen, das etwas ausstrahlt, das wir aber nicht fassen können. wir versuchen ‚der sache näher zu kommen‘. fotografien als informationsträger bieten aufbereitet in weltweiten sozialen medien die chance zur identifikation und wissenvermittlung. der ort trägt lediglich die bedeutungsfolie dafür.

real in berlin nämlich ist dieser ort zerlegt in seine bestandteile. (fast) alles wertvolle ist verschwunden. vandalismus hat das meiste in stücke geschlagen, der rohbau steht noch – und hier zählt wieder die zäsur des öffentlichen interesses: nachdem ein film den ort bekannt machte (siehe wiki) stieg der strom der besucher offenbar erheblich. real-medial: es gab vor ort keine ruhige minute. (re)produziert wird nur noch das bekannte bild, identifikation als wiederkehr des gleichen.

oder erzählt der ort doch eine geschichte? was ist der genius loci?

der ausblick von da oben ist von überwältigender schönheit, sowohl gen sonnenuntergang über den ‚grunewald‚, als auch gen stadt berlin. in richtung innenstadt wird ein städtebauliches phänomen berlin als metropole deutlich: über einem teppich aus steinernem berlin gemäß ‚stimman-plan‚ erheben sich vereinzelte hochhäuser markant im abendlicht, anhand derer und weiterer landmarken bestimmte orte in der stadt leicht auszumachen sind. in jedem fall ist es auch der ästhetische reiz, der menschen hierher bringt. was sie dann entdecken, ist ihrem bildungsstreben überlassen.

liest und sieht man weiter, erfährt man, dass hier vom resort bis zur luxuswohnung schon so ziemlich alles versucht hat, kapital aus dem ort und seinem ‚genius‚ zu schlagen. am eindrucksvollsten ist die verbindung zwischen der damals bereits begonnenen wehrtechnischen fakultät der nazis für ihr ‚germania‚ und dem von david lynch geförderten projekt einer ‚vedischen friedensuniversität‘. wirklich arbeiten tut am ort nur eine unsichtbarer akteur, dessen spuren man überall findet, wenn man nicht nur fotografiert, sondern sich treiben läßt und hinsieht, die informationen sammelt, ruhen lässt und später beim reflektieren einzeldaten zu sequenzen zusammenwachsen lässt.

ich frage mich anhand des zumindest unvorsichtigen umgangs einzelner koryphäen oder gruppen mit einer so breiten identifikation durch die bevölkerung stets, woher einzelpersonen so wenig gespür für ort und geschichte nehmen? auch hier profilieren sich menschen vor o.g. bedeutungsfolie mit ‚ihren visionen‘, wo jedoch ist die gemeinsame vision aller?

am teufelsberg spricht die situation für sich: spaziergänger, location scouts, explorer und wachleute geben sich die klinke in die hand. wer das loch im zaun sucht, wird es finden. wer offene türen einrennen will, findet auch die. der wachmann ist hier kein feindbild. und vielleicht findet er direkten kontakt zu einer globalen ‚community‚, die sich sonntag abend im world wide web wiedertrifft.

zum teufel aber auch!